eltag in Frankfurt.
Str. 30.
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Gießener Zeitung
Erscheint: Samstags.
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd lendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
40. Jahrgang
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1 Milliarde Sachlieferungswert.
In einer von der Reichsregierung veranlaßten Zusammen stellung der Sachlieferungen auf Grund der Dawes- Gesetze sind seit dem 1. September 1924 11 250 Eachlieferungsverträge über Lieferungen im Werte von 892 Millionen Mark abgeschlossen worden. Neben diesen Verträgen liefen dann noch die soge nannten Freiverträge, die sich auf über 100 Millionen Mart beziffern.
Hilfe für die rheinhessischen Unwettergeschädigten.
Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft hatte am Montag die Vertreter zahlreicher Behörden, landwirtschaftlicher Organisationen, den Präsidenten des Landtags und Abgeordnete aller Parteien zu einer Besprechung eingeladen, die den 3wed hatte, die ins Leben gerufenen Hilfsorganisationen für die Unwettergeschädigten in Rheinhessen und Startenburg zusammen zufajfen, um eine Zersplitterung der Hilfe zu vermeiden. Die Aussprache ergab, daß alle von der Regierung bisher unternom menen Schritte gebilligt und eine Kommission unter dem Vorsiz der Ministerialabteilung für Ernährung und Landwirtschaft gebildet wurde, die über die Verwendung der Mittel zu befinden hat.
Brentanos Nachfolger im hessischen Landtag. Als Nachfolger für den verstorbenen Abgeordneten v. Brentano wird Reftor Winter Mainz in den Landtag eintreten.
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Die deutschen Besatzungsziffern.
Nachdem vor kurzem im englischen Unterhaus die Besatzungssiffern mitgeteilt worden sind, sind nunmehr auch von deutscher Seite Besatzungsziffern veröffentlich worden, die auf deutschen Schätzungen beruhen. Danach standen im Frühjahr am Rhein 60 673 Franzosen, 6716 Belgien, 8088 Engländer, insgesamt 75 477 Mann. Die Gesamtstärke der früheren deutschen Garnijonen betrug in dem Gebiet der zweiten und dritten Zone zu jammen 50 907, davon entfielen auf das Gebiet der zweiten Zone 13 337( jest 19 779) fremde Truppen, auf das Gebiet der
Schrift. Heimarbel Dritten 3one 87 570( jezi 55 698) fremde Truppen.
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In der zweiten und dritten Zone verteilen sich diese Truppen auf 115 alliierte Garnisonen gegenüber 26 deutschen Friedenogarnijonen in demselben Gebiet. Unter den alliierten Truppen befinden sich 8646 Besagungsfamilien. Die Zahl der be
Drud, Berlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Bostichedtonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.
Sonnabend, den 30. Juli 1927
Wochenrückblick.
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schlagnahmten Wohnungen betrug zuletzt 9246, darunter sind In Orchies hat er wieder eine seiner sonntäglichen
4492 Bürgerwohnungen. Hinzu kommen noch 2434 Einzelzim mer. Außer diesen zu Wohnzweden beschlagnahmten Räumen find noch für Diensträume, Verwaltungsgebäude und ähnliche 3wede beschlagnahmt: 288 reichs- und landeseigene Baulich Teiten ganz, sowie 46 Baulichkeiten teilweise. Dazu kommt noch die völlige Beschlagnahme von 11 Baulichkeiten der Kommunalverbände und Gemeinden und von 35 Baulichkeiten, die teilweise beschlagnahmt sind. 17 privateigene Gebäude sind ganz und 42 teilweise beschlagnahmt. 17 Schulen sind ganz und 15 teilweise beschlagnahmt. Außerdem mußten für die Unterbringung der Truppen natürlich eine aroße Anzahl von Kafernen zur Verfügung gestellt und errichtet werden.
Weiterer Rüdgang der Erwerbslosenzahl.
Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge ist in der Zeit vom 1. bis zum 15. Juli 1927 m rund 48 000, gleich 8,8 Prozent, zurüdgegangen. Die Ge famtzahl der unterstützten Arbeitslosen hat sich in der Zeit vom 15. Juni bis zum 15. Juli 1927 von 806 000 auf 674 000, alfo um rund 132 000, gleich 14,4 Prozent, verringert.
Der Landesausschuß des hessischen Landbundes tagie am Donnerstag in Frankfurt. In der Situng wurde Bunächst die Neuwahl vorgenommen. Der seitherige Landesvor jizende, Dr. v. Selmolt, wurde einstimmig wiedergewählt. An die Stelle des jeitherigen Stellvertreters, Dr. Dehlinger, der zur Deutschen Volkspartei übergetreten ist, tritt Landwirt Gottfried Bundschuh- Lengfeld. Nach Erledigung einer umfangreichen Tagesordnung wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen die Erhöhung der Beiträge zur sozialen Versicherung wendet.
Parteifähigkeit der Zwangsinnungen
vor den Arbeitsgerichten.
( Gießener Tageblatt)
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In Wien, der österreichischen Hauptstadt, ist nun wieder Ruhe eingekehrt. Das turze Zwischenspiel hat mehr als hundert Menschenleben gekostet. Gewissenlose Hetzer tragen die Schuld; eine große Zahl in Pflichterfüllung ausharrende Polizeimannschaften mußten daran glauben. Das Nachspiel kommt nun im Parla ment. Hoffentlich haben sich die erregten Gemüter so weit abgekühlt, daß nicht neue Gefahren herausbeschworen werden. Die Marineabrüstungstonferenz in Genf tommt immer noch nicht weiter. Die englischen Vertreter waren in der Zwischenzeit einmal zu Hause, wo ihr Verhalten seitens der englischen Regierung ge= billigt wurde. Amerikanische Blätter, die über die resultatlosen Bemühungen der amerikanischen Vertreter zu einer Einigung zu kommen, sehr erbost sind, fordern die Zurückziehung von der Konferenz. In Rumänien starb der König Ferdinand, der, ursprünglich deutsch freundlich, durch die Familie bearbeitet, sich schließlich auf die Seite der Entente im Weltkrieg stellte. Sein Sohn Carol, Anwärter auf den Thron, hatte nach Eingang einer morganatischen Ehe seine erste Ehe mit der Prinzessin von Griechenland scheiden lassen. Er wurde seines Thrones daher für verlustig erklärt, hat aber seine Ansprüche noch nicht aufgegeben. Seit seiner neuen Verheiratung lebt er in Paris, da er sein Heimatland nicht betreten darf. Der legitimen Ehe ist ein Sohn, Michael, entsprossen, der bei erlangter Volljährigkeit den Thron besteigen soll. An Stelle des vierjährigen Thronfolgers wird vorläufig ein Regentschaftsrat die Geschäfte führen. Nun drohen aber Verwicklungen, da Carol anscheinend nicht gewillt ist, so leicht zu verzichten. Dazu kommt, daß er in Rumänien die Bauernpartei auf seiner Seite hat. Zensurierte Meldungen sprechen jetzt schon von blutigen Zusammenstößen. In Frankreich feierte man das einjährige Jubiläum des Kabinetts Poincaré in sonst nicht gewohnter einfachster Weise. Es muß ein nicht gerade ,, einiges" Festessen gewesen sein, daß die Minister ,, pereinigte", da es mehrere Male offen zu Tage getreten ist, daß vier Minister des Pabinetts Poincaré in Opposition stehen. Poincaré versteht es aber, mit halb diktatorischer Gewalt sein Amt zu behaupten und droht mit Frankensturz usw., falls man sich an seine Person heranwagen würde. Hetreden gehalten, in welcher Deutschland Grausam feiten u. s. f. vorgeworfen werden. Der belgische Kriegsminister hat im belgischen Parlament Angriffe gegen Deutschland wegen seiner Reichswehr geschleudert, die zu einem Notenwechsel führten. Energisch hat sich die deutsche Regierung zur Wehr gesetzt mit dem Erfolg, daß die Antwortnoten zu den offensichtlichsten Unrichtigkeiten kein Wort sagen, dagegen immer wieder Behauptungen ohne Beweis aufstellen. Belgien macht es gerade wie ein störrisches Kind, dem man sein Unrecht vorhält und das mit seinem Didtopf behauptet: ,, Und es war doch so!"- Deutschland hat auch seine Sensation. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Hörfing, der gleichzeitig auch oberster Führer des Reichsbanners ist, hat anläßlich der österreichischen Unruhen dem auf beinahe gleicher Grundlage stehenden dortigen Republikanischen Schutzbund, der Gegner der Regierung Seipel ist, ein Ermunterungstelegramm im Namen des Reichsbanners zugesandt und die Regierung Seipel angegriffen. Die Reichsregierung war durch diesen Schritt eines ihrer hohen Beamten gezwungen, sich bei der österreichischen Regierung zu entschuldigen. Die Folge war, daß Hörsing ,, gegangen" ist, da er sich, wie er sagt ,,, den Mund nicht zubinden lassen wolle". Die Reichsbannerleitung hat getagt, hat es begrüßt, daß ihr Führer nun Ellenbogenfreiheit hat. Das dide Ende fam nach: der Reichskanzler Dr. Marr trat aus dem Reichsbanner aus. Welche Folgen das hat, läßt sich im Augenblick nicht übersehen. Es ist aber doch wertvoll, daran zu erinnern, daß gerade das Reichsbanner bei der Präsidentenwahl ganz entschieden für den katholischen Marr eintrat und gegen den evangelischen Hindenburg agitierte. Nun verläßt Marr seine Schildheber und mit ihm wohl viele Zentrumsleute. Das Reichsbanner dürfte damit langsam zu einer sozialdemokratischen Stoßtruppe werden, denn die wenigen Demokraten, die ihm angehören, sind ziemlich einflußlos. Nach einem Beschluß des Verwaltungsrates der Reichspost werden die Postgebühren trotz Opposition aller Schichten erhöht. Nun hat auch eine Unwetterfatastrophe unser Hessenland heimgesucht. Die Gemartungen Stadeden, Udenheim, Nieder- und Oberjaulheim wurden durch Hagelschlag in ein verwüstetes Gebiet verwandelt. Der Schaden ist ungeheuer groß. Hoffentlich ergreift die Regierung auch tatkräftigte Maßnahmen, die sich nicht nur auf Steuerstundung, sondern auf Erlaß und Hilfsaktionen jeder Art erstreden müssen.
In einem besonderen Bescheid vom 1. Juni 1927( III A Nr. 2180) hat der Reichsarbeitsminister die Parteifähigkeit der Zwangsinnungen im arbeitsgerichtlichen Verfahren betont und ausgeführt, daß Zwangsinnungen nach§ 106c in Verbindung mit $$ 100 und 86 der Gewerbeordnung in jedem Falle parteifähig find, ohne daß es auf die Entscheidung der Frage ankommt, ob fie wirtschaftliche Vereinigungen im Sinne des Arbeitsgerichtsgesetzes find. Der Minister fügt dem Erlaß weiter hinzu, daß nach seiner Auffassung und nach Auffassung des Reichsministers der Justiz eine die Arbeitsgerichtsbehörden in der Auslegung des Gesetzes bindende Ausführungsverordnung nach§ 108 des Arbeitsgerichtsgesetzes nicht erlassen werden kann.
des:
Nummer 31
Wie schütze ich mich gegen die Vortoerhöhung?
Dazu veröffentlichen die Frankfurter Nachrichten" folgen
Trotz des einmütigen Protestes der gesamten deutschen Wirtschaft treten am 1. August die neuen Portosätze in Kraft, die eine starke Belastung der Geschäftswelt darstellen. Nur in den seltensten Fällen wird es gelingen, die entstehenden Mehrtosten auf den Kunden abzuwälzen, sodaß diejenigen Geschäfte, die mit einer großen Post ständig zu rechnen haben, eine mertliche Verteuerung ihrer Spesen erwarten müssen. Da die Post ein Monopolbetrieb ist und es andererseits nicht gelingt, die erhöhten Gebührensätze abzuwälzen, d. h. sie in den Preis der Waren einzurechnen, so muß die Wirtschaft zur Selbsthilfe schrei ten. Sie muß eine Rationalisierung des Kontos„ Portospejen" vornehmen und der Reichspost durch die Tat beweisen, daß sie sich auf einem falschen Wege befinde. Sie muss ihr beweisen, daß in einer Zeit, da der Satz, daß niedrigere Preise größeren Umsatz und damit größeren Gewinn bringen, gilt oder gelten sollte, ein Betrieb von dem Umfange der Post nicht den entgegengesetzten Weg einschlagen darf.
Es gilt also, das Problem zu lösen, den Postetat zu ver kleinern, ohne das Geschäft darunter leiden zu lassen. Denn selbstverständlich dürfen die Sparmaßnahmen nicht so weit gehen, daß durch sie vitale Interessen des Geschäftsbetriebs zu kurz kommen. Wie muß also der Kaufmann sich zukünftig verhalten, um ohne Schädigung der Geschäftsinteressen am wenigsten unter der Portoerhöhung zu leiden? Vor allem muß das Prinzip der Drucksachensendung zukünftig weit mehr in den Vordergrund gestellt werden. Dies ist eine Sache der Propaganda, und es ist außerordentlich zu begrüßen, daß der Reichsverband des deutschen Groß- und Ueberseehandels vor angegangen ist und allgemeine Richtlinien aufgestellt hat, die die Geschäftswelt über die möglichen Selbsthilfemaßnahmen gegenüber den Mehrbelastungen, die sich aus den Gebührenerhöhungen ergeben, aufklären sollen.
Die Drudsache muß ganz anders als bisher die Form der allgemeinen Mitteilung werden. Die Kunden müssen sich daran gewöhnen, daß auch wichtigere Mitteilungen, für die bisher die Briefform üblich war, als Drucksache versandt werden. Es darf fünftig nicht mehr die Einstellung herrschen, daß in Drudsachensendungen doch nichts Wichtiges stehe, daß man sie also ungelesen dem Papierkorb anvertrauen kann. Die Porto
erhöhung zwingt die Geschäftsleute, die Form des Briefes mög lichst zu vermeiden und Dinge, die nicht besonders vertraulichen Charakters sind, als Drucksache weiterzugeben. Eine besondere Sandhabe gibt hierzu der neue Posttarif, der den Unterschied zwischen Teil- und Volldrudsache nicht mehr kennt. Bei allen Drucksachen ist erlaubt, handschriftlich, mit der Schreibmaschine, mit Stempel, in Drud oder Pausverfahren folgende Aenderungen vorzunehmen:
1. Eine innere mit der äußeren übereinstimmende Aufschrift abzugeben, sowie in gleicher Weise Absendungstag, Firma, Namen, Stand und Wohnung, nebst Wohnung des Abfenders, seine Fernsprechnummer, die Telegrammanschrift und den Telegrammschlüsses, sowie sein Postsched- und Bankkonto und sonstige geschäftliche Mert- und Kennworte nachzutragen oder zu ändern.
2. Offensichtliche Drudfehler zu berichtigen.
3. Stellen des Drudes zu streichen, Worte oder Teile des Drudes durch Anstriche hervorzuheben und zu unterstreichen. 4. Ziffern an offengelassenen Stellen des gedrudten Wortlautes nachzutragen.
5. Ziffern zu ändern.
6. Sonstige Aenderungen im Wortlaut, sowie Nachtragungen an beliebiger Stelle vorzunehmen. Diese Aenderungen und Nachtragungen dürfen jedoch zusammengezählt nicht mehr als fünf Worte umfassen und müssen in fachlichem Zusammenhang mit der gedrudten Mitteilung stehen. Auch dürfen durch die Aenderungen und Zusätze feine Mitteilungen in verabredeter Sprache entstehen.
Es tann also fünftig in ganz anderer Weise wie bisher mit vorgedrudten Formularen gearbeitet werden. Für die Propaganda, für die in letzter Zeit in vielen Fällen die Briefform gewählt wurde, kommen zufünftig sicher nur mehr Drucksachen in Frage.
Auch sonst gibt es noch zahlreiche Mittel, um der Postverteuerung durch Selbsthilfe zu begegnen. Zum Beispiel kann man allen Kisten, Paketen und sonstigen Warensendungen so= gleich die Rechnung beilegen; das Einlegen der Rechnung in einem offenen Briefumschlag ist durchaus gestattet. Durch eine vorgedruckte Karte kann man dem Empfänger der Ware von der der Sendung beigelegten Rechnung Mitteilung gemacht werden. Lieferscheine tönnen fünftig in Wegfall tommen, wenn an deren Stelle gleich Rechnung erteilt wird. Es wird überhaupt Aufgabe der wirtschaftlichen Verbände sein, durch gemeinsames Bor: gehen aller angeschlossenen Mitglieder nicht unbedingt notwendige Postsendungen, wie z. B. Bestätigung von Zahlungseingängen usw. zu unterlassen. Jedenfalls ist es jetzt Ausgabe auch jeden einzelnen Kaufmanns, dem Postetat seines Geschäftes erhöhte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen; es wird dann sicher


