nete Wierzbicki, der Regierung immer wieder vorgehalten. Wenn die Regierung der Wirtschaft den Rat gebe, wohlfeil zu erzeugen, so sei damit nicht viel anzufangen, denn die Hauptsache sei, daß die Wirtschaft in die Lage versetzt werden müsse, die Produktion und den Absatz steigern zu können. Der Ministerpräsident Grabski hat diese Angriffe so ernst genommen, daß er durch die ihm ergebene Presse eine Erwiderung laufen ließ, deren Tenor war: wohlfeil zu erzeugen, da dann auch verdient werden könne! Die Ausführungen Grabsfis gewinnen ihre besondere Bedeu tung durch die von ihm beeinflußte und geleitete polnische Wirtschaftspolitik. Diese ist nicht nur darauf eingestellt, fünstlich einen Gesundheitszustand durch Einfuhrerleichterungen usw. corzutäuschen, sondern auch Deutschland so viel wie möglich wirtschaftspolitische Schwierigkeiten zu machen. Dabei darf nicht etwa an die Handelsvertragsverhandlungen gedacht werden, bei denen Polen sich gewissermaßen in einer Zwangslage be findet. Zur näheren Begründung sei darauf verwiesen, daß der wirtschaftliche und soziale Aufbau Polens mit dem Deutschlands sich in keiner Weise deckt. Polen ist ein Agrarstaat, der schon aus geopolitischen und Standortverhältnissen keine Großindustrie entwickeln kann. Das Dombrow- Gebiet und das von Deutschland losgerissene Ost- Oberschlesien liegen verkehrsgeographisch so ungünstig, daß sie mit Erfolg auf Auslandsmärkten nicht in den Wettbewerb treten könnten. So muß Ost- Oberschlesien auch heute noch über 50 v. H. seiner Halb- und Fertigerzeugnisse nach Westoberschlesien ausführen, was aber nur solange möglich ist, als die Grenzen noch offen sind. Das ist aber nur bis zum 15. Juli 1925 der Fall, sodaß Ost- Oberschlesien gezwungen ist, bis dahin für seine Erzeugnisse einen anderen Markt zu suchen. Das ist leichter gesagt wie getan. Der schon genannte Wierzbicki, der nicht nur Abgeordneter, sondern auch Präsident des Zentralverbandes der polnischen Industrie ist, verlangt von der Regierung, daß sie alle Fesseln beseitige, die bisher die Steigerung der Produktion verhinderten. Mit Erbitterung weist die
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polnische Fachpresse darauf hin, daß im Ausland länger und ergiebiger gearbeitet werde, während Polen sich mit der verkürzten Arbeitszeit behelfen solle. Aber gerade das ist polnische Taktik. Polen, das Agrarstaat ist, tut so, als ob es am meisten unter der Konkurrenz der deutschen Industrie zu leiden hätte. Als in Deutschland die Arbeitszeit in der Hüttenindustrie verlängert wurde, ordnete Polen ein Gleiches an, obschon die ostoberschlesische Industrie mit Absatzschwierigkeiten schwer zu kämp= fen hat. Die polnische Industrie lärmt und schreit, sobald Deutschland versucht, die Maßnahmen durchzuführen, die bestimmt sind, in Deutschland die Steigerung der Produktion zu sichern. Deutschland soll, wenn es geht, durch internationalen Druck, vor allem durch die Aufzwingung des Washingtoner Abkommens, verhindert werden, die Steigerung seiner Produktion zu erreichen, um die Lasten aus dem Dawesplan tragen zu können. Daß Polen zu den Nuznießern dieser Lasten gehört, spielt dabei keine Rolle. Auch die Großmacht Polen hält sich wio Frankreich daran interessiert, Deutschland zahlungsunfähig zu machen, um den Weg für neue Gewaltmaßnahmen frei zu bekommen. Daß die polnischen Gewaltmaßnahmen dann Ostpreußen und Westoberschlesien gelten werden, wissen wir alle, die das Wesen des hemmungslosen polnischen Imperialismus kennen.
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