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ebenen Rechtsmittelweg beschreiten, um

tfestsetzung herbeizuführen.

Graez, Steuerbevollmächtigter, Desfinanzamt Darmstadt zugelassen. tadt, Georgenstraße 9, Tel. 2895.

der Landstraßen.

tudiengesellschaft für Automobilstraßen in der Deffentlichkeit, in vielfach miß­Vorstellung gewedt, als ob es darauf Nez großer Automobil- Fernstraßen für ffen, insbesondere aber einige durchlau nationaler Bedeutung. Dieses lettere it ausdrücklich als völlig überflüssig er­die Erhaltung und Verbesserung des

Sübrig bliebe. So ist auch das Pro­ze von Hamburg über Frankfurt a. M. topie anzusehen. Daß die von der Route Ingelegenheit mit Interesse verfolgen,

Sonnabend, den 16. Oftober 1926.

Vom hessischen Reformationsjubiläum. In den Tagen, an denen vor 400 Jahren die Ennode zu Homberg stattfand, durch die Hessen evangelisch wurde, vom 20. bis 22. Oftober begeht dort die evangelische Landeskirche in Hessen- Kassel das Gedächtnis ihrer Reformation. In eindruds­voller Feier will sie sich dabei als Boltskirche im eigentlichen Sinne darstellen. Schon die Auswahl der etwa 200 Ehrengäste bezeugte diesen Sinn der Veranstaltung. Sie gestattet eine Heerschau von seltener Bollständigkeit. Von den höchsten firch­lichen und staatlichen Behörden bis zu dörflichen Vertretern aus den derstedten Tälern des hessischen Berglandes sammelt sich das evangelische Kirchenvolf an der historischen Stätte. Es fehlen nicht die Landesuniversitäten Marburg und Gießen, an dere Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und des Bildungs­wesens. Aber auch wirtschaftliche Verbände wie Raiffeisen sind zur Stelle.

e, die von der Studiengesellschaft aufge nan unterschreiben fönnen: Es gibt in Durchgangs- Massenverkehr. Eine gleich. Befestigung fommt infolgedessen nicht langer Straßenzüge in Betracht. Biel­uren Kapitalien, die in die Straßen­für jeden einzelnen Kilometer genau hrs verwandt werden. Die Zählungen der Verkehr sich heute nur an einzelnen zwar auf dem ganzen Wegenetze am er Verkehr feineswegs in gleichmäßiger Benzüge läuft. Bei der komplizierten unterhaltungslast in Deutschland, die

es nicht möglich oder nötig, Aenderun fann die örtliche Straßenunterhaltung ger verbleiben, wenn nur planmäßig wird. Dies ist durch Vereinbarungen lichtigen untereinander durchaus mög Novelle zum Kraftfahrzeugsteuergeset ommen worden. Die Landkreise Preu­Der schleunigen Aufstellung eines Stra ben einzelnen Kilometer ihres Kreis­ieht, nach dem Grundsatze: Wie können tschaftlichste und billigste Weise dem

aßt werden? Bei der Zunahme der

neren Lastkraftwagens, können sich die nach der wirklichen sich allmählich ver­tung der Wege richten. Das ist gerade Braucht!

in dem der Studiengesellschaft vom inheit und der Steuerzahler nicht zu st der, daß von der Gesellschaft selbst Straßen vorgenommen wird. Diese ist die Gesellschaft selbst annimmt- im hgehende Verkehr entscheidend ist, son ehrsbelastung der einzelnen Streden­n richtet sich außerdem nach den Mit­Wegeunterhaltungspflichtigen zur Ver­re danach, ob er Anleihen erhält oder gebend für die Wahl der Straßendede, ehmenden Lebensdauer abhängt. Die e übrigens schon in allernächster Zeit Berkehrs und seiner Richtungen über­ich also nur durch die Wegeunterhal edigen. Die bedingte Geltung solcher weiterhin ein Beweis für die Ueber­erung der Straßen nach ihrem theore wird also zu den Wegeunterhaltungs­ider natürlich in Fühlung stehen, das daß sie die große in Rede stehende Auf­Dies kann nur gelingen, wenn sie die en, die ihnen aus Steuern zur Ver­

,, Gießener Zeitung"

schön schmüdt, das nicht veraltet, das leine Motten verzehren, sondern erst am Ende des Pilgerzuges seine volle Schönheit ent faltet. Gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. das ist der Faltenwurf des Gewandes Liebe.

Das Hineinleben in deines Bruders Leid und Freude, das ist des Rätsels Lösung, das erstmals der Prediger von Nazareth den Menschen verfündete. An sich selbst fühlt es der selbstsüchtige Mensch, wenn sein Bruder ihn erquidt, der für sein Leid, für das Don ihm selbst kaum verstandene Zittern seiner Seele das rechte Wort mitleidiger Liebe gefunden. Ihr Menschen schreit nach Frieden der Welt, und zeiget eurem Nächsten schon Haß, vergeltet Böses mit Bösem, Scheltwort mit Scheltwort. Reformiert nicht gleich die ganze Erde, sondern beginnet dort, wo aller Völker­gemeinschaft Ursprung liegt! Den Frieden zuerst ins eigene Herz, dann in dein Haus, in deines Nachbarn Stube und dann hinausgetragen in diese friedlose Welt, in diese Millionen Her­zen, die bald der Besik, bald die Sinnlichkeit, bald die Rache, balb der Groll zu leiner Ruhe kommen läßt.

Wer den Frieden rust, ruft die Liebe, und sie nur allein ver mag wieder mit Gotteskraft das Weltall neu zu weihen. Waldfried.

Mit einem Kirchenkonzert unter Leitung des Seminarober­lehrers Gg. Heinrichs wird am 20. Ottober abends der Auftakt gegeben. Es bietet mit gut befektem Orchester die Bach'sche Reformationstantate Gott der Herr ist Sonn' und Schild", so­wie an Hand von Beispielen aus vier Jahrhunderten einen Gang durch die Geschichte der Evangelischen Kirchenmufit unter beson­derer Berücksichtigung der hessischen Tonkünstler. Am Donners tag, den 21., läuten morgens zur Stunde der ersten Versamm lung der historischen Synode die neuen Gloden das Fest ein, darunter die Hessische Reformationsglode, eine Stiftung der gan zen Landes. Die vereinigten Hessischen Posaunenchöre grüßen unter Leitung Lehrer Sieberts aus Hephata den festlichen Mor­gen. Der feierliche Zug der Gäste wird zur hochragenden Refor mationstirche geleitet, wo um 10 Uhr der Festgottesdienst be­ginnt. An ihn schließt sich auf dem dazu außerordentlich geeig­neten Marktplatz der Festalt an mit Grußworten der Ehrengäste, Gesang und feierlicher Handlung. Nachmittags um 4 Uhr hält in der Kirche Prof. D. Dr. Hermelink den Festvortrag über die Homberger Synode von 1526 und Prälat D. Dr. Diehl- Darm­stadt spricht von ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Am Abend um 8 Uhr wird das von Pfarrer Stolzenbach gedichtete Fest­spiel Dem Evangelium Bahn" aufgeführt. Und am nächsten Morgen ist um 10 Uhr ein festlicher Jugendgottesdienst, woran sich ein Konzert der Vereinigten Hessischen Posaunenchöre an­schließt. Dieser zweite Tag bietet außerdem Führung und Be­sichtigung der mancherlei wertvollen Sehenswürdigkeiten Hom­bergs, die einen Eindrud von den verborgenen Schätzen der Heimat geben mögen. Die idyllische Abgelegenheit der Kreis­stadt, die zu den schönsten Plätzen des Hessenlandes gehört, fordert die Einrichtung zahlreicher Bahn- und Autoverbindungen, die den Gästen, sofern sie nicht am Orte selbst zu übernachten wün­schen, eine bequeme Heimfahrt an jedem Abend ermöglichen wer­den. Freilich ist eine möglichst frühzeitige Anmeldung durch Postkarte an den Festausschuß Homberg( Bez. Kassel) nötig, da­mit schon vor Eintreffen alles geregelt sein kann. So verspricht die Veranstaltung, ohne den Charakter der landläufigen Stadt­feste nachzuahmen, eine imposante Kundgebung der Hessischen Evangelischen Kirche und ihrer Glieder im besten volkstümlichen Sinne zu werden. My.

ine Redensart, daß auf diesem Gebiet it geleistet werden kann. Die geeig­vir ja in Hessen wie in keinem anderen sind bescheidener, aber sie sind gesun­tellungswesens tritt in den Vorder­iehung, und in den Mittelpunkt rückt i ihrer Arbeit und mit den Anregun­fönnen.

Lokales. Sonntagsgedanken.

Schlager, die uns schlagen.

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1921 bei dem Bolizeiami Darmstadt, zulekt als Polizeioberwacht­meister, tätig gewesen war, wurde er an genanntem Tage als Polizei- Kommissar zum Polizeiamt Gießen versetzt. Herr Polia zei- Kommissar hat sich in seiner langen Polizeidienstzeit und ins besondere in seiner hiesigen Tätigkeit durch seine Kenntnisse, seine Pflichttreue und sein entgegenkommendes Wesen das Vertrauen seiner Vorgesetzten und seiner Untergebenen sowie des Publi tums erworben.

* Kommunale Landesbank Darmstadt. Die Ablösung un­serer 9% Papiermast Schuldverschreibungen( Reihe 1), 7/ 15% Papiermarf Schuldverschreibungen( Reihe 2 und 3), 7/ 15% Pa­piermartschuld Verschreibungen( Reihe 4 und 5), sämtlich von 1923, erfolgt durch Barabfindung in Höhe von 25 Prozent des für die vorstehenden drei Anleihegruppen sich im Durchschnitt bei jeder Gruppe ergebenden Goldmarkbetrages, der uns aus der Begründung der Schuldverpflichtungen zugeflossen ist. Zinsen werden nicht vergütet. Die Anträge auf Barabfindung sind bis 31. Dezember 1926 unter Vorlegung der Schuldverschreibungen mit Zinsbogen und Erneuerungsscheinen bei uns zu stellen. Hiernach werden eingelöst: a) die 9% Anleihe( Reihe 1) mit R.Mt. 0,45 für je.9Rt. 10 000. b) die 7/ 15% Anleihen: Reihen 2 und 3 mit R.M. 0,40 für je p.907. 10 000.- Reihen 4 und 5 mit R.RE. 0,15 für je 3.9r 10 000.­

* Reichsmittel für öffentliche Notstandsarbeiten. Der Prä sident der Reichsarbeitsverwaltung hat der hessischen Regierung mitgeteilt, daß für das Rechnungsjahr 1926 dem Lande Hessen ein weiterer Betrag von 1 650 000 Mark unter der Voraussetzung zur Verfügung gestellt werde, daß Hessen den gleichen Betrag bereitstelle. Ein entsprechender Beschluß des Finanzausschusses soll herbeigeführt werden. Die hessische Landwirtschaftskammer teilt mit, daß aus dem vom Reichsernährungsminister zur Stei gerung des Frühgemüses bereitgestellten Kredit von 3 Millionen auf Hessen die Summe von 100 000 Mart entfalle. Die Kam mer habe jedoch noch eine Erhöhung beantragt.

* Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. In der von der Landesversicherungsanstalt Hessen eingerichteten Beratungsstelle für Geschlechtskranke in der Universität- Hautklinik zu Gießen, Klinikstraße 40, werden Ratsuchende fostenlos und streng vertrau lich ärztlich untersucht und beraten. Gegebenenfalls wird kosten freie Behandlung vermittelt. Sprechstunden: Jeden Werktag vormittags von 10 bis 12 Uhr und Dienstags und Freitags nach mittags von 5 bis 6 Uhr.

Man muß gestehen, der Deutsche hat in den letzten Jahren ein besonderes Talent darin entwidelt, Rezepte zum Leicht­nehmen zu finden. Das fonnte man schon in den ersten Nach friegs- und Inflationsjahren zur Genüge erfahren, wo die Menschen Schieber waren, Schieber tanzten und immer eine schöne Ausrede dafür hatten, wenn sie einem anderen ums Ohr hauten. Wir sind nun schon etwas nachdenklicher und rücksichts­voller geworden, und mancher mag sich seiner Handlungsweise von früher ein wenig schämen; denn der Vorwand, daß er aus ,, Not" dies und jenes getan habe, was nicht einwandfrei war, war durchaus nicht immer stichhaltig, am wenigsten, wenn man sich in der Zeit der Not nach Kräften amüsierte oder doch leicht­fertig darauf los lebte und den Pfennig nicht achtete. In puncto Bergnügen sind wir heute sehr leistungsfähig. Es gibt zu denken, daß in den letzten Jahren eine Unmenge frivole Schlager entstanden sind, die weiter nichts bezwecken als zu einem Tröpfchen aus dem kleinen Henfeltöpfchen zu animieren und zu bereden, nicht gleich aufzubrechen, wenn die Nacht herein­bricht. So jung fomm'n wir nicht mehr zusammen!" gröhlt man heute so gern in den Lokalen, ohne sich des trassen Unsinns der in dieser Gewisseneinschläferung liegt, recht bewußt zu wer­den. Warum soll denn das Aelterwerden ein Grund sein ,,, heute" noch bei Leibeskräften drauflos zu leben? Da wir mit jeder Sekunde älter werden, müßte dann unser ganzes Leben ein einziger Vergnügungsrausch sein. Auch der,§ 11" hat schon viel Unheil angerichtet und manchen zum Säufer gemacht. Gerade derartige Formeln, die das Verantwortungsgefühl einschläfern und betäuben, sucht man mit einem Eifer, als ob daran das Heil der Welt hinge, während man nur wenig Zuruse neueren Datums kennt, die dazu beitragen könnten, das Pflichtbewußt­sein und Verantwortungsgefühl zu stärken, daß wir uns im Kampfe um die höchsten Güter des Lebens unterstützen. Es ist ja wahr, die frühere Zeit war allzu gemächlich und anspruchslos. Wir arbeiten heut entschieden rascher, intensiver, wollen und sollen dafür auch etwas vom Leben haben." Zu den Pflichten gesellen sich ja auch die Rechte des Lebens. Aber wird heute in bezug auf Vergnügungen dem guten nicht etwas zu viel getan? Wir setzen uns einfach mit einer Phrase über die mahnenden Stimmen unseres Innern hinweg und leben in den Tag hinein, als ob dieses Insektendasein an sich der höchste Zwed unseres Lebens wäre!

In einem goldenen Buche steht geschrieben:, Wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er suche den Frieden und jage ihm nach."

Wie wäre es um uns Menschen bestellt, wenn uns jeden Tag, jede Stunde dies Mahnwort leiten würde, wenn über den Ratsstuben der Völker in leuchtenden Lettern die goldenen Worte stünden, wenn auf den Pilgerwegen, die die Menschen wandern, diese Stimme gleich einem Weder an ihre Ohren flängen!

Wir schauen so viel auf fostbare Gewänder, auf Zierart und Gold; wer reich ist, will sich reich schmücken und die andern ma­chen es nach. Wenn nur für den Herzens- Zierrat der Menschen auch solcher Eifer wäre, für das geistige Gewand, das keiner Mode unterworfen ist, das den Aermsten wie den Reichsten gleich

* Personalien. Der Studienrat an der hiesigen Studienan­stalt i. E. Dr. Heinrich Haun wurde zum Studienrat an der Augustinerschule( Gymnasium und Oberrealschule) in Jriedberg und der Studienreferendar Friedrich Franke von hier zum Studienassessor ernannt.

15 000 Mark Geldstrafe. Ein Steuersünder, der Kaufmann J. Sch. wurde in rechtsträftiger Unterwerfungsverhandlung vor dem Finanzamt wegen Steuerhinterziehung zu 15 000 Mark Geld­strafe verurteilt. Das Urteil soll zur Warnung für andere öffent­lich in den Zeitungen bekanntgegeben werden.

* Wohnungsbautätigkeit im Landkreis Gießen. Auch in diesem Jahre ist im Landkreis Gießen die Wohnungsbautätig

keit recht ansehnlich gewesen. Insgesamt wurden 252 Wohnun gen gegen 245 im Vorjahre und 230 im Jahre 1924 erstellt. Vor­aussichtlich wird die bisher günstig aufwärtsstrebende Ent­widlung im nächsten Jahre aber eine rüdläufige Bewegung er­fahren. Der Staat hat den Wohnungsbau im Kreise Gießen im Jahre 1926 mit 188 000 Mart Staatsdarlehen unterstützt( Vor­jahr 106 000 Mark). Neben der privaten Bautätigkeit haben auch zahlreiche Gemeinden sich an dem Wert zur Linderung der Wohnungsnot beteiligt.

* Dienstjubiläum. Am 9. Oktober ds. Js. konnte Herr Polizeikommissar Wilhelm Schwinn auf eine 25jährige Tätigkeit im Polizeidienst zurückblicken. Nachdem er bis zum 1. November|

gewohnt sind, Sinneseindrücke auf sich wirken zu lassen. Haben wir wirklich die Absicht, künstlerischem Empfinden im Schulbe= trieb in höherem Maße als bisher zum Recht zu helfen, so wird man auf die Dauer auch an den Erfahrungen nicht vorübergehen können, die unseren Kunstgewerbeschulen und verwandten Stel­len auf diesem Gebiet doch in nicht ganz unerheblichem Maße zur Verfügung stehen.

der Krifis von Schulwesen und Erziehung. Das Bildungsideal unserer Gymnasien mit seiner Vormachtstellung liegt im Streit mit den Anforderungen der Wirtschaft, und die Tatsachen des Lebens stehen im Widerspruch mit der großen Unwahrhaftigkeit, die Bildung sagt und Berechtigung meint. Heute sind wir so weit, daß die technischen Lehrerinnen, die den Handarbeitsunter­richt erteilen sollen, für sich das Abitur verlangen, und daß von Zeichenlehrerinnen abgeschlossene Gymnasialbildung verlangt wird. Das bedeutet nicht nur den Verlust mehrerer Jahre, son­dern es bedeutet, daß gerade in den entscheidenden Jahren der Reise Arbeitskraft und Fähigkeiten in einer Richtung bean­sprucht und entwidelt werden, die dem Wesen einer künstlerisch, sinnlich begründeten Bildung vielfach gerade entgegengesetzt ist. Daß diese Einstellung schief und unwahr ist, daß sie gefährlich ist und verhängnisvoll werden kann, wissen wir alle. Aber wir brauchen einen Gegenpol und in diesem Sinn kann die Kunst­gewerbeschule für die künftige Gestaltung unseres Bildungs­wesens von Bedeutung sein. Auch die handwerkliche Arbeit in der Kunstgewerbeschule kann der humanen Bildung dienen in dem höchsten Sinn des Humanismus, d. h. der Fähigkeit, geistige Werte zu erkennen und ihnen nachzuleben. Aber sie erreicht dieses Ziel mit anderen Mitteln und auf anderen Wegen als des Gymnasiums. Wenn irgend eine Schulart kann die Kunst­gewerbeschule heute berufen sein, Gegensätze auszugleichen und zu vermitteln. Sie kann die Einseitigkeit des gymnasialen Bil­dungsideals ergänzen. Sie fann für die werttätigen Berufs­treise jenen geistigen Rüdhalt schaffen, den sie durch die Allein­herrschaft des Gymnasiums verloren haben. Und sie kann ebenso auf die höheren Schulen hinüberwirken und ihnen Vorbild sein für eine sinnlicher begründete Kultur. In den neuen Lehrplänen spielt ja die Rüdsicht auf fünstlerische Werte eine erhebliche Rolle. Aber von allen, die mit fünstlerischen Dingen zu tun haben, wird es empfunden, daß man dabei diese Fragen doch vielleicht etwas zu philologisch betrachtet hat. Die Einstellung zu fünft= lerischen Fragen ist eben eine ganz andere in den Kreisen einer historisch- philologich orientierten Kultur und unter Leuten, die

kt, der die Kunstpolitik von 1901 be­einheimischen Schaffens durch die Be­te. Heute wissen wir alle, daß die ch in dieser Form als undurchführbar von den Kolonisten konnten sich hal jeine Betätigung, die dem Zwed ihrer r dieser Mißerfolg darf uns nicht Gedanke im wesentlichen richtig war Wir brauchen solche Blutzufuhr, nicht oder künstlerisch unfruchtbar, sondern die besten Männer verlangt. Wenn Behrens berief, Berlin Bruno Paul, erschmid, wenn München seinen Sim nnte ohne den Sachsen Th. Th. Heine, ie Heranziehung fremder Kräfte kein Wille, der sie beruft, der sie an den men die Möglichkeit zur Arbeit gibt, den kommt es an. Also ohne fremde aus. Nur muß man ihnen eine Stel­öglicht zu arbeiten und zu leben; d. h. en Kräfte nicht als Koloniſten, ſondern unstgewerbeschulen. Auch hier über hule die Aufgaben, die man 1901 der edeutung der künstlerisch- gewerblichen jeute nicht in zahlen berechnen. Gie den die Gewerbeschule auf die Ent ewinnen fann. Wir stehen heute in

* Ausbau der Lahnkanalisierung. Der Preußische Landtag nahm in seiner Plenarsizung mit großer Mehrheit folgende, auf einen Urantrag des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Demokraten zurückgehenden Antrag des Hauptausschusses an: 1. für den Ausbau der Lahntanalisierung ein Darlehen in Höhe von 1,26 Millnen Mart aus Mitteln der produttiven Erwerbs­losenfürsorge zu gewähren; 2. sofort in Verhandlungen mit der Reichsregierung und dem Freistaat Hessen wegen der Schiffbar­machung der Lahn bis zur Stadt Gießen einzutreten.

* Auf der Post. Um dir und der Post möglichst Zeit und Mühe zu ersparen, faufe nicht täglich die gerade notwendigen Briefmarken, sondern nimm solche in größerer Zahl auf Vorrat. Das Geld zähle vorher ab. Dränge dich nicht vor; bei jedem ist heute Zeit Geld! Stelle dich also hinten an und warte bis die Reihe an dich kommt. Nur Telegramme haben den Vorzug

werten. Und wir haben neuerdings den Buchbinder Wiemeler in Offenbach verloren. Leute von diesem Schlag aber brauchen wir. Ohne sie können die Kunstgewerbeschulen ihre Aufgabe nicht erfüllen.

Die zweite Forderung ist eine möglichst große Freiheit der Organisation. Die Kunstgewerbeschulen dienen dem praktıgen Leben, d. h. sie müssen immer in der Entwicklung und immer ent­widlungsfähig sein. Für die Schule in Mainz stehen die Be­dürfnisse der Möbelschreinerei und der Metallarbeit im Border­grund, für die in Offenbach die Anforderungen von Buchgewerbe und Lederindustrie. Das entspricht den lokalen Verhältnissen und gibt jeder Schule ein anderes Gesicht. Aber im einzelnen wird doch stets die größte Elastizität der Organisation erforder­lich sein. Wer hätte z. B. noch vor 10 Jahren geglaubt, daß sich dem Schriftunterricht in der Kunstgewerbeschule Entwicklungs­möglichkeiten bieten würden, wie es heute der Fall ist. Oder ich- erinnere an die Ausstellung von Handarbeiten des Lehrerinnen­Seminars in Potsdam, die wir vor einem Jahr im Gewerbe­museum zeigen fonnten. Wie eindringlich zeigten sich ba auf einem Sondergebiet neue Möglichkeiten, lebendige Kräfte zu faffen und zu verwerten. Wohl dem Lande, dessen gewerbliches Schulwesen sich den Forderungen der Stunde anpassen kann.

Die Aufgaben, die heute an unsere Kunstgewerbeschulen herantreten, sind groß. Nicht darum handelt es sich, eine mög= lichst große Zahl von Schülern durch sie hindurch zu führen. Aber die Kunstgewerbeschulen müssen der Sauerteig sein, den unser Leben braucht. Dazu werden zwei Forderungen unerläß­lich sein. Die erste heißt: gute Lehrer. Das klingt banal, hat aber doch einen besonderen Sinn. In unserem Gewerbemuseum find 3. 3t. zwei Treibarbeiten von Theodor Wende ausgestellt, der früher der Künstlerkolonie angehörte und jetzt als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Pforzheim wirkt. Besser als Worte fönnen uns solche Arbeiten zeigen, worum es sich handelt. Wir schen fast nichts als spielendes Licht. Nur etwas Halt, nur etwas Rhythmus gibt ihm die Form. Nur das wenigste hat scheinbar der Künstler geleistet. Und doch spürt jeder, der solche Arbeit auf sich wirten läßt, wie hier Geistiges und Sinnliches cins geworden sind; daß hier ein Mann am Werte war, für den jeder Hammerschlag und jeder Feilstrich Ausdrud geistigen Le­bens geworden ist. Unsere Einstellung zu handwerklicher Ar­beit ist anders geworden. Sie ist vielleicht bescheidener als zu der Zeit, die den Goldschmied reichste Tafelaufsätze ausführen lich, aber ihre Anforderungen sind tiefer. Sie treffen auch nicht nur das Können, sondern den Menschen. Wir brauchen Lehrer, die Handwerker sind. Denn wer nicht Handwerker sein und heißen mag, fann fein Handwerk lehren. Sie sollen aber aua) Persönlichkeiten sein, an denen sich der Sinn der Schüler auf­richten lann zu einem neuen Begriff vom Wert handwert..... er Arbeit. Solae Leute sind nicht leicht zu finden und sind auch nicht immer leicht zu halten. Wir haben den Goldschmied Wende gehen lassen, ohne seine große Kraft überhaupt zu ver­

Wir haben uns im Anfang an die erste Ausstellung der Künstlertolonie erinnert. Es ist aber wohl angebracht, mit den Gedanken weiter zurüdzugehen. Um 1830 war Hessen in Deutsch­land vorbildlich und führend durch die Organisation der Zen­trafstelle für die Gewerbe und seines gewerblichen Schulwesens. 1842 fand in Mainz als hessische Veranstaltung die erste allge­meine deutsche Gewerbeausstellung statt, damals eine wirtschaft­liche Leistung allerersten Ranges. Und 1853 auf der ersten Welt­ausstellung in London war Hessen verhältnismäßig mit einer größeren Zahl von Ausstellern beteiligt, als ein anderes deut­sches Land. Wenn wir heute an diese Dinge mit der Entsagung aber auch mit dem Willen herantreten, den die Zeit fordert, so bleiben wir einer guten Vergangenheit treu. Lassen Sie uns das Feld bestellen, damit eine tommende Zeit ernten tann.