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Bedarf weit unter der Friedensnorm liegen. Weiter hat der Krieg nicht nur territoriale Veränderungen im Gefolge gehabt, also die Uebertragung wertvollster Industriereviere von einem Staat auf den anderen, er hat auch zu der Ausschließung ganz bedeutender Verbrauchermassen geführt, die heute gegenüber dem Frieden gar nicht mehr für den Absaz in Frage kommen. Kurz, die Produktionsmöglichkeiten haben sich in fast allen Staaten nur nicht in Deutschland erhöht, dagegen ist der Verbrauch überall, auch bei den Siegern, in geradezu katastrophaler Weise zurückgegangen. Daß unter diesen Umständen ein Staat wie England, der über eine bedeutende Industrie verfügt, überall auf Absatzschwierigkeiten stößt, ist nicht weiter verwunderlich, ebenso wenig wie sein Versuch, alle vorhandenen Konkurrenten nach Möglichkeit an die Wand zu drücken. Gerade England ist es aber auch, das wenig einwandfreie Mittel an= wendet, und noch immer auf die im Auslande nicht geschwundene, vielfach sogar noch geförderte Kriegspsychose spekuliert. So ist es jetzt Deutschland, das die große Gefahr für alle Industriestaaten bildet, das überall die besten Happen wegschnappt und die höchsten Gewinne einstreicht.
Die Engländer wissen selbst sehr gut, wie es um die deutsche Konkurrenz bestellt ist. Aus begreiflichen Gründen können sie natürlich nicht sagen, daß ihnen der deutsche Exporteuer noch am wenigsten Abbruch tut. Sie müssen aus politischen Gründen gerade auf jenen Staat Rücksicht nehmen, der ihnen tatsächlich heute überall in den Weg tritt, nämlich auf Frankreich. Lassen wir nur einige Zahlen sprechen, die am besten zeigen, wie unschädlich die deutsche Konkurrenz gemacht worden ist. Da haben wir z. B. die Eisenindustrie, der es in allen Staaten nicht besonders geht. Vor dem Kriege war allerdings Deutschland der europäische Staat, der die höchste Menge an Eisen und Stahl ausführte. Es marschierte mit 517,3 Millionen Tonnen an der Spizze, während z. B. Frankreich nur 51,6 Millionen Tonnen im Jahre auf dem Weltmarkt unterbrachte. Inzwischen hat sich aber doch manches verändert. Das Saargebiet und Oberschlesien sind vorläufig unserem Einfluß entzogen worden, wir haben 74,5 Prozent unserer gesamten Eisenerze verloren und 25,9 Prozent unserer Kohlenschäze. Der lachende Erbe war Frankreich, das gegenüber dem Frieden seine Eisenausfuhr auf 257,1 Millionen Tonnen verfünffachen konnte, während Deutschland mit 92,8 Millionen Tonnen nur noch ein Fünftel der Friedensmenge ausführt. Mit den Kohlen liegt es ebenso. England behauptet, Deutschland nehme ihm sein Absatzgebiet fort, während es selbst in Deutschland ganz unerhörte Mengen absetzt, die Ruhr- und oberschlesischen Zechen dagegen über riesige unverkäufliche Kohlenbestände verfügen und eine enorm hohe Zahl von Feierschichten verfahren müssen. Wäre Deutschland wirklich ein ernster Konkurrent, dann würden unsere Gruben nicht eine Tonne auf den Halden liegen haben. Auch hier ist Frankreichs Wettbewerb der schärfere. Erst kürzlich ging durch die Presse eine Meldung, daß die französischen Eisenbahnen, die bisher englische Kohle verfeuerten, nunmehr heimische Brennstoffe ( also deutsche Reparationsfohle) verfeuern. Wenn den Engländern hier ein Absatzgebiet und darüber hinaus noch andere verloren gehen, dann mögen sie sich gefälligst mit ihren Bundes= genossen auseinandersetzen, denen Deutschland tributpflichtig ist, die aber die Tribute, seien es Kohlen oder Industrieerzeugnisse, benutzen, um der englischen Industrie Konkurrenz zu bereiten. Man unterziehe den Versailler Vertrag nur einer gründlichen Revision und lasse die Sachlieferungen fallen, dann kommt der internationale Wettbewerb schon von allein in andere Bahnen. Würde man dann weiter auf deutsche Zahlungen verzichten und die eigenen Einnahmen nicht an die Rüstungsbetriebe abführen, dann hätten wir in absehbarer Zeit in allen Staaten eine fühlbare Erleichterung.
Die im Augenblick für uns größere Gefahr besteht aber darin, daß die Propaganda von der deutschen Konkurrenz unsere eigene Gütererzeugung zu beeinflussen imstande ist. Von sozialdemokratischer gewerkschaftlicher Seite wird bereits seit langem behauptet, daß die verlängerte Arbeitszeit einzig und allein die Arbeitslosigkeit im Auslande fördere, obwohl, wie oben nachgewiesen, ganz andere Momente den ausländischen Arbeiter
brotlos machen. So ist man jetzt auch schon auf breiter Front zum Kampf um die Wiedereinführung des Achtstundentages übergegangen, ein Verfahren, daß die Bielefelder Metallindustrie z. B. wochenlang stillgelegt und für jede Ausfuhr unfähig gemacht hat. Das ist schließlich noch das kleinere Uebel gegenüber der angestrebten Beschneidung der Arbeitszeit um zwei Stunden, wodurch automatisch die Produktion verringert und, wenn die Ueberstunden bezahlt werden müssen, verteuert wird. Erst vor kurzem stellte ein holländisches Blatt fest, daß man von einer deutschen Konkurrenz ernstlich nicht sprechen könne, da der deutsche Industrielle heute noch immer zu teuer produziert und infolgedessen seine Waren nicht absetzen kann. Einen besseren Beweis unseres schwachen Absages im Auslande als die Passivität unserer Handelsbilanz des Vorjahres mit 2,7 Milliarden und der ersten beiden Monate dieses Jahres mit rund einer Goldmilliarde gibt es wohl nicht. Es gibt Beispiele genug, die vor der Wiedereinführung des schematischen Achtstundentages warnen. Weder England, noch Frankreich, noch Belgien, noch irgendein anderer Industriestaat haben es bisher unternommen, ihre Gütererzeugung in den Rahmen der achtstündigen Arbeitszeit zu zwängen, sie werden es auch nie unternehmen, nachdem sie sehen mußten, daß die deutsche Produktion und die deutsche Währung darüber zerbrachen. Aber gerade das strebt das Ausland für uns aufs neue an, darum die Voctäuschung des deutschen Wohlstandes( man bedenke übrigens: vor dem Kriege betrug unser Vermögen schäzungsweise 77,7 Milliarden Dollar, heute nur nur noch 35,5 Milliarden!), die den Arbeiter zum Bruch des Wirtschaftsfriedens und zur Herbeiführung der Erschütterungen verlocken soll, aus denen lediglich die ausländische Konkurrenz profitiert. Unsere Stellung unter den Industriestaaten Europas, die man ziemlich tief unten zu suchen hat und die mit einer„, deutschen Gefahr" nichts gemein hat, verlangt von selbst Anspannung aller Kräfte, um wenigstens eine Situation zu schaffen, die vorerst einmal jede Passi= vität der Handelsbilanz ausschließt, dann aber doch auf Ausfuhrüberschüsse hinzielt. Erst in diesem Augenblick dürfte es für das Ausland angebracht erscheinen, über die deutsche Konkurrenz Klage zu fühen, aber auch dann nur, wenn der deutsche Warenerport sich trotz der gewaltig verkleinerten Produktionsbasis den Vorkriegsleistungen nähert. Und dieses Ziel muß in eigenem Interesse erreicht werden. Das mag auch der deutsche Arbeiter bedenken.
Verschiedenes.
Frankfurter Messe- Standmieten. Das Meßamt Frankfurt a. M. hat die Anmeldeformulare für die Herbstmesse versendet und dabei mitgeteilt, daß den Wünschen auf Ermäßigung Rechnung getragen wurde. Vor allem ist auf die große Stände be= nötigenden Aussteller Rücksicht genommen worden. Man darf annehmen, daß dieser Schritt in den Kreisen der Beschicker der Frankfurter Messen mit Genugtuung aufgenommen werden wird. Der Anmeldeschluß für die Herbstmesse wurde auf den 15. Juni festgesetzt. Auskünfte durch das Meßamt Frankfurt a. M.
Literarisches.
Sidney Horler, Der Mittelstürmer von Hollywood. Ein Fußball- Roman. Berechtigte Uebersetzung aus dem Englischen. Geheftet 3,20 M, in Ganzleinen 4,50 M. Verlag Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg 1925. Dieses span= nende Buch ist der erste moderne Fußball- Roman großen Stils. In England hat das Buch ungeheures Aussehen hervorgerufen und in kurzer Zeit eine Auflage von 600 000 Exemplaren erreicht, ein Erfolg, den auch diese Ausgabe verdient. Für jeden deutschen Sportsmann ist sie von besonderem Belang, denn sie beleuchtet die Verhältnisse im englischen Sportleben, dem das Berufsspielertum eine Richtung gegeben hat, nach der auch bei uns die Entwicklung tastet. Besonders fesselt die Einstellung der englischen Gesellschaft gegenüber dem Fußballsport. Es wird bald keinen Sportsmann geben, der nicht dies Buch gelesen hat oder besitzt.


