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Giessener Zeitung

( neueste Nachrichten)

mit

( Giessener Cageblatt)

Amts- u. Vereinsnachrichten

Bezugspreis:

60 Goldpfennig monatlich fret Haus, bet obligatorisch. Bezug durch Vereine 30 Goldpf. Telephon Nr. 1362.

38. Jahrg.

Expedition: Sudanlage 21.

Redaktion, Druck und Verlag: Albin Klein in Gießen, Verlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.

Anzeigenpreise:

30 mm breite Petitzeile, Auswärts 30 Goldpfg

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Dienstag den 28. Juli 1925.

Wirtschaftliche Rundschau.

( Zusammenfassende Uebersicht über die deutsche Wirtschaftslage.) ( Nachdruck verboten.)

Allgemeine Lage. Die schleichende Krise in unserer Gesamtwirtschaft nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an und schreit geradezu nach einer Lösung. Die noch völlig ungelösten außen- und innenpolitischen Fragen drücken weiter hemmend auf den Gang der Wirtschaft. Dazu kommt, Hand in Hand mit einer deutlich zunehmenden Produktionsverteuerung ein neues An­schwellen der Lohnwelle. Alles in allem zeigt die bisherige Wirtschaftsbilanz des Jahres 1925 ein über Erwarten uner­freuliches Bild.

Geldmarkt. Auf den Börsenplähen konnte eine anfangs sich zeigende Festigkeit zum Schluß der Berichtszeit sich nicht weiter auswirken. Es zeigte sich vielmehr eine gewisse Ermüdung und Zurückhaltung, besonders mit Rücksicht auf die im Stadium der Entscheidung stehenden deutsch- französischen Wirtschafts­verhandlungen und die rigorose Luftfahrtnote. Die Klagen über die Schwierigkeiten, langfristige Kapitalien zu bekommen, werden allseits immer lauter. Viel beachtet wird der kürzlich gemeldete bevorstehende Abschluß einer 25 Millionen- Dollar­anleihe für den weiteren Ausbau der bayrischen Wasserkräfte. Gleichzeitig verhandeln fast alle deutschen Großstädte zur Zeit mit amerikanischen Instituten über Dollaranleihen in recht beträcht­lichen Ausmaßen. Einen guten Erfolg hatte die Berliner 15 Milionen- Dollaranleihe zu verzeichnen.

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Aus allen

Handel, Industrie und Gewerbe. Teilen des Reiches tommen sehr ungünstige Berichte, über eine immer schärfer werdende Absazkrise, die ihren Hauptgrund in der ganz bedeutend geschwächten Kaufkraft des Inlandes so­wohl wie des Auslandes hat. Eine beachtenswerte Ausnahme hiervon bilden Teile der Automobil- und Motorradindustrie, der photographischen und einigen Zweigen der Bekleidungs- und Nahrungsmittelindustrie. Der deutsch- polnische Wirtschaftskon­flikt drückt auch ganz besonders auf die allgemeine Stimmung. Der Großhandelsindex weist mit 133,8 für den Durchschnitt des Monats Juni eine Steigerung von 1,4 Prozent gegenüber dem Stand des Monats Mai auf. Die Anzahl der Konkurse in dem zu Ende gegangenen Halbjahr beträgt mit 4324 beinahe das vierfache der vorjährigen Vergleichsziffer mit 1166 Kon­kursen. Die deutsche Rohstahlgemeinschaft wurde durch Be­schluß vom 1. Juli bis zum Oftober 1926 verlängert.

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Kohlen. Nach den jetzt bekannt gewordenen Ziffern wurden vom 1. November 1924 bis zum Anfang April 1925 6,29 Millionen Tonnen Reparationskohle und Koks geliefert. Davon entfallen auf Steinkohlen 3,76, auf Koks 2,29 und auf Braunkohlenbriketts 0,24 Millionen Tonnen. Der Ruhr­fohlenverband hat die vom 1. Juli ab geltenden neuen Preise

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Nr. 88.

erhöht. Beim ostelbischen Braunkohlensyndikat ist eine deut­lich erkennbare Geschäftsbelebung eingetreten.

Holzmarkt. Der Nadelstammholzmarkt befindet sich in einem ruhigen Stadium. Es hat den Anschein, als ob ein leichter Aufstieg in den Preisen erfolgt wäre. Nadelpapierholz­angebot der ersten Hand ist stark zurückgegangen, doch bestand andauernd Nachfrage nach Papierholz. Die Nachfrage nach Brennholz hat etwas nachgelassen.

Warenmarkt. Auf allen Gebieten des Warenmarktes darf, mit nur geringen Ausnahmen von einer ansteigenden Preiskurve gesprochen werden. Es zeigte sich im Einklang mit Meldungen von ausländischen Märkten eine recht feste Grund­stimmung. Dagegen blieb die Geschäftstätigkeit äußerst gering und beschränkte sich auf den Bedarf des allernötigsten. Auf den deutschen Zuckermärkten zeigte sich ein bis zum Schluß be= haupteter Unterton. Die Vorratslage ist derart, daß wohl mit einem Auskommen durch eigenes Erzeugnis bis zum Er­scheinen des neuen Zuckers gerechnet werden kann. Die deut schen Häuteauktionen wiesen lebhafte Besuche auf bei gleichzeitigen

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