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Samstag, den 10. Dezember 1927.

Längenwachstum fich gleichfalls streden und damit eng werden, sind die Herz- und Kreislaufverhältnisse besonders ungünstig, und hier ist auch Shonung am Blake, nie aber äußerste An­strengung, wie sie besonders bei Wettspielen und Rämpfen ge fordert wird, die gerade dem, in dieser Zeit besonders lebhaften Ehrgeiz der Jugendlichen entsprechen. Die Erkenntnis hiervon beginnt sich Bahn zu brechen, sie ist aber doch noch nicht so all­gemein verbreitet, daß es nicht wünschenswert wäre, immer wieder darauf hinzuweisen.

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verhältnisse des Kindes weiß, with fie fich mande überflüssige Gorge ersparen, zugleich aber durch verständnisvolle Fürsorge verhindern, daß ihrem Kinde Schaden erwächſt.

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gevecht denken. Elisabeth hatte die Gelegenheit, Werners Herz zu stehlen, nicht gesucht. Säufiger als die Jüngere war sie als feine Pflegerin mit ihm allein gewesen. Dann sprachen seine Blide nur von Liebe zu ihr, wie damals beim Sametterlings­fang auf der Veranda. Doch jetzt beim Nachdenken fiel ihr ein, daß nachmittags in Wald und Garten seine Augen und Hände nicht anders auch Elisabetah gesucht hatten. War er doch ein Schwankender und nie seines Weges sicher. Das hatte ihn ihr teuer gemacht, weil sie wie den Kranken in seiner Schwäche auch den Gesunden mit seinen Fehlern als ein Mit­terchen zu behüten hoffte. Nur hatte sie vergessen, auch seine Liebe zu leiten. Darum fonte er sich verirren. Sie sollte ihm darum zürnen und blieb ihm gut. Ihr Groll galt Elisabeth, der alle Herzen zuflogen. Der Kopf schmerzte, aber noch mehr mußte sie fich quälen. Sie sah die Jüngere am Arm des Ge= liebten. Jahre gingen im Flug. Die beiden alterten. Neben ihnen wuchsen Kinder auf. Werner blieb schwankend und sei­nes Weges nicht sicher. Elisabeth fonnte ihn nicht stützen. Wenn sie dem Paar aber gut und nahe blieb, fand er stets die leitende Hand des Mütterchens, das seiner Kinderchen liebe Tante war. Das schien ein Trost, an den sie sich flammern mußte. Verzichten tat weh, bitter weh. Doch nur durch Ent fagen fonnte sie ihm nahe bleiben und durfte darum Elisabeth ihren Groll nicht zeigen. Nein, Elisabeth! Wir müssen uns gut, immer gut bleiben!

Die Jüngere warf sich über sie. Doch auch in der Um armung lösten Gerdas starre falte Glieder sich lange nicht. Sie weinte, und mit ihr Elisabeth, ohne zu wissen warum.

Die Nacht schien Gerda unendlich und doch kurz gegen tommende lange Tage, deren jeder nun wohl zur Sorge um Leben und Gesundheit des Geliebten das bittere Weh des Ver­zichtens und Groll auf die glücklichere Schwester brachte.

Bald lagen drei Briefe von Werner auf dem Frühstücks­tisch. Tante Bärbchen reichte den für sie bestimmten Onttel und Nichten. Die Mädchen sahen aneinander vorbei, als sie die ihren ungeöffnet aus dem Zimmer trugen. Gerda ging zum Lesen in den Wald, aber hielt die Blätter auch wieder unter die Augen, als sie mittags vor dem Umkleiden am Fen ster des Schlafzimmers stand. Zu spät dachte sie beim Nahen von Tritten im Korridor, den Brief zu verstecken. Elisabeth trat ein und sah die Blätter. Ein unverständlicher Zorn flammie plöglich in ihrem Geficht. The Atem ging furz. Ihre Lippen bebten. Mit hajfunkelnden Augen trat sie näher: Und was schreibt er dir?"

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,, Elisabeth, warum erregit du dich?" Gelassen gab Gerda ihren Brief der Schwester. Die riß ihn an sich und las ihn in fiebernder Haft. Enttäuscht oder verlegen ließ sie die Arme sinken und wollte schon ein Wort der Entschuldigung sprechen. Da rötete wieder der Aerger ihr Gesicht. Sie stieß den Fuß auf die Dielen und schalt höhnisch: Genau wie dir schreibt er auch mir.... ,, liebe Kufine" und getreuer Better"."

Jede Woche brachte ähnliche Briefe. Stets schrieb Wer­ner wie an Elisabeth auch an Gerda. Das ärgerte die Jüngere. Doch auf Vorwürfe in ihren Antworten bat er nur um Geduld. Eine Zufall fönne seine Briefe in die Hände von Onkel und Tante bringen, und Premierleutnants dürften vorläufig pon dem Kuß nichts ahnen. Das verdarb ihre Freude an der Ver­lobung. Es wäre schön, aller Welt als verlobte Braut zu gel­ten. Doch ihm fehle der Mut, seine Liebe zu bekennen. Ihre mürrische Miene schien während des Herbstes schlechte Laune ins Haus zu tragen. Oft suchte sie 3ant mit der Schwester, die täglich mehr Arbeit fand. Im Dezember übernahm Gerda auch das Paden der Weihnachtstisten für Soldaten aus dem Dorf und verwandte oder bekannte Offiziere. Eine ging an Better Kurt Drewiß, den Kapitänleutnant und U- Boot- Kom­mandanten, der Priedelsdorf erben sollte. In einem Dantes­brief schrieb er noch vor dem Fest, sein Boot sei in der Werft. Darum nehme er die Einladung der Verwandten mit Freude an. Jetzt war fast nur noch von seinem Besuch die Rede. Onfel und Tante wünschten ihn als Kriegshelden feierlich zu emp fangen. Die Zeitungen hatten berichtet, er habe nach dem englischen Kreuzer im Kanal noch einen französischen Zer störer im Mittelmeer und während seiner einzigen Fahrt 23 000 Tonnen an feindlichem Schiffsraum verfenft. Elisabeth flatschte in die Hände, als der Onkel davon erzählte, und bat Tante Bärbchen um den Schlüssel zur Rumpelfammer. Unter dem Dach barg dort ein Koffer das ihr einst von Kurt geschenkte blaue Bordjackett, eine Mühe, eine Schärpe und eine Hermel frone. Nachmittags sah Gerda sie das Tuch bürsten und das Metall pufen. Pustend sah Elisabeth von der ungewohnten Anstrengung auf: 3u Weihnachten muß er mir auch einen Dolch schenken. Der ist zu niedlich und viel hübscher als Mer­ners Seitengewehr. Wenn er das goldene Dingelchen über dem blauen Paletot trägt und die Hand an den Elfenbeingriff legt, flirrt das Kettchen wir Musik."

Die Weltere schüttelte den Kopf. Elisabeth schien zu glau ben, der Besuch des Vetters gelte ihr, die doch Braut eines

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anderen war. Troydem trug sie die Aermeltrone als Brosche wieder zu Gängen auf den Bahnhof und in die Stadt. Dort und im Dorf erzählte sie vom Kommen des schon berühmten U- Boot- Helden. Bald baten die Gutsleute, den fünftigen Herrn festlich empfangen zu dürfen. Onfel Karl wärmte fich für den Vorschlag, gab Geld für Blumen und ver suchte, Verse für eine Begrüßung zu reimen

Fortiegung folgt.

Spiel im Schloß". Erstaufführung.

er

Gestern wurde im Stadttheater Franz Molnar's Komödic Anekdote nennt der Verfasser sie- ,, Spiel im Schloß zur Erstaufführung gebracht. Der Inhalt, wie immer, zwei Lieben. den, durch Zufälle auseinandergebracht, finden den üblichen Ret ter, die ihnen und dem Stüd zum glüdlichen Abschluß verhilft. Doch konnte Molnars Stoffbehandlung gefallen. Nur vom Vor­teil würde es allerdings sein, wenn besonders im zweiten Aft der etwas gezwungen anmutende Dialog zwischen Darsteller und Publikum ,, Wie würde ich dieses auf der Bühne darstellen" und im 3. Aft die dem Publifum so betont an den Kopf geworfenen Lebensweisheiten forrigiert werden könnten. Schauspielerisch wurde sehr gut gearbeitet. Herr Goll und Herz Tannert( Spiel­leitung) als Libretisten waren wie immer gut.( Eine Frage je doch: Muß die Rolle an allen Stellen so nonchalant durchge führt werden?). Herr Baste, der Dritte im Bunde, wird sich auch mit dieser Rolle wohl wieder besonders in die Herzen seiner Zuhörerinnen hineingespielt haben. Die Schauspielerin, die und wie sie ist, freierte prachtvoll Fräulein Alez Krahmer. Herr Geffets wußte fich mit seiner meist recht derben Rolle gut abzu finden. Die Herren Linkmann und Kurzhoff paßten sich gut in das Ganze ein. Das fast ausverkaufte Haus dankte mit reichem Beifall,

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