Nr. 8. 9. Jahrg.
flichkeit des Herzens. Neu bearbeitet von Benfeld unter dem Titel„ Der moderm ei dieses in mehrfarbigem Biedermeierban mpfohlen. Es eignet sich auch als Geschen Menschen. 214 Seiten. Gebunden 3.
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Samstag, den 27. Februar 1926.
Nr. 9.
Gießener Zeitung
Erscheint: Samstags.
Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus.
( Neueste Nachrichten)
edaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdnbung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Sonntagsgedanken.
Golden ging die Sonne im Osten auf und lachte über Berge nb Täler. Sie tüßte den Morgen wach, der voll Freude aufand und sein schönstes Sonntagskleid anzog. Wie eine junge laid im Feftgewand war er und wedte dann Gräser und Blulen und die Vöglein im Walde. Nicht lange aber währte diese Sonntagspracht. Schwarze Wolfen zogen im Westen auf scho en fich gegen die Sonne und stellten sich vor ihr Licht. Und in Grollen begann in den Wolfenbergen, ein Blitzen und Juden und dann fam der Wind und hinter ihm her der Sturm. Ille Morgenpracht verschwand, ängstlich huschten die Vögel unter as schüßende Blätterdach, Gräser zitterten, Bäume rauschten ind der Wald jang ein schauriges Sturmlied. Und dann be jann ein Aechzen und Krachen, ein Heulen und Toben. Und er Sturm sprang durch das Geäst der Bäume, riß Schwächinge wie Salme aus dem Boden, jagte durch die Dorfstraße und die Gassen der Stadt und riß in den Gärten Blätter und Blüten vom Geäft. Es war, als führte der Sturm alle zertörenden Elemente aus der Natur zum Kampfe gegen das Beben, als hieße ihr Schlachtenruf: Nieder mit allem, was norsch und schwach und krank ist.
Warum schreibe ich heute zum Sonntag vom Sturm und pom Grauen und Tod?
Ich war draußen im Walde, sah die Sonne, wie sie die obersten Bergspitzen füßte und den Morgen im Tale wedte, jah ben Sturm fommen und seinen Kampf führen gegen alles Ungesunde und dachte darüber nach, warum das so sein me.
So ist es auch im Leben. Im Walde hielten die Bäume stand, die gesund waren und sich mit ihren Wurzeln im Erdreich faffen konnten und nich oberflächlich sich oben festhielten. Der Sturm bricht nur diese Oberflächlichen, die Leichtfertigen und Lauen. Und der gleiche Sturm, der hier zerstört, stärkt die Kräftigen und Gesunden, die Tiefgründigen und Ganzen.
Stürme sind im Leben die großen Prüfungen, denen nur der standhalten kann, dem Zeit Ewigkeit ist, der selbst das Kranthafte abstößt und kein Grauen empfindet vor den Stürmen dieses Lebens. Wie es draußen in der Natur ist, so im Leben: der Sturm wird sich legen, die Sonne schiebt wieder die Wolken weg und über Starte und Zerbrochene wird ihr verklärendes Licht leuchten.
Zahlen,
Drud, Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Postschecktonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.
11. Kabinett Marg( bürgerliche Mitte mit Anlehnung nach links), bestehend aus 3 3., 1 DVP., 3 DDP., 1 BVP., 3 Pl. Amtsantritt 30. November 1923, Dauer 14 Monate.
12. Erstes Kabinett Luther( überparteilich mit Unterstützung der bürgerlichen Rechte), bestehend aus 5 Pl., 1 DVP., 1 Deutschnationale Voltspartei, 2 3., 1 BVP., 1 Demokrat( Dr. Geßler als Fach- nicht als Parteiminister). Amtsantritt 13. Januar 1925, Dauer 10 Monate.
13. Zweites Kabinett Luther( Mittelparteien), bestehend aus 2 PI., 2 DVP. 3 3., 1 BVP., 3 DDP. Amtsantritt 20. Januar 1926.
Die Bezeichnungen sind von der Reichszentrale so gesetzt.
Minister haben gestellt:
Zentrum Sozialdemokraten Demokraten
Deutsche Volkspartei Bayerische Volkspartei Parteilos waren Deutschnational
PARKLY
43
40
31
12
6
24
1
zusammen 157
Es beziehen jetzt Pensionen: 5 Reichskanzler, 35 Reichsminister, 6 Reichsstaatssekretäre, 12 Ministerialdirektoren und 50 Präsidenten. Unter den Reichstanz lern bezieht der Barmat- Bauer heute noch Pension. Herr Fehrenbach erhält eine Pension von 21 000 M. Nicht zu vergessen ist, daß auch Exzellenz von Payer noch eine Pension von 24 903 M erhält, bei deren Ansetzung ihm wie Fehrenbach, seine ganze Rechtsanwalt tätigkeit als Staatsdienst angerechnet worden ist.
Da soll noch einmal jemand sagen, im neuen Deutschland würde nicht gespart!
Hessische Konfessionsstatistik.
In den nächsten Tagen erscheinen in einem Sonderheft für Hessen die ersten Volkszählungsergebnisse vom 16. Juni 1925 nach Gemeinden( herausgegeben von der Hessischen 3entral= stelle für die Landesstatistik Darmstadt). Wir sind bereits in der Lage, aus der darin enthaltenen Konfessions:
die den deutschen Steuerzahler angehen. statistik einige bemerkenswerte 3ahlen mitzuteilen.
Der große Beamtenabbau ist noch in frischer Erinnerung. Was er uns gebracht hat, weiß auch jeder, nämlich viele neue Kosten. Noch arbeitstüchtige Beamte wurden schablonenmäßig abgebaut. Der Staat zahlt
nrich Meier, Dachdeckergeschäft nun einerseits neue Bensionen, andererseits das Ge
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halt für die neuangestellten jungen Ersatzkräfte. Dazwischen wechselt eine Regierung nach der anderen. Jeder Regierungswechsel aber fostet eine Menge neuer Pensionsgelder. Nach einer Zusammenstellung der Reichszentrale für Heimatdienst hat Deutschland seit dem Februar 1919 nicht weniger als 13 Reichsregierungen gehabt, die wie folgt zusammengesetzt waren:
1. Ministerium Scheidemann( Weimarer Koalition), bestehend aus 7 Sozialdemokraten( SPD), 4 Demokraten( DDP.), 3 Zentrum( 3.), 1 Parteiloser( PL.). Amtsantritt 13. Februar 1919, Dauer 4 Monate.
2. Erstes Kabinett Bauer( Zentrum und Sozialdemokraten), bestehend aus 6 SPD. und 4 3. Amtsantritt 21. Juni 1919, Dauer 3 Monate.
3. Zweites Kabinett Bauer( Weimarer Koalition),
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tober 1919, Dauer 6 Monate.
4. Kabinett Müller( Weimarer Koalition), bejtehend aus 6 SPD, 3 DDP., 4 3. Amtsantritt 27.
März 1920. Dauer 3 Monate.
5. Kabinett Fehrenbach( Mittelparteien), bestehend aus 5 3., 2 DDP., 3 Deutschen Volksparteilern( DVP.), 2 P1. Amtsantritt 21. Juni 1920, Dauer 11 Monate. 6. Erstes Kabinett Wirth( Weimarer Koalition), bestehend aus 4 3., 3 DDP., 3 SPD., 2 PI. Amtsantritt 10. Mai 1921, Dauer 3 Monate.
7. Zweites Kabinett Wirth( Weimarer Koalition), bestehend aus 4 3., 1 Bayrische Volkspartei( BVP.), 5 SPD., 2 DDP., 1 Pl. Amtsantritt 26. Oftober 1921, Dauer 13 Monate.
8. Kabinett Cuno( überparteilich, mit Unterstützung der bürgerlichen Mitte und Anlehnung nach rechts), bestehend aus 5 PI., darunter Dr. Luther, 2 DVP., 2 3., 2 DDP., 1 BVP. Amtsantritt 22. November 1922, Dauer 9 Monate.
9. Erstes Kabinett Stresemann( Große Koalition), bestehend aus 2 DVP., 2 3., 2DDP., 4 SPD., 1 PI., Dr. Luther. Amtsantritt 13. August 1923, Dauer 2 Mo
nate.
10. Zweites Kabinett Stresemann( Große Koalition), bestehend aus 1 DVP., 3 SPD., 2 DDP., 3 PI. Amtsantritt 6. Oktober 1923, Dauer 1½ Monate.
Die Zahl der Evangelischen betrug 885 370, der Katholiken 415 685, der Jfraeliten 20 401, der sonstigen Christen 8188 und der sonstigen Nichtchristen 17 635. Die evangelische und katholische Bevölkerung hat sich seit 1910 um 4,4 bezw. 4,6 Prozent vermehrt. Die Israeliten haben um 15,2 Prozent abgenommen, die Anhänger christlicher Setten um 20,5 und diejenigen Per
sonen, die keiner christlichen Kirche oder Gemeinschaft angehörten, um 205,4 Prozent zugenommen. Von den christlichen Religionsgemeinschaften außerhalb der beiden Kirchen hatten die meisten Anhänger die Freiprotestanten. Ihre Zahl betrug 1895 gegen 2690 im Jahr 1910. Die Bewegung hat ihren Sitz hauptsächlich in den Kreisen Alzey und Worms und zwar in den Gemeinden Wonsheim, Flomborn, Framersheim, Gau- Odernheim, Eppelsheim, Ober- Flörsheim, Blödesheim, Monzernheim und Hangen- Weisheim. Dann folgen die Anhänger des Apostolischen Bekenntnisses mit 1989 gegen 829 in 1910 und zwar 1339 NeuApostolische, 485 Apostolische, 165 Apostolisch- Katholische. Jhre Zahl hat sich verdoppelt. Sie tommen hauptsächlich in Darmstadt, Offenbach, Gießen und Worms vor. Die Alt- Katholiken sind seit 1910 von 1130 auf 1248 gestiegen. Der größte Teil davon( 718) wohnt in Offenbach. Die Zahl der Alt- Lutherischen ist von 887 in 1910 auf 702 gefallen. Ihre Anhänger sind hauptsächlich in Rothenberg( Kreis Erbach), Usenborn und Höchst an der Nidder( Kreis Büdingen), Allendorf an der Lumda( Kreis) Gießen). Mennoniten wurden 446 gezählt gegen 461 in 1910, hauptsächlich in Rheinhessen. Die Baptisten sind von 274 auf 422 gestiegen, die Adventisten von 37 auf 379, die Darbysten von 194 auf 284, die Methodisten von 82 auf 163, die Mormonen von 3 auf 83, davon 37 in Offenbach. Ernste Bibelforscher waren 1910 noch nicht vorhanden, 1925 haben 141 bei der Volkszählung sich als solche bezeichnet, 32 davon in Weisenau bei Mainz. Die Zahl der Griechisch- Orthodoxen betrug 144; 63 da= von wohnten in Darmstadt. Es waren hauptsächlich ausländische Studenten an der Technischen Hochschule, der Rest verteilt sich auf 43 Gemeinden im ganzen Land und setzt sich ohne Zweifel aus zurüdgebliebenen Kriegsgefangenen und Frauen, die von triegsgefangenen Deutschen aus Rußland mitgebracht wurden, zusammen.
Die Zahl der Konfessionslosen, Freireligiösen usw. hat sich jeit der letzten Zählung nahezu verdreifacht, von 5645 auf 16 557. Ihnen dürfen wohl noch zum großen Teil die 942 Personen zugerechnet werden, die keine Angaben über ihr Bekenntnis ge= macht haben. Ueber ein Viertel der Konfessionslosen und Freireligiösen wohnen in Offenbach,( es sind vielfach Anhänger der ehemaligen Deutsch- Katholiken), dann folgen Mainz, Darmstadt, Neu- Isenburg, Mörfelden im Kreis Groß- Gerau und Worms; die übrigen finden sich hauptsächlich in der Umgebung von gröBeren Städten und in industriellen Gemeinden.
( Gießener Tageblatt)
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Volfstrauertag.
Heute denken wir unserer Gefallenen des großen Weltfrieges. Aber wir können nicht so turz es sagen, wo sie alle ge fallen sind. Ueberall, wo deutsche Waffen kämpften, in Frant reich, in Rußland, auf dem Balkan, in Palästina überall hat es deutsche Gefallene gegeben. Heute wollen wir uns mit allen Kriegshinterbliebenen zusammenfinden und wollen trauern um den Verlust. Es ist nicht ein Verlust Einzelner, es ist ein Ver lust des ganzen Vaterlandes. Deutsche Männer sind es alle gewesen, die da die Erde mit ihrem Blute röteten. Wollen wir lange darüber nachdenken, daß es soviele der Besten Männer sind, die heute unser Vaterland so nötig brauchen könnte? Wenn ich allein im Kreise meiner Verwandten und Bekannten Umschau halte, dann stimmt es. Wer zu Hause tüchtig war, der hat auch draußen im Felde seinen Mann gestanden. Wer in der Heimat ein ganzer Kerl war, der hat auch draußen diese Heimat furchtlos verteidigt. ,, Wie sind die Helden gefallen und die Streitbaren umgekommen!"
Wenn wir heute um sie trauern, dann ist es nicht so, als ob wir alle unsere Helden verloren gäben. Ja manchmal tann einem der Gedanke kommen, daß große Opfer, das die vielen mit Einsatz ihres Lebens brachten, war vergebens. Wenn wir wenigstens sagen tönnten, es ist etwas erreicht mit ihrem Tode. So müssen wir sagen: Sie sind gestorben und wir sind unfrei." Für ihr Vaterland sind sie in Kampf und Sturm gezogen. Wie arm steht es um dieses Vaterland! Aber was ist denn Vaterland? Wer hat an das große ganze Vaterland gedacht? Sind sie nicht hinausgezogen, um von den alten Eltern, von Frau und Kind die furchtbare Kriegsfurie fernzuhalten? Gewiß wer den die Meisten an das Nächste gedacht haben. Weil sie eine Mauer bildeten um die heimatliche Flur, blieb sie verschont von Krieg und Kriegslärm. Sie haben ihr Leben dahingegeben, damit anderer Leben erhalten werden konnte. Gie haben sich selbst zum Opfer gebracht, damit andere gerettet wur den. Da erscheint uns ihr Opfer in heller Verklärung. Denn ist es nicht eine Christentat, wer sein Leben hingibt für andere. Hat nicht unser Heiland selber gesagt:„ Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde? Ja sie haben ihr Leben gelassen für viele. Wenn auch unser Vaterland nicht mehr so groß und herrlich ist wie vordem. Es war doch nicht umsonst, daß diese Braven alle gestorben sind. Wir haben allen Grund, an sie zu denken, ihr Andenken in Ehren zu halten. Es ist keine Verherrlichung des Krieges, wenn wir unseren Gefallenen Denkmäler bauen. Es ist unsere Pflicht, die wir gerne erfüllen wollen, dieser Toten ehrend zu gedenten. Wir können ja den Einzelnen keinen Denkstein sezen, so wollen wir ihrer alle zusammen eines errichten. Heute wird man in vielen Orten an diesen Denkmälern stehen, wird Kränze niederlegen und wird weinen, wie David weinte um den Tod seines Freundes Jonathan: Wie sind die Helden gefallen und die Streitbaren umgekommen!"
Als der erste Napoleon aus deutschem Lande gejagt war in den Befreiungstriegen, da hat man den Totensonntag einge führt. Es ist der eigentliche Gedenktag für Kriegsopfer. Schade, daß man diesen Tag nicht auch für das Gedächtnis an die Gefallenen im letzten Kriege genommen hat. Es steht fast so aus, ols wolle man die Gefallenen eines verlorenen Krieges nicht zusammen ehren mit den Gefallenen des Befreiungstrieges. Wir wissen doch genau, daß die Gefallenen nicht am Ver luste des Krieges schuld find. Auch stehen wir ja als Christen ihrem Tode gegenüber und denten christlich auch über ihr Sterben. Ueber ihrem Grabe flingt die herrliche Verheißung:„, Gei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." Sie waren getreu, sie haben ihr Leben nicht als der Güter höchstes geachtet. Sie mußten ja alle damit rechnen, daß eines Tages ihre Stunde fommen werde. Was sind doch das für Helden, die den Tod nicht fürchten! Nur der kann dem Tode furchtlos ins Auge sehen, der ein Leben nach diesem Tode glaubt. Nur der kann diesen todverachtenden Mut aufbringen, der seiner unsterblichen Seele gewiß ist. Nur der ist zum größten Opfer bereit, der nach Gott strebt im Leben und im Sterben. Nur der Glaubenlose ist seige und furchtsam. Nur dem Gottlojen graut es, wenn er an den Tod denkt. Wir aber glauben unsere Helden in der Ewigkeit. Auch wenn mancher vielleicht in Zeiten vor dem Kriege feiner der Edelsten war. Was hat er doch durch sein uneigennügiges Opfer eine so große Tat getan! Denn er war getreu bis in den Tod.
Das Wort ,, treu sein" tlingt hinein in eine Zeit der Treulosigkeit. Wer noch nicht einmal in irdischen Dingen treu sein fann, wie fann ein solcher an Treue bis in den Tod denten? Gerade im Vergleiche mit unseren Gefallenen erkennen wir, wieweit unser Volt heruntergekommen ist. Deshalb wollen wir sie heute auch als Vorbilder für unsere jezige Generation ansehen. Wollen unsere Jugend anfeuern, daß auch sie einmal werden wie diese Helden, um die wir heute flagen: Wie find die Helden gefallen und die Streitbaren umgetommen!"


