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Giessener Zeitung
( neueste Nachrichten)
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( Giessener Cageblatt)
Amts- u. Vereinsnachrichten
Bezugspreis:
60 Goldpfennig monatlich frei Haus, bet obligatorisch. Bezug durch Vereine 30 Goldpf. Telephon Nr. 1362.
38. Jahrg.
Expedition: Shoanlage 21.
Redaktion, Druck und Verlag: Albin Klein in Gießen, Verlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.
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30 mm brette Petitzeile, Auswärts 30 Goldpfg
Lokal
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Reklamezeile
Samstag, den 30. Mai 1925.
Wirtschaftliche Rundschau.
( Zusammenfassende Uebersicht über die deutsche Wirtschaftslage.) ( Nachdruck verboten.)
Allgemeine Lage. Verschlechterungen in einzelnen Wirtschaftszweigen hielten sich im großen und ganzen mit Besse= rungen in anderen die Wage. Jm allgemeinen blieben die Verhältnisse noch sehr unsicher. Vereinzelt nahm die Geld- und Kreditnot wieder schärfere Formen an, die Zahlungseingänge gestalten sich immer noch sehr schleppend. Der scharfe in- und ausländische Wettbewerb führte teilweise zu Preissenkungen, vereinzelt kam es aber auch wieder zu Preissteigerungen.
Geldmarkt. Die Golddiskontbank hat sich bereit erklärt, ihren Zinssatz von 8 auf 7 Prozent zu ermäßigen, wenn der 3prozentige Provisionssay der Banken ebenfalls herabgesetzt wird. Die ganze Aufmerksamkeit der Börse wurde in der letzten Zeit von den politischen Vorgängen in Anspruch genommen. Man wartet die Wirkung der jetzt veröffentlichten Zolltarifvorlage ab; da ihre Einbringung im Reichstag zu parlamentarischen Auseinandersetzungen führen wird, verhält sich die Spekulation allgemein zurückhaltend. Das Geschäft hat sich sowohl auf den Industrieaktien- Märkten als am Anleihemarkt noch weiter eingeengt. Die Meldung wird bestätigt, wonach die Bank von Frankreich, die Reichsbank und die Bank von England sich geeinigt hätten, der Sowjetregierung und den von ihr abhängigen Organisationen alle Kredite zu verweigern.
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Handel, Gewerbe und Industrie. Die letzte Großhandelsindexziffer des Statistschen Rechsamtes zeigt fast keine Veränderung. Der Jnlandsmarkt war durch die geringe Kauftraft sehr beengt, der Export wurde immer noch durch die hohen Preise, die Unmöglichkeit, auf die Zahlungsbedingungen der ausländischen Abnehmer einzugehen und das Risiko der noch nicht abgeschlossenen Handelsverträge in Verbindung mit an= dauernden Zolländerungen in den bedeutensten Ausfuhrstaaten starf beeinträchtigt. Die ausländische Konkurrenz versuchte, unter Ausnügung niedriger Produktionskosten und günstigerer Zahlungsbedingungen der deutschen Industrie nicht bloß auf dem Weltmarkt, sondern auch auf dem deutschen Binnenmarkt das Absatzgebiet zu entreißen. Die Reichsregierung hat eine Verordnung über die Aufhebung notwirtschaftlicher Verordnungen erlassen. Es befinden sich darunter die Verordnung zur Sicherstellung des Warenumlaufs, die Verordnung wegen Verbots der Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände, die Verordnung über Notstandsversorgung und die Verordnung über Preisprüfungsstellen. Die Vorarbeiten zur Neubildung des Stahlwerksverbandes sind erheblich fortgeschritten. In der Schuhindustrie hält die gute Beschäftigung in den meisten Fabriken an. Ein Zusammenschluß der Beleuchtungskörper- Industrie steht bevor.
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Kohlen. Der große Ausschuß des Reichskohlenrates hat die Syndikatsverträge für Oberschlesien, das Rheinland, Westfalen und Mitteldeutschland genehmigt. Jm Reichstag ist eine
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Nr. 63.
Interpellation aller Parteien eingegangen, die auf die durch die Absazkrise hervorgerufene schwere Gefährdung des Kohlenbergbaues hinweist und Abhilfemaßnahmen durch eine großzügige Verkehrspolitik insbesondere auch durch Förderung des Planes einer Wasserstraßenverbindung zum Rheine fordert.- Jm April wurden auf den Zechen des Ruhrgebietes 8 300 432 Tonnen Kohle gefördert gegen 9 047 182 Tonnen im März oder arbeitstäglich im April 345 851 Tonnen gegen 347 969 Tonnen im März. Mit einer Aenderung der Preise für Braunkohle ist erst mit dem 1. August zu rechnen und zwar soll dann eine Preiserhöhung um eine Mark pro Tonne in Betracht kommen.
Holzmarkt. Am Rundholzmarkt sind keine wesentlichen Aenderungen eingetreten. Am Nadelholzwarenmarkt hielt die etwas gebesserte Geschäftslage an. Jm allgemeinen gut gefragt erwiesen sich Bauholzlisten.
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Warenmarkt. Die neuerlich vermehrt auftretenden Zahlungsschwierigkeiten im Warenhandel können als Anzeichen einer gewissen Verschärfung der Wirtschaftsfrise bewertet werden. Der Norddeutsche Wollkämerei- und KammgarnspinnereiVerband in Bremen hat auf den Ausfall der Londoner Wollauktion die Listenpreise für sämtliche Wollgespinnste um etwa 25 bis 30 Prozent herabgesetzt. Am Rohhäutemarkt hielt die schwache Tendenz an. Auf den letzten Häuteversteigerungen, die zwar immer noch gut besucht waren, blieben wieder viele Posten ohne Gebot, sodaß viele Lose nicht verkauft werden konnten. Die Preise sind fast durchwegs bis zu 10 Prozent zurückgegangen. Besonders Schaffelle waren sehr schwer verkäuflich. Die gleiche sinkende Tendenz machte sich auch auf dem Londoner Markt bemerkbar. Die 83. Versteigerung des Allgemeinen Häuteverwertungsverbandes zu Berlin findet am 3. und 4. Juni statt. Am Ledermarkt ist wohl Bedarf vorhanden, doch beeinflußten die Vorgänge am Rohhäutemarkt das Ledergeschäft, so daß von einer lebhaften Kaufstimmung mit größeren Umsätzen nicht gesprochen werden kann. In den Vereinigten Staaten kommen auf jeden Einwohner im Jahre 628 3igaretten, in Deutschland 599, in Belgien 513, in Italien 284, in Frankreich 249 und in Schweden 184. Die Rheinisch- Westfälische Bleifabrik- Händlervereinigung hat die Preise für gewalzte und gepreßte Bleifabrikate auf 90 Mt. per Doppelzentner ermäßigt.
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Landwirtschaft. Die heiße Witterung und der erquickende Regen der letzten Tage haben auf das Wachstum der Fluren eine wohltuende Wirkung ausgeübt. Der Stand der Fluren kann weiterhin als recht günstig angesprochen werden. Der letzte Saatenstandsbericht hebt hervor, daß sowohl der Winterweizen, wie der Winterroggen ihren Stand gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahre wesentlich verbessert haben. Auch der Stand der Weinberge wird als sehr gut bezeichnet. Die Hopfenpflanze machte unter dem Einflusse der günstigen Witterung erfreuliche Fortschritte.
Produktenmarkt. Die Getreidepreise konnten sich auch angesichts der schwächeren Auslandsmeldungen vorwiegend jedoch


