Sonnabend, den 21. August 1926.
Der Erlaß von Ausführungsbestimmungen zur Klarstellung etwa zweifelhafter Bestimmungen des oben genannten Gesetzes tommt nicht in Frage."
Es muß in hohem Maße befremden, daß eine Spigenbehörde des Reichs die Wirtschaft auf diese Weise auf den Klageweg verweist. Nicht nur, daß in krijenzeiten, wie sie gegenwärtig die Wirtschaft durchmachen muß, jeder Prozeß nach Möglichkeit vermieden werden muß, ist es auch unverständlich, daß eine Behörde, welche unflare gejegliche Bestimmungen hat ergehen lassen, sich furzerhand weigert, die erforderliche Interpretation jelbst zu geben und es statt bessen Gerichtsbehörden überlassen jehen will, für Klarstellung Gorge zu tragen. Dies um so mehr, als der Reichsarbeitsminister auf die weitere Anregung des Hanja- Bundes, die zur Hebung vorhandener Zweifel nötigen Durchführungsbestimmungen ergehen zu lassen, erwidert hat, der Erlaß derartiger Bestimmungen zweds Klarstellung tomme nicht in Frage.
Auswandererlos.
Wir erhalten folgenden Brief aus Brafilien: X., den.... ,, Wir, eine große Anzahl von Familien, befinden uns hier auf einer Kaffeeplantage in sehr schwerer Lage. Einmal sind wir die Arbeit nicht gewohnt, und dann fönnen wir auch das Klima nicht vertragen. Wir erhalten einen sehr geringen Lohn, und die Lebensmittel sind sehr teuer. Wir wenden uns darum an Sie mit der Bitte um Rat und Auskunft, ob wir keine bessere Stelle mit einem gefunderen Alima erhalten fönnen. Wir wollen gern arbeiten, aber wir möchten auch in eine solche Gegend, wo das klima erträglich ist und wir auch die gewohnten Lebensmittel erhalten können. Kartoffeln fosten hier 70-80 Milreis der Zentner, und das fönnen wir nicht bezahlen. Wir sind noch nicht lange hier und haben schon eine Reihe von Toten; die anderen sind fast alle frant, und wenn wir nicht bald von hier wegkommen, gehen wir alle zugrunde.
Wir bitten Sie nochmals um Ihren Rat und Hilfe und senden Ihnen schon unseren besten Dant im voraus. Mit herzlichem Deutschen Gruß und im Namen der ganzen Gruppe... Jhr..."
Wieder einer der Briefe, wie wir sie oft erhalten und ge= lesen haben. Das alte Lied! Man verläßt die Heimat in der Annahme, daß es nirgends schlechter sein könne als in Deutschland; man wandert aus in gänzlich unbekannte Länder, ohne fich in irgend einer Weise über deren Verhältnisse zu orientieren und ist dann nachher erstaunt und überrascht, wenn dort alles jo ganz anders ist, als man es sich gedacht hatte. Dann beginnt das Klagen und Jammern und Schimpfen auf das Land, das man sich selber in völligster Unkenntnis seiner Berhältnisse ge= wählt hatte. Sicherlich hat Brasilien noch unendlich viel Raum und Möglichkeiten für große Scharen von Einwanderern, aber, das ist die Frage, ob sich alle, die dorthin auswandern wollen, für dies Land eignen, ob sie die dortigen Verhältnisse meistern, die ungeahnten Schwierigkeiten überwinden und sich, was auch kommen mag, durchsetzen werden. Also erst genaueste Kenntnis der Verhältnisse des Ziellandes, und dann mit allem Ernst die Frage immer wieder prüfen, ob die Kräfte und Mittel reichen, diesen Kampf aufzunehmen, um ihn auch zu bestehen. Und wo erhält man die gewünschte Aufklärung und Auskunft über das Land, nach dem die Auswanderung gehen soll? Der Evangelische Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswanderer in Witzenhausen a. d. Werra ist auf Grund seiner fast 30jährigen Tätigkeit in der Lage, in allen die Auswanderung betreffenden Fragen Rat und Auskunft zu erteilen. Jede Aus funft erfolgt fostenlos. Man wende sich vertrauensvoll an ihn. Seine Monatszeitschrift ,, Der deutsche Auswanderer" unters richtet über alle Fragen der Auswanderung und Siedlung. Probenummern kostenlos.
Berlin Newyork im Flugzeug?
Nach einer Erklärung der„ Aviation", Major Gardner, der als seinen Gewährsmann den Direktor des Zivilflugwesens in Deutschland, Dr. Brandenburg, nannte, werden 3. 3. in Deutschland Pläne für ein Riesenflugzeug ausgearbeitet, mit denen im nächsten Sommer regelmäßige Passagierflüge BerlinNewport aufgenommen werden sollen. Das Flugzeug werde jeweils 60 Personen befördern.
,, Gießener Zeitung"
Lokales.
Sonntagsgedanken.
Wenn Arbeit ruht, wenn fein Hammer flingt, wenn Sonntagsgloden läuten, wenn der Friede über die Erde zieht dann sind auch die Stunden der Einkehr für uns Menschen. Haben wir an schweren Arbeitstagen vorwärts geschaut, so lassen wir gerne in Stunden der Ruhe unsere Blide rüdwärts schweifen und aus alten Zeiten liebe Menschen, gute Taten, schöne Tage an uns vorüberziehen. Das Märchenwort„ Es war einmal" steigt dann auf aus fernen Zeiten.
Heute mehr wie je wedt dies traute Wort ein banges Klagen, weil die herbe Gegenwart alle Freude und alles Glüd, wie es einft gefühlt wurde, unseren Herzen entrüdte. Nur Erinnerung blieb zurück und sie ist es, die uns heute so gern zurückführt in die gute alte Zeit. Da sehen wir Freude, Friede und Glüd in weiter Ferne schreiten, wir fühlen den Zauberstrahl, der einst diese Tage erhellte. Damals freilich ging es uns wie allen, die im Glücke schwelgen. Erst wenn man etwas verloren hat, lernt man es bewerten.
Heute spannte sich ein trüber, grauer Schleier über das einst so glückliche Land. Vergangen ist aller Glanz, dahin alle Kraft, verklungen ist der Lieder Kranz von Freiheit, Ruhm und Waffenehre. Es war einmal!
Geblieben ist die Erinnerung. Doch wer sie fühlen kann so recht in seinem Herzen, dem gibt sie seiner Seele Kraft und Schwung und weckt den Geist, den alten. Und wenn auch jetzt noch Gorge, Not und Leid mit uns des Weges schreiten, so löft die Erinnerung doch die Hoffnung aus, daß einmal auch bessere Tage wieder kommen werden. Erinnerung ist und war stets der helle Stern in dunklen Leidensnächten. Erinnerung an große Zeiten läßt uns viel überwinden.
Und wenn ein fester Wille uns aus aller Not und Qual geführt hat und in unser Heimattal das alte deutsche Glüc wieder zurückgekehrt ist, dann werden wir einst auch von diesen Zeiten der Trübsal sagen können:
Es war einmal.
*
Arbeitslust und Arbeitswut.
W- d.
Es ist in der Welt reichlich dafür gesorgt, daß die Arbeit nicht abreißt". Arbeit ist immer da. Arbeit ist sogar meist viel mehr da, als geschafft werden kann. Wenn es bloß auf das Vorhandensein von Arbeit anfäme, gäbe es überhaupt keine Arbeitslosigkeit. Da aber die Arbeit dasjenige ist, wovon der überwiegende Teil der Menschen lebt, so tommt es eben weniger darauf an, daß Arbeit da ist, als vielmehr darauf, daß einer da ist, der die Arbeit auch bezahlt. Glücklicherweise ist der Mensch in seiner Arbeitslust nicht unbedingt davon abhängig, daß seine Arbeit bezahlt wird. Von Natur aus ist der Mensch gar nicht so materialistisch, so gewinnsüchtig veranlagt, wie ihn der Existenzkampf oft erscheinen läßt. Auch da, wo unsere Fertigkeiten der unterm Erwerbszwang übernommenen Beschäftigung entgegenkommen, ist die Freude darüber, daß wir etwas können, daß wir etwas leisten, in der Regel viel größer als die Freude, daß wir etwas dafür bekommen. Und das nicht etwa nur darum, weil wir doch allemal weniger bekommen, als wir gern haben möchten. Immerhin: es gibt Arbeiten, die man gern tut und solche, die man nicht gern tut: und es gibt Menschen, die gern arbeiten und solche, die keinen überwiegenden Drang zur Arbeit haben. Gemeinhin nennen wir den, dem alles frisch von der Hand weggeht, fleißig. Aber manche Leute sind geradezu nur aus Lust an Bequemlichkeit und Ruhe fleißig: auch sie arbeiten schnell und gut. Aber doch nicht eigentlich aus Freude an der Arbeit, sondern damit sie möglichst bald um so ungestörter ihre Ruhe genießen können. Manche scheinbar so frische Betriebsamkeit hat ihren letzten Grund in dem Wunsche, endlich wieder mit innerer und äußerer Ruhe sich selber zu ge hören. Es wird gewiß im Effekt der Arbeit dadurch nicht viel geändert; aber diese Art Arbeitslust kann gar zu leicht in Arbeitswut umschlagen, weil einem ärgerlich ist, wenn die Arbeit nicht getan ist, aber ebenso ärgerlich, daß man sie tun muß.
Außer einigen wenigen handschriftlichen Aufzeichnungen
Der Dichter des„ Simplicius Simpliciffimus". und gelegentliche Erwähnung, die der Dichter in Urkunden
Zum 250 Todestag Johann Christophs von Grimmelshausen.
Von Dr. phil. Kurt Cramer.
Vor einem viertel Jahrtausend, am 17. August ds. Js. 1676, starb in dem badischen Städtchen Renchen, das damals noch ein Dorf war und dem Bischof von Straßburg zugehörte, der Schultheiß Johann Christoph von Grimmelshausen, der Verfasser der , Simplicianischen Schrift". Der Todeseintrag ist eine der wenigen ganz sicher verbürgten Nachrichten, die wir über diesen Dichter besitzen. Erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten ist es fleißiger und mühsamer Forscherarbeit gelungen, etwas das Dunkel zu lichten, das bisher über dem Leben des Dichters lag; doch ist auch das bis jetzt in Erfahrung Gebrachte noch immer wenig genug.
Wir wissen, daß er 1637 Musterschreiber beim Grafen Göz, von 1639-1648 in Offenburg Sekretär des Stadtkommandanten, 1648 Regimentsschreiber in Wasserburg gewesen ist, wissen ferner, daß er am 30. August 1649 in Offenburg eine gewisse Katharina Henninger, die Tochter eines Schauenburgischen Wachtmeisterleutnants, geheiratet und mehrere Kinder mit ihr gezeugt hat. Außerdem ist uns bekannt, daß er von 1650-1660 in Gaisbach und von 1662-1664 auf der diesem Orte benachbarten Ullenbahn Schaffner gewesen ist, von 1665-1666 aber Wirt in Gaisbach und schließlich von 1667-1676 Schultheiß in Renchen.
Das sind die wenigen ganz feststehenden Tatsachen, die man über das Leben Grimmelshausens hat in Erfahrung bringen können. Der Tag, das Jahr und der Ort seiner Geburt haben sich noch immer nicht genau feststellen lassen. Die einen nehmen das Jahr 1625, andere 1620 und wieder andere sogar 1610 als sein Geburtsjahr an. Und ob er direkt in Gelnhausen oder in einem der umliegenden hessischen Dörfer das Licht der Welt er blickt hat, ist gleichfalls noch nicht entschieden, eben so wenig wie seine Jugendschicksale bis zum Jahr 1637.
findet, sind es vor allem die ,, Simplicianischen Schriften", die uns Auskunft über sein Leben und seine Persönlichkeit geben. Mit gutem Rechte wird besonders sein Hauptwert, der„ Simplicius Simplicissimus", als ein in vieler Hinsicht autobio graphischer Roman angesehen; doch muß man sich hüten, in gar zu weitgehendem Maße das Schicksal des Romanhelden mit dem des Dichters zu indentifizieren.
Unzweifelhaft ist Grimmelshausen, ähnlich wie sein Simplicius, schon frühzeitig in den Strudel des dreißigjährigen Krieges hineingerissen, vielleicht auch, wie dieser, in jungen Jahren von Soldaten entführt worden. Während dieser Mili. tärzeit muß er in vielen Teilen Deutschlands und vielleicht auch des Auslandes herumgekommen sein. So hatte er reichlich Gelegenheit, das Rasen der Kriegsfurie aus eigener Anschauung kennen zu lernen. In feinem anderen Buche hat das Tun und Treiben, Fühlen und Denken jener Kriegszeit so deutlich und lebendig seinen Ausdruck gefunden, wie in den„ Simplicianischen Schriften". Allerdings war es Grimmelshausen, der immer nur niedere militärische Stellung bekleidet hat, nicht vergönnt, vom hohen Gesichtspunkte aus die mannigfach verschlungenen Fäden des strategischen und politischen Getriebes jener Zeit zu überschauen, eben so wenig wie er mehr als ge legentliche Einblicke in das Leben der höheren und höchsten Stände hat tun können. Was er fannte, und was er mit scharfem Auge zu erfassen und mit treffenden Worten in der anschaulichsten Weise darzustellen wußte, war das Leben der großen Masse: Der einfachen Soldaten und niederen Offiziere, der Bürger und Bauern.
In einem der ersten Kapitel des Simplicissimus" symboli fiert er meisterlich in Traume vom Kriegsbaum, die durch den einander. Simplicius träumt einmal, so wird dort erzählt, von Krieg geschaffenen Verhältnisse der verschiedenen Stände zu einem Baum, der Stamm und die Wurzel desselben werden von Bürgern und Bauern gebildet. Von ihnen empfängt der Baum
Nr. 34.
Hessisches Amtsgericht. In das Vereinsregister wurde am 12. August 1926 eingetragen: Anglersportverein Gießen und Umgegend in Gießen. Vorsitzender Georg Keil, Schornsteinfegermeister, Gießen.
* Straßensperrungen. Wegen Vornahme von Umpflaste rungsarbeiten wird hiermit die„ Kliniksbrücke" am Bahnhof bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt.- Anläßlich des am 22. August 1926 bei den Bootshäusern an der Lahn stattfindenden Schwimm- und Rudersportwerbetages wird hiermit der an dem Bahndamm entlang ziehende Verbindungsweg zwischen Rodheimer und Ederstraße am 22. August von nachmittags 2 bis 7 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt.
Sonnabend, den 21. Auguf
sherrn Landgerichtsrat Stugma angen im Steinobftbau" vor. det die Eröffnung der vom
gelheim e. V. veranstalteten Jul -Ausstellung in der Markthalle * Marineforpstag in Kiel. D menkunft der Flanderntämpfer i September ds. Js., während wel einem Ehrenmal für die gefallen uf dem Flandern- Play" in Riel in den Kameradenkreisen ganz De aus begeisterten Widerhall gefund dungen find zu richten an Ramerad raße 27. * Ein Großes Los nach Darms Los der Preußischen Klassenlotterie nach Darmstadt. Die 300 000 Ma 284 934, die in Viertellofen gespielt Leuten, denen der Gewinn wohl zu g erhält 60 000 Mart ausbezahlt.
Jagdaufgang. Nach einer Verfügung des Minnisters des Innern vom 18. Ifd. Mts. ist der Aufgang der Hühnerjagd für ganz Hessen auf Montag, den 30. August 1926 festgesetzt. Die Jagd auf Fajanen beginnt darnach am Donnerstag, den 16. Seps tember 1926.
* Erhöhtes Porto aus dem Saargebiet. Vom 11. Auguft an sind die Gebühren für Briefe, Postkarten und Drucksachen aus dem Saargebiet nach Deutschland erhöht worden.
Telegraphie für jedermann. Die deutsche Postverwaltung verfolgt, wie aus Berlin gemeldet wird, den Plan, die Telegraphieapparate ebenso an Private auszugeben, wie den FernSprechapparat. Das Telegraphieren jetzt heute bei dem Telegraphisten teine besonderen Kenntnisse mehr voraus. Er braucht nicht mehr mit dem Klopfer des Morseapparates Striche und Punkte zu Buchstaben und Wörtern zusammen zu setzen, sondern er muß nur die Tastatur einer Schreibmaschine beherrschen können, um selbst telegraphieren zu tönnen. Das Ziel der deutschen Telegraphenverwaltung ist es, jedem Privaten, der einen sol chen Telegraphenapparat sich in seinem Büro anbringen läßt, auch die Möglichkeit zu bieten, ins Ausland zu telegraphieren. Heute ist dies noch nicht möglich wegen der verschiedenen alpha= betischen Systeme im Verkehr mit dem Auslande. Auf der näch ften internationalen Konferenz der Telegraphie, die im Laufe dieses Jahres noch in Berlin tagen wird, soll jedoch ein internationales Einheitsalphabet für den Telegraph geschaffen werden.
Die
* Zur Einführung der Vierundzwanzigstunden- Zeit. Einführung der sogenannten Vierundzwanzigstunden- Zeit gilt vom Frühjahr 1927 ab im deutschen Verkehrswesen nur für den Eisenbahn, Post- und Telegraphenbetrieb. In den sonstigen öffentlichen Verwaltungszweigen und im bürgerlichen Leben bleibt die hergebrachte Zählung nach Vormittags und Nach mittagsstunden bestehen. Von einer Aenderung der Zifferblätter an den Bahnhofsuhren wird, wie in den angrenzenden Ländern mit vierundzwanzigstündiger Zeitrechnung, abgesehen werden können, ohne daß Mißverständnisse zu befürchten sind. Dagegen sind die notwendigen Aenderungen der Stempel, Drudsätze, Anzeigentafeln usw. rechtzeitig in die Wege zu leiten.
* Keine Bestimmungsmenfuren mehr. Wie das Heidel berger Tageblatt" meldet, teilte gestern in der Presse besprechung der Polizeidirekter mit, daß auf höhere Anordnung Bestim mungsmensuren nicht mehr geduldet sind, und daß die Polizei vom nächsten Semester ab dagegen mit aller Schärfe vorgehen wird.
* Steuermilderung für fleinere Landwirte. Wie mitgeteilt wird, sind unter dem 12. Auguft vom Reichsfinanzminister die neuen Grundsätze über die Besteuerung des bäuerlichen Bes fizzes ausgegeben worden, nach denen die Einkommensteuer der nicht buchführenden Landwirte für das Wirtschaftsjahr 1925/26 veranlagt werden soll, und die Umsatzsteuer- Vorauszahlungen auf die Umsätze im Wirtschaftsjahre 1926/27 zu leisten sind. Für die Einkommensteuer bestimmt der Reichsfinanzminister, daß die Durchschnittssätze alsbald endgültig festgesetzt werden sollen. Die im Betriebe mitarbeitenden Familienangehörigen, für die nicht bereits Familienermäßigungen gewährt werden, sollen bei der Einkommensermittlung nicht mehr voll, sondern nur zur Hälfte berücksichtigt werden. Bei der Umsatzsteuer soll die Bewertung des Eigenverbrauchs auf Grund der Großhandelspreise erfolgen. Obst- und Gartenbauverein. Der Landesverband der Obst- und Gartenbauvereine in Hessen hält am Samstag, den 18. September ds. Js., nachmittags 1% Uhr, in der Turnhalle zu Ober- Ingelheim( Kreis Bingen) seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Tagesordnung sieht u. a. einen Vortrag
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all seine Kraft und Lebensfähigkeit. Aber er fann nicht zum Gedeihen kommen; denn auf den Zweigen sitzen, statt der Blät ter, unzählige Scharen von Kriegsleuten, die durch allerlei Blackereien die unteren friedlichen Stände bedrüden und quälen und das, was jene in faurer Arbeit Nützliches und Lebensnot wendiges schaffen, leichtsinnig und übermütig vernichten und vergeuden. In dem obersten Teile der Baumkrone aber, wohin den anderen der Aufstieg so gut wie unmöglich gemacht ist, sitzen die nur aus Adligem bestehenden Offiziere. Diese sind die eigentlichen Nugnieser des Krieges. Sie bedrücken sowohl die ihnen untergebenen Soldaten, als auch Bürger und Bauern und fangen mit Leichtigkeit die Goldstücke auf, die bisweilen cin Kommissarius aus einer Wanne in Form von Kontributionen über den Baum ausschüttet; Sie führen ein Leben herrlich und in Freuden; während die anderen Stände, die große Masse des Volkes, darben und verderben.
In einer reichen, überreichen Fülle von Bildern und Geschehnissen führt der Dichter in seinen Simplicianischen Schriften die verschiedenen Szenen des wildbewegten Kriegstheaters dem Leser vor Augen, und zwar immer so, wie es der Mann aus dem Volke und das einfache Militär erlebte. Wir hören von Plünderungen, Raub, Mord und Totschlag, von Quälereien
und Marterungen, von Kriegslisten, Gaunerstreichen und Narrenpossen, sehen den Dichter mit seiner Gelehrsamkeit prunten und gleich darauf von abergläubigen Borstellungen bes fangen und hören mit Ergriffenheit, wie er, wenn auch scheinbar mit lächelndem Munde, so doch in Wirklichkeit mit tiefem fittlichem Ernst die Ausschweisungen und Laster seiner Zeit an den Pranger stellt.
In einer Reihe vorzüglich beobachteter und scharf umrissener Inpen charakterisiert er aufs treffendste die verschie denen Vertreter des Soldatenstandes. Da ist der feige, trottelSpringinsfeld, der nirgends ein dauerndes Glück zu finden hafte Hungerleider Schmalhans; da ist der Kede Draufgänger weiß; da ist Oliviere, das früh verdorbene Muttersöhnchen, der schließlich nach einem verruchten Leben als meuchelmörderischer
A: s Nah u Buzbach. Hier sind Unterschlagu ten beim hiesigen Elektrizitätswerk ich bisher auf 7000 Mark beläuft. schlagungen nicht aus Not erfolgten verhältnismäßig hohe Kriegsbeschädi tömmlichen Gehalt.
Friedberg. An der hiesigen He bau und Landwirtschaft beginnt am
ein Obstverpackungslehrgang. Ann tien zu richten.
Bad Nauheim, 19. August. aatlichen Ausstellungsraum in de beim findet vom 15. Auguſt bis tellung„ Sessenkunst“ statt, die vo beitsgemeinschaft für bildende Kun hält eine kleine, aber sehr gewähl Werte aller Fachgebiete. Es sind L Griffelkunstblätter, kleine Bildhaue liche Werke jeglicher Technik, an de fischen Künstler und auch die Kuns bach, Erbach beteiligt haben. Di bei freiem Eintritt jederzeit zugän und der niedrigen Preise wegen zu Lauter( Kr. Gießen. Hier ist amtlich festgestellt und ein Sperrge bis zur Bingmühle gebildet worden
Alsfeld. Infolge Walzarbeiter -Ruppertenrod- Ober- Ohmen erfo Umleitung des Verkehr über jaajen- Ruppertenrod- Ober- Ohmer
Heppenheim a. d. B., 17. Aug des Burgfrieds der Starkenburg etwa 35 Meter hoch, also mehrer Burgfried werden. Zur Wasserb 30 Meter tiefen Burgbrunnen tief feiten bereitet das Herbeischaffen noch fehlenden finanziellen Mittel aufbringen zu können.
Alzen. Der verheiratete Arbe wurde vergangenen Gamstag ab Halsschlagader erstochen. Der Ge det. Einer seiner Söhne, der bei Bater zu Hilfe kommen wollte, e verlegungen. Der Täter, der ebe und dort verheiratete Trautwein Tat durch die Gendarmerie aus
Weglar. Auf bis jetzt nicht a benachbarten Hofgute zu Hermam die Mühle des Gutes, die seit ein gefegt war, vollständig nieder. D feuerwehr und unterstützt durch d Wegelagerer ein gewaltsames End Gegenstüd, die böhmische Solda furzem Glüde durch eigene Schuld Bagabundin verkommt; da ist aud jal bald begünstigt, bald verfolgt, mitfühlendes Herz erhält, seinem
die Treue wahrt und ihm nach was dieser ihm erwiesen hat. Als unschuldiger, unwissender K trabel, lernt sich noch allerlei S dank seiner Klugheit, Geschicklicht tollen Welt zurechtzufinden und Er wird bald ein tüchtiger Sold wirbt sich Ehre und Reichtum in alle guten Lehren, die er in sein cin Stutzer, Verschwender und Bermögen, wird nach einander um Marodeur, tommt wieder zu lebt in behaglichen bürgerlichen B lich die Welt, geht als Einsiedler philosophieren und ein Gott woh
pas ihm in der füd- und lasterh In der Schilderung und C crweist sich Grimmeshausen als in lebendigen, anschaulichen Szen Untugenden vorzuführen. Die Saufen, das Stutzertum und a la Tanzen und die dadurch gefä meifungen, das Karten- und Gotteslästern, dies alles weiß Gr trefflichen Farben zu malen. 2 Verderbtheit der Welt Luft, son übertriebene Schilderungen der Laiter diese als närrisch und eine mürid hinzustellen und an diesem
nicht so sehr durch Moralpredig


