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Vege im Strafvollzug.

Str. 30.

Sonnabend, den 24. Juli 1926.

Ein Festes, ein Ganzes, ein hohes

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troy aller Stürme, ein Weg hinauf zur Sonne, ein Durchlämpfen durch das Dunkle, ein Emporringen aus dem Niederen zum Hohen, eine Vorbe­reitung, eine Probe für das Ewige. Lebenstunde wird von feinem Katheder aus gelehrt. So vieles haben die Menschen von heute zu lernen, schon als Kinder in den Schulen bis hinauf ins Alter. Wie notwendig wäre doch für sie gerade die Lehre vom Leben, damit sie erzogen würden gleich dem Steuermann, der sein Schiff nicht nur durch ruhige, sondern auch durch wilde Gee zu lenken hat, der vorsichtig die Klippen umsteuern muß. die seinem Schiff Gefahren bringen könnten.

Zeit ist in den preußischen Gefange nein das sogenannte Brogressio as den Gefangenen die Möglichkeit hrung allmählich eine beschränkte fzwangs zu erreichen. Zu diesem en eingerichtet worden. Durch eine Bischen Justizministeriums ist nun versuchsweise für einzelne Gefäng n der obersten Stufe ein gewisses ht eingeräumt worden. Sie sol­r Bewegung im Freien und in der sbesondere Sonntags, eine größere m Verkehr miteinander unter ein­genießen. Die Bewegung im Freien Cer Form als bei den übrigen Ge­ie Sonntage wird ein gemeinsamer m zur Verfügung gestellt, in dem

en ausliegen und geeignete Unter­Schach, Halma und dergl. vorhanden e Obmänner haben für die Auf­rdnung zu sorgen. Die Einrichtung Gefangenen zur Selbstverantwor sie für den Uebergang in die Frei­

der Gesundheitsfürjorge.

er. Mitgl. des Reichsgesundheitsrats. Lebensversicherung in inneren Zusam dheitspflege zu bringen, um für den ein­hes Alter, und zwar in voller Gesund erreichen, beginnt jetzt in der deutschen zu fassen. Er ist zuerst in den Ber­

Imerika verwirklicht worden.

egründetes Lebensverlängerungsinstitut zehn Jahren die Idee der Hebung der gerung des Lebens und verfügt heute Mitarbeiter. Dieser Aufklärungsarbeit beugende Gesundheitspflege eintretenden sich eine große Anzahl amerikanischer Hschaften für ihre Versicherten mit Er­

ecke will künftig u. a. die Gemeinnützige ung mit ihrem auf eine hygienische Auf­yſteme dienen.

Verlängerung des Lebens hat ein deut Hufeland, vor 130 Jahren wissenschaft­es sich dabei nicht etwa um ein phan­sondern um tatsächlich erreichbare Mög ie deutsche Reichsstatistik inzwischen auch

kanntgewordenen amerikanischen Ergeb Beweis und gestatten günstige Schluß der weiteren Fortschritte, die sich in en, wenn die seit alters her gepflegte tig mehr als bisher durch eine er­heitsfürsorge unterstützt und ergänzt

Lokales.

ntagsgedanken.

s Leben furchtbar schwer. Er kann es Schifflein von den Wogen hin und her ist oftmals zu schwach, um das Steuer

ordert Künstler. Man spricht von Le -Nicht alle, die malen, sind Künstler, Lebenskünstler. Für viele ist das Leben eihe von Tagen, ein Hin und Her, nichts nur immer Halbes.

n?

chwebe, kam nicht zur Ruhe, wurde immer vorfen.

Köppern erreicht hatte, merkte er, wie kehrte in ein Gasthaus ein und nahm ß zu sich. Dann ging er wieder heim­

Augusttag, die Sonne stand och m lief irgendwo im Walde.

ließ Hans die Landstraße und ging über

n den aufgestellten Garbenhausen aus

te er sich in das Gras.

nach Hause, als sis ich einen festen seine Blide noch dem Flug der Schwal­

dahinschossen. Dann horchte er auf jligen Müden, die droben in der Sonne Ben gingen seine Gedanken. Die Augen feſt ein.

chte, ſtand die Sonne nicht mehr über war schon eine beträchtliche Strecke

Le Füße und schaute hinunter zu den nkelgrüne Pracht im Sonnenglanz da

r zu sich: Ich gehe nicht eher bis ich be."

te, sah er unfern von sich einen Mann

ach Südwesten starrte, indem er mit der

en beschattete. Er war mittlerer Größe, Gesicht bartlos. Er trug einen langen eifach aufgeschlagenen Hut, kurze Bein­Die ganze Kleidung des Mannes machte ud. Ein Bauer aus der Nachbarschaft icht. Die Aufmerksamkeit Hans Heegers ann, das Alter des Mannes abzuſchäzen, 1 Jahren gleich sein.

er Fremde um und sagte mit liebens

in, mein Herr, habt ihr ausgeschlafen?"

chen Tonfall der Worte ging es wie ein

r: Ei, das ist ja ein Franzose." In

Auf Handwerk und Kunst, auf Technik und Wissenschaft wird geprüft, wenn der junge Mann die Schule verläßt; aber auf das Leben als solches hat man doch zu wenig Vorbereitung. Wir hätten in unserem Volfe weniger Schiffbruch, weniger Unter­gang, wenn man jeden Menschen zum Steuermann seines Le­bensschiffleins erziehen würde; wir hätten mehr Freude und Glüd, mehr Geschlossenheit und Menschentum.

Die Schule für Lebenskunst muß im Hause der Eltern sein. Das Glüd dort wirft seine Strahlen hinaus auf die Wege der Kinder. Vater und Mutter müssen die Lehrmeister sein, die den Kindern die Kunst des Lebens lehren sollen. Glüd im Heim ist gelebte Lebenskunst.

Wer seinen Kindern diesen Schatz mit auf den Weg gibt, dem wird das Licht aus deren Leben einmal in sein stilles Altersheim fallen und sein müdes Herz froh machen. Waldfried.

Der Tag hat vierundzwanzig Stunden. Das haben wir zwar immer gewußt, aber wir haben ihn trotzdem ganz ruhig in zweimal zwölf Stunden eingeteilt. Wir handelten beinahe so verrüdt wie die Engländer, die zwar fein Einundzwanzig- Schilling- Stüd besitzen, aber beständig de­mit rechnen und sich so das Leben furchtbar erschweren und auch

perfeuern.

Was war das für eine Wirtschaft wenn wir nach Geln­hausen fahren mußten! Wir hatten nicht beachtet, daß die 4 auf dem Fahrplan unterstrichen war. Und vier Uhr morgens standen wir im Bahnhof, ungefrühstüdt und unrasiert, um endlich angesichts der geschlossenen Sperre von einem schlaftrunkenen, zu­fällig vorbeikommenden Beamten zu erfahren, der Zug ginge am Rachmittag. Der Tag war verloren. Wir sagten: Diem per­didi, d. h., der Tag ist futsch, tranfen schwarzen Kafee, unaus­gesetzt, wie der selige Balzac, und als wir in Gelnhausen glüdlich zu lachen.

Aus diesen Gründen, und weil es die höchstentwickelten Verkehrsländere" schon vorher getan haben das mit den hochstentwidelten Verkehrsländern ist amtlich und ein Geständ­nis, daß sich in Deutschland ,, diesbezüglich" noch viel entwideln läßt

haben Eisenbahn und Post beschlossen, im nächsten Jahre Deutschen Reich den Vierundzwanzig- Stunden- Tag zu

dem schenken.

Wir werden also immer ganz genau wissen, was die Uhr geschlagen hat. Vorsichtigen Gemütern sei aber verraten, daß zweimal zwölf( trotz Gustav Wieds ,, 2X2-5) gleich vierund­zwanzig ist, daß sie also nicht etwa länger zu arbeiten und daß es wahrscheinlich so sein wird, daß gefügige Turm-, Normal­und Bahnhofs- Uhren sowohl die zweimal- zwölf wie auch die vierundzwanzig Stunden anzeigen werden.

Trotzdem wird es natürlich für die Frau Untersteuerein nehmersgattin Schulze aus Schopfloch sehr anstrengend sein, auszurechnen, wie sie es anstellen muß, wenn sie um 18 Uhr 14 Minuten nach Dinkelsbühl fahren will. Aber das sind unver­meidliche Härten der Umwälzung.

Es ist, nach sicherem Vernehmen, jedoch nicht zu befürchten, daß Leute, die im Jahre 1928 noch mit einer Zwölf- Stunden­Taschenuhr herumlaufen, in eine Polizeistrafe genommen werden, jedoch setzen sich übermütige Personen, die es einfallen lassen, allzuschnell eine Vierundzwanzig- Stunden- Taschenuhr zu erwer= ben, sehr genauen Nachforschungen des Finanzamtes aus. Man behalte also möglichst Großpapas Uhr mit dem Schlüssel!

heißer Erregung stand alles vor ihm, was er durch diese Nation gelitten, die Schwester und die Heimat verloren!

Es war gar nichts von Freundlichkeit in seinem Gesicht, als er die Frage des Fremden durch Niden bejahte.

,, Wie kommt dieser Franzose in diese Gegend?- Ah, er stammt wohl aus einem der welschen Dörfer. Dann hat er auch die Heimat verloren wie ich."

Und durch den Gedanken, einen Leidensgefährten vor sich zu haben, milder gestimmt, sagte er: Jhr schaut wohl nach dem alten Vaterlande aus?"

Der Franzose erwiderte schwermütig: ,, Man vergiẞt so schwer die Stätte, wo man als Kind zu den Füßen von Vater und Mutter gespielt hat."

,, Mein Heimatdorf liegt auch drüben im Westen, der Krieg hat mich in die Fremde getrieben," sagte Hans Heeger.

,, In die Fremde? Es ist doch euer Vaterland, und ih: seid unter euren Landsleuten hier, wir aber sind Fremdlinge in diesem Land, es ist uns ein Asyl, eine Zuflucht. Unsern Kindern, vielleicht erst unsern Enteltindern, wird es einmal eine Heimat werden. Wisset, daß meine Landsleute zuerst in armseligen Hütten wohnten und nicht Häuser bauen wollten, weil sie immer noch auf Heimkehr hofften."

..Ihr sei wohl mit euren Eltern nah Friedrichsdorf ge= tommen? fragte Hans Heeger.

,, Ach nein," erwid: ete der junge Franzose, und fuhr sid, mit der Hand über die Augen meine Mutter liegt in Kranfrei begraben, mein Vater aber, ob er dort noch lebt oder verschorrt worden ist, das weiß ich nicht."

..Ihr scheint ein schweres Leben hinter euch zu haben; wenn es euch nicht allzu sehr angreift, so bitte ich euch, mir etwas da­Don mitzuteilen; es ist nicht Neugier, sondern herzliche Teil­nahme, die mir diesen Wunsch eingibt."

,, Wollen wir uns nicht ein wenig setzen", sprach der Fran­zose ,,, es erzählt sich dann besser, und es hört sich besser zu, auch ist meine Geschichte nicht kurz."

Sie nahmen an einem Hang Play, von wo aus die ganze Gegend zu überschauen war. Sonntagsstille und Abendfriede war über der weiten Flur und der waldigen Höhe, über den nahen und fernen Dörfern.

,, Gießener Zeitung"

Trotz dem Fortfall von Morgen- und Abendzeit wird Herrn Rentier Maier sein Morgenkaffee und sein Schlummerpunsch anstandslos weiter bewilligt.

Demnach haben wir allen Grund, uns auf den Vierund­zwanzig- Stunden- Tag zu freuen. Das Leben auf der dunklen Erbe wird flarer und das Sein auf der besten aller Welten dauert länger.

Wer nicht mit der Umwälzung zufrieden ist, muß nach Län dern mit tiefstehendem Verkehr abwandern. Die Paßschwierig teiten sind ja geringer geworden.

* Kreisamt. Auswärtige Amtstage des Kreisamis Gießen sollen im zweiten Halbjahr 1926 regelmäßig stattfinden: 1. In Grünberg: jeweis am letzten Freitag der Monate September ( 24.) and November( 26.) von vormittags 9% bis 1 Uhr im Rathaus. 2. In Hungen: jeweils am letzten Freitag der Mo nate August( 27.) und Oftober( 29.) von vormittags 9% bis 1 Uhr im Rathaus. Anliegen der Kreiseingesessenen aus den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach können an den Amtstagen in Grünberg, solche der Kreiseingesessenen aus den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda an den Amtstagen in Hungen vorgebracht werden.

* Polizeiamt. Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten wird hiermit die Frankfurterstraße zwischen der Friedrich- und der Klinifstraße von Freitag, den 23. Juli 1926 ab bis auf weiteres für jeglichen Fahrverkehr gesperrt.

* 100. Stiftungsfest. Das hiesige Corps Starkenburgia im Kojener S. C. begeht heute, den 24. Juli, und morgen, den 25. Juli, sein 100. Stiftungsfest. Neben den üblichen festlichen Ver anstaltungen findet akademischer Festakt in der Aula der Uni­versität statt, zu dem der Lehrkörper der Universität eingeladen ift.

* Genehmigte Lotterie. Der Minister des Innern hat für ganz Hessen die Geldlotterie der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik zugelassen.

* Schonet die Felder. Wenn der rote Mohn und die freund­lich blaue Kornblume blühen, dann leiden die Getreidefelder unter der Anziehungskraft dieser bunten ,, Untermieter". Beson= ders für Kinder sind die lodenden Farbentinder unwiderstehlich, aber auch die Erwachsenen lassen oft auch die eigentlich selbst= verständliche Pflicht der Schonung der Getreidefelder außer Acht. Verantwortungsbewußtsein in dieser Hinsicht sollten auch vor allem die Führer von Schul- und Vereinsausflügen haben. Diese bieten gerade die beste Gelegenheit, die Kinder auf die unermeßlichen Werte aufmerksam zu machen, die in den werden= den, wachsenden Saaten liegen und die die besten Helfer für uns Deutsche sind, aus unseren wirtschaftlichen Nöten wieder herauszukommen. So barsch der Landwirt den Verfehlungen im einzelnen begegnen mag, so dankbar wird er verständnisvoller Schonung seiner Aecker und Wiesen gegenüberstehen.

* Vorsicht bei der Tollkirsche. Die Tollkirsche ist jetzt rcif. Das äußerst giftige Alkaloid dieser hübschen und verlodenden Beerenfrucht, das berühmte Atropin, bewirkt, wenn man es ißt, Krämpfe und Lähmung des Nervensystems. Auch Todesfälle sind häufig. Man sei deshalb vorsichtig beim Beerensuchen und warne vor allem die Kinder vor dieser lebensgefährlichen Tollkirsche. Die schwarzglänzenden Beeren haben Kirschengröße. * Das 1. Hessische Sängerbundesfest in Mainz. Der Hessische Sängerbund, dem über 500 Gesangvereine im Bereiche unseres Hessenlandes angeschlossen sind und zu dem auch eine große An­zahl von Vereinen aus unserem Bezirk gehört, begeht am 18., 19. und 20. September sein erstes Sängerbundesfest. Die Aus­gestaltung des Festes wurde im Hinblick darauf, daß die Schran­fen zwischen besetztem und unbeseztem Gebiet nunmehr gefallen sind und sich dadurch wieder ein ungehinderter Verkehr abwideln kann, der Mainzer Sängerschaft übertragen. Aus den bereits getroffenen Vorbereitungen kann schon heute geschlossen werden, daß man ein Fest beabsichtigt, wie es imposanter und wuchtiger auch selbst in Vorkriegszeiten kaum geboten werden konnte. Tau­sende von Sängern werden in gewaltigen Massenchören eine

,, Ihr wiß wohl, daß man die Hugenotten in Frankreich, das waren die, die sich von der Papstkirche getrennt, und dem Evangelium zugeschworen hatten, lange Jahre grausam ver­folgt hat. Dann aber kam ein König auf den Thron, Heinrich der Vierte. Der war selbst Hugenotte gewesen, dann aber katholisch geworden, um die Krone von Frankreich zu bekom­men. Er hätte es nicht tun sollen, es wäre besser für ihn und uns gewesen."

Hans Heeger richtete sich unwillkürlich straffer auf, als er den Namen des Königs hörte, mit dem er sich vor etlichen Stun­den hatte trösten wollen.

,, Seltsame Fügung!" prach er zu sich selbst.

,, Dieser König gab uns Hugenotten das Edikt von Nantes; da wurde Friede im Lande. Sein Entel aber, Ludwig der Vier: zehnte, hat eines Tages dies Instrument der Versöhnung zer­rissen und uns nur eine Wahl gelassen katholisch zu werden oder die Heimat zu verlassen! Warum er es getan hat?- Gott allein weiß es. Vielleicht haben ihn die Sünden seines Lebens geplagt, denn er hat Ströme von Blut vergossen, hat in Frant­reich das Volk arm gemacht und bei euch hat er blühende Land­schaften in Wüsteneien verwandelt. Das mag ihn geplagt ha­ben, und er hat gemeint, er verdient sich einen Stuhl im Him­mel, wenn er die Kezer in den Schoß der Papstkirche zurüd­zwingt. Tausende, nein zehntausende stiller, fleißiger Christen hat er ausgetrieben. Deutsche Fürsten haben sie aufgenommen; auch der Landgraf von Hessen, Friedrich der Zweite, hat zwei Dörfer gegründet. ,, Lieber will ich mein Silbergerät ver­kaufen, als diese Leute ohne Unterstügung lassen", sprach er, und solange Friedrichsdorf besteht, darf diese hochsinnige Opferfreu­digkeit nicht vergessen werden."

Der Erzähler hielt inne und schaute mit großen, traurigen Augen in die Ferne. Dann fuhr er fort: Meine Eltern lebten in dem Dorfe St. Hippolyte in der Languedoc. O, ihr wißt nicht, wie herrlich dort das Klima, wie fruchtbar der Boden, wie mild der Winter ist! Abraham Privat hieß mein Vater, ich trage seinen Namen. Ein Ehrenmann war er vom Scheitel bis zur Sohle, mehr noch ein Familienvater voll zeitlicher Sorge, mehr noch ein ernster Christ und treuer Bekenner.

Nr. 30.

Kundgebung veranstalten, die das deutsche Lied, den deutschen Männergesang verherrlicht. Das Programm erstreckt sich über brei Tage.

* Eine italienische Ausstellung. Wir hören aus Kom, daß die Zahl der Teilnehmer an der von der italienischen Regierung geförderten und von den vereinigten Handelskammern und wirt­schaftlichen Verbänden Italiens durchgeführten Ausstellung im Rahmen der bevorstehenden Frankfurter Herbstmesse vom 26. bis 29. September ständig wächst. Italien wird bei dieser Gelegen heit seine wichtigsten Ausfuhrgüter, für die Deutschland von jeher Hauptabnehmer gewesen ist, ziemlich lüdenlos vorführen. Der Schmud des Heimes. Porzellan, Kristall, Marmor, Steingut wird gerne mit Perfil gereinigt, weil die Persillauge den Stücken nicht nur ein glänzendes, gepflegtes Aussehen gibt, sondern die Reinigung dieser Sachen geradezu zu einer Spielerei macht.

Aus Nah und Fers.

Kiosier Arnsburg. Am vergangenen Sonntag fand hier unter Leitung seines Borsitzenden, Pfarrer Benrich Münzenberg. ein Jugendtreffen des Kreisverbandes Oberhessen der evangeli­schen weiblichen Jugend statt, zu dem auf Einladung auch junge Mädchen solcher Gemeinden gekommen waren, in denen noch kein Jugendverein besteht. Landesjugendpfarrer Lic. v. d. Au hielt den Gottesdienst und sprach in dem darauffolgenden Vortrag über die Frage: Warum schließen wir uns zu Vereinen zu= sammen?" Der Nachmittag wurde mit Besichtigung der Kloster= ruine, einer Aussprache über den Vortrag und mit Gesang und fröhlichem Spiel ausgefüllt. Der beste Beweis für das Gelingen des Tages war, daß man beschloß, im nächsten Jahre an gleicher Stelle wieder zusammenzukommen.

Staden. Der hiesige Sportverein hielt Sonntag, den 18. Juli, ein wohlgelungenes Sportfest ab. Um 8 Uhr begann dasselbe mit einem Festgottesdienst, wobei unser Ortspfarrer über 1. Kor. 3,16.17 predigte und vom christlichen Standpunkt aus den Sport und die Körperpflege beleuchtete. Anschließend daran begannen dann um 9 Uhr auf dem hiesigen Sportplatz die Fußballwettspiele. Nach einer Mittagspause bewegte sich um ½2 Uhr unter Beteiligung sämtlicher hiesiger Vereine und der erschienenen auswärtigen Sportvereine in ihren Trikots ein malerischer Festzug durch die Straßen. Darnach fand das End­spiel um den von dem hiesigen Sportverein gestifteten Pokal statt, wobei der Fußballklub Geiß- Nidda mit 1: 0 über Kohden siegte. Den Abschluß bildete ein Tanz im Saale der Gastwirt­schaft Bingmer.

Stammheim. Am 1. August soll hier ein großes Volks­missionsfest stattfinden, wozu gegenwärtig die Vorbereitungen getroffen werden. Mit einem Festgottesdienst um% 2 Uhr soll das Fest beginnen. Herr Missionar Walther hat dafür die Festpredigt übernommen. Nach einer Kaffeepause wird dann im Freien eine Nachfeier sein, bei welcher wieder Herr Missionar Walther- Beuern wie auch Herr Pfarrer Knodt- Bad Nauheim sprechen werden. Zur Begleitung der Gesänge hat sich der Posaunenchor Ober- Modstadt, welcher hier nicht fremd ist, bereit erklärt. Auch wird unser hiesiger Kirchengesangverein mit­wirken. Hoffentlich bleibt auch das Wetter sommerlich troden, damit das Fest schön und programmäßig verlaufen kann.

Darmstadt. Nach Anordnung des hessischen Staatsministe riums findet, wie in früheren Jahren, im Volksstaat Hessen die Verfassungsfeier am 11. August statt. Deffentliche Gebäude haben in den Reichs- und Landesfarben zu flaggen. In den Schulen tritt an Stelle des Unterrichts eine Verfassungsfeier. Beamte und Angestellte staatlicher Behörden haben Büroschluß. Am Abend haben die Behörden bezw. Bürgermeistereien in allen

Maizena

das Kraftmehi

Suppen für Saucen Gemüse

Oh, und meine Mutter!" Abraham Privat hielt eine Weile inne; die Erinnerung über­wältigte ihn.

,, Elf Kinder hat sie meinem Vater geboren, zuerst zwei Söhne, dann neun Töchter. Oh, welch eine fröhliche Kinder­mutter ist sie gewesen! Welcher Sonnenschein war in unserm Hause! Noch zwanzig Jahre nach der Aufhebung jenes Friedens ediktes lebten wir in unserm fleinen Dörfchen in völligem Frie­den; dann aber brach's noch über uns herein wie Wetterschlag und Wolkenbruch. Habt ihr einmal etwas gehört von den Dragonaden? Nein? Nun, man legte uns das Haus bis zum letzten Raum voll von wildem, wüstem Kriegsvolt, meistens waren es Dragoner, daher der Name. Wie Heuschreden im Feld, so fraßen sie unser Haus fahl. Die Mutter quälten und mißhandelten sie so, daß sie starb; den Vater warfen sie in eine Festung und gaben ihm vier Wochen Frist, seinen Glauben ab­zuschwören. Uns Kinder trieben sie aus dem Vaterhaus. Ich war damals sechszehn Jahre alt, mein Bruder Anton vierzehn, die kleinste meiner Schwestern aber erst zwei Jahre. Erlaßt mir, euch zu schildern, wie wir in den Wäldern und Feldern umher­irrten. Wären nicht barmherzige Nachbarn gewesen, wir wären verhungert."

Von plötzlicher Bewegung übermannt, umfaßte Hans Hee ger den Erzähler und drüdte ihn an sich. Abraham Privat fuhr fort:

,, Es was an einem Sonntag wie heute Der Abend fam heran, wir waren müde, dazu hatten wir wenig gegessen; nun galt es, ein Nachtquartier zu suchen. Unfern von uns erhob sich ein gewaltiges Gemäuer. Wir eilten darauf zu, und am Fuße eines breiten, runden Turmes dudten wir uns zum Schlafe nie­der. Doch die Kleinen wollten nicht ruhen, sie wollten heim, zu Vater und Mutter, wir trösteten sie, so gut es ging, bis sie sich in Schlaf gemeint hatten.

Und in diesem Turm saß mein unglüdlicher Bater. Er hörte die Stimmen der Kinderschar, er vernahm das Klagen der Kleinen."

Abraham Privat stodte einen Augenblid. Fortsegung folgt.