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Wir fordern, daß der Staat und die Gemeinden alle Woh­nungen, die durch errichtete Neubauten frei werden, in erster Linie den Wohnungslosen zur Verfügung stellt, und daz weiterhin zur Beschaffung der fehlenden Wohnungen die Son dersteuern restlos zu Neubauten verwandt werden."

Anmerkung der Redaktion: Aus den Hebermehl­schen Ausführungen und aus den zwei Entschließungen leuchtet so recht der Gedanke an das eigene Jch heraus. Ist es nicht geradezu beschämend, ja ein Frevel am ganzen deutschen Volke, wenn wegen der einprozentigen Mieterhöhung,( die auf den Kopf pro Jahr durchschnittlich nur 1 Mark ausmacht, die Beibehal­tung der Wohnungszwangswirtschaft gefordert wird und dadurch die Erwerbsmöglichkeit fast der ganzen Arbeiterschaft stark be­einträchtigt wird.

Keine Wohnungsnot!

Schon wiederholt ist in der Hess. Hausbesizer- Zeitung" die Behauptung: Es gibt so gut wie keine Wohnungsnot!" aufgestellt worden. Seitens der Mieter, besonders u. a. vom Gießener Mieterverein, und auch auffallender Weise von vielen Stadt- und Gemeindeverwaltungen und von Regierungen wurde unsere Behauptung als unzutreffend hingestellt. Heute sind wir nun in der Lage, folgende

einwandfreie Feststellungen

zu veröffentlichen, die klar besagen, daß es so gut wie gar feine Wohnungsnot geben würde, wenn die Wohnungszwangs= wirtschaft schon längst beseitigt wäre, denn dann hätte das private Bauen ohne Zweifel sofort eingesetzt und es wären heute genügend neue Wohnungen vorhanden. Man sagt in Mieterkreisen allgemein: ,, Bauen können heute nur das Reich, die Länder und die Gemeinden; den Privatleuten gibt die Kapitalnot feine Möglichkeit!" Die nachstehende Erklärung einer Schweizer Genossenschaftsbank sagt aber, daß Baugelder zur Verfügung ständen, wenn, wie gesagt, die Wohnungszwangs­wirtschaft nicht wäre. Die Handwerkskammer in Darmstadt ver­öffentlichte schon am 1. September 1924 diese Erklärung. Sie lautet:

Ein südddeutscher Handwerksmeister, der ein Geschäfts­haus mit 5 Mietparteien besitzt, dessen Steuerwert 100 000 Goldmark beträgt, wandte sich an eine Schweizer Genossen­schaftsbank, um eine Hypothek von 5-6000 Franken zu erhal­ten. Er erhielt darauf die nachstehende Antwort:

Im Besitze Ihres geehrten Schreibens teilen wir Ihnen betr. Hypothekengelder nach Deutschland" mit, daß zu= folge der Wirtschaftsverhältnisse durch die deutschen Vor­schriften und Schikanen, insbesondere aber auch durch die dritte Steuernotverodnung nicht daran zu denken ist, daß sich in der Schweiz noch Leute finden, die unter den ob­waltenden Umständen noch Gelder nach Deutschland aus­leihen. Nach den Richtlinien der schweizerischen Finanz­institute haben wir zu stoppen, bis im geschäftlichen Ver­tehr wieder Treu und Glauben zur Geltung gelangt sein werden. Wohl fallen die schweizerischen Kriegs- und Vor­friegsforderungen nicht unter die dritte Steuernotverord­nung sondern unter das Deutsch- schweizerische Zusazabkom­men von München. Aber solange selbst die deutsche Re­gierung durch Geseze, wie die dritte Steuernotverordnung, gegen die elementarsten Grundsäge von Recht und Gerech­tigkeit, gegen Treu und Glauben verstößt, solange wird jeder Schweizer sich hüten, Geld nach Deutschland zu geben."

*

-

Inwieweit die Wohnungsnot" tatsächlich besteht ver: ursacht durch die Wohnungszwangswirtschaft!- zeigen nach­stehende weiteren einwandfreien Feststellungen.

Auf die von dem Gießener Hausbesizerverein im Gieße­ner Anzeiger" veröffentlichte Aufforderung zur Anmeldung dringlich Wohnungsuchender haben sich 337 Familien mit 1196

Personen gemeldet und eigenhändig nachstehende Angaben in die aufgelegte Liste eingetragen. Dieselben zusammengestellt, ergeben folgendes Bild:

Von diesen 337 Familien wohnen seither:

a) bei den Eltern und Verwandten 52169 Personen b) möbliert

c) in Untermiete d) in Dienstwohnungen e) in Tauschwohnungen

b) du Wohn

24

68

99

12

37

99

3

9

39

246 913

"

auß

zusammen 337= 1196 Personen

2 Familien haben keine Küche.

Von diesen 337 Familien haben sich beim Wohnungsamt Gießen weg Zuweisung einer Wohnung gemeldet

12 Familien im Jahre 1919

82

12

12

58

99

99

1920

39

91

1921

99

99

1922

" 9

99

63

$ 5

1923

29

99

33

"

1924

99

"

Sa. 337 Familien

Diese 337 Familien mit 1196 Personen wohnen gegenwärtig in 305 Zimmern, mithin durchschnittlich in einem 3immer 3,9, nach oben abgerundet 4 Personen.

Gesucht werden von diesen 337 Familien mit 1196 Personen 1176 3immer, zählen wir die von denselben bewohnten 305 Zimmer ab, dann fehlen 871 3immer. Dann entfallen auf 1 Person ungefähr 1 Zimmer( seither auf 1 Zimmer 4 Personen), d. h. wenn die fehlenden 871 Zimmer durch Wohnungswechsel oder durch Neubauten ersetzt würden.

Angenommen 1 Neubau für 3 Familien a 4 Zimmer sind gleich 12 Zimmer, in 871 geteilt, ergibt 72,6 Wohnhäuser. Belegen wir jedes Zimmer mit 2 Personen, so ergibt sich folgendes:

1 Neubau für 3 Familien a 4 Zimmer 72 Neubauten für 3 Familien a 4 Zimmer

12 3immer 864 Zimmer zusammen 876 Zimmer X 2 Zimmer

mithin wäre Raum für 1752 Personen gesucht werden aber Zimmer für nur 1196 Personen mithin mehr Zimmer für 556 Personen Demnach würden für 556 Personen mehr Zimmer vorhanden sein als gesucht werden. Hieraus ergibt sich, daß nicht 73 Neubauten oder Ersatzwohnungen, sondern nur 49,5 Neubauten erforderlich sind für je 3 Familien a 4 Zimmer.

Es bleibt noch festzustellen: Wieviel Wohnungen sind seit 1920 neugebaut, wieviel Wohnungen sind seit 1920 durch Weg­zug fr geworden ind du Zuzug wieder besetzt worden.

Auch diese Feststellungen sind bereits gemacht, die, obgleich in Nr. 18 der Hess. Hausbesizer- Zeitung" vom 5. Januar 1925 schon einmal veröffentlicht, hier im Zusammenhang mit vor­stehenden Unterlagen seitens der Mieter noch einmal wiederzu­geben wohl wertvoll erscheint.

Die Wohnungsvermehrung ist seit 1914 in Gießen wie folgt vor sich gegangen:

a) durch Neubauten:

1919/1920/1921/1922/1923 3uf. 2

Wohnungen m. 1 Zimmer u. Küche 1 1.

"

-

-

26 37 2 22 87

" 1

"

"

"

"

1 30 76 15 19 141

"

" 1

"

1

17 35 12 18 83

"

"

"

" 1

"

1

4

2 7 8 22

-11

"

"

"

3

1

"

"

"

"

" 1

"

11

" 1

1

"

"

"

" 1

4

〃〃〃〃〃

2345678E

=

,, mehr als 8 Zimm.

zusammen

4

4

78 153 42 67 344

nung

so sin

geger 1. A Stiege