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r 1362 und 1145.
39. Jahrg.
Samstag, den 10. April 1926.
Nr. 15.
Gießener Zeitung
Erscheint: Samstags.
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd. fenbung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Sonntagsgedanken.
Die Herolde der Blumen schmüden wieder die Gärten und Wiesen und eine nach der anderen steht auf, gewedt vom Sonnentag. Ueber die Berge ist der Winter gezogen; der einziehende Frühling hat mit aller Jugendkraft den griesgrämigen Alten verdrängt. Ein Maler hat einmal ein Bild gezeichnet, auf dem der Frühling als holder, geflügelter, blüten bekränzter Knabe, die Geige in der Hand, burch die winterentfesselte Natur schreitet. Ein Quell flingt ihm zu Füßen, fingende Vögel umfliegen ihn, ein seliger Mensch jubelt empor aus der Tiefe eines Tales, und über ihm am blauen Himmel ziehen die weigen Wolfen mit Segeln der Sehnsucht, und von dem Klang des Frühlings quillt ein feiner, seliger Ton in alle Täler und Klüfte, zu allen Bergen und Höhen, in alle Wälder und Gärten. So grüßt uns der Frühling mit Blumen und mit Gesang.
Komm, geh' heute am Frühlingssonntag mit hinaus, wo neues Leben beginnt! Schau die Wunder der göttlichen Kraft! Es schmückt sich die Au, auf Strauch und Baum schlagen Knösplein herzhaft die Augen auf, die Reben beginnen zu ranten ans goldene Licht und der erwachende Wald schüttelt die alten Blätter ab, beginnt den Gaal festlich zu schmüden, weil die Sänger schon zum Frühjahrskonzert gekommen sind. Und unter die Heden streut der junge Lenz die ersten Veilchen und füßt dann behutsam und zart die Quelle, die heimlich schon plaubert Don lenzesfrischer, sonniger Frühlingsfahrt. Dann lernt er den Vöglein sein bestes und innigstes Lied.
Gloden läuten zum Frühlingssonntag, und selbst aus einsamen Herzen entflieht die frostige Winternacht. Segnend hat sich des Allvaters Hand erhoben. Ueberall wirft sein göttliches Walten und überall fühlt man den segnenden Geist.
Vom Reichstag.
Waldfried.
Die letzte
Der Reichstag ist am 27. März, nachdem er noch eine elfstündige Sigung hinter sich gebracht hatte, bis zum 27. April in die Ferien gegangen. Sitzung brachte die Annahme der Steuermilderungsgesetze und die Erledigung des Reichshaushalts in dritier Lesung, der damit zum erstenmal seit 1911 rechtzeitig vor dem 1. April unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Sämtliche Parteien, außer Kommunisten und Völkischen, stimmten ihm zu.
Die Abstimmungen hatten im einzelnen folgendes Ergebnis: Der deutschnationale Antrag auf Senkung der Hauszinssteuer um 6 Prozent der Friedensmiete wurde mit 251 gegen 98 Stimmen der Deutschnationalen und der Wirtschaftl. Vereinigung abgelehnt. Den Ausschußvorschlägen entsprechend wird dann beschlossen, daß die Miete von 100 Prozent der Friedensmiete bis zum 31. März 1927 nicht überschritten werden darf. In namentlicher Abstimmung wurde dann über einen fommunistischen Antrag auf völlige Aufhebung der Umsatzsteuer abgestimmt. Der Antrag wurde mit 140 gegen 33 Stimmen bei 176 Enthaltungen der Deutschnationalen und Sozialdemokraten abgelehnt.
Die Lurussteuer wurde aufgehoben.
Die Umsatzsteuer wurde nach dem Kompromiß auf 0,75 Prozent festgesetzt. Auch die Kassen der politischen Parteien werden von der Umsatzsteuer befreit. Die Bestimmungen über die Fusions- und Vermögenssteuer werden gebilligt.
Drud. Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362
Bostshedtonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.
dann in zweiter Lesung unverändert nach den Ausschußbeschlüssen angenommen. Die ganze Vorlage gelangte darauf in dritter Lesung zur endgültigen Verabschie dung, und zwar in der Schlußabstimmung gegen Völfische und Kommunisten bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold wurde von den Vertretern der Regierungsparteien beglüdwünscht.
Der Beschluß des Haushaltsausschusses, 20 Millio nen für Notstandskredite für die Winzer zu bewilligen, wurde bestätigt. Verabschiedet wurde auch der Gesetzentwurf zur Aufhebung des Staatsgerichtshofs zum Schutze der Republik. Gleichfalls angenommen wurde der Gesetzentwurf über die Aussetzung der Verfahren über die Auseinandersetzung mit ehemals regierenden Fürstenhäusern. Weiter verabschiedete das Haus den Gesetzentwurf über die Wirtschaftsenquete. Genehmigt wurden die Beschlüsse des Ausschusses für die besetzten Gebiete über Hilfsmaßnahmen für die Gemeinden mit Heilbädern und privaten Heilanstalten im besetzten Gebiet.
Auch der Rest der Steuermilderungsvorlage wurde|
Frohe Burgenfahrt.
Von Dr. Ewald Gleigner,
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Etliche Tage freie Zeit, ein Herz voll frohen Mutes, nicht zu viel und nicht zu wenig Sonne nun ja, und wie es die Prosa des Lebens verlangt, ein paar ersparte Groschen in der Tasche was braucht es mehr zu fröhlicher Wanderfahrt? Das Uebrige mag sich dann jeder nach Wunsch und Sinnesart einrichten ob er allein wandern will oder in Gesellschaft, ob zur Erholung, zum Genusse, zur Belehrung oder für alles zugleich- da kann man teine Ratschläge erteilen. Wohl aber sollte für jeden rechten Deutschen zum festen Gebote werden der Satz, der in den letzten Jahren immer wieder und gerade von den besten Männern unseres Volkes ausgesprochen ist: Wandert in der Heimat! Und in heutigen Tagen sollte dieser Rat eine heilige Mahnung werden! Ich mag hier nicht politische Anspielungen bringen, es versteht mich ja ohnehin jeder, der nicht nur in, sondern mit unserm deutschen Volke lebt.
Der Ziele für eine frohe deutsche Wanderfahrt gibt es wahrlich genug. Ein langes Leben reicht nicht aus, um sie alle aufzusuchen. Denn ich bin ein altmodischer Mensch, und als solcher meine ich, daß es nicht genügt, nur überall einmal ein wenig hinzuschauen, um dann das Gesehene gleich wieder zu vergessen Die Schönheit der deutschen Heimat muß zum Erlebnis werden. Das sind wir ihr und uns selbst schuldig. Aber wo ein jeder dieses Erlebnis suchen will, das ist wieder seine Sache.
Die meinige war es seit der Jugend Tagen, zum Rhein zu ziehen. Zum deutschen Strom mit der Herrlichkeit seiner Landschaft, mit seinen Erinnerungen, mit der vieledlen Kunst seiner ehrwürdigen Städte und Klöster, mit dem Zauber seiner Bur
Rüdgang der Erwerbslosenziffer.
Die Entwidlung des Arbeitsmarktes in der ersten Märzhälfte zeigt eine mäßige, aber noch keineswegs. entscheidende Besserung. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger ist von 2 056 000 auf 2017 000 d. h. um noch nicht ganz 2 v. H. zurüdgegangen. Jm einzelnen haben sich die männlichen Hauptunterstützungsempfänger stärker, nämlich 1750 000 auf 1703 000 vermindert, während bei weiblichen Hauptunterstützungsempfängern noch eine Zunahme, nämlich von 306 Tausend auf 315 000 eingetreten ist. Die Zahl der Zuschlagsempfänger unterstützungsberechtigter Angehörigen von Hauptunterstützungsempfängern ist von 2 279 Tausend auf 2 204 Tausend zurückgegangen. Soweit ein Rüdgang eingetreten ist, beruht er zum wesentlichen Teile auf den Außenberufen( Landwirtschaft, Baugewerbe usw.).
Ein Aufruf
des Regierungspräsidenten von Oberbayern der allen Weintrinkern dringend ans Herz legt, nur deutschen Wein zu trinken.
Ehrt der deutschen Rebe Wunder, Pfeift auf welsche Panscherei'n, Auf Chianti und Burgunder! Deutsche, trinkt nur deutschen Wein!
Trinkt den Wein der Pfalz, der Franken, Den von Mosel, Saar und Rhein! Brave Winzer werden's danken! Deutsche, trinkt nur deutschen Wein!
In
Duftend winkt er zum Genusse, Golden schimmernd lädt er ein Darum noch einmal zum Schlusse: Deutsche, trinkt nur deutschen Wein!
gen, mit seinen Liedern, mit seinem goldenen Wein. Der Rhein als Ziel froher Wanderfahrt bedarf leines Wortes zu Ruhm und Empfehlung. Ihm gilt ohnehin das Sehnen jedes rechten Deutschen.
Da ist eine solche Burg am Rhein, es ist die Marksburg auf steilem Bergesgipfel über dem malerischen Städtlein Braubach.
Ach, Braubach mit seinen altertümlichen Gassen und mit dem stolzen Kriegerdenkmal am Ufer des Stromes! Wie gern bin ich da eingekehrt. Wie oft bin ich von dort den Bergweg emporgestiegen zur uralten Burg Brubach, der man im 15. Jahrhundert den Namen des Evangelisten Martus gegeben hat. Jm Frühling, im Sommer, zur bunten Herbstzeit. Einmal war es im Winter auf verschneitem und vereisten Pfade. Schön war es ſtets. Und weil nun einmal die Marksburg eine alte Schwär merei von mir ist, so möchte ich aus der Fülle der Wanderziele am deutschen Rhein gerade fie recht hervorheben und Freunde für fie werben.
Zwar lönnte ich dies füglich ihr selbst überlassen, wofern nur recht viele sich entschließen wollten, die Wanderung zu ihr anzutreten. Denn wer sie sieht, den hat sie auch. Den umschlingt sie mit dem Zauber ihrer Romantit, dem raunt sie wunderbare Geschichten und Mären aus alten großen Zeiten ins Ohr. Den entzückt sie mit dem köstlichen Blid auf den in der Tiefe funkelnd dahinströmenden Rhein und auf die blühenden Lande des westlichen Ufers. Dem weiß sie Ernstes und Frohes zu sagen, so viel Schönes zu zeigen, daß er am liebsten gar nicht wieder aufhören möchte mit Lauschen und Schauen. Ein Hauch vom Geiste der Lorelei umweht sie, aber er bringt nicht Verderben, sondern Freude und edelsten Genuß.
Herrlich ist die Lage der Marksburg. Wer auf dem Rhein stromauf oder stromab fährt, dem blidt fie schon aus weiter Ferne
( Gießener Tageblatt)
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Ein Sabotage- Prozeß im Ruhrgebiet.
Kommunistische Schandtaten.
Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben:
In Essen hat sich dieser Tage ein Sabotage Prozeß abge spielt, der in allen Kreisen der Bevölkerung, insbesondere bei der Bergarbeiterschaft, großes Aussehen und begreifliche Empörung erregt hat. In den Verhandlungen ist festgestellt worden, daß die kommunistische Parteizentrale in Berlin im Frühjahr 1924, als die Ruhrbergleute in einen Streit getrieben werden sollten, Anweisung gegeben hat, im ganzen Ruhrgebiet fog. Terror- Gruppen zu bilden, denen die Aufgabe zufiel, Sabo tageatte an den Zecheneinrichtungen vorzunehmen, um so die Bergwerke stillzulegen. Was bei dieser Verhandlung an ver bretherischen Untaten ans Licht gezogen worden ist, gehört zu den wahnwizigsten Auswüchsen, die blinder Fanatismus bislang im Ruhrbergbau gezeitigt hat.
In den geheimen Sitzungen der Terror- Gruppen wurde der Blan gefaßt und vorbereitet, beladene Förderwagen in die Schächte der Zechen Graf Bismard und Wilhelmine- Vittoria zu stürzen. Mitglieder der Terror- Gruppe, denen die Ausführung des ruchlosen Planes übertragen war, schlich sich um die Mitternachtsstunde auf das Zechengelände und auf die Fördergerüste. Einer der Schachthauer, der zur Zeit der Schreckenstaten im Schacht mit Arbeiten beschäftigt war, schilderte in der Gerichtsverhandlung die weiteren Vorgänge wie folgt:
Es muß um die Mitternachtsstunde gewesen sein, als wir plöglich ein furchtbares Getöse von oben her vernahmen. Wir sprangen schleunigst von Schreden erfüllt aus dem Förderkorb heraus und retteten so unser Leben. Eine Sefunde später wäre es um uns geschehen gewesen. Dann kam ein mit Steinen be= ladener Wagen unter donnerartigem Krachen in den Schacht hinabgesaust. Wir dachten nicht anders, als daß der ganze Schacht zu Bruch gehen würde. Plötzlich stand der Füllort bis oben hin in Flammen. Der ganze Füllort glich einem einzigen Feuermeer. Wohl an die 10 Mal sprang der Förderkorb gespenstisch mehrere Meter auf und nieder, nachdem inzwischen der Wagen in den Sumpf gestürzt war. Bevor wir uns von unserem starren Entsetzen erholt hatten, wiederholte sich das furchtbare Schauspiel. Mit demselben Getöse tam ein zweiter Wagen heruntergesaust, der den Förderkorb vollständig zertrümmerte.
Zwei Haupttäter wurden eines Tages auf einem Dachboden in Gelsenkirchen aufgestöbert, wo sie bei einem Parteigenossen Unterschlupf gefunden hatten. Es tam zu einem Feuergefecht, wobei ein Polizeibeamter getötet, ein anderer lebensgefährlich verletzt wurde. Als die Uebeltäter ihre gesamte Munition verschossen hatten, töteten sie sich beide durch eine Kugel in den Kopf. Drei weitere Uebeltäter, die jetzt unter Anklage standen, wurden zu je 2 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Der Prozeß hat wieder einmal gezeigt, daß es Menschen gibt, die unter dem verderblichen Einfluß anarchistischer Jrrlehren, von Haß und Fanatismus verblendet, es fertig bringen, durch Sabotage das Leben ihrer Mitmenschen, ja sogar das ihrer eigenen Arbeitskameraden leichtfertig oder auch im vollen Bewußtsein der möglichen schweren Folgen aufs Spiel zu setzen.
Dieser Sabotageprozeß bringt auch ein Vorkommnis in Er innerung, von dem vor einiger Zeit in der Presse berichtet wurde. Auf Zeche Minister Stein wurde ein Batet mit 10 schar fen Sprengkapseln entdeckt. Die Untersuchung ergab, daß die gefährlichen Sprengstoffe von einer anderen Zeche in die Grube eingeschleppt sein müssen. Es ist fast ein Wunder zu nennen, daß die Sprengkapseln nicht explodiert sind. Der Verdacht, daß diesem Vorfall auch beabsichtigte Sabotage zugrunde liegt, liegt sehr nahe.
entgegen, und lange noch wintt sie ihm ihre Grüße nach. Denn anf steilen, felsigen Bergesgipfel thront sie, so eng verwachsen mit ihm, als wäre sie seiner ein Teil. Gegen den Rhein ist die Langseite der Burg gewandt, stufenweise steigt das schwere Gemäuer aufwärts mit 3wingern, Türmen und wuchtigen Behausungen. Hoch in die reinen Lüfte empor tagt der mächtige Bergfried. Von der Natur selbst geschützt ist die Burg, trefflich brauchbar in alten Zeiten als wehrhafter Stügpunkt in Fehden und Kriegen. Die Marksburg ist von den rheinischen Burgen die einzige, die niemals erobert worden ist.
Durch die alten malerischen Gassen von Braubach wandern wir. Dann die von Busch und Baum umschatteten Bergpfade empor zur Burg. Links von uns steigt eine gewaltige Mauer trogig und stolz empor. Sie gehört zu dem„ Pulvered", einer Befestigung, die 1639 erbaut worden ist zum Schuge des Einganges, den wir nach kurzer Frist erreichen. Wehrhafte Zwingermauern geben uns zur Linken das Geleit. Ueber die Zugbrüde betreten wir das erste der fünf Tore. Eins ist immer fester als das andere. Schwere Kämpfe hätte es in alten Zeiten getostet, ihrer Herr zu werden. Das vierte ist das ,, Schartentor", herrlich malerisch mit seinem wuchtigen Turme, den ein Gusseter gegen eindringende Belagerer geschützt hat. In diesem Turm war einst die Wohnung des Burggrafen. Noch größeren Eindrud schafft die Romantit des fünften Tores. Durch dieses erst, unter den alten, mit Kanonen bewehrten Batterien hindurch, gelangen wir zu dem Kern der alten Burganlage.
Wie alt sie ist? Wer tönnte das sagen? Der Bergfried hat gut seine neun Jahrhunderte. Aber lange, ehe er gebaut wurde, ein halb Jahrtausend wohl, ehe es eine christliche Zeitrechnung gab, war diese Berghöhe schon befestigt. Spuren und Reste von Ansiedlung aus der sogenannten„ jüngeren Eisenzeit"( La Tene


