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Donnerstag, den 22. Dezember 1927.

verunglüdten Waldbaumes und hatte dazu den Vorteil, zur Weihnachtszeit stets greifbar" zu sein. Nur der grüne Behang fehlte; die Blätter der von den Dampfern herangeschafften Ge­müsepflanzen, wie Kohl und Mais, waren mehr dazu angetan, jede Illusion zu ertöten, als zu erweden. In einer viele Rilo­meter entfernten fleinen Dase fand sich wildwachsendes dufti­ges Grün einer Spargelart mit zoten Gamentapjeln. Wegfun­bige Eingeborene wurden einige Tage vor dem Feste abgesandt und brachten auf dem Rüden eines Laftmaultieres in großen Bündeln verwahrt die Tannenerjazzweige an. Jn großen beln mit Wasser gestellt, hielten fie fich bis zum Nachmittage, mo fie dann um den frischgestrichenen Weihnachtsbaum gebun ben wurden. Und wenn auch der Duft der deutschen Tanne fehlte- Weihnachtsstimmung tam doch auf und steigerte sich mit jebem Licht, mit jedem Stüd, das an den Baum gehangen ibur­de. Manches Stüd war dabei, das in der Heimat seit Jahren den Baum geschmüdt hatte und von vorsorglicher Sand in der Seimat schon im Laufe des Jahres geschidt worden war und zauberte bereits beim Aufhängen die alten Erinnerungen wie­der hervor. Lametta und Engelshaar hatte der deutsche Dampfer rechtzeitig gebracht und ebenso ein Weihnachtspalet, an dem man neugierig wie ein Kind oft genug baran geschüttelt hatte, ohne es aber aufzumachen.

Weihnachtsgebäd war auch besorgt. Wo eine deutsche Haus­frau in erreichbarer Umgegend war, hatte sie schon vor Weih­nachten zur Hilfe beim Baden aufgerufen und gern und dank­bar war man bem Rufe gefolgt, auch wenn es Ritte von vielen Stunden in glühender Wüstenhige zurüdzulegen galt. Unter Sachverständiger Anleitung und echt weihnachtlicher Vorstim­mung wurde für alle gebaden und mancher alte Streit, manche Meinungsverschiedenheit wurde rührend" beigelegt.

Mit stiller Ergebung schlüpfte man dann nach allen den Berbereitungen in eln festes Oberhemd, schwarzen Rod oder par Frad. Denn dem weihnachtlichen Festessen, zu dem auch a´le Angejieilten geladen wurden, und der anschließenenden Bei he> rung sollte auch äußerlich ein festlicher Anstrich gegeben werden. Bor dem Hause mehten feierlich die deutsche Fahne rechts und bie befreundete Flagge des Gastlandes links. Denn Weihnachten ist ein deutsches Fest und der Ehrenplak gehörte daher auch der deutschen Flagge.

Nach Tisch wurde der Weihnachtsbaum angestedt. Auf einem langen Tisch lagen die Gaben, die die Firma für jeden Angestellten besorgt hatte, und weihnachtliche Süßigkeiten, jo meit sie dem ausländischen Geschmad entsprechen. Waren deut­sche Angestellte im Wert beschäftigt, so ertönte auch ein deutsches Weihnachtslied zum Erstaunen der Landesfinder, die unter einem " Fest" sich doch etwas anderes vorstellen, zumal die Weihnacht ja tein katholischer Feiertag ist und man eher lustige Tanz­mufit erwartet, als die schwermütigen oder ernsten deutschen Lieder. So tam auch deutsche Weihnachtsstimmung erst auf, wenn man mit deutschen Angestellten unter sich war, oder aber, menn man, nachdem sich der Schwarm verlaufen hatte, allein für fich el ein stilles Weihnachten beging. Die Bilder der Lieben standen dann auf dem Tisch, das Weihnachtspalet wurde auss gepadt, die Weihnachtsbriefe wurden gelesen, die inliegenden Tannenzweige verbrannt und somit die Tausende von Meilen im Fluge der Gedanken überbrüdt. Enger denn je schließen sich die Bande mit der Heimat, von der in gleicher Weise die Gedanken über den Ozean flogen. Eine gewisse Wehmut der Stim> mung war dann meist der Abschluß des Festes, das die Macht der Einsamkeit doppelt fühlen ließ.

Der Bevölkerung des Landes ist der Tag als Geburtstag Christi im deutschen Sinne fremd. Zwar wird um Mitternacht in den Kirchen die gute Nacht" durch die Messe gefeiert und in einigen Familien bürgert sich auch die Darbringung eines Angebindes ein. Aber ein Fest der Liebe im deutschen Sinne, des gegenseitigen Beschenkens mit Gaben, die nicht nur so en passant zusammengekauft sind, ist es nicht. Wo aber einhei mische Familien das Weihnachtsfest in einem deutschen Hause tennen gelernt haben, findet es der Kinder wegen Einzug und lann auch mit einer gewissen Poesie umgeben sein. Aber den heimatlichen Zauber der deutschen Weihnacht kann man nicht lernen; der muß in der Tiefe des Gemütes begründet sein.

Die Nachkommen der alten Urbevölkerung, der Quichua­und Aymara Indianer, die entweder direkte Nachkommen des fiegreichen Infasstaates sind oder damals unterworfenen Stäm

Gießener Zeitung"

men angehören, und die vielfach heute als freie Arbeiter Ver­wendung finden, begehen ihrerseits auch ein Weihnachten mit uralten heiligen Tänzen und Gebräuchen. Und wenn aud dem Feste ein hriftliches Mäntelchen umgehängt ist, so blidt doch bei jeder Gelegenheit der alte ehrwürdige Ursprung durch: das Geburtsfest der Sonne, Sonnenwendfeier, und die Gedanken wandern bewußt oder unbewußt zu den Boreltern zurüd, die an geweihter Stelle, in den Sonnentempeln auf den heiligen Inseln des Titicaca- Sees oder Cuzcos der siegreichen Almuffer Sonne ihren Tribut darbrachten. Zwei Religionen greifen in­einander über: die Religion der liebenden schaffenden Sonne und die Religion der Liebe im chriftlichen Sinne.

Wo Weihnachten aber draußen in der Welt gefeiert wird, auf einsamem Boften oder in deutschen Siedlungen, da feiert echte deutsche Kultur ihr fönftes eft und wirbt für deutsches Wesen. Nicht im Sinne schulmeisterlicher Aufdringlichkeit oder gewollter und darum abgelehnter Provaganda, sondern er­sönlichen echten Deutschtums, das im Berein mit einer auf­rechten deutschen Bolitik in der Heimat eine Möglichkeit ver. heißt, die Welt allmählich wieder zu einer gerechteren Reur­teilung des deutschen Wesens zu befehren und zu einer Achtung vor Deutschland als Staat.

Dr. jur. Dr. phil. Alfredo Sariwig. Bensheim a. d. B.

Bücherbesprechung. Das Buch.

Die größten Bibliothelen der Welt. Eine Zusammenstellung der Bibliothefen von 50 000 und mehr Bänden und ihre geo­graphische Verteilung auf der Erde" hat der argentinische Ge lehrte Dr. Enrique Sparn veröffentlicht und damit einen über­aus interesanten Ueberblid über die Zentren des wissenschaftli­chen Lebens geboten. Wie im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" hervorgehoben wird, steht Deutschland in dieser Zusammenstellung unter den Bölfern der Welt an zweiter Stel­le. Die meisten Bibliotheken über 50 000 Bände besitzt Nordame rifa. Aber Deutschland weist ein Viertel aller großen Biblio­thefen Europas und ein Biertel der gesamten Bücherschäße die­ses Erdteils auf. Es besitzt mit 10,3 Millionen Bänden in seinen Universitäts- Bibliotheken fast ebenso Bände, wie in den Univer sitätsbibliotheken von England, Frankreich und Italien mit ihren 12 Millionen Bänden zusammen. Dabei fällt noch der Ver­lust der früher deutschen Bibliothet Straßburg, die mit ihren 1,2 Millionen Bänden die größte Universitätsbibliothek der Welt ist, zugunsten Frankreichs in die Wegschale. Im ganzen besitzen die 160 größten deutschen Bibliotheken 29,5 Millionen Bände.

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Deutsche Lande

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deutsche Kunst.

In der beim Deutschen Kunstverlag verlegten und von Burk hard Meier herausgegebenen Reihe sind soeben drei weitere Bände: Lüneburg, Erfurt und Mainz erschienen, wiederum ausgezeichnet durch Tenntnisreiche, flüssige Terte be= rufener Kenner und durch die sorgfältig ausgewählten Bilder= teile. Mainz. Aufgenommen von der Staatlichen Bild­stelle, beschrieben von W. F. Volbach. Preis M 6,-, fart M 4, Die Bilder vermitteln eine lebendige Vorstellung der mittelrheinischen Metropole, aber angesichts der Fülle der Denk­mäler bieten sie nur eine allerdings sehr kluge Auswahl des Wichtigsten.

Der Jahreskatalog Bücherschaz 1928" von Herder in Freiburg im Breisgau: keine ermüdende Titelfolge, sondern ein wohl durchdachter Rechenschaftsbericht, zielbewußter Bildungs­arbeit, mit hundert Anregungen zu guter Geschenkwahl. Er­wähnung verdienen zunächst die Indischen Fahrten, von Joseph Dahlmann, zwei Bände( geb. in Leinwand 30 M) mit über 500 Bildern und Karten: wohl das beste Buch, das wir zur Zeit über Land und Volk und Religion und Kunst von In­dien haben. Wer das Jahrbuch der angewandten Naturwissenschaften( 3. Jahrg., 213 Bilder, geb. in Leinwand 12.) liest, der versteht alles, was die Entwicklung der Naturwissenschaft und Technik uns an bedeutsamen, zu­funftsreichen Erkenntnissen und Entdeckungen beschert, Be= sonders über Planzengeographie und Pflanzengeschichte handelt Rawitscher, Die heimische Pflanzenwelt( geb. in

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Nr. 52.

Leinw. 6,80 M). Was in diesem Buche steht, durfte man sich bisher in hundert Abhandlungen zusammenfuchen. Linus Bopp geht in seinem Suche Das Jugendalter und sein Sinn( geb. in Leinw. 7,50 M) gleich zu Spezialaufgaben über, zur schwierigsten Lebensstufe: der Pubertätszeit. Er ist ver traut mit allem und fann ein berufenes Urteil über folgen­Ichwere Fehleniwidlungen abgeben. Zwei Nachschlagwerke: Der kleine Herder"( geb. in Leinw. 304) ist mit eins der vollkommensten Kleinlegifone unserer Zeit, ein rechtes Hans­buch für jeden Bolfsgenoffen, Akademiker oder Arbeiter. Größte Fülle des Stoffes( 50 000 Artikel, 5000 Abbildungen) und doch nichts überflüssiges. Ein Universallegiton für alle Stände und Berufe. Endlich das Staatslegifon( Band 1, geb. in Leinwand 35 M, in Halbfranz 38.M, Band 2( etwa 35 M bezw. 38 M, erscheint im Spätherbst). Mehr als 450 Mitarbeiter schaffen diefes Monumentalwerf. Es beschränkt sich nicht auf die Staatswissenschaften im engeren Sinne. Das Elaaispoli­tische, Sozialpolitische, Wirtschaftliche, Rechtliche ufw. steht im mer im Zusammenhang mit der allgemeinen Geistesauffassung der Zeit.- Diefe Kleine Auswahl vermittelt nur eine unvoll tommene Vorstellung der langen Reihe erlesener Werte aus den verschiedensten Gebieten unferes Schrifttums, die Herders ,, Bücherschah" Dereinigt.

Das Weihnachtsbuch 1927. Wie alljährlich, bringt auch Dieses Jahr J. B. Bachem in Köln wieder eine Reihe neuer Bücher auf den Büchermarkt. Auf kunsthistorischem Gebiet ist die Neuerscheinung Das Laacher Münster" von P. Dr. Adal bert Schippers O. G. B.( Maria Laach) zu erwähnen Preis 19, RM. Das erhabene Bauwerk am stillen blauen Eifelsee hat in der vorliegenden Schrift eine Monographie erhalten. Neuerscheinungen unterhaltender Art: Zunächst das spannende Abenteuer- Buch eines früheren Offiziers der Fremdenlegion, der aus seinen eigenen Erlebnissen erzählt: Durch Sahara und Atlas Abenteuerliche Streifzür" von Frit Ohle. Schredensszenen stehen hier neben freundlichen Bildern, prächtig find vor allem Jagdbegegnungen mit wilden Tieren geschildert. ( Band 34 der Sammlung: Aus allen Zeiten und Ländern. RM. 5,-) Ein moderner Roman, das Wert eines jungen Autors, Die Fahrt des jungen Rohmer Theumar" von Chri stian Fen.( RM. 6,-). Hinter dem Roman steht als Kern­problem und Sinngehalt das Wissen um den Kampf zweier Generationen, den wir alle heute irgendwie mitfämpfen. Als neue Jugendbücher legt der Verlag drei Werke vor: Schent, Maria M., Renhard von Spielmann", Erzählung aus dem Jahre 1525( RM. 4,50); Schulze, Marie von, Jm Lande der Magyaren". Eine Erzählung aus Ungarns Vergangenheit. ( Geb. RM. 5,-); und Wirh, Ludwig, Am Grenzwall". Histo rische Erzählung.

In den Sammlungen Bobachs Handarbeitsbücher und Handarbeitshefte sowie Einzelhefte sind wieder eine Reihe Neu erscheinungen zu verzeichnen, die berufen sein werden, der Frau, dem Mädchen eine willkommene Bereicherung der Kenntniffe und Handfertigkeit bei der Herstellung von Handarbeiten zu vermitteln. Besonders zu begrüßen sind die neuen Bände. Band 38 betitelt sich: Kleine Handarbeiten zum Spaßbereiten" ( M 1,50), 39: ,, Aus dem Stickasten der Völker"( M 1,50). Nr. 126 nennt sich Pullover und Westen für Herren"( M 0,75), Nr. 127: Neues aus Wolle und Seide"( M 0.75), Nr. 41: ..Märkische Spitze"( M 150), Nr. 125: ,, Smof- Näherei"( M 0,75), Einzelheft 212: Die Kürschnerei im Hause", eine furze Anlei tung im Belznähen( M 1,20). An den Aufgaben im Einzelheft Nr. 211: Lustige Rechenkunst"( 3ahlenwunder, rechnerische Pro­bleme, Scherze und Rechenkunststüdchen( M 1,-) fann man seine eigene Intelligenz prüfen. Die Reichhaltigkeit und gute Aus stattung der Bände und Hefte veranlaßt uns, sie besonders auch wegen ihres geringen Preises nachdrücklichst zu empfehlen. Er hältlich sind sie in jeder Buchhandlung.

Thienemanns Jugendtalender 1928. Ein Abreiß- und Notiz Kalender mit farbigen schwarzen Bildern bekannter Künstler. Für Knaben und ädchen von 7-14 Jahren. R. 1,50.. Thienmanns Berlag Stuttgart.

Verantwortlich: Paul Chrißian Klein in Gießen.

Donnerstag, den 22. 2

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3. Feiertag( Dienstag) morg

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Die Amisräume des

ds. Mts., dem ersten Wei 10-11 Uhr, zur Abfertigung ben Weihnachtspostpaketen ge

Bieber eröffnet. Am 1. Sagnftrede Herborn( Dillfre Stationen Eisemroth und Bi fene Bahnhof Uebernthal für gatverfehr und Güterverkehr Mit der Auszahlung d für Monat Januar wird bei Dezember begonnen werden.

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nuar 1928 ist für polizeiliche 2 eingeführt, das zur An-, Ab­ben tann. Die Formulare find marenhandlungen, auch in uns das Stüd, erhältlich. Ein Ve dem Einwohnermeldeamt und F braucher im Einzeln findet ab

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fegt. Nach Artikel 297 des dürfen zugefrorene Flüsse, Tei gerichtlicher Bestrafung nicht Wagen, oder Schlitten befahre lizeiliche Anordnung ausdrüc zieher und Lehrer werden erf das Verbot und die Gefahre zugefrorenen Flüffen, Teichen machen.

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1824 betarf auch die Errid der Genehmigung der Reiche men, die vorfäßlich entgegen nung Funlanlagen errichten, a. U. sogar mit Gefängnis. will, ist verpflichtet, bei graphenamt vor der Errid gung nachzusuchen. Anme ( 610), an den Postschalter gegengenommen. Wohnung vorhandenen Rundfunkteil Siegen dem Telegraphenam

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