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Weltkrieg 1927-1933
übersetzt von Baron von Lüderitz. gewesen, wieder freigegeben Zwei aktuellen Beilagen.
r. schild, die Schriften die ungeheuren ErJahre 1927 über Europa hereinbrechen. insend. v. Mk. 1,10 od. Postscheck- Konto m.1.40. Westverlag Kom.- Ges., Wiesbaden 213, Schliessl, 60
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Samstag, den 5. Juni 1926.
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Gießener Zeitung
Erscheint: Samstags.
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd lendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Voraussichtliche Regelung der Flaggenfrage.
Berlin, 4. Juni. Wie wir hören, wird sich die auf Montag, den 7. Juni, anberaumte Kabinettsfigung ausschließlich mit der Flaggenfrage beschäftigen. In dieser Sigung soll die Frage- im Kreise des Kabinetts selbst geflärt werden. Es liegt noch tein Gesetzentwurf des Reichsinnenministeriums vor.
Die Mannesmann- Konzeffionen. London, 4. Juni. Die Banque de Paris et des Pays- Bas hat, wie der„ Daily Herald" meldet, Verhandlungen mit der Firma Mannesmann eröffnet, um einen deutsch- französischspanischen Trust zur Ausbeutung der Konzessionen in SpanischMarotto zu schaffen. Es sei die Absicht der Bant, von der franjöfischen Regierung auch die Mannesmann- Konzessionen in Französisch Marotto zu erhalten, die im Versailler Vertrag der deutschen Firma abgenommen wurden.
Deutscher Erfolg
Drud, Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Postschedtonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.
Pfarrer D. Walter, Freiherr D. Dr. von Henl zu Hernsheim und Oberbürgermeister Rahn eine Rundgebung am Lutherdenkmal stattfand, bei der Oberkirchenrat Zontgraf- Mainz eine AnSprache hielt. Mehrere tausend Menschen umfäumten das Dentmal. In der Dreifaltigkeitskirche hielt Professor D. Dr. ElertErlangen über„ Luthers Bedeutung für die Welt" einen Vortrag. Ein gewaltiges Schlußbekenntnis war das von Tausenden gemeinsam gesprochene Vaterunser. So schloß die Tagung von mehr als gewöhnlicher Bedeutung. Ihre praktische Auswirkung wird eine Fülle neuer lebendiger Frauenarbeit zum Wohle des Voltsganzen in allen Gauen Deutschlands sein.
Generaldirektor Deser+.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreise: die 30mm breite Petitzeile auswärts 24 Pig. lotal 12 Pig, die 90mm breite Reflame Petitzeile 96 Pfg. Playvorschriften ohne Berbindlichkeit. Bei Wiederholungen Rabatt. für Bollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.
Bevölkerungsbewegung
und Wohnungsnot in Hessen.
Nach amtl. Material bearbeitet von G. Ziegler- Darmstadt. ( Schluß.)
Zu denselben Ergebnissen kommt Dr. Gerhard Fürst, Berlin, der im Grundeigentum" seine Untersuchungen auf das ganze Reichsgebiet erstredt.
Er befaßt sich zunächst mit der Frage, wie groß die Zahl der Wohnungssuchenden überhaupt ist und schreibt dazu:
Die Zahl der Personen, die zurzeit Anspruch auf eine Wohnung erheben, tönnte eventuell aus der Zahl der bei den Wohnungsämtern eingetragenen Wohnungssuchenden gewonnen wer
in Am Donnerstag verschied der Generaldirektor der Deutschen Reichseisenbahngesellschaft Rudolf Doeser in Berlin. Der Geden. Da hierbei jedoch Doppeleintragungen an verschiedenen neraldirektor war bereits seit längerer Zeit leidend.
700- Jahr- Feier Lübecks.
Lübed, 4. Juni. Jm Stadttheater fand heute vormittag die offizielle Gedenkseier statt, zu der sich eine große Festversammlung hatte. Es war u. a. erschienen Verkehrsminister
bei den Wahlen in Südwestafrika. Kapstadt. Bei den Südwestafrikanischen Parlament sind von zwölf Sigen sieben den Deutschen zugefallen. Von den zwölf Wahltreisen hatten die Kreise Windhut, Okahandja, Lüderitzbucht, Kolmanstop und Grootfontein ziemlich sichere deutsche Mehrheiten, während die Aussichten in Swakopmund und Omaruru unbestimmt waren. Erfreulicherweise fonnten auch diese beiden Wahlkreise für die deutschen Kandidaten gewonnen werden. Folgende deutsche Kandidaten wurden gewählt: Peter Müller( Windhuk), Blank ( Swakopmund), Westenfeld( Omaruru), Albert Voigts( Okahandja), Hirsekorn( Lüderißbucht), Fischer( Kolmanskop), Kegel ( Grootfontein.
am 25. Mai erfolgten Wahlen zum rohne, als Vertreter des Reichspräsidenten und der
Zur englischen Kohlenfrage.
Londen, 4. Juni. Im Unterhaus erklärte Churchill, die Regierung behalte sich in der Kohlenfrage volle Handlungsfreiheit vor, doch lehne sie es nicht ab, der Kohlenindustrie innerhalb der Grenzen von 3 Millionen Pfund weitere Unterstügung zu ge
währen.
Italienische Regierungsmaßnahme gegen die protestantische Kirche.
Wie der ,, Avanti" meldet, haben die Behörden in letzter Zeit der protestantischen Kirche verboten, die sogenannte Nachschule abzuhalten, d. h. Knaben und Mädchen nach der Schule um sich zu versammln. Der| ,, Avanti" fügt hinzu, der behördliche Erlaß werde damit begründet, daß die katholische Kirche allein in Italien anerkannt sei, während die protestantischen Konfessionen nur geduldet würden. Infolge dieses Erlasses hat die protestantische Kirche auf die sogenannte Nachschule verzichten müssen.
Mussolini scheint sein diktatorisches Vorgehen nicht mehr auf politische Gegner beschränken zu wollen. Man wird die neue Verfügung nur mit tiefem Bedauern aufnehmen können. Sie zeigt eine religiöse Unduldsamfeit, die in einem Lande, das auf kulturellen Hochstand Anspruch erhebt, unmöglich sein sollte und sich von selber richtet.
Evangelisch- Sozialer Kongreß.
Der zweite Verhandlungstag des Evangelisch- Sozialen Kongresses in Saarbrücken brachte den Hauptvortrag von Krof. Dr. Zimmermann- Hamburg über: Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der in Industrie, Handwert, Handel und Verkehrswesen bechäftigten Jugend". Ein im letzten Jahr durch Fragebogen teichlich gesammeltes Material lag dem Vortrag zur Auswertung zu Grunde, dessen Hauptforderungen eine bessere Regelung der Arbeitsverhältnisse für Jugendliche war und mit einem Appell an die Generation der Alten endete, den Geist, den man ich von der Jugend erwünsche, der Jugend selbst vorzulegen. Der durch die Kriegsjahre bedingte Ausfall an Jugendlichen in den kommenden Jahren dürfte den Jugendlichen zu einer begehrten Arbeitskraft werden lassen. Umso eher werden sich dann Forderungen des Jugendschuhes von selbst durchsetzen. Frau Krutenberg- Conze- Kreuznach erstattete in einem Rorrefeat Bericht über die Lage der weiblichen Jugend, eine Reihe anderer Redner gaben bemerkenswerte Ergänzungen über die Berhältnisse in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. Der Vorsitzende, Reichsgerichtspräsident Dr. Simons- Leipzig, jchloß den Kongreß mit warmen Dankesworten an die Redner. Am Nachmittag wurde eine Reihe industrieller Unterneh= mungen im Saargebiet besichtigt.
Für den Abend des zweiten Tages hatten die Darmstädter Frauenvereine die auswärtigen Gäste zu einem sehr stimmungsvollen Teeabend in die„, Vereinigte Gesellschaft" eingeladen, wo Auserlesenstes geboten wurde.
Der dritte Tag brachte am Vormittag die Mitgliederversammlung der Vereinigung. Diese wurde dadurch bedeutsam, daß das neue Arbeitsprogramm beraten und angenommen wurde. Der Nachmittag führte die Teilnehmer der Tagung im Sonderzug nach der Lutherstadt Worms, wo nach der Begrüßung durch
Dr.
Reichsregierung.
Eine Bilanz.iqm
In einem Ueberblid über Gegenwartsstand und Zukunftsaufgaben der deutschen Sozialgesetzgebung führte anläßlich des 25jährigen Bestehens der deutschen Gesellschaft für Sozialreform deren Vorsitzender, Präsident v. Nostiz, aus:
Orten vorkommen können und stillschweigende Wohnungserwerbungen auf dem Wege der Aftermiete, zum Teil auch das Mieten von Wohnungen in Neubauten, die nicht der Zwangsbewirt schaftung unterliegen, dem Wohnungsamt unter Umständen un bekannt bleiben, besteht die Gefahr, daß die dadurch gewonnenen Zahlen zu hoch sind. Einen besseren Maßstab bildet daher die bei der letzten Volkszählung ermittelte Zahl der Haushaltungen. Da alle Familien und alle einzeln lebenden Personen, die eine eigene Hauswirtschaft führen, eine besondere Haushaltungsliste auszufüllen hatten, auch wenn sie feine selbständige oder getrennte Wohnung besaßen, gibt diese Zahl ein hinreichend genaues Bild von der Größe des Wohnungsbedarfs. Nach den Veröffentlichungen des Statistischen Reichsamtes( vgl. Sonder heft 2 zu„ Wirtschaft und Statistit") sind insgesamt 15 359 131 Haushaltungen gezählt worden. Es ist vom Standpunkte der Wohnungsfrage aus sehr interessant, daß die durchschnittliche Größe der Haushaltungen gegenüber der letzten Vorkriegszäh lung vom Jahre 1910 ganz bedeutend abgenommen hat. Wäh rend im Jahre 1910 durchschnittlich auf jede Haushaltung 4,53
In den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und Glanzes vor dem Krieg war soziale Reform größtenteils Sache des guten Willens, einer gerechten und billigen Denkungsart. Und es ist deshalb die geschicht- Personen entfielen, ist diese Zahl um rund 10 Prozent auf 4,07 liche Schuld der führenden Klassen, daß wenn auch manches geschah, nicht noch viel mehr geschehen ist, was hätte geschehen sollen. Heute ist die Frage, ob die wirtschaftliche Möglichkeit vorhanden ist, viel öfter berechtigt. Was man billig hätte haben können, muß jetzt mit sehr fühlbaren Opfern erkauft werden. Denn unverrückbar bleibt: ohne Sozialpolitik und soziale Reform fein gejundes Volts- und Staatsleben. Diese Ausgaben sind feine Lasten, sondern im vollsten Sinne Werbungskosten der Wirtschaft. Denn nicht, daß der einzelne oder auch ein einzelner Wirtschaftszweig Geld verdient und blüht, sondern daß ein Volt als Ganzes tüchtig und gesund bleibt, ist das Ziel.
Praktisch gehe es um zwei große Aufgaben: die eine, mitzuarbeiten an der Kodifizierung, dem Ausund Weiterbau der sozialen Gesetzgebung, vor allem des Arbeits- und Versicherungsrechtes, wie sie jetzt im Gange ist. Die andere Aufgabe, heute noch schwieriger, ist die, nach Kräften dazu beizutragen, daß Arbeitgeber
und Arbeitnehmer über ihren sich oft wiberſtreitenden Interessen das Bewußtsein der Volts- und Schicksalsgemeinschaft nicht verlieren, in der sie stehen. Gerade die ungeheure Wirtschaftsnot, die ungeheure Reparationslast, drängt dazu, jede unproduttive Ausgabe zu vermeiden, und Arbeitsstreitigkeiten sind für die Volkswirtschaft als Ganzes unproduktiv, mögen sie auch der einen oder anderen Seite trog zeitweiliger Verluste Vorteil bringen. Als letztes Mittel mögen Arbeitskämpfe auf die Dauer nicht immer vermeidbar sein und haben zweifellos auch soziale Fortschritte bewirkt. Gegenwärtig, in unserer durch Blutverlust und Fieber geschwächten Volkswirtschaft, müssen sie verheerend wirken.d
Die Gesellschaft für soziale Reform umfaßt seit 1916, wo auch die freien Gewerkschaften beitraten, die Arbeiter- und Angestelltenvereine aller drei großen Richtungen mit nicht weniger als 8 Millionen forporativen Mitgliedern. Neuerdings hat nun auch die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände aus eigenem Antrieb ihren Anschluß vollzogen; eine Tatsache, die zweifellos zur Vertiefung des Meinungsstreites innerhalb der Gesellschaft führen wird, dafür aber neue wertvolle Berührungsmöglichkeiten schafft.
Tue Deine Pflicht!
Gib zur Zeppelin- Edener- Spende! Tu Deine Pflicht!
Und opf're Deine Gabe
Dem Werk des unvergessenen Zeppelin, Der Vorbild Dir in eisenfestem willen, Wenn noch so oft sein Schiff verloren schien Tu Deine Pflicht!
Stolz fährt Dein Schiff!
Jn harter Zeit geschaffen
Durch Deine Gabe, mühsam Dir erspart;
Es weist der Welt den Weg zu neuem Aufstieg Durch stete, sich're, unbeirrte Fahrt. Stolz fährt Dein Schiff!
Personen je Haushaltung zurüdgegangen. Wenn diese Tendenz zur Verkleinerung der Haushaltungen auch schon bei früheren Zählungen zu beobachten war, so ist der Rüdgang seit dem Jahre 1910 doch ganz außergewöhnlich stark. Dieser Rüdgang ist durch die verstärkte Neugründung von Familien und damit auch von Haushaltungen und durch die Einschränkung der Zahl der Hausangestellten sowie durch das fortgesette Sinten der Geburten= häufigkeit zu erklären. Nach der Zählung von 1910 entfielen auf das heutige Reichsgebiet bei einer Gesamtbevölkerung von 57,8 Millionen Einwohnern 12 759 000 Haushaltungen. Die Zahl den wohnungsuchenden Parteien hat also seitdem um 2,6 Millionen oder um 20,4 Prozent zugenommen. Diese Zahl wird durch einen Vergleich mit der Zunahme der bestehenden Ehen im gleichen Zeitraum, wobei sich eine Zunahme von 22 Prozent ergibt, erhärtet
Wie groß ist dem gegenüber die Zahl der zur Verfügung stehenden Wohnungen? Es tann mit Sicherheit angenommen werden, daß bei der Zählung des Jahres 1910 jede Haushaltung die Anspruch auf eine Wohnung erhob, auch im Besitze einer Wohnung war, so daß für das Jahr 1910 mit einem Bestand von 12 759 000 Wohnungen gerechnet werden kann. Die Wohnungsreserve der unvermieteten Wohnungen ist dabei noch nicht berüdNach den Ergebnissen der amtlichen Bautätigkeitsfichtigt. statistik war in den Nachkriegsjahren 1919-1924 im gesamten Deutschen Reich ein Reinzugang von 665 479 230 Wohnungen zu verzeichnen. Für die Jahre 1910-1918 liegen amtlich nur Teilstatistiken für 19 Großstädte vor, aus denen der Zugang an Wohnungen für das gesamte Reichsgebiet errechnet werden muß. In diesen 19 Großstädten mit insgesamt über 7 Millionen Einwohnern sind in den Jahren 1919-1924 tund 73 000 Wohnungen oder 11 Pozent der überhaupt entstandenen Wohnungen erbaut worden. In den Jahren 1910-1918 hatten die gleichen Gemeinden einen Reinzugang von rund 243 000 Wohnungen aufzuweisen. Da in den Nachkriegsjahren der Anteil der Großstädte es wurden z. B. an dem gesamten Bauergebnis sehr gering ist im Jahre 1924 ir den Großstädten nur 22 418 Wohnungen erbaut gegenüber 34 396 in den Landgemeinden unter 2000 Einwohnern- wird man den Satz von 11 Prozent nicht ohne weiteres auf die Vorkriegszeit übertragen fönnen. Rechnet man vorsichtig, daß diese 19 Großstädte vor und während des Krieges nicht den 9. Teil, sondern nur den 6. Teil der Gesamtbautätigkeit auf sich vereinigten, so tommt man immerhin auf einen Zugang von 1,5 Millionen Wohnungen in den Jahren 1910-1918 hierzu rund 0,7 Millionen in der Nachkriegszeit 1919-1925, ergibt zusammen 2,2 Millionen Wohnungen Hierbei sind die früher leerstehenden Wohnungen nicht mit als Zugang gezählt, da Unterlagen für eine annähernde Schätzung nicht vorhanden sind. Diesen 2,2 Millionen Wohnungen stehen 2,6 Millionen neuer Haushaltungen gegenüber, so daß ein ungedeckter Bedarf von 400 000 Wohnungen verbleibt. Dieses Ergebnis bleibt nicht unwesentlich hinter den oft in der Deffentlichkeit genannter Schäzungen von 800 000 bis 1 Million fehlender Wohnungen zurüd.
Vergleicht man außerdem den Zuwachs der Wohnungen mit dem Wachsen der Bevölkerungszahl, so ergibt sich, daß seit dem Jahre 1910
die Haushaltungen um
die Wohnungen um
20,4 Prozent
17,2
"
"
die Bevölkerung aber nur um 8,2 gestiegen sind. Es zeigt sich somit, das auch auf Grund genauerer


