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Erscheint: Samstags.
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd. Jendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
zig, Frankfurt M. Tiergarten 14, Telef. Römer 3132
40. Jahrg.
Im Dienste der Wahrheit. Reichspräsident, Reichstanzler und Reichsaußenminister zur Kriegsschuldfrage.
In einer Schrift im Dienste der Wahrheit, die der Arbeitsausschuß deutscher Verbände zum Abschluß der Aftenpublikation des Auswärtigen Amtes demnächst herausgibt, befinden sich folgende Aeußerungen der Reichsleitung über die Bedeutung des abgeschlossenen Wertes:
Reichspräsident v. Hindenburg.
Wir haben die politischen Geheimatten unserer Bergangenheit enthüllt, um der Wahrheit über die Entstehung des Weltkrieges zum Siege zu verhelfen. Unsere Aftenpublitation ist ein offenes Bekenntnis an die Welt. Wir erwarten heute eine ebenso offene Antwort der Welt auf dieses Bekenntnis.
Reichskanzler Dr. Mary:
Der hohe Gedanke der Völkerversöhnung fann auf geistigem Gebiete durch nichts so start und nachhaltig gefördert werden, als durch unbedingte Aufrichtiat it über jene Vergangenheit, die Europa in zwei feindliche Lager zerrissen hat. Wir sind durch unsere Aktenpublikation auf dem Wege zur geistigen Annäherung der Nationen vorangegangen.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann:
Wie ich schon erklärt habe, sind wir Deutschen bereit, uns jedem unparteiischen Gerichtshof zu stellen, der die Ursachen des Weltkrieges untersucht. Die Attenpublikation des Auswärtigen Amtes enthält das deutsche Material für einen solchen Gerichtshof. Jeder, der sich in ihren Inhalt vertieft, wird die Ueberzeugung gewinnen, daß Deutschland keineswegs den Krieg bös: willig betrieben oder absichtlich entfesselt hat.
Schloß Wilhelmshöhe
neun
soll für den Reichspräsidenten reserviert werden. Der Kasseler Bürgerbund hat, im Einvernehmen mit den im Bürgerausschuß zusammengefaßten Vertretern don Kasseler Bürgerbezirksvereinen dem Magistrat der Stadt Kassel einen Antrag unterbreitet, bei der zuständigen Regierungsstelle zu beantragen, Schloß Wilhelmshöhe als ständigen Sommeraufenthalt für den Reichspräsidenten der deutschen Republik zur Verfügung zu stellen.
In der Begründung heißt es: Das im ganzen Reich und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte und bewunderte Schloß Wilhelmshöhe mit seinen großen geschichtlichen Erinnerungen und seiner in Deutschland günstigen, zen tralen Lage, wird als zweiter Amtsfiz des Reichspräsidenten zweifellos mehr als jeder andere Ort würdig und geeignet sein. Die hervorragend schöne, natürliche Lage, der einzigartige Park, der zu den schönsten Europas gehört, die gesunde Bergluft und die Nähe des hessischen Gebirgslandes werden den sommerlichen Amtssitz gleichzeitig zu einem wirklichen Erholungsaufenthalt gestalten. Die Gelegenheit, Schloß Wilhelmshöhe dem gedach ten Zwede zuzuführen, scheint außerdem besonders günstig, da Schloß und Parf vor furzer Zeit aus den Händen der Krongutverwaltung in die des preußischen Staates übergegangen ist. Reichspräsident Hindenburg hat bereits mehrere Monate, als er die Demobilisierung und Auflösung des deutschen Heeres nach der Revolution durchgeführt hat, in Wilhelmshöhe geweilt.
Rückgang der Arbeitslosigkeit
in der zweiten Märzhälfte um 300 000. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbs: losenfürsorge verzeichnet in der zweiten Märzhälfte einen weite ren Rüdgang und zwar um 305 000 gleich 21,2 Prozent. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger ist in der Zeit vom 15. März bis 1. April 1927 von 1 222 000 auf 946 000 zurückgegangen, die Zahl der weiblichen von 214 000 auf 185000, die Gesamtzahl von 1 436 000 auf 1 131 000.
Europas Gläubiger.
Drud, Berlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Postichedkonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.
Samstag, den 16. April 1927.
mit ihnen den drängenden Gläubiger jenseits des Oze ans zu befriedigen. Auch das heiße Bemühen, die Rohstoffmonopole zu durchbrechen, gehört in dieses Kapitel der bisher größtenteils erfolglosen Auflehnung gegen die Wirtschaftsautokratie der Vereinigten Staaten. Eine wesentliche Steigerung der Warenausfuhr nach Amerita ist dank dem dortigen Schutzzollsystem so gut wie ausgeschlossen. Man versucht daher in verschiedenen Ländern an Stelle dessen, Menschen zu exportieren, um den viel zu engen Lebensraum der heimischen Bevölke rung wenigstens etwas zu entlasten. Namentlich Jtalien wendet an diese Bestrebung ein verzweifeltes Bemühen... Die Folgen aller dieser Spannungen ist ein fast schon verewigter Unruhezustand in Europa, reich an Konflikten und Konfliktmöglichkeiten. Die gesamte europäische Diplomatie gibt jich redlich Mühe, sie wegzuräumen. Aber der Erfolg hat alle diese Bemühungen bisher schlecht gelohnt.
Die
Durch den Krieg hat sich das kapitalistische Schwergewicht von Europa noch den Vereinigten Staaten verschoben. Vor dem Kriege waren die Vereinigten Staaten an Europa mit etwa 16 Milliarden Mark verschuldet, heute beträgt die finanzielle Verpflichtung Europas an die Vereinigten Staaten rund 60 Milliarden Goldmark! London hat seine Stellung als Geldmarkt der Welt an Neunort abgetreten, und hier laufen, im Großen gesehen, die Fäden zusammen, die die Börsen und, mit einiger Einschränkung natürlich, auch die einzelnen Nationalwirtschaften der Welt leiten. Gläubigerschaft Nordamerikas ist heute der bestimmende Faktor der Weltwirtschaft. Ueberall in der Welt sehen wir aber auch das Bestreben sich dieser Schuldknechtschaft zu entziehen. Man braucht nur an die jahrelangen, zum Teil noch ungelösten Schuldenverhandlungen der Ententeländer mit Amerika zu denken. Auch der überall zu beobachtende Kampf um aktive Handelsbilanzen, zu deren Herbeiführung man eine ſtrenge Hochschutzpolitik treibt, dient letzten Endes dem Zwed, Ueberschüsse der Nationalwirtschaften zu erzielen, um
14000 Neubau- Wohnungen
zu Friedenspreisen.
Wie die Tagespresse meldet, ist ein amerikanisches Konsor tium vor kurzem an den Berliner Magistrat mit dem Vorschlag herangetreten, auf dem bisher unbebauten Schöneberger Südgelände 14 000 Neubauwohnungen zu errichten und zwar ohne Inanspruchnahme der sonst für diese Zwecke ausgeworfenen öffentlichen Mittel, wie Hauszinssteuer, Hypotheken usw. Vom Magistrat wird an und für sich der Vorschlag des amerikanischen Konsortiums, das über ein bares Kapital von 150 Millionen verfügt, und bisher in erheblichem Maße an dem Wiederaufbau Nordfrankreichs beteiligt war, sich aber jetzt nach Beendigung dieser Tätigkeit der Beseitigung der Wohnungsnot in Deutschland zuwenden will, durchaus begrüßt. Die bisherigen Ver handlungen, die mit dem Konsortium geführt worden sind, sind aber noch zu feinem abschließenden Ergebnis gekommen, denn es scheint, als ob das bisherige Angebot des Konsortiums, das von der Stadt verlangte, sie solle auf 28 Jahre die neuen Wohnungen mieten, die dann allerdings in schuldenfreies Eigentum tum der Stadt übergehen würden, taum annehmbar sein wird.
Die Haltung des Magistrats, der übrigens zur Prüfung des Angebotes einen besonderen Ausschuß eingesetzt hat, ist darauf zurückzuführen, daß bei der Berechnung der Mietanschläge, die sich auf Friedensbasis halten sollen, gewisse Fehlkalkulationen von dem Konsortium gemacht worden sind, anscheinend daher. daß die Amerikaner mit den Verhältnissen des Berliner Woh nungsmarktes vor dem Kriege nicht vertraut genug sind. Das Angebot der Amerikaner, dessen finanzielle Auswirkungen für die Stadt gegenwärtig noch Gegenstand eingehender Berech nungen sind, scheint nach der bisherigen Prüfung auch deshalb faum annehmbar, weil die Stadt sicherlich eine langfristige Anleihe zu billigeren Sägen erhalten würde, als bei der Aufbringung der Mieten für die Dauer von 28 Jahren herauskäme.
Geplant ist von dem amerikanischen Konsortium die Errichtung von Zwei bis Vierzimmerwohnungen mit Zentral. heizung und Warmwasserversorgung zum Einheitspreis von 25 M je Kubikmeter umbauten Raums, sodaß die Mieten verhältnismäßig niedrig gehalten werden können. Auch Baukostenzuschüsse würden nicht mehr in Frage kommen.
Gegenwärtig belaufen sich die Baukosten für Wohnungsbauten auf 29 bis 32 M je Kubikmeter. Auf dem Südgelände sollen ausreichende Grünflächen und Spielpläge zur Erholung der Bevölkerung vorgesehen werden.
Das Schöneberger Südgelände, das von dem Konsortium als Baugelände ausersehen ist, ist die größte, in unmittelbarer Stadtnähe noch vorhandene Siedlungsfläche und aus dem Besitz der ehemaligen Stadt Schöneberg zu Groß- Berlin gefommen. Es übertrifft in seiner Ausdehnung vom Sachsendamm bis Steglitz- Südende, von Friedenau bis zur Anhalter Bahn noch das westliche Tempelhofer Feld.
Beamtengesetz und Doppelverdiener.
( Gießener Tageblatt)
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Wie wir erfahren, tann in absehbarer Zeit mit der Vorlage eines Reichsbeamtengesetzes gerechnet werden. In ihm soll auch die Frage der Doppelverdiener eine Regelung finden. Die gleiche Frage spielte auch bei den Verhandlungen der Regierungsparteien über das Arbeitszeitnotgesetz eine Rolle. Auf das Verlangen nach einem strafrechtlichen Verbot der Schwarzarbeit wird von den Vertretern der Arbeiter und Angestellten mit einem Hinweis auf das große Ausmaß des Doppelverdie nens der Beamten und Pensionäre geantwortet. Die Regierungsparteien beabsichtigen, im Anschluß an die Verabschie dung des Arbeitszeitnotgejeges eine Entschließung vorzulegen, die auf ein Verbot der Schwarzarbeit und des Doppelverdienens hinzielt.
Die oberen Zehntausend in Amerita.
Wochenrückblick.
Nr. 16.
Es wird immer offenkundiger, daß der Kampf der Generale in China garnicht einen innerpolitischen Krieg im gewöhnlichen Sinne des Bürgerkrieges dar stellt, sondern der Riesenkampf zwischen Rußland und England. Immer unverhüllter werden die Taten der beiden Großstaaten. Vielleicht ist England dann noch das etwas geschicktere Land, dessen Diplomatie nicht so stark mit der Farbe herausrüdt. Warum soll man die einzelnen chinesischen Generäle auch nicht unterstützen? Es wird ja tein russisches und fein englisches Blut ver gossen, sondern nur chinesisches. Dabei ist nur das Sadklotz China zu bedauern, das die Hiebe auszuhalten hat. Der chinesische Krieg ist eines der größten Gaunerstückchen der Weltgeschichte. Der nationalistische Tschang solin schert sich nichts um allgemeine Völkergesetze( warum, ist einfach zu beantworten: weil er westeuropäische Diplomatie hinter sich hat) und dringt in die Gebäude der russischen Botschaft in Peting ein. Proteste hin, Proteste her! Ein Schlag Englands gegen Rußland ist wieder einmal gelungen! Zwischen Italien und Jugoslawien hat man es jetzt so weit gebracht, daß die beiden Staaten direkt miteinander verhandeln werden. In einer dreitöpfigen neutralen Schlichtungskommission soll auf Wunsch der drei beteiligten Staaten Italien, Albanien und Jugoslawien auch Deutschland beteiligt sein. Ein gutes Zeichen für die wieder erwachsende Großmachtstellung unseres Vaterlandes! Zwischen Ungarn und Italien wurde ein Freundschaftsbündnis abgeschlossen. Ungarn bekommt einige Konzessionen, darf Fiume als Freihafen benutzen, muß aber dafür Italiens Politit unterstützen. Wieder ein glänzendes Rechenkunststückchen Mussolinis. Die Kleine Entente ist aber stuzzig geworden! Ungarn erstarkt, das ist be denklich. Besonders, wenn es mit italienischer Unter stützung geschieht. Rumänien wirst eifersüchtige Blicke, hat aber im eigenen Lande viel zu tun. Der König liegt im Sterben und um die Nachfolgerschaft stehen sich im Lande zwei Parteien scharf gegenüber. Die Königin Maria möchte die Zügel der Regierung gern selbst in die Hand nehmen, während auf der anderen Seite vom größten Teil des Militärs und des Volkes die Rückkehr des durch seine Liebesgeschichten bekannt gewordenen Erbprinzen Carol gewünscht wird. Hie Maria, hie Carol, ist die Losung, die beim Tode des Königs einen Bürgerkrieg heraufzubeschwören droht. Polen be nimmt sich weiter wie ein ungezogener Junge; befümmert sich ebenfalls nicht um Völkerrecht, um Völkerbundsbeschlüsse und ist nur vom unbändigsten Hasse gegen alles Deutsche erfüllt. 8000 deutsche Arbeiter wurden wieder unberechtigterweise auf die Straße ge worfen! Die Wirtschaftsführer prediaen derweilen von Verständigung. Selbstredend, denn das Kapital ist international und jede politische Verwidlung er= schwert die Vermehrung des Kapitals. Die deutsche Bankgröße von Mendelssohn sprach in London, Loucheur in Berlin. Natürlich unter Beifall! Kapital versteht sich. Da darf selbst der französische Stinnes tommen, der uns unendlich viel auch schon zu schaffen machte. Die Zeitungen machen dazu ihre Verbeugungen! Es lebe das Kapital! Alle die anderen Worte, die sich sonst um diesen Kernpunkt scharen, sind Schall und Rauch! Der deutsche Reichstag erlebt vor Schluß noch eine ganze Reihe von Sensationen. In der letzten Nummer begrüßten wir die Auslassungen der deutschen Volkspartei auf ihrer Kulturtagung, bei der auch Stresemann sprach. Ihr Führer mußte auch ihre Kulturpolitik vertreten. Doch was war das? Das Zentrum wintte entrüstet! Dann wintte es befehlend und Herr Stresemann jant in die Kniee! Es war ja alles nicht so gemeint! Man hatte alles verkehrt verstanden. Die Demokraten sahen sich durch die Erklärungen ihres Führers Koch blamiert und brachten eine Reichstagsentschließung gegen das Reichskontordat ein. Die Folge? Dazwischen wurde der Etat für 1927 genehmigt, die Reichstagsabgeordneten bestätigen dankend den Empfang von monatlich 619 Mart, genehmigten sich generös eine Reihe weiterer Vorteile, dann gab's noch einen Zusammenstoß zwischen Stegerwald und den Sozialdemokraten oder besser gesagt zwischen den christlichen und den freien Gewerkschaften, wobei die letzteren den türzeren zogen. Dazwischen kam das deutsch- französische Handelsprovisorium auf den Plan. Namens der Regierungsparteien erklärte der Abg. v. Guerard( 3entrum), daß das Abkommen die größten Bedenken hervorgerufen habe, daß die Regierungsparteien sich aber doch entschlossen hätten, zuzustimmen in Erwartung da tam der treffende Zwischenruf: ,, des Konkordats", der schallende Heiterkeit hervorrief. Herr Guerard meinte natürlich in Erwartung einer Besserung des Abkommens in Zukunft. Durch alle diese Zwischenfälle ging man etwas aufgeregt in die Ferien. Die Verschmelzungsverhandlungen zwischen Zentrum und Bayrischer Volts: partei gehen bedenklich langsam. Man ist über das
Die Steuerstatistik der Vereinigten Staaten für 1926, die jetzt veröffentlicht worden ist, weist 207 Steuerzahler mit über 1 Million Dollar jährlichem Einkommen auf, davon 104 bis 1½ Dollar, 43 bis 2 Millionen Dollar, 29 bis 3 Millionen Dollar 15 bis 4 Millionen Dollar, 9 bis 5 Millionen Dollar und 7 über 5 Millionen Dollar. Diese Zahlen sind bisher in der Geschichte der Vereinigten Staaten nie erreicht worden, selbst im Kriege night.


