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Wohnungsnot und Wahrheit.

Der 1. Vorsitzende des Gießener Hausbesizer- Vereins, Launspach, hat folgendes einwandfreies statistisches Mate­rial*) gesammelt und aufgestellt. An Wohngebäuden gehörten:

dem Privatbesitz

der Stadt Gießen

den Baugenossenschaften

=

der Preuß. Hess. Staatsbahnverwaltung dem heff. Staat

der evgl. Kirchengemeinde

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kath. verschiedenen Eigentümern

2041

78 30

27

27

7

4

14

zusammen 2228

In diesen 2228 Gebäuden einschließlich Hintergebäuden be­fanden sich nicht weniger wie 7181 Wohnungen bei einer Bevöl­kerungszahl von 33628 am 1. August 1914.

Von diesen 7181 Wohnungen umfaßten:

190 Wohnungen 1 Zimmer und Küche

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113

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mehr als 10 Zimmern

zusammen 7181 Wohnungen, davon standen 251 leer.

Die Wohnungsvermehrung ist nun seit 1914 in Gießen wie folgt vor sich gegangen: a) durch Neubauten:

1919/1920/1921/1922/1923 Bus.

während die Einwohnerzahl Gießens seit 1. August 1914 bis 1. Januar 1924 von 33 628 auf nur 34 917 gestiegen ist, das sind also nur 1284 Personen mehr für 842 Wohnungen. Ein Kind kann also ohne langes Besinnen die Behauptung aufstellen, daß mit dem Wort, Wohnungsmangel" viel gefrevelt wird. Hier ist die statist. Tatsache vorhanden, daß für noch nicht 2 Personen je eine neue Wohnung beschaffen ist und daß die 1914 betragende Wohndichtigkeit von 4,85 pro Wohnung bis 1924 auf rund 4,49 zurückgegangen ist.

Wenn nun weiter die Einwendungen gebracht werden, daß die vermehrten Eheschließungen die Wohnungsnot verursacht hätten, so sind auch diese Ansichten nicht zutreffend. Nach meinen von amtlicher Seite eingezogenen Erkundigungen befanden sich in Gießen anfangs 1924 etwa 7 800 selbständige Haushaltungen, für die wie angeführt 7 772 Wohnungen vorhanden waren.

Wie kann an Hand von solchen Zahlen nur von Wohnungs­losen gesprochen werden.

Seit 1. Januar 1924 ist die Einwohnerzahl von 34 917 bis jezt auf rund 35 000 gestiegen und neue Wohnungen sind seit dieser Zeit rund 50( fünfzig!) 2 bis 6 Zimmerwohnungen soweit bezugsfertig geworden.

Einst und Jetzt.

Anschließend an vorstehende Statistik soll als weiterer Be­weis dieser Aufstellung die vorhandene Zimmerzahl in Gießen dienen.

1914 betrug die Einwohnerzahl in Gießen

Zahl der vorhandenen bewohnbaren Zimmer( siehe Zusammenstellung in der letzten Nummer der Hess. Hausbesizer Zeitung)

Es standen damals leer, geringste Zahl.

( in Wirklichkeit nach den leerstehenden Wohnungen bemessen weit mehr).

33 628

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29 295

30 76 15 19 141

17 35 12

18

83

80

22

In diesen 29 295 Zimmern fanden also 33 628 Per­sonen Unterkunft.

4

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Es betrug somit die Wohndichte für jedes Zimmer abgerundet 1,15 Personen.

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,, mehr als 8 Zimm.

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Am 1. November 1924 betrug die Einwohnerzahl rund.

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Cacht,

zusammen 4 78 153 42 67 344

b) durch Ein- und Umbauten und durch Beschlagnahmungen; Wohnungen m. 1 Zimmer u. Küche 9

-

Die vorhandenen Zimmer aus 1914

Durch Neubauten bis 1. Januar 1924

35 000 29 795 1 113

Durch Ein- und Umbauten und Beschlagnahmungen

330

318 zusammen 31 556

9 3

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2

34 21 24 13 12 104

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5

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1 2

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663, zieht man von den 663 Zimmern die Hälfte ab für beschlagnahmte Zimmer bestehender Wohnungen, so verbleiben noch rund

26

9

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6

3 2 1

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1924 sind weiter durch Neubauten hinzugekommen und zum größten Teil schon bewohnt

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zusammen 86 70 45 24 22 247 4 78 153 42 67 344 hierzu wie oben im Ganzen zusammen 90 148 198 66 89 591 Rechnet man zu diesen seit 1919 neu geschaffenen 591 Woh­nungen noch die in 1914 leer gestandenen 251 Wohnungen hinzu, so sind am 1. Januar 1924 alles in allem:

6930 aus 1914

591 durch Neu- und Umbauten

251 leer gestandene Wohnungen

zusammen 7772 Wohnungen vorhanden gewesen,

*) Dieser statistischer Nachweis ist bereits schon einmal in Nr. 3 der Hessischen Hausbesizer- Zeitung vom 15. Mai ver­öffentlicht. Denselben heute noch einmal wieder zu geben, ers scheint uns wichtig, weil seit dieser Zeit der Kampf um Auf­hebung der Wohnungszwangswirtschaft noch schärfer zu führen im Interesse der gesamten Bevölkerung notwendig ist und weil seit Mai 1924 die Auflage unserer Zeitung von 3 000 auf 11 000 gestiegen ist, also viele neue Abonnenten dieses Zahlenmaterial noch nicht kennen.

Es beträgt somit die Wohndichte 3. 3t. 1,11 Personen Selbst, wenn sich diese Zahlen nach oben oder unten noch etwas verschieben sollten, so kann dieses an dem Gesamtergebnis keine wesentliche Aenderung herbeiführen.

An Hand dieser unwiderleglichen Tatsachen dürfte zur Genüge erwiesen sein, daß ein Wohnraummangel, wie er zur Zeit besteht, nicht vorhanden wäre, wenn nicht die Zwangswirtschaft durch das künstliche Niederhalten der Mieten die Wohnungserweiterung gefördert hätte. Der Erfolg dieser Mißzwirtschaft ist lediglich dahin zu buchen, daß 90% der Mieter Ellenbogenfreiheit haben und ein wesentlicher Teil dieser 90% gegenüber früher erweitert wohnt, während die anderen 10% eingeengt und schlecht wohnen.

Das ganze Wohnwesen kann und wird nicht eher gesunden, als bis die Zwangswirtschaft beseitigt ist. Die freie Wirtschaft wird dann durch erneute Schaffenskraft zeigen, daß sie wohl einzig und allein in der Lage ist, den Wohnungsmarkt so zu beleben, daß sich in nicht all zu ferner Zeit wieder Angebot und Nachfrage ausgleichen.

H. Launspa ch, 1. Vorsitzender des Hausbesizer- Vereins Gießen.