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übersetzt von Baron von Lüderitz. gewesen, wieder freigegeben Zwei aktuellen Beilagen.

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Samstag, den 5. Juni 1926.

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Gießener Zeitung

Erscheint: Samstags.

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd lendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Voraussichtliche Regelung der Flaggenfrage.

Berlin, 4. Juni. Wie wir hören, wird sich die auf Montag, den 7. Juni, anberaumte Kabinettsfigung ausschließlich mit der Flaggenfrage beschäftigen. In dieser Sigung soll die Frage- im Kreise des Kabinetts selbst geflärt werden. Es liegt noch tein Gesetzentwurf des Reichsinnenministeriums vor.

Die Mannesmann- Konzeffionen. London, 4. Juni. Die Banque de Paris et des Pays- Bas hat, wie der Daily Herald" meldet, Verhandlungen mit der Firma Mannesmann eröffnet, um einen deutsch- französisch­spanischen Trust zur Ausbeutung der Konzessionen in Spanisch­Marotto zu schaffen. Es sei die Absicht der Bant, von der fran­jöfischen Regierung auch die Mannesmann- Konzessionen in Französisch Marotto zu erhalten, die im Versailler Vertrag der deutschen Firma abgenommen wurden.

Deutscher Erfolg

Drud, Verlag und Expedition: Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1362 Postschedtonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.

Pfarrer D. Walter, Freiherr D. Dr. von Henl zu Hernsheim und Oberbürgermeister Rahn eine Rundgebung am Lutherdenk­mal stattfand, bei der Oberkirchenrat Zontgraf- Mainz eine An­Sprache hielt. Mehrere tausend Menschen umfäumten das Dent­mal. In der Dreifaltigkeitskirche hielt Professor D. Dr. Elert­Erlangen über Luthers Bedeutung für die Welt" einen Vor­trag. Ein gewaltiges Schlußbekenntnis war das von Tausenden gemeinsam gesprochene Vaterunser. So schloß die Tagung von mehr als gewöhnlicher Bedeutung. Ihre praktische Auswirkung wird eine Fülle neuer lebendiger Frauenarbeit zum Wohle des Voltsganzen in allen Gauen Deutschlands sein.

Generaldirektor Deser+.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreise: die 30mm breite Petitzeile auswärts 24 Pig. lotal 12 Pig, die 90mm breite Reflame Petitzeile 96 Pfg. Play­vorschriften ohne Berbindlichkeit. Bei Wiederholungen Rabatt. für Bollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.

Bevölkerungsbewegung

und Wohnungsnot in Hessen.

Nach amtl. Material bearbeitet von G. Ziegler- Darmstadt. ( Schluß.)

Zu denselben Ergebnissen kommt Dr. Gerhard Fürst, Berlin, der im Grundeigentum" seine Untersuchungen auf das ganze Reichsgebiet erstredt.

Er befaßt sich zunächst mit der Frage, wie groß die Zahl der Wohnungssuchenden überhaupt ist und schreibt dazu:

Die Zahl der Personen, die zurzeit Anspruch auf eine Woh­nung erheben, tönnte eventuell aus der Zahl der bei den Woh­nungsämtern eingetragenen Wohnungssuchenden gewonnen wer

in Am Donnerstag verschied der Generaldirektor der Deutschen Reichseisenbahngesellschaft Rudolf Doeser in Berlin. Der Geden. Da hierbei jedoch Doppeleintragungen an verschiedenen neraldirektor war bereits seit längerer Zeit leidend.

700- Jahr- Feier Lübecks.

Lübed, 4. Juni. Jm Stadttheater fand heute vormittag die offizielle Gedenkseier statt, zu der sich eine große Festversammlung hatte. Es war u. a. erschienen Verkehrsminister

bei den Wahlen in Südwestafrika. Kapstadt. Bei den Südwestafrikanischen Parlament sind von zwölf Sigen sieben den Deutschen zugefallen. Von den zwölf Wahltreisen hatten die Kreise Windhut, Okahandja, Lüderitzbucht, Kolmanstop und Grootfontein ziemlich sichere deutsche Mehrheiten, während die Aussichten in Swakopmund und Omaruru unbestimmt waren. Erfreulicherweise fonnten auch diese beiden Wahlkreise für die deutschen Kandidaten gewonnen werden. Folgende deutsche Kan­didaten wurden gewählt: Peter Müller( Windhuk), Blank ( Swakopmund), Westenfeld( Omaruru), Albert Voigts( Oka­handja), Hirsekorn( Lüderißbucht), Fischer( Kolmanskop), Kegel ( Grootfontein.

am 25. Mai erfolgten Wahlen zum rohne, als Vertreter des Reichspräsidenten und der

Zur englischen Kohlenfrage.

Londen, 4. Juni. Im Unterhaus erklärte Churchill, die Re­gierung behalte sich in der Kohlenfrage volle Handlungsfreiheit vor, doch lehne sie es nicht ab, der Kohlenindustrie innerhalb der Grenzen von 3 Millionen Pfund weitere Unterstügung zu ge­

währen.

Italienische Regierungsmaßnahme gegen die protestan­tische Kirche.

Wie der ,, Avanti" meldet, haben die Behörden in letzter Zeit der protestantischen Kirche verboten, die so­genannte Nachschule abzuhalten, d. h. Knaben und Mäd­chen nach der Schule um sich zu versammln. Der| ,, Avanti" fügt hinzu, der behördliche Erlaß werde da­mit begründet, daß die katholische Kirche allein in Italien anerkannt sei, während die protestantischen Konfessionen nur geduldet würden. Infolge dieses Er­lasses hat die protestantische Kirche auf die sogenannte Nachschule verzichten müssen.

Mussolini scheint sein diktatorisches Vorgehen nicht mehr auf politische Gegner beschränken zu wollen. Man wird die neue Verfügung nur mit tiefem Bedauern aufnehmen können. Sie zeigt eine religiöse Unduldsam­feit, die in einem Lande, das auf kulturellen Hochstand Anspruch erhebt, unmöglich sein sollte und sich von sel­ber richtet.

Evangelisch- Sozialer Kongreß.

Der zweite Verhandlungstag des Evangelisch- Sozialen Kon­gresses in Saarbrücken brachte den Hauptvortrag von Krof. Dr. Zimmermann- Hamburg über: Die Lebens- und Arbeitsverhält­nisse der in Industrie, Handwert, Handel und Verkehrswesen be­chäftigten Jugend". Ein im letzten Jahr durch Fragebogen teichlich gesammeltes Material lag dem Vortrag zur Auswer­tung zu Grunde, dessen Hauptforderungen eine bessere Regelung der Arbeitsverhältnisse für Jugendliche war und mit einem Appell an die Generation der Alten endete, den Geist, den man ich von der Jugend erwünsche, der Jugend selbst vorzulegen. Der durch die Kriegsjahre bedingte Ausfall an Jugendlichen in den kommenden Jahren dürfte den Jugendlichen zu einer be­gehrten Arbeitskraft werden lassen. Umso eher werden sich dann Forderungen des Jugendschuhes von selbst durchsetzen. Frau Krutenberg- Conze- Kreuznach erstattete in einem Rorrefe­at Bericht über die Lage der weiblichen Jugend, eine Reihe anderer Redner gaben bemerkenswerte Ergänzungen über die Berhältnisse in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. Der Vorsitzende, Reichsgerichtspräsident Dr. Simons- Leipzig, jchloß den Kongreß mit warmen Dankesworten an die Redner. Am Nachmittag wurde eine Reihe industrieller Unterneh= mungen im Saargebiet besichtigt.

Für den Abend des zweiten Tages hatten die Darmstädter Frauenvereine die auswärtigen Gäste zu einem sehr stimmungs­vollen Teeabend in die, Vereinigte Gesellschaft" eingeladen, wo Auserlesenstes geboten wurde.

Der dritte Tag brachte am Vormittag die Mitgliederver­sammlung der Vereinigung. Diese wurde dadurch bedeutsam, daß das neue Arbeitsprogramm beraten und angenommen wurde. Der Nachmittag führte die Teilnehmer der Tagung im Sonder­zug nach der Lutherstadt Worms, wo nach der Begrüßung durch

Dr.

Reichsregierung.

Eine Bilanz.iqm

In einem Ueberblid über Gegenwartsstand und Zukunftsaufgaben der deutschen Sozialgesetzgebung führte anläßlich des 25jährigen Bestehens der deutschen Gesellschaft für Sozialreform deren Vorsitzender, Präsi­dent v. Nostiz, aus:

Orten vorkommen können und stillschweigende Wohnungserwer­bungen auf dem Wege der Aftermiete, zum Teil auch das Mieten von Wohnungen in Neubauten, die nicht der Zwangsbewirt schaftung unterliegen, dem Wohnungsamt unter Umständen un bekannt bleiben, besteht die Gefahr, daß die dadurch gewonnenen Zahlen zu hoch sind. Einen besseren Maßstab bildet daher die bei der letzten Volkszählung ermittelte Zahl der Haushaltungen. Da alle Familien und alle einzeln lebenden Personen, die eine eigene Hauswirtschaft führen, eine besondere Haushaltungsliste auszufüllen hatten, auch wenn sie feine selbständige oder ge­trennte Wohnung besaßen, gibt diese Zahl ein hinreichend ge­naues Bild von der Größe des Wohnungsbedarfs. Nach den Veröffentlichungen des Statistischen Reichsamtes( vgl. Sonder heft 2 zu Wirtschaft und Statistit") sind insgesamt 15 359 131 Haushaltungen gezählt worden. Es ist vom Standpunkte der Wohnungsfrage aus sehr interessant, daß die durchschnittliche Größe der Haushaltungen gegenüber der letzten Vorkriegszäh lung vom Jahre 1910 ganz bedeutend abgenommen hat. Wäh rend im Jahre 1910 durchschnittlich auf jede Haushaltung 4,53

In den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und Glanzes vor dem Krieg war soziale Reform größ­tenteils Sache des guten Willens, einer gerechten und billigen Denkungsart. Und es ist deshalb die geschicht- Personen entfielen, ist diese Zahl um rund 10 Prozent auf 4,07 liche Schuld der führenden Klassen, daß wenn auch man­ches geschah, nicht noch viel mehr geschehen ist, was hätte geschehen sollen. Heute ist die Frage, ob die wirtschaft­liche Möglichkeit vorhanden ist, viel öfter berechtigt. Was man billig hätte haben können, muß jetzt mit sehr fühlbaren Opfern erkauft werden. Denn unverrückbar bleibt: ohne Sozialpolitik und soziale Reform fein ge­jundes Volts- und Staatsleben. Diese Ausgaben sind feine Lasten, sondern im vollsten Sinne Werbungskosten der Wirtschaft. Denn nicht, daß der einzelne oder auch ein einzelner Wirtschaftszweig Geld verdient und blüht, sondern daß ein Volt als Ganzes tüchtig und gesund bleibt, ist das Ziel.

Praktisch gehe es um zwei große Aufgaben: die eine, mitzuarbeiten an der Kodifizierung, dem Aus­und Weiterbau der sozialen Gesetzgebung, vor allem des Arbeits- und Versicherungsrechtes, wie sie jetzt im Gange ist. Die andere Aufgabe, heute noch schwieriger, ist die, nach Kräften dazu beizutragen, daß Arbeitgeber

und Arbeitnehmer über ihren sich oft wiberſtreitenden Interessen das Bewußtsein der Volts- und Schicksals­gemeinschaft nicht verlieren, in der sie stehen. Gerade die ungeheure Wirtschaftsnot, die ungeheure Repara­tionslast, drängt dazu, jede unproduttive Ausgabe zu vermeiden, und Arbeitsstreitigkeiten sind für die Volks­wirtschaft als Ganzes unproduktiv, mögen sie auch der einen oder anderen Seite trog zeitweiliger Verluste Vorteil bringen. Als letztes Mittel mögen Arbeits­kämpfe auf die Dauer nicht immer vermeidbar sein und haben zweifellos auch soziale Fortschritte bewirkt. Gegenwärtig, in unserer durch Blutverlust und Fieber geschwächten Volkswirtschaft, müssen sie verheerend wirken.d

Die Gesellschaft für soziale Reform umfaßt seit 1916, wo auch die freien Gewerkschaften beitraten, die Arbeiter- und Angestelltenvereine aller drei großen Richtungen mit nicht weniger als 8 Millionen forpo­rativen Mitgliedern. Neuerdings hat nun auch die Ver­einigung der deutschen Arbeitgeberverbände aus eige­nem Antrieb ihren Anschluß vollzogen; eine Tatsache, die zweifellos zur Vertiefung des Meinungsstreites innerhalb der Gesellschaft führen wird, dafür aber neue wertvolle Berührungsmöglichkeiten schafft.

Tue Deine Pflicht!

Gib zur Zeppelin- Edener- Spende! Tu Deine Pflicht!

Und opf're Deine Gabe

Dem Werk des unvergessenen Zeppelin, Der Vorbild Dir in eisenfestem willen, Wenn noch so oft sein Schiff verloren schien Tu Deine Pflicht!

Stolz fährt Dein Schiff!

Jn harter Zeit geschaffen

Durch Deine Gabe, mühsam Dir erspart;

Es weist der Welt den Weg zu neuem Aufstieg Durch stete, sich're, unbeirrte Fahrt. Stolz fährt Dein Schiff!

Personen je Haushaltung zurüdgegangen. Wenn diese Tendenz zur Verkleinerung der Haushaltungen auch schon bei früheren Zählungen zu beobachten war, so ist der Rüdgang seit dem Jahre 1910 doch ganz außergewöhnlich stark. Dieser Rüdgang ist durch die verstärkte Neugründung von Familien und damit auch von Haushaltungen und durch die Einschränkung der Zahl der Haus­angestellten sowie durch das fortgesette Sinten der Geburten= häufigkeit zu erklären. Nach der Zählung von 1910 entfielen auf das heutige Reichsgebiet bei einer Gesamtbevölkerung von 57,8 Millionen Einwohnern 12 759 000 Haushaltungen. Die Zahl den wohnungsuchenden Parteien hat also seitdem um 2,6 Mil­lionen oder um 20,4 Prozent zugenommen. Diese Zahl wird durch einen Vergleich mit der Zunahme der bestehenden Ehen im gleichen Zeitraum, wobei sich eine Zunahme von 22 Prozent ergibt, erhärtet

Wie groß ist dem gegenüber die Zahl der zur Verfügung stehenden Wohnungen? Es tann mit Sicherheit angenommen werden, daß bei der Zählung des Jahres 1910 jede Haushaltung die Anspruch auf eine Wohnung erhob, auch im Besitze einer Wohnung war, so daß für das Jahr 1910 mit einem Bestand von 12 759 000 Wohnungen gerechnet werden kann. Die Wohnungs­reserve der unvermieteten Wohnungen ist dabei noch nicht berüd­Nach den Ergebnissen der amtlichen Bautätigkeits­fichtigt. statistik war in den Nachkriegsjahren 1919-1924 im gesamten Deutschen Reich ein Reinzugang von 665 479 230 Wohnungen zu ver­zeichnen. Für die Jahre 1910-1918 liegen amtlich nur Teil­statistiken für 19 Großstädte vor, aus denen der Zugang an Woh­nungen für das gesamte Reichsgebiet errechnet werden muß. In diesen 19 Großstädten mit insgesamt über 7 Millionen Einwoh­nern sind in den Jahren 1919-1924 tund 73 000 Wohnungen oder 11 Pozent der überhaupt entstandenen Wohnungen erbaut worden. In den Jahren 1910-1918 hatten die gleichen Gemein­den einen Reinzugang von rund 243 000 Wohnungen aufzu­weisen. Da in den Nachkriegsjahren der Anteil der Großstädte es wurden z. B. an dem gesamten Bauergebnis sehr gering ist im Jahre 1924 ir den Großstädten nur 22 418 Wohnungen er­baut gegenüber 34 396 in den Landgemeinden unter 2000 Ein­wohnern- wird man den Satz von 11 Prozent nicht ohne weiteres auf die Vorkriegszeit übertragen fönnen. Rechnet man vorsichtig, daß diese 19 Großstädte vor und während des Krieges nicht den 9. Teil, sondern nur den 6. Teil der Gesamt­bautätigkeit auf sich vereinigten, so tommt man immerhin auf einen Zugang von 1,5 Millionen Wohnungen in den Jahren 1910-1918 hierzu rund 0,7 Millionen in der Nachkriegszeit 1919-1925, ergibt zusammen 2,2 Millionen Wohnungen Hier­bei sind die früher leerstehenden Wohnungen nicht mit als Zugang gezählt, da Unterlagen für eine annähernde Schätzung nicht vorhanden sind. Diesen 2,2 Millionen Wohnungen stehen 2,6 Millionen neuer Haushaltungen gegenüber, so daß ein unge­deckter Bedarf von 400 000 Wohnungen verbleibt. Dieses Er­gebnis bleibt nicht unwesentlich hinter den oft in der Deffent­lichkeit genannter Schäzungen von 800 000 bis 1 Million fehlen­der Wohnungen zurüd.

Vergleicht man außerdem den Zuwachs der Wohnungen mit dem Wachsen der Bevölkerungszahl, so ergibt sich, daß seit dem Jahre 1910

die Haushaltungen um

die Wohnungen um

20,4 Prozent

17,2

"

"

die Bevölkerung aber nur um 8,2 gestiegen sind. Es zeigt sich somit, das auch auf Grund genauerer