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39. Jahrg.
Samstag, den 17. Juli 1926.
Nr. 29.
Gießener Zeitung
Erscheint: Samstags.
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 Pig. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdlendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
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Geheimrat König über das Werk Zeppelins.
Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Walter König- Gießen, der 2. Vorsitzende des Vereins für Luftfahrt e. V., machte uns folgende Erklärungen über den Zeppelin- Luftschiffbau und die Zeppelin Edener Spende:
Ich bin immer ein aufrichtiger, begeisterter Bewunderer Zeppelins gewesen. Sein Gedante des starren Luftschiffs und dessen erfolgreiche Durchführung erscheint mir als eine der größten Taten, die deutschem Geiste entsprungen sind, als eine der größten Erfindungen, die ein Deutscher der Welt geschenkt hat. Ich bin überzeugt, daß das Luftschiff im Luftverkehr seine Bedeutung für Reisen über sehr lange Streden neben dem Flugzeug stets behalten wird, sobald es nur erst einmal richtig in den Verkehr eingestellt ist. Für wissenschaftliche Aufgaben aber, besonders für die Erforschung unbekannter Länder, halte ich das Luftschiff für sehr viel geeigneter als das Flugzeug. Darum hat meiner Ansicht nach die ganze Welt ein Interesse daran, das Lebenswert Zeppelins nicht verfallen zu lassen. Aber nur wir Deutsche haben in den Werken von Friedrichshafen und in den Männern, die sie leiten, die auf langer Erfahrung beruhende Möglichkeit, den Gedanken Zeppelins fortzuführen und weiter auszubauen. Wahren wir das Vermächtnis des Grafen, indem wir alles daran setzen, den Luftschiffbau in Friedrichshafen zu erhalten. Möchte in der Reichssammelwoche jeder Deutsche sich dieser Verpflichtung bewußt sein und sein Scherflein, und wenn es noch so klein ist, dazu beitragen."
Endgültiges Voltsentscheids- Ergebnis.
Berlin, 16. 7. Der Reichswahlausschuß hat heute vormittag das endgültige Ergebnis des Volksentscheids festgestellt. Die Zahl der Stimmberechtigten betrug 39 785 950. Von diesen gaben 15 599 797 ihre Stimme ab. Die Beteiligung betrug demzufolge 39,3 Prozent. Ungültig waren 558 903 Stimmen. 14 456 184 Stimmen lauteten mit„ Ja“, 585 710 lauteten mit ,, Nein".
Reichsminister a. D. Koch vor der Marburger Studentenschaft.
Marburg, 16. Juni. Gestern abend sprach in dicht besetzten großen Hörsaal der Universität Reichsminister a. D., Reichstagsabgeordneter Koch über„ Das neue Deutschland". Einleitend betonte er, daß Deutschland als machtloser Staat in den letzten sieben Jahren keine andere Außenpolitik treiben konnte, als die von Rathenau begonnene und von Stresemann nach seiner eigenen Aeußerung gradlinig fortgeführte Erfüllungspolitik deren Prinzig der elastige Widerstand gewesen sei, der nichts unnötig preisgegeben, unnötige Konflikte aber vermieden habe. Die Erfolge dieser Politik seien klar, wenn man sich den Stimmungswechsel vergegenwärtige, der zwischen Spa 1918 und Locarno 1925 eingetreten sei. Diese Politik könne allein die Zukunft Deutschlands und Europas sichern. höchste Gut eines Volkes, vielmehr sein Leben und seine Freiheit; aber ein neuer Krieg werde der deutschen Kultur und der Kultur des gesamten Abendlandes ein Ende bereiten. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterführung unserer Außenpolitik sei die Einigung im Innern. Der letzte Grund der Gegensätze bei uns sei die Verschiedenheit in der Frage der Staats: form.
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Man sieht aus dieser Tabelle, daß das Schwergewicht der Beitragsleistung bei den Beitragsstufen von 20,81 M. bis 36,40 9. liegt. Sie umfassen 54,4 Prozent aller Mitglieder, für die Angaben gemacht wurden. In den beiden höchsten Gtu: fen überragen die Anteilziffern im Jahre 1924 die des Jahres 1913 um ein ganz erhebliches, wo nur 1,8 bezw. 5 Prozent vorhanden sind.
Allgemein ist über die Höhe der Beiträge zu sagen, daß sie etwa 2 bis 2% Prozent des Einkommens betragen. An Streitbeiträgen wurden aus manchen Bezirken bis zu 5 Mart monatlich gemeldet. Zu diesen laufenden Beiträgen kommen die Eintrittsgelder noch hinzu, die durchschnittlich einen Wochenbeitrag
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Gassernversorgung.
Mit der zur Zeit zur Erörterung stehenden überaus wich tigen Frage der Gasfernversorgung haben sich nunmehr auch maßgebende Kreise der Wirtschaft beschäftigt. Am Dienstag, den 13. Juli 1926 tagten zu Darmstadt führende Persönlichkeiten der Wirtschaft der Provinz Starkenburg, die nach eingehenden Beratungen einstimmig die folgende Entschließung faßten:
,, Wie bekannt, wird von maßgebender Seite seit geraumer Zeit das groß angelegte Projett einer aufs rationellste arbeiten den zentralen Gassernversorgung des rhein- mainischen Wirt schaftsgebietes betrieben.
Zahlreiche, heute im Sigungssaal der Hessischen Industrie
und Handelskammer Darmstadt versammelte Mitglieder dieser Kammer, der Darmstädter Industriellen- Vereinigung, des In
dustrie- Verbandes Starkenburg, sowie weitere Vertreter der interessierten Wirtschaftskreise aus Stadt und Land erklären
( Gießener Tageblatt)
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Zur 400jährigen Erinnerung an den Reichstag in Speyer.
25. Juni bis 26. August 1526.
Am 25. Juni 1926 waren genau 400 Jahre verflossen, seitdem der in der Geschichte der deutschen Refor mation ewig denkwürdige Reichstag zu Spener durch den Erzherzog Ferdinand von Oesterreich, dem Bruder Kaiser Karls V., eröffnet wurde; denkwürdig vor allem deshalb, weil der Beschluß dieses Reichstages die Grundlage zur Bildung evangelischer Landeskirchen geworden ist. Auch die hessische Landeskirche, deren Organisation in den Jahren 1526-28 erfolgte, verdantt jenem Speyerer Reichstagsabschied ihre Entstehung.
Es verlohnt sich deshalb der Mühe, den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen zu Speyer einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen.
Mit der Bannbulle und dem Wormser Edikt, das über Luther und seine Anhänger die furchtbare Strafe der Reichsacht verhängte, glaubten die päpstliche Partei und der Kaiser das Lodesurteil über die lutherische Bewegung gesprochen zu haben. Doch die ihr innewohnende göttliche Kraft ließ sich so wenig durch Menschensatzungen vernichten, wie einst 1400 Jahre früher das aufteimende Christentum durch Edikte der römischen Cäsaren. Kaiser Karl, infolge eines langwierigen Krieges mit Franz I. von Frankreich jahrelang von Deutschland abwesend, bemühte sich vergebens um die
Durchführung des Wormser Ediktes. Zwei in seiner Abwesenheit zu Nürnberg abgehaltene Reichstage faß ten Beschlüsse von lediglich aufschiebender Bedeutung. Da kam die Kunde von der glücklichen Beendigung des
nach eingehender Darlegung des Planes durch den Provinzial- Krieges durch den glänzenden Sieg der Kaiserlichen
direktor der Provinz Starkenburg Dr. Kranzbühler und den ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule zu Darmstadt Dr. Heidebroek einstimmig:
Das Projekt der Gasfernversorgung unseres Gebietes ist von alien beteiligten Stellen, namentlich aber von den Stadtund Gemeindeverwaltungen, die zur Zeit Gas erzeugen, schleunigst aufs ernsthafteste mit aller Tatkraft zu betreiben, wenn nicht durch Zeitablauf schwere nicht wieder gut zu machende Nachteile entstehen sollen, die die Durchführung des sehr aussichtsreichen nicht nur weitesten Kreisen der Wirtschaft, sondern jedem einzelnen Gasverbraucher größte Vorteile bietenden Planes in Frage stellen und schließlich unmöglich machen müssen."
nicht vertragen. Gewiß sei der Friede nicht das
Die Reise um die Welt.
Newyork, 15. Juli. Die amerikanischen Weltflieger Evans und Wells, die mit ihrem Flug um die Welt einen Reford brechen wollten, tamen gestern in Neuport an. Sie vollendeten den Flug um die Erde in 28 Tagen und 14% Stunden. Die bisherige schnellste Reise um die Erde wurde im Jahre 1913 in 35 Tagen ohne Flugzeug durchgeführt.
Die Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder.
Im Jahre 1913 belief sich das Vermögen der Verbände, die jetzt im( freigewerkschaftlichen) Allgemeinen Deutschen Ge werkschaftsbund zusammengeschlossen sind, auf 88 Millionen Mark, das der Christlichen Gewerkschaften betrug über 9 Millionen Mart. Mit Ablauf des Jahres 1924 hatte der erstge= nannte Bund schon wieder einen Vermögensbestand von etwa 27 Millionen Mark erreicht, von dem sich allein 22 Millionen Mark in den Hauptkassen befanden.
Recht interessant ist in diesem Zusammenhange folgende -Statistit, die von der Leitung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes auf Grund der Angaben von 26 Verbänden ( insgesamt sind 41 Verbände dem Bund angeschlossen) aufge= stellt ist:
in Prozent 10,8
1924
bis
10,41
15,61
Jahresbeitrag 10,40 15,60 20,80
Mitglieder 335 505 282 718
9,1
307 109
9,9
33
20,81
26,-
628 479
20,2
26,01
31,20
370 229
11,9
31,21
36,40
693 632
22,3
41,60
154 372
5,0
33
über
41,60
334 569
10,8
36,41
Auswandererlos.
Wir erhalten folgenden Brief aus Brasilien: ,, X., den.... ,, Wir, eine große Anzahl von Familien, befinden uns hier auf einer Kaffeeplantage in sehr schwerer Lage. Einmal sind wir die Arbeit nicht gewohnt, und dann können wir auch das Klima Wir erhalten einen sehr geringen Lohn, und die Lebensmittel sind sehr teuer. Wir wenden uns darum an Sie mit der Bitte um Rat und Auskunft, ob wir keine bessere Stelle mit einem gesunderen Klima erhalten können. Wir wollen gern arbeiten, aber wir möchten auch in eine solche Gegend, wo das Klima erträglich ist und wir auch die gewohnten Lebensmittel erhalten können. Kartoffeln tosten hier 70-80 Milreis der Zentner, und das können wir nicht bezahlen. Wir sind noch nicht lange hier und haben schon eine Reihe von Toten; die anderen sind fast alle frank, und wenn wir nicht bald von hier wegkommen, gehen wir alle zugrunde.
Wir bitten Sie nochmals um Ihren Rat und Hilfe und senden Ihnen schon unseren besten Dank im voraus. Mit herzlichem Deutschen Gruß und im Namen der ganzen Gruppe... Jhr..."
Wieder einer der Briefe, wie wir sie oft erhalten und gelesen haben. Das alte Lied! Man verläßt die Heimat in der Annahme, daß es nirgends schlechter sein könne als in Deutschland; man wandert aus in gänzlich unbekannte Länder, ohne sich in irgend einer Weise über deren Verhältnisse zu orientieren und ist dann nachher erstaunt und überrascht, wenn dort alles jo ganz anders ist, als man es sich gedacht hatte. Dann beginnt das Klagen und Jammern und Schimpfen auf das Land, das man sich selber in völligster Untenntnis seiner Verhältnisse gewählt hatte. Sicherlich hat Brasilien noch unendlich viei Raum und Möglichkeiten für große Scharen von Einwanderern, aber, das ist die Frage, ob sich alle, die dorthin auswandern wollen, für dies Land eignen, ob sie die dortigen Verhältnisse meistern, die ungeahnten Schwierigkeiten überwinden und sich, was auch tommen mag, durchsetzen werden. Also erst genaueste Kenntnis der Verhältnisse des Ziellandes, und dann mit allem Ernst die Frage immer wieder prüfen, ob die Kräfte und Mittel reichen, diesen Kampf aufzunehmen, und ihn auch zu bestehen. Und wo erhält man die gewünschte Aufklärung und Auskunft über das Land, nach dem die Auswanderung gehen soll? Der Evangelische Hauptverein für deutsche Ausiedler und Auswanderer in Wigenhausen a. d. Werra ist auf Grund seiner fast 30jährigen Tätigkeit in der Lage, in allen die Auswanderung betreffenden Fragen Rat und Auskunft zu erteilen. Jede Ausfunft erfolgt tostenlos. Man wende sich vertrauensvoll an ihn. Seine Monatszeitschrift Der deutsche Auswanderer" unterrichtet über alle Fragen der Auswanderung und Siedlung. Probenummer tostenlos.
bei Pavia. Nachdem der französische König zu dem durch einen Eid bekräftigten, demütigenden Frieden von Madrid gezwungen worden war, dachte der siegreiche Kaiser nunmehr daran, nach Deutschland zurückzukehren und die Ketzerer auszurotten. In einem Schreiben an die katholischen Stände kündigte er diese Absicht an. Unter diesen, für die neue Lehre gefahrvollen Umständen fand die Eröffnung des Reichstags zu Speyer am 25. Juni 1526 statt.( Die Reichstage im alten ,, heiligen römischen Reich deutscher Nation" setzten sich aus 3 Kollegien zusammen: dem turfürstlichen, dem fürstlichen und dem städtischen.
Die kaiserlichen Kommissare bezeichneten als wichtigsten Punkt der Verhandlungen die Frage, wie der christliche Glaube und ,, die wohlhergebrachten guten christlichen Uebungen und Ordnungen" der Kirche von allen Ständen gehandhabt, Uebertreter jedoch gestraft und zum Gehorsam gebracht werden könnten, um die Durchführung des Wormser Ediktes zu erzwingen. Zuerst berieten nun die fürstlichen Kollegien über die kaiserlichen Vorschläge. Man einigte sich schließlich dahin, daß man zwar die ,, wohl hergebrachten" christlichen Gebräuche beibehalten wolle, verlangte aber gleichzeitig, daß auch die Abstellung der firchlichen Mißbräuche zum Gegenstand der Verhandlungen gemacht werden sollten. Noch weit günstiger für die Sache der Kirchenreform war die Antwort der Städtekurie; hier merkte man deutlich den Einfluß der Gesandten von Nürnberg, Straßburg und Ulm, wo Luthers Lehre festen Fuß gefaßt hatte. Die Städte erklärten die Durchführung des Wormser Ediktes, das, wie oben erwähnt, die Vernichtung der Reformation forderte, für unmöglich, traten also damit in direkten Gegensatz zu der kaiserlichen Proposition". Bezüglich der„, wohlhergebrachten christlichen Uebungen" vertraten sie den Standpunkt, daß sie allerdings in Kraft bleiben müßten, soweit sie sich auf Christus und sein Wort gründeten; solche Gebräuche jedoch, die dem Glauben an Christus und seinem heiligen Worte zuwider seien und durch die die Christen von Gott weg und auf menschlichen Wizz geführt würden", könne man nicht als wohlhergebracht" bezeichnen und deshalb nicht beibehalten, sondern man müsse über ihre Abstellung beraten. Diese deutliche Sprache verfehlte ihre Wirkung nicht: trotz des Protestes der Geistlichen traten die beiden fürstlichen Kollegien dem Beschluß der Städtekurie bei. Darauf wurden drei Kommissionen gewählt, eine turfürstliche, eine fürstliche und eine städtische, die über die abzustellenden Mißbräuche beraten sollten: die Absicht des Kaisers bei der Einberufung des Reichstags schien durch den Widerspruch der Stände den entgegengesetzten Erfolg zu haben, anstatt die Vernichtung der ,, Rezzerei" einzuleiten, verwandelte sich der Reichstag gewissermaßen in einen Gerichtshof über firchliche Mißbräuche. Man sieht, wie die Mehrheit der deutschen Nation von der Notwendigkeit einer Kirchenreform überzeugt war, nachdem Martin Luther das deutsche Gewissen gewedt hatte.
Die reformfreundliche Richtung des Reichstags wurde natürlich noch erheblich gestärkt, als die beiden Häupter der Evangelischen, Landgraf Philipp von Hes= sen und Kurfürst Johann von Sachsen in Speyer eintrafen( am 12. bezw. 20. Juli). Beide waren entschlos=


