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Giessener Zeitung

( neueste Nachrichten)

mit

( Giessener Cageblatt)

Amts- u. Vereinsnachrichten

Bezugspreis:

60 Goldpfennig monatlich frei Haus, bei obligatorisch. Bezug durch Vereine 30 Goldpf. Telephon Nr. 1362.

38. Jahrg.

Expedition: Sudanlage 21.

Redaktion, Druck und Verlag:

Albin Klein in Gießen. Verlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.

Anzeigenpreise:

30 mm breite Petitzeile, Auswärts 30 Goldpfg

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Dienstag, den 21. April 1925.

Wirtschaftliche Rundschau.

( Zusammenfassende Uebersicht über die deutsche Wirtschaftslage.) ( Nachdruck verboten.)

Allgemeine Lage. Die Lage zeigt sich im im ganzen wenig verändert. Sowohl die guten wie die schlechten Anzeichen sind in dem Gesamtbilde wieder gemischt. Noch immer ist es nicht ge­lungen, einen Ausgleich zwischen Produktionsmöglichkeit und vorhandener Konsumkraft herzustellen. Der Auftrags- Eingang in der deutschen Wirtschaft konnte sich zum Teil weiter bessern. Was den Beschäftigungsgrad betrifft, sind selbst die gutgehen­den Betriebe selten bis zur vollen Ausnüzung ihrer Leistungs­fähigkeit beschäftigt. Jeder stärkere Arbeitswille scheitert auch wieder immer an der Kreditnot. Auf dem Inlandsmarkt wäre Kauflust und Bedarf vorhanden, doch fehlt es am Geld.

Staatswirtschaft. Jm Monat März betrugen die Einzah­lungen bei der Reichshauptkasse 623( Febr. 693), die Auszah­lungen 619( 583) Mill., so daß sich ein Ueberschuß von rund 4 Millionen ergibt. Die schwebende Schuld war am 31. März 153,8( 28. 2. 157,6). Das Gesamtaufkommen an Steuern und Zöllen betrug im März 601,7( 648,1) Millionen.

Geldmarkt. Die Ungewißheit über den Ausgang der Reichs­präsidentenwahl hat die Geschäftslosigkeit, aber auch die Mut­losigkeit an der Börse noch verschärft. Nachteilige Eindrücke für die Börsentendenz gehen weiter von der schwierigen Geschäfts­lage im Bankgewerbe aus.

Handel, Gewerbe und Industrie. Die Einfuhr Deutschlands nach Italien ist im Vorjahre um 40 Prozent gesunken, während die Ausfuhr Italiens nach Deutschland um 12 Prozent gestiegen ist. Die deutsche Einfuhr nach Italien, die früher 17 Prozent der Gesamteinfuhr Jtaliens ausmachte, beträgt heute nur 1,8 Pro­zent. Die deutsche Ausfuhr nach der Schweiz ist im Vorjahre von 417 auf 486 Mill. gestiegen. Die Zunahme ist auf eine Ver­mehrung der Ausfuhr von Rohstoffen und Nahrungsmitteln zu­rückzuführen. Die russische Handelsvertretung in Deutschland hat im Februar deutschen Firmen 700 Aufträge im Gesamtwerte von rd. 57 Mill. Goldmark erteilt. In den südafrikanischen Ge­bieten, in denen die neuen Platinfunde gemacht wurden, sollen nach englischen Zeitungsberichten deutsche Agenten in größerer Anzahl Terrain auftaufen.

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Kohlenmarkt. Die Absatzmöglichkeiten haben sich weiterhin. verschlechtert. Man rechnet mit umfangreichen Entlassung. In der Braunkohlenindustrie ist noch keine Krise vorhanden. Weit schlimmer aber ist die Lage in der Steinkohlenindustrie. Schuld an der mißlichen Lage des Kohlenmarktes ist der Minder­verbrauch in der Industrie. Einschließlich der Repara­30 Mill. tionskohle ist jetzt wieder eine Ausfuhr von Tonnen im Jahre erreicht, gegen 46 Millionen im Jahre 1913. Die Konkurrenz gegenüber der englischen Kohl wird durch die hohen Frachtkosten sehr erschwert. Der Syndikatsvertrag des niederschlesischen Steinkohlensyndikates ist bis auf weiteres verlängert worden.

Nr. 47.

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Holzmarkt. Die Nachfrage nach Nadelstammholz ist im all­gemeinen noch schwächer geworden. Viele Sägewerke nehmen im Einkauf zurückhaltende Stellung ein, wozu sie die ungünstigen Absatzverhältnisse in Schnittware und die prekäre Lage des Geld­marktes veranlaßten. Das Bestreben der Sägeindustrie, oie Nadelstammholzpreise auf einen noch niedrigen Punkt herabzu­drücken, war bei allen Verkäufen deutlich erkennbar.

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Baumarkt. Jm März wurden 4345 Wohnhäuser und 1066 sonstige Bauten veröffentlicht. Im Februar waren Wohnhäuser und 524 sonstige Bauvorhaben.

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Warenmarkt. Die Umsätze auf fast allen Warenmärkten haben sich weiterhin in den engsten Grenzen gehalten. Das In­land konnte nach wie vor nur die allerdringendsten Anforderungen für den Bedarf decken. Die inländische Nachfrage nach Roh­eisen kann derzeit im allgemeinen befriedigen. Das Auslands­geschäft blieb weiterhin ruhig. Der Roheisenverband nahm den Verkauf für Mai zu unveränderten Preisen auf. Die Ver-. einigung der Rohrgewebefabrikanten Norddeutschlands erhöhte die Verkaufspreise um 25 Prozent. Die zurzeit gültigen Ze­manipreise werden infolge der neuesten Lohnerhöhungen um etwa 4 Prozent erhöht. Die Vereinigung der deutschen Maschi­nen- Lederpappenfabrikanten verlängerte die gegenwärtigen Preise bis 31. Mai. Das Geschäft an den deutschen Zucker­märkten ist immer noch recht still. Die Zentralauktion des Frankfurter Gefälles nebst Anschlußplätzen findet am 28. April in Frankfurt a. M. statt.

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Ausstellungen und Messen. In Magdeburg findet vom 23. Mai bis 7. Juni eine Zuderausstellung statt. Die 9. Schweizer Mustermesse in Basel dauert vom 18. bis 28. April. Landwirtschaft. Die neuerdings wieder vorliegenden Be­richte über den Saatenstand lauten wieder im allgemeinen recht günstig. Auch die Ernteaussichten im Ausland sind im allge­meinen befriedigend.

Produktenmarkt. Im Einklang mit den befestigten Preisen der amerikanischen Getreidebörsen war auch die Tendenz an den deutschen Märkten im allgemeinen fest und das Geschäft ziemlich belebt. Neuerliche Preisschwankungen an den ausländischen Märkten bewirkten wieder Unsicherheit. Inländisches Brotge treide war nach wie vor stark gesucht, doch ist das Angebot hierin ziemlich gering. Das Angebot an ausländischer Ware ist erheb­lich. Hafer liegt fest. Stark vernachlässigt ist dagegen Gerste. Am Hopfenmarkt hält sich die Nachfrage in sehr engen Grenzen. Aus der großen Zahl der jüngsten Weinversteigerungen gewinnt man den Eindruck, daß die Nachfrage des Handels ihren Höhe­punkt noch nicht erreicht hat. Die Preise können im allgemei­nen befriedigen. Das freihändige Geschäft verläuft bei der Geldknappheit ruhig. Die Ausfuhrziffern betragen vielleicht ein Zehntel der Vorkriegserporte.

Viehmarkt. Auf den Schlachtviehmärkten ist die Lage ziemlich unverändert. Bei Großvieh ist die Nachfrage nach guten Qualitäten, die allerdings nur schwach angeboten werden, gut. Die Auslandsmärkte melden durchwegs ruhige Tendenz bei teil­