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Nr. 13.

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Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd. Jendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

40. Jahrg.

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Die hessischen Beamten.

Auf der Tagesordnung stand die elfte Ergänzung des Ge­jches vom 14. Ottober 1921, die Besoldung der Staatsbeamten. Die Vorlage will die Besoldung und die Anstellungsverhält nisse der Staatsdienstanwärter regeln. Es lagen dazu Anträge von fajt allen Parteien vor, die sich zum Teil mit den Besol bungssätzen und zum Teil mit der Festlegung eines bestimmten Berhältnisses der Anwärter zu den festangestellten Beamten be­faßten. Die Besoldungssätze der Regierungsvorlage bleiben etwas hinter denen des Reiches zurüd. Vom Finanzausschuß wurde die Annahme eines sozialdemokratischen Antrages emp fohlen, der für die ersten fünf Jahre die Sätze der hessischen Regierungsvorlage und für die späteren Jahre die Reichsfäße Dorsieht. Im übrigen soll mit einigen entsprechenden Aende­rungen die Regierungsvorlage gelten.

Erklärungen des Reichsfinanzministers.

Der Reichstag hielt gestern eine Vormittags- und eine Rachmittagsjigung ab. In der Nachmittagssigung sagte der Reichsfinanzminister: Das Jahr 1927 soll eine durchgreifende Bereinfachung in sachlicher und personeller Beziehung bringen. Sie muß leider mit einer Vermehrung der Veranlagungs- und Bollftredungsbeamten beginnen. Die Steuer- Rüdstände von mehr als einer halben Milliarde( Sört, hört!) sollen unbe­

dingt eingetrieben werden, allerdings unter Rüdsichtnahme auf die Bedürftigen. Die Einziehung der Rückstände sind wir aber den Lohnsteuerpflichtigen schuldig, die ihre Steuern regelmäßig abführen müssen. Die Zahl der Steuerämter werde ich im Einvernehmen mit den Ländern wesentlich vermindern.

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Todesfall am Berliner Bismarddenkmal. Berlin, 1. April. Vor dem Bismarddenkmal am Reichs: tage erschien heute mittag anläßlich des Geburtstages des Alt­reichskanzlers eine Abordnung unter Führung des General von Wrisberg. Dieser versuchte eine Ansprache zu halten, wurde aber von der Polizei darauf aufmerksam gemacht, daß dies den Bestimmungen des Bannmeilengesetzes widerspreche. Als der Redner trotzdem weitersprach, forderte ihn ein Schuhmann auf, mit auf die Wache zu kommen. General D. Wrisberg folgte dieser Aufforderung, brach aber nach 20 Metern dann plötzlich zusammen. In der Charité fonnte nur noch sein Ton durch Schlaganfall festgestellt werden.- General v. Wrisberg ist der großen Oeffentlichkeit aus vielen Reichstagsdebatten bekannt geworden. Er trat dort als Abteilungschef des preußischen Kriegsministeriums häufig hervor und war um seiner fonzi lianten Haltung willen sehr geschätzt.

Der Landtag von Medlenburg- Schwerin beschloß einstimmig, sich aufzulösen. Die Neuwahlen sind auf den 22. Mai angesetzt.

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Das deutsch- französische Handelsabkommen unterzeichnet. Paris, 1. April. Das provisorische Handelsabkommen zwi­schen Frankreich und Deutschland ist gestern von Briand und Bokanowsky einerseits und dem deutschen Botschafter von Hösch andererseits unterzeichnet worden. Das Abkommen verlängert das provisorische Handelsabkommen bis zum 30. Juni. Letzteres enthält gleichzeitig ein Spezialablommen über alle Fragen der Einfuhr der französischen Weine, deren Einfuhrkontingent auf 70 000 Hektoliter festgesetzt wird und zwar für die Zeit zwischen dem 11. April und 30. Juni ds. Js. Diese französischen Weine werden den gleichen Zolltarifen unterworfen sein, die spanische und italienische Weine in Deutschland genießen. In dem Ab­tommen sind ebenfalls andere Spezialfragen, die sich auf das Elsaß und die Saar beziehen, geregelt.

Italienische Soldaten, Waffen und Munition in Albanien.

Am 20. März landeten 6000 feldmarschmäßig ausgerüstete italienische Soldaten nahe Stutari. Sie führten sieben Panzer­autos mit sich und halten in der Umgebung von Skutari dau­ernd Gefechtsübungen ab. In Durazzo wurden 40 Gebirgs fanonen, 4 weittragende Kanonen und 50 Lastautos und noch weiteres andere Kriegsmaterial, sowie große Mengen Mu­nition ausgeladen. Gleichfalls wurden 20 000 italienische Uni­formen nach Stutari gesandt, die wahrscheinlich für die jüngst mobilisierten albanischen Truppen bestimmt sind. 6 italienische Kriegsschiffe hätten in der Nähe von Valona Anker geworfen. Die albanischen Truppen wurden mit zahlreichen Maschinen­gewehren versehen. 40 italienische Offiziere in Zivil sind als Instrukteure der albanischen Formationen tätig. In Stutari selbst haben italienische Offiziere das Kommando über das dor­tige albanische Bataillon übernommen. Vor Stutari werden ausgedehnte Befestigungsarbeiten unter Leitung von italieni­schen Ingenieuren vorgenommen, nach deren Weisungen auch die militärischen Straßen ausgebaut werden.

Todesurteile in Albanien.

Stutari, 31. März. Wie die hiesige Zeitung Liria Kom­betare" meldet, hat das Kriegsgericht von Stutari wegen des nordalbanischen Aufstandes gegen Achmed Bei Zogu im No­vember des vergangenen Jahres 15 Angeklagte zum Tode und 321 Angeklagte zu Strafen von zusammen 1598 Jahren ver­urteilt.

Weitere 14 Angeklagte, denen es gelungen war, ins Aus land zu flüchten, wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Gegen 26 Personen ist das Anklageverfahren noch nicht durch Urteil abgeschlossen.

Drud. Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Postschecktonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 2. April 1927.

Wochenrückblick.

Nachdem die Kantonarmee Schanghai eingenom­men hat, will sie weiter ihren Vormarsch auf Peking fortjeßen, um die dortige Regierung entweder zu zwin­gen, sich ihren Zielen anzupassen oder sie zu stürzen. In Schanghai selbst geht es drunter und drüber. Bei einem ernstlichen Angriff der Chinesen wären die aus­ländischen Niederlassungen kaum zu halten. Man sucht nun mit Hilfe zahlreicher Flugzeuge, die im Falle eines Kampjes mit Luftbombardement drohen, die Chinesen zu erschrecken. Die Kantonregierung hat erklären las sen, daß sie nicht beabsichtige, gegen die Fremdennieder­lassungen vorzugehen, im Gegenteil bedauere sie die Zwischenfälle in Ranting, bei denen die Nordtruppen die Ursache seien. Der Konflikt Italien und Jugo­slawien zieht sich in die Länge. Obwohl die europäischen Mächte bald einmal in Rom, dann wieder in Belgrad intervenieren, scheinen beide Staaten ihre eigenen Wege gehen zu wollen. Der Krieg liegt dort sozusagen in der Luft; die kriegerische Stimmung ist durch den Zanfapfel Albanien hervorgerufen, schon vor dem Welt­friege ein Schmerzenskind Europas. Damals versuchte man mit einem deutschen Fürsten das Experiment der Kultivierung der kriegerischen albanischen Gebirgs: stämme, das gründlich mißlang. Heute ist es kaum anders. Der wichtige Küstenstreifen ist ein begehrens­wertes Objekt sowohl für Italien wie für Jugoslawien.

Italien konnte außerdem die Gelegenheit benützen, seine friegsluftigen Untertanen von inneren Verwid­lungen abzulenten. Zwischen Holland und Belgien

ist ebenfalls eine tiefe Verstimmung eingetreten. Man wollte die Scheldemündung so halb internationalisie­ren. Belgien, das den größeren Vorteil davon hätte, hat schon im vergangenen Jahre dem Vertragsentwurf zugestimmt, die holländische Kammer hat ihn aber mit einer starken Mehrheit abgelehnt, da es im Falle triegerischer Verwicklungen, bei denen nach dem Ver­trag die Schelde von belgischen Kriegsschiffen benützt werden könnte, für seine Neutralität fürchtete. In der Genfer Abrüstungsdebatte hat Graf Bernstoff, der Vertreter Deutschlands, mannhafte Worte gefunden, in denen er den Staaten zeigte, wie sie die im Versailler Vertrag gegebenen Grundlagen einer Abrüstung zu ihren Gunsten verdrehten. Das bat natürlich schiefe Gesichter und schwere Wortkämpfe gegeben. Der Reichskanzler Dr. Marr hat in der Besakungsfrage ernste Worte gesprochen. Gegenüber 26 deutschen Gar­nisonen vor dem Kriege gibt es noch immer heute, 1 Jahre nach Locarno, 115 Garnisonen der alliierten Truppen. 9364 Wohnungen sind beschlagnahmt, von denen in der zweiten Hälfte 1926 600 zurügegeben wur­den. Für die Besatzung wurden insgesamt 7 786 Woh nungen errichtet, für die deutsche Bevölkerung nur 4 084. Die Zahlen reden eine deutliche Sprache. Es wäre tatsächlich an der Zeit, daß endlich einmal ein­schneidende Aenderungen mit dem Endziel völliger Frei­heit, einträten. In Wien fand eine glanzvolle Kund­gebung anläßlich des 100jährigen Todestages des gro­ßen deutschen Komponisten Ludwig van Beethoven statt Die vorbereitenden Arbeiten eines Verwaltungsreform: gesetzes in Hessen sind soweit gediehen, daß Teile daraus in Kürze dem Landtag zugehen. Eine Werbewoche für das Deutschtum im Auslande wird in Hessen im Monat Mai veranstaltet. In Mainz fand am 26. 3. eine große öffentliche Bestalozzifeier in der überfüllten Stadthalle, die ca. 7000 Personen faßt. statt, bei der der badische Staatspräsident a. D., Prof. Hellpach, die Fest­rede hielt. Am 1. April wird in Berlin ein groß­zügig angelegter Hessenabend veranstaltet, bei dem der Oberbürgermeister von Mainz, Dr. Külb, die Grüße des besetzten Hessen überbringen wird.

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Zum Abkommen zwischen Reichslandbund und Reichsverband des deutschen Handwerks. Das zwischen dem Reichslandbund und dem Reichsverband des deutschen Handwerks geschlossene Abkommen über eine Ar­beitsgemeinschaft hat in den Tageszeitungen teilweise eine starke Kritik gefunden. Es sei festgestellt, daß mit dem Abkom men politische Motive u. Absichten nicht verbunden sind. Der Reichs­verband des deutschen Handwerks hat in absolut einwandfreier und flarer Linie von Anfang an den Grundsatz der parteipoli­tijchen Neutralität nicht nur auf sein Programm gesetzt, son­dern auch strikte innegehalten. Beide Teile sichern sich übrigens durch das Abkommen volle wirtschafts- und staatspolitische Be­wegungsfreiheit zu.

Zur Zeit, als die Konkurrenz durch die landwirtschaftlichen Genossenschaften sich gegenüber dem Handwert am stärksten be­mertbar machte, war zwischen dem Reichsverband des deutschen Handwerks und der deutschen Landwirtschaft die Errichtung einer Schiedsstelle veranlaßt worden, die sich an die Unter­nehmer- Abteilung des Reichswirtschaftsrats anlehnte. An dieser Schiedsstelle waren auf seiten der Landwirtschaft be­teiligt Vertreter des Landwirtschaftsrats, des Reichslandbun­des und der Vereinigung der Bauernvereine. Der Versuch, durch eine zentrale Schiedsstelle die Streitigkeiten zwischen Landwirtschaft und Handwerk zu bereinigen, ist damals ge=

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Nr. 14.

Vom Wesen des Staates.

Von Edwin Hamburger= Staden. Mit den folgenden Zeilen will ich mich besonders an solche wenden, welche sich neu mit Politik beschäf= tigen. Wer politisch tätig sein will, der muß einen flaren Begriff vom Wesen des Staates haben. Wie kann man denn von den notwendigen Bedürfnissen cines Staatsoanzen reden, wenn man nicht dieses große Gebilde, das man Staat nennt, überschaut. Häufig liest und hört man auch Verwechslungen zwischen dem, was man Staat nennt und dem, was Volk zu nennen ist. Wie wenige sind sich ganz klar bewußt, daß dies scharfe Unterschiede sind.

Es ist nötig, den Staat einmal vom Standpunkte der Biologie aus zu betrachten. Da möchte ich unsere Freunde zu ihrem eigenen Studium oder auch zur Let­türe bei Vereinszusammenkünfte aufmerksam machen auf eine als Sonderheft der Zeitschrift Deutsche Rund­schau" im Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin im Jahre 1920 von dem Biologen Professor Dr. H. c. Jakob von Uexküll verfaßte Arbeit. Staatsbiologie" ist sie benannt. Der Name sagt schon, wovon das Schrift­chen handelt.

Im ersten Abschnitt führt uns der Verfasser hinein in den Bauplan des Staates. Wir lernen, daß der Staat ein naturnotwendiges Gefüge ist und seine ganz ist aufgebaut durch eine Menge von Menschen, welche bestimmte ihn aufbauende Ordnung besitzt. Der Staat nicht allein für sich leben und arbeiten, sondern in ihrer Tätigkeit Ketten bilden, wobei ein Glied dem anderen in die Hände arbeitet. Eine solche Kette bilden die Erzeugnungsorgane. Vom Ader, wo die Lebensmittel wachsen bis hin zum Dorfe, wo sie als Nahrung dienen, verläuft eine Kette von Menschen, welche den Stoff be­Weg dar, den die Kornähre ehmen muß, um vom Felde arbeiten und formen. Bildlich stellt der Verfasser den zur Dreschmaschine zu gelangen, den weiter die Körner zur Mühle nehmen, das Mehl zum Bäder gelangt und dann als Badwerk in die Häuser des Dorfes kommt. Die Naturnotwendigkeit, mit der diese Tätigkeit vor ich geht und bestimmten Regeln folgt, drüdt die erakte Biologie mit der Bezeichnung ,, Funktion" aus.

Was nun alles zu den Funktionen der Staats­organe gehört, merkt man, wenn man sich flar macht, wie jedes Mitglied eines Volkes sowohl Mitarbeiter als auch Genießer der Früchte des Staates ist. Der Verfasser weist darauf hin, daß die Arbeitsleistung des einzelnen für den Staat in feinem Verhältnis steht zu dem Reichtum der Gegengaben durch den Staat. Ein näheres Eingehen müssen wir uns aus Raummangel persagen und es bei diesem Hinweis beruhen lassen.

Wir gehen weiter und finden als zweites Staats­organ das Tauschmittelorgan. Bei primitiven Staaten findet dar Austausch der Gegenstände unmittelbar statt. Kleidung des Kleidererzeugers ein. Bei weiter ausge Der Nahrungserzeuger tauscht die Nahrung gegen die bildeten Staatsorganen ist ein allgemein anerkanntes Tauschmittel eingeführt, das jedem die Möglichkeit setzen, oder einen notwendigen Gegenstand einzutau bietet, sein Erzeugnis gegen dieses Tauschmittel umzu­schen. Dabei besteht zwischen Leistung und Gegen­leistung ein festes Verhältnis. Für die Innehaltung dieses Verhältnisses sorgt der durch das Tauschmittel ausgedrüdte Preis. Der Peis wieder regelt sich nach der Menge der Erzeugung. Tritt eine Uebererzeugung eines Gegenstandes ein, dann sinkt dieser Preis, trift eine Untererzeugung ein, so steigt er.

Dieses Tauschmittel durchflutet nun ein ganzes Staatswesen bis in die feinsten Teilchen. Haben wir oben von einer Kette der Erzeugungsorgane gesprochen, welche sich in einer bestimmten Richtung bewegt, so fließt das Tauschmittel in umgekehrter Richtung. Um das Tauschmittel in Fluß zu halten und für den not­wendigen Ausgleich zu sorgen, sind hier und da Sam­melstellen eingeschaltet, die den Umlauf erleichtern, die fleinen und groen Banken.

Dem Verfasser gelingt es, durch die graphische Darstellung der Staatsorgane und der Tauschmittel­adern ein Bild vom Staatstörfer zu entwerfen. Die­ser Staatstörper verlangt allerdings seine Ordnung, d. h. es muß wiederum ein Organ da sein, welches da­für sorgt, daß alle Organe ihre Funktionen verrichten. Professor von Uerfüll nennt sie Ordnungsorgane. In Tätigkeit dieser Organe vor. Der Stationschef einer Eisenbahnstation hat nicht dafür zu sorgen, daß die Züge sich bewegen, sondern er hat nur dafür zu sorgen, wie sie sich nach einer bestimmten zeitlichen Regel be­megen. Er bringt also in das scheinbar wirre Ein- und Ausfahren der Züge nach einer ihm wieder vorgeschrie­benen Zeiteinteilung Ordnung hinein. Da jedoch dieser Stationschef nur über einen beschränkten Kreis seine ordnende Macht ausüben kann, an sein Macht­bereich andere Machtbereiche seiner Amtsgenossen gren­zen, muß dafür gesorgt werden, daß an den Grenzstellen feine Unordnung eintritt. Deshalb sind für größere Bezirke Mittelpunkte eingerichtet, denen die Ueber­