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Giessener Zeitung

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38. Jahrg.

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Redaktion, Druck und Verlag: Albin Klein in Gießen, Verlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.

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Dienstag, den 27. Januar 1925.

Landwirtschaftliche Umschan.

( Zusammenfassende Uebersicht über die Lage der deutschen Land­wirtschaft.)

( Nachdruck verboten.) Allgemeine Lage. Die seit Beginn des vorigen Jahres be­stehende Agrarfrise dauert nach wie vor an und ist in ihren Enden noch nicht abzusehen. Während in der Inflationszeit die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten das Angebot erheblich überstieg, ist es heute umgekehrt. Vor allem belastet aber die deutsche Landwirtschaft die schwere Kreditnot. Ernste Eorgen über die Frühjahrsbestellung und die Beschaffung der Mittel beunruhigen die Landwirtschaft. Die Kreditnot führt immer mehr zu Notverkäufen von Waren und Inventar. Stellen­weise wird sogar Land zum Verkauf gestellt, um der Zahlungs­schwierigkeiten Herr zu werden. Damit sinken die Bodenpreise und die Kreditwürdigkeit und Beleihungsmöglichkeit.

Arbeitskalender. Für das Streuen fünstlicher Dünger­mittel auf Wiesen und Aeckern ist jetzt eine günstige Zeit. Kul­turarbeiten werden fortgesetzt. Das Abeggen der Wiesen muß icht durchgeführt werden. Umstechen der Komposthausen. Im Obstgarten erfolgt das Puzen, Schneiden, Verjüngen und Um­propfen älterer Bäume.

Stand der Fluren. Ein überaus milder Winter ist bisher den Saaten förderlich gewesen. Eine kurze harte Kälteperiode mit einer ausreichenden Schneedecke und Durchfrieren des Bo­dens wäre natürlich viel günstiger, trotzdem kann man sich über den bisherigen Verlauf nicht beklagen, wenn auch das Unge­ziefer seiner notwendigen Vernichtung und Beschränkung ent­geht.

Produktenmarkt. Die Stimmung an den deutschen Pro­duktenmärkten blieb im allgemeinen flau. Das Angebot in Weizen und Roggen ist nicht allzu groß und findet bei marft­mäßigen Preisen Absatz. Das Geschäft in Braugerste ist sehr fiein geworden. Hafer ist im. reise weniger zurückgegangen und bleibt in guten Qualitäten befragt. Das Mehlgeschäft steht im Zeichen der Unsicherheit. In Futterartikel ist die Nachfrage belanglos. Am Hopfenmarkt blieb das Geschäft weiter ruhig und unverändert. Sehr flau war die Stimmung für Mais. Bei Sämereien nahm der Bedarf an Umfang zu.

Viehzucht. Infolge der Milchpreise hat sic) ein großer Teil der landwirtschaften Betriebe auf die Milchproduktion ver­legt und zwar so stark, daß sie darüber die Auf- und Heranzucht an Zuchttieren ganz vergaßen. Im Interesse der Gesamtland­wirtschaft ist es gelegen, wenn in den natürlichen Viehzucht­gebieten das Hauptgewicht der Viehzuat wieder zugewendet würde. Die vorläufigen Ergebnisse der letzten Wiehzählung zeichnen ein günjugeres Bild von der Entwicklung unseres Vieh­standes, als die Ergebnisse der Vorjahre. Der Rückgang unseres Viehbestandes scheint mit dem Jahre 1922 zum Stillstand ge­kommen zu sein. 2.e wesentliche Besserung unseres wiehstandes

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Nr. 11.

is ein Beweis, daß die.... yeimische coduon kraig und ent­wiuungsfugig genug ist, um bet entsprechender wirtschafts- und ganz besonders handelspolitischer Berücksichtigung einen Lei­stungsgrad zu erretjen, der die Versorgung des deutschen Volkes aus eigener Kraft bezw. eigener Arbeit sichert.

Viehmärkte. Die Märkte der letzten Zeit waren sehr ruhig. Die Preise blieben im großen und ganzen stabil, zum Teil nah­men sie eine rückläufige Bewegung. Die Tendenz war im allge= meinen bei Großvieh flau, bei kleino.co) teilweise lebhafter. Die Nuzviehpreise gannen infolge der nunmehr allmählich stärker einsetzenden Nachfrage etwas anzuziehen. Die Auslands­Darkte meldeten ebenfalls schwache Tendenz bei teilweise stark rudgängigen Preisen.

Häutemarkt. Bei den letzten Häuteauktionen ging das Ge­schäft nicht mehr so flott wie in den früheren Monaten. Die Preise zeigen durchschnlich einen Rückgang von 8 bis 10 Pro­acnt.

Düngemael. Am Stiustoffmarkt ist eine große Nachfrage zu verzeichnen. Erzeugung und Versand verlaufen rung. Das Kg. Stickstoff im Jahwefelsaurem Ammoniak stellt sich für Februar- Abruf auf 1,13% M und für März und später auf 1,15 M. Jm Ausland, die Nachfrage sehr lebhaft geworden. Der Absatz ist gut.

Ausstellungen und Messen. Die zweite landwirtschaftliche Messe in Köln findet vom 4. bis 12. Juli statt. Mit der Messe ist wieder eine Viehausstellung verbunden. Ebenso soll die rheinische Provinzial- Pferdeausstellung damit verbunden wer­den. Vom Mai bis Oktober wird in Ludwigshafen eine große Landwirtschaft- und Gartenbau- Ausstellung abgehalten.

Forstwirtschaft. Die Mitte Februar herrschenden starken Südwinde haben in den Waldungen zum Teil größeren Schaden angerichtet. Die Aussichten für die Holzverwertung sind wieder günstiger geworden, da sicher zu erwarten steht, daß die Bau­tätigkeit im kommenden Frühjahr sich wesentlich beleben wird. Die Versteigerungen in den Forsten bleiben gut besucht. Die Preise übersteigen zum Teil wesentlich die Grundtagen.

Steuern. Die gegenwärtige Steuerlast ist so groß, daß sie dem Landwirt jede Möglichkeit nimmt, seinen Betrieb intensiver bewirtschaften zu können. Mit Steuerstundung ist der durch die Mißernte heimgesuchten Landwirtschaft nicht geholfen, sondern nur durch Steuererlaß; denn wo keine Einnahmen sind, kann feine Steuer bezahlt werden. Die steuerlichen Härten und Un­gerechtigkeiten treten besonders bei der klein- und mittelbäuer­lichen Bevölkerung stark in Erscheinung.

Verkehr. Von den Landwirten und insbesondere von den landwirtschaftlichen Genossenschaften wird es sehr begrüßt wer­den, daß das bahnamtliche Frachtstundungsverfahren demnächst aufgehoben und der deutschen Verkehrskreditbank übertragen werden soll.

Arbeitsmarkt. In der Landwirtschaft wird der Verkehr zunehmend lebhafter. An weiblichem Personal besteht bereits