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Nr. 10.

ahlung noch nicht festgestellt ist, Anwendung.

vom Arbeitslohn. arbeiter.

Erlaß des Reichsministers der Fi

mir verschiedentlich Klage darüber er Arbeitgeber den Arbeitnehmern, Steuerabzug nicht die vollen ihnen lungszeitraum zustehenden Ermä­t daß nur die Ermäßigungen be uf die tatsächliche Beschäftigungs also bei einem Arbeitnehmer, der Freitags in einer Fabrik arbeitet, Tage. Auch die Finanzämter jol­Standpunkt stehen. Eine solche derspricht auch dem§ 8 der Dur en Steuerabzug vom Arbeitsloh rzarbeit die im Gesez für den e um vorgesehenen steuerfreien Se

i außer Ansatz zu lassen, wenn der

1 des Lohnzahlungszeitraums ohne

n bezogen hat. Es sind deshalb

r, der im Wochenlohn steht, aber in

m wegen Betriebseinschränkung nu beitet wird, die Wochenbeiträge des

der Familienermäßigungen gutzu­drei Tagesermäßigungen zu berüd­nem Arbeitnehmer, der im Wochen: lich, aber wegen Betriebseinschrän age arbeitet, die vollen Wochenbe undenbeträge, gutzubringen. mter und in geeigneter Form auch Kenntnis zu setzen, wobei ein Hin­eigt erscheint, daß bei nicht voller betreffenden Lohnzahlungszeitraum em Arbeitnehmer ein Erstattungs tellung einer Verdienstbescheinigung ndig macht und so die Betriebe be­

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39. Jahrg.

Samstag, den 13. März 1926.

Nr. 11.

Gießener Zeitung

Erscheint: Samstags.

( Neuchte Nachrichten)

Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd. Sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Passionszeit.

Wenn es auf Ostern geht, sind besonders ernste Tage im Kirchenjahr. Es ist die Passionszeit. Was der Mann von Nazareth hat leiden müssen, das soll dem Christenvolke in diesen Tagen und Wochen besonders deutlich zum Bewußtsein tommen. Wie der große und selbstlose Helfer zum Dorngekrönten wurde, wie ihn Undank und Understand verfolgte, wie er dennoch uner­müdlich seinen Heilandsweg gegangen ist und wie er auf Gol­gatha als ein Sterbender doch der erhabene Sieger blieb, das hat auch heute noch für jeden ernsten Menschen etwas Ehr­würdiges und Ergreifendes. Für die christliche Kirche aber be­deutet es den undergänglichen und heiligsten Mittelpunkt des Glaubens. Darum laßt uns versuchen", so heißt es in der tief ernsten Ansprache, die jüngst ein Landesbischof an alle Gemein­den der Landeskirche ergehen ließ, die Menschen aus ihren Interessen und Fragen heraus zum Kreuz zu rufen und um das Kreuz zu sammeln. Das Kreuz ist neutestamentlich verstanden, die Stätte, da man zusammenkommt." Man wird ein solches Wort um so dankbarer begrüßen, als es in eine besonders schwere Zeit hineinleuchtet, eine Zeit, wo neben vielen äußeren Nöten auch eine große Weltanschauungsnot zu schaffen macht. Christ­licher Passionsglaube will das Leid nicht einfach beiseite schieben, aber er nimmt ihm die schicsalhafte Trostlosigkeit, er stellt es vielmehr eben in das sieghafte Licht des Kreuzes, und so fann hier sogar von einem Leidsegen die Rede sein. Die Leidenszeit des deutschen Volkes und damit im Zusammenhange die vielen alles ist Plagen und kümmernisse ungezählter Einzelner, dennoch nicht bloß zum Verzweifeln, wenn über allem Wirrsal klärend und erlösend jenes Golgatha- Kreuz sich erhebt, das dem innersten Menschen Halt und Frieden geben möchte.

Wochenschau.

In ganz Europa richtet man einheitlich die Augen nach Genf. Die gemeinsame Frage ist: ,, Was wird dort geschehen?" Der wadelige Völkerbund soll durch den Eintritt Deutschlands gestützt werden. Aber noch weiß man nicht, ob diese Stützung überhaupt möglich ist. Ja, wenn Treu und Glauben die Grundlagen der europäi­schen Politik wären, dann ging alles glatt. So aber ist die Politik der führenden Staaten ein fortgesettes Ränkespiel. Der englische Außenminister Chamberlain hat Briand im Geheimen versprochen, in Genf dafür einzutreten, daß, wenn Deutschland einen Ratssig er­hält, ein solcher auch Polen eingeräumt werden solle. Darüber ist nun im englischen Kabinett eine große Un­stimmigkeit entstanden. Die meisten Minister sind gegen Chamberlain, wünschen, daß er seine Stellungnahme in Genf vom Ministerium vorgeschrieben bekommt, und sol­len auch Demissionsschreiben eingereicht haben. ist also auch das englische Kabinett wadelig geworden. In der öffentlichen Meinung in England, soweit man diese aus den Presseäußerungen feststellen kann, ist über die Haltung Chamberlains Unruhe, ja Bestürzung ein­getreten. In schärfster Form greift ,, Manchester Guar­dian" die Politit Chamberlains an. Das Blatt schreibt

1. a.:

,, Chamberlains Birmingham- Rede kann sich als die schädlichste in ihren Wirkungen auf den Völkerbund und als die gefährlichste in ihren Wirkungen auf die euro­päischen Beziehungen erweisen, die bisher irgendein englischer Politiker seit Schaffung des Völkerbundes ge= halten hat. Chamberlain steht in England fast allein mit seiner Bereitschaft die Türen des Völkerbundes der französischen Intrige zu öffnen. Wenn einmal ein Land mit sowenig Anspruch auf Rücksicht von seiten des Völ­terbundes wie Polen für die besondere Würde einer Ratsmacht ausersehen wird, so können daraus Folgen entstehen, die weder Großbritannien noch irgendein anderer Staat in der Lage sein wird, aufzuhalten. Der Rat des Völkerbundes würde dann den Geist von Ver­sailles und nicht den des Völkerbundes verkörpern. Der Völkerbund wird zugrunde gehen, wenn flar erwiesen ist, daß seine Beschlüsse käuflich sind. Amerika wird darüber spotten, und ein neuer Keil wird zwischen Groß britannien und die Dominios getrieben werden, die in dieser Frage nicht die sentimentale Schwäche Chamber lains für Frankreich teilen würden.

Auch die ,, Times" bezeichnet die Haltung Chamber­lains als besorgniserregend. Das Blatt veröffentlicht einen von sechs konservativen Parlamentsmitgliedern unterzeichneten Brief, worin es heißt:

Die Einberufung einer Sondersitzung im März mit dem ausgesprochenen Zweck der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund bietet keine Rechtfertigung dafür, über diese andere vitale Streitfrage eine hastige Ent­scheidung zu erzwingen. Die Unterzeichner richten daher an die Regierung das Ersuchen, eine unzweideutige Er­

Drud. Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Postshedkonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.

flärung abzugeben, dahingehend, daß sie unbeschadet der Haltung, die sie gegebenenfalls im September einneh men wird, jedem Vorschlag auf Abänderung der Zu­sammensetzung des Völkerbundsrats im März wider sprechen wird, abgesehen natürlich von der Wahl Deutschlands zum ständigen Mitglied.

Von einer geheimen Verpflichtung Chamberlains gegenüber Briand spricht der diplomatische Korrespon­dent des ,, Daily Chronicle", des Lloyd- George- Blattes. Er schreibt:

,, Bestürzung ist das einzig passende Wort, um die Empfindungen der Mitglieder aller Parteten über die diplomatischen Manöver in der Frage des Völkerbunds= rats, an denen Chamberlain sich beteiligt hat, auszu­drücken. Chamberlain habe, wie erzählt wird, am Mitt­woch das Kabinett durch Mitteilung von einer geheimen Verpflichtung gegenüber Briand überrascht, und diese Verpflichtung habe sich auf die Gewährung eines ständi­gen Sizes an Spanien und eines nichtständigen Sitzes an Polen bezogen. Der Berichterstatter fragt, ob Polen als Lohn für die viermalige Verhöhnung des Völker­bundsrats einen Ratssitz erhalten solle.:

Was werden nun unsere Reichsminister den Briand­Chamberlainischen Ränken gegenüber tun? Darüber belehrt uns die Rede unseres Reichskanzlers Dr. Luther, welche er am 2. März im Hamburger Rathause gelegent­lich seines Besuches in Hamburg gehalten hat. Nachdem er die außenpolitische Entwicklung des Reiches darge­stellt und versichert hatte, daß trotz der innerpolitischen Schwierigkeiten die außenpolitische Linie der Regierung flar und gradlinig geblieben sei, fam er auf den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu sprechen. Darüber führte er aus:

"

Worauf es für die praktische Politik ankommt, ist allein dieses: Jeder Schritt, den wir tun, muß uns wei­ier nach oben führen. Heute will ich versuchen, meinen Zuhörern nahezubringen, daß auch Locarno nur ein Schritt auf dem Wege der allgemeinen Politik eines wirklichen Friedens ist, allerdings ein Schritt von ganz besonderer Bedeutung.

Nun wissen Sie, meine Herren, daß der Locarno­patt erst wirksam wird durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Die Reichsregierung hat deshalb den Aufnahmeantrag gestellt, nachdem der deutsche An­spruch auf Räumung der ersten Rheinlandzone endlich erfüllt war. Zunächst muß ich leider einen Umstand erwähnen, der alsbald nach der Absendung unseres Ein­trittsgesuches hervorgetreten ist, und der das ganze Werk von Locarno zu zerstören droht. Sie alle wissen, worum es sich handelt, da die deutsche Oeffentlichkeit auf das tiefste von der Frage erregt worden ist. Bei allen Er­örterungen über den Eintritt Deutschlands in den Völ­terbund war es für uns ganz selbstverständlich, daß vor unserem Eintritt irgendwelche bedeutungsvollen Aende­rungen innerhalb des Völkerbundes nicht mehr vorge­nommen werden konnten. Auch als die Vertragspart­ner die Verbindung zwischen Sicherheitspakt und unse­rem Eintritt in den Völkerbund anregten, ist keinerlei Anregung erfolgt, aus der etwas anderes entnommen werden konnte.

( Gießener Tageblatt)

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Rates oder in der Organisation des Völkerbundes würde Deutschland in eine völlig unmögliche Lage bringen.".

Ebenso selbstverständlich war von vornherein, daß der Eintritt Deutschlands nur dann erfolgen kann, wenn wir einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat er­halten. Dies ist von allen beteiligten Regierungen auch anerkannt worden. Mit diesem Stand der Dinge ist es unvereinbar, wenn die Einräumung des ständigen Rats­sizes an Deutschland mit einer weiteren Aenderung in der Zusammensetzung des Rats verbunden würde. Wer auf Grund bestimmter Abreden seine Aufnahme in eine Organisation beantragt, darf erwarten, diese Organi­sation bei seinem Eintritt in unveränderter Gestalt vor­zufinden. Es ist neuerdings gesagt worden, daß die Er­weiterung des Rates ein längst in Aussicht genommener Plan sei, zu dessen Verwirklichung der deutsche Antrag jetzt die passende Gelegenheit biete. Wäre dem so, dann wäre doch wohl das Gegebene gewesen, die deutsche Re­gierung bei den Verhandlungen des letzten Jahres hier­von zu verständigen. Mir ist auch nicht bekannt, daß die jetzi erörterten Veränderungen jemals auf der Tagesordnung der Bundesversammlung oder des Rates, zum Beispiel im September oder Dezember 1925, gestan­den hätten. Wir haben von derartigen Absichten erst Kenntnis erhalten durch die Presseerörterungen, die un­mittelbar nach Absendung unseres Völkerbundantrages einsetzten.

Von gleichem Schwergewicht aber ist für uns fol­gende Erwägung: Jede Meinungsäußerung über et­waige Veränderungen in der Zusammenlegung des

Nach diesen Ausführungen dürfen wir wohl von unserem Reichskanzler erwarten, daß die deutsche Ab­ordnung sofort Genf verlassen wird, wenn man dort Ränke spinnen will. Aber die Frage der Ratssitze ist es nicht allein, was Deutschland beunruhigen kann. Es ist vielmehr noch eine Ueberraschung für die deutsche Abordnung in der Tagesordnung vorgesehen. Der erste Punkt der Tagesordnung in Genf beschäftigt sich mit der Ernennung des Vorsitzenden und der Mitglieder der Saarregierungstommission und mit Angelegenheiten, die sich auf die örtliche Gendarmerie, die französischen Truppen und die Volksabstimmung im Saargebiet be­ziehen. Da Deutschland schwerlich seinen Ratssitz vor dem 2. oder 3. Verhandlungstag einnehmen werde, fragt man sich, ob, falls die Reihenfolge der Tagesordnung innegehalten werden, Deutschland dadurch nicht von der Erörterung eines Problems ausgeschlossen werden solle, das in ganz Deutschland als von vitaler Bedeu­tung angesehen wird.

Wo man hinschaut, nichts als Ränke und Hinter­gehungen Deutschlands. Das alles läßt uns bis jetzt noch keine Freude am Völkerbund gewinnen.

Aus Bernkastel an der Mosel wird von einem Win­zeraufstand berichtet. Für Donnerstag, den 26. Februar, war von seiten der Zentrumspartei eine Winzerver­sammlung angesetzt. Aber ungefähr 1000 junge Leute fanden es lustiger, unter Vorantragen einer schwarzen Fahne, sämtliche Fensterscheiben des Finanzamts ein­zuwerfen, Akten zu verbrennen und dergl. Zeitvertreib sich zu suchen. Gleiches verübten sie bei der Finanzkasse und dem Zollamt. Früher wurde solches nur unter der roten Fahne vollbracht, heute also auch unter der schwarzen. Obwohl die Steuern jetzt billiger wer­den, nachdem soviel zerstört wurde? Das werden sich die Winzer in Bernkastel wohl später gefragt haben.

Sonntag, den 28. Februar, wurde der deutsche Voltstrauertag begangen. Er war durchgängig ein Gedenktag an die Gefallenen des Weltkrieges. Ich schweige von denen, die den Tag zur Parteipropaganda mißbraucht haben. Jn Berlin fand im Reichstag, nach­mittags um 12 Uhr, eine vom Volksbund ,, Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltete Gedenkfeier statt, zu der Reichspräsident von Hindenburg, Reichskanzler Dr. Luther, Reichsaußenminister Dr. Stresemann und zahlreiche Vertreter der Reichs-, Staats- und Stadtbe­hörden erschienen waren. Die Gedenkrede hielt der Prä­sident des Volksbundes, Pfarrer Siems. Vielleicht haben manche Leser mit Hilfe des Rundfunks die sehr eindrucksvolle Feier mitangehört.

Von den Toten gilt es nun wieder aufzuschauen_zu den Lebendigen. Die schönste Ehrung für unsere Ge­fallenen ist helfen mit allen Gaben, allem Fleiß, aller Ueberlegung das wieder aufzubauen, wofür diese Hel­den gestorben sind.

Die Kosten der Wohnungszwangswirtschaft betragen jährlich 2 000 000 000,- Mart!

Der Reichstagsabgeordnete Lude hat sich der Mühe unter­zogen, die Kosten der Wohnungszwangswirtschaft und ihrer Nebenerscheinungen zu berechnen. Er fommt dabei zu dem Er­gebnis, daß rund zwei Milliarden Reichsmart jährlich unproduk­tiv verausgabt werden, während man sich auf der anderen Seite mit dem Gedanken trägt, durch eine Auslandsanleihe in Höhe Don Milliarden Mark die Kosten für den Bedarf an Woh­nungsbauten im kommenden Baujahr aufzubringen. In den Wohnungsämtern sind nach seinen Erhebungen rund 30 600 Beamte, bei den Gerichten 19 800 Beamte nur mit Wohnungs­angelegenheiten beschäftigt. Die mit dem Wohnungswesen zu­sammenhängenden Steuern und Abgaben beanspruchen zu ihrer Verwaltung einen Apparat von 8000 Steuerbeamten. So sind insgesamt 38 400 Menschen mit einem Durchschnittseinkommen von 4000 M für die Verwaltungsarbeit der Wohnungszwangs­wirtschaft nötig, die einen Aufwand von 233,6 Millionen Mart allein an Gehältern verursachen. Hinzu kommen die sachlichen Ausgaben, wie Büromieten und Handlungsunkosten, die eine Gumme von 100 Millionen Mark erfordern. Durch die 816 000 Prozesse wegen Wohnungszwiftigkeiten sind dem Reiche im ver­gangenen Jahre 122,4 Millionen Mart Unkosten entstanden, wäh­rend die flagenden Parteien einen Arbeitsverdienstausfall er­litten haben, den Lude mit 90,82 Millionen Mart beziffert. Aus diesen Zahlen läßt sich unschwer ein Bild gewinnen, wie Diel Wohnungen man mit den Mitteln hätte herstellen tönnen, die für die Aufrechterhaltung der Wohnungszwangswirtschaft Derausgabt wurden.