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Die Glanzzeit der Eupener Textilindustrie war die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. 1764 beschäftigte sie über 5000 Arbeiter, 340 Webstühle, 10 Walkereien und 14 Färbereien und brachte 22 000 Stück Tuch zum Versand nach Frankreich, Holland, Deutschland, Rußland und nach der Levante. 1812 zählte Eupen 37 größere und 33 fleinere Fabrikanten, die 40 000 Stück Tuch auf den Markt warfen. Diesen Blütenzeiten, von denen noch heute die prächtigen Patrizierhäuser alter Fabrikan­tenfamilien erzählen, folgten im 19. Jahrhundert Jahre des Niederganges, die wohl hauptsächlich durch den allzu späten Anschluß der Stadt( 1864) an das Schienennet verursacht wur­den. Doch ließ sich der Unternehmungsgeist der regsamen und dabei stets lebensfrohen Eupener Bevölkerung niemals dauernd unterbinden. Es waren hier vor dem Kriege immer noch rund 3000 Arbeiter und zwar hauptsächlich in der Tuchindustrie tätig. Auch den Ruf eines Luftkurortes gewann die anmutige Stadt dank ihrer außerordentlich anregenden Höhenluft, der sie auch eine auffällige frische Jugend und den Ruhm, in Preußen der Ort mit der geringsten Kindersterblichkeit zu sein, verdankte. Die Bevölkerung des Eupener Landes, jenen eigenartig schönen Weidelandes, dessen saftgrüne Flächen zwischen Hainbuchen­heden unter tiefhängenden Wolfen liegen und die vereinzelten Bauernhäuser weit zerstreuter Dörfer umschließen, kannte als Haupterwerbszweig stets die Viehzucht, neben der einst die Fa­brikation des beliebten Limburger Käses eifrig betrieben wurde. Gute Verbindungen per Bahn und Kleinbahn mit Aachen und Stollberg verschaffte dann den in der Landwirtschaft über­flüssigen Arbeitskräften lohnenden Verdienst in den dortigen Fabriken, von denen die Männer meist Samstags in die hei­mischen Dörfer zurückkehrten. Die neue Grenze ist natürlich nicht dazu angetan, diese wirtschaftlichen Beziehungen des Eupe­ner Landes zu den benachbarten Industrieorten zu erhalten. Für die blühende Viehzucht ist sie hier wie im Kreise Malmedy direkt verderblich geworden, hat doch die Zollgrenze das Gebiet vom deutschen Hinterlande abgeschnitten und andererseits einen preisdrückenden Konkurrenzkampf mit den belgischen Viehzüch= tern eröffnet. Die Industrie der beiden Kreisstädte dürfte auch die Trennung von ihren alten Absatzgebieten in Deutschland hitter beklagen. Neben den beiden Kreisen selbst besonders der Stadt Aachen die Neuordnung der politischen Grenzen schmerz­lich fühlbar geworden. Die Stadt lag schon vor dem Kriege der Landesgrenze, die sie westwärts von einer ihr in früheren Jahrhunderten bequem zugänglichen Hinterlande abschnitt. Durch die Abtrennung von Neutral- Moresnet, dessen Einwoh­ner übrigens auch heftig aber vergeblich protestieren, sowie durch die des Kreises Eupen ist die Stadt nun auch noch nach Süden hin von ihrem natürlichen Hinterlande abgeschnitten und hat dazu eine lästige Zollgrenze dicht vor ihre Toren hergezogen bekommen.

Das gewerbliche Leben Malmedys wurde seit Jahrhunder­ten hauptsächlich durch einen ausgedehnten Gerbereibetrieb bestimmt und bleibt auch heute noch, obwohl seit etwa 70 Jah­ren eine zu großer Bedeutung aufblühende Papierfabrikation hinzugekommen ist, zum großen Teile von diesem abhängig. und mehrten dann, begünstigt von geeigneten Wasserverhält­Schon um 1500 genossen die Gerbereien der Stadt guten Ruf nissen, durch die Jahrhunderte den Wohlstand der Bürger, von dem noch heute manches schöne Patrizierhaus zeugt. Das Le­der war als Qualitätsware auf allen deutschen Märkten be= gehrt und wurde vor der Zeit der Eisenbahnen auf hohen, mit mehreren Ardennerpferden bespannten Karren bis nach Königs­berg gebracht. Eine selten hohe Stadikultur, Pflege der Wissen­schaften und der schönen Künste hatte sich in dem weltfern ge= Tegenen Städtchen und fußend auf stolzen Traditionen aus der Abteizeit entwickeln können und gab im Vereine mit einer großartigen Gebirgsumgegend, einem für Eifeler Verhältnisse selten milden Klima und den Sitten einer eigenartigen und lie­benswürdigen Bevölkerung dem Orte eine besondere reizende Note. Aber auch in dem größeren deutsch- sprachigen Teile des Kreises und seinen stattlichen Hauptorten, wie St. Vith, Bül­lingen, Büttgenbach, usw. ließ sich's fröhlich Hausen und mit schönem Erfolge in Ort und Nachbarschaft praktische Geographie treiben. Selbst das auf rauher Hochfläche gelegene Elsenborn,

in dessen Nähe soviel Soldatenschweiß zwischen Heide und Gin­sterbüsche floß, wedt schmerzliche Erinnerungen an vergangene, stolze Zeiten, an Verlorenes, das wir aber nie als dauernd Verlorenes betrachten werden.

In der 3. Schiffsklasse nach Amerika.

von Hans Thorsten.

IV.

Jm Atlantik.

Wir schwimmen auf dem Atlantik. Wasser und Himmel. Nichts als Wasser und Himmel.

Doch die Tage verrinnen schnell. Deren fünf sind wir nun schon an Bord. Aber die ach, so sehr gefürchtete Langeweile tritt nicht ein. Immer wieder gibt es Neues zu schauen, zu erleben, zu besprechen. Kommt Nebel auf, schwimmen die aufgewühlten Wasser nahe beim Schiff wie das lichte Blau im Türkes und opalisierend verlaufend in tiefes Kupferviolett. Farben singen und alle Worte sind müßig sie zu beschreiben. Es kommen gute Gedanken vom Wasser und Ruhe, sich und die Welt zu bedenken. Alles rückt näher heran auch die Menschen.

Wieviel zage Hoffnung und frischen Wagemut, wieviel Er­nüchterung und Enttäuschung an Schicksal und Leben birgt solch ein Schiff.

Wer nicht Lust und Laune hat zu tiefem Gespräch mit langen Pausen und Ausblick auf See, für den ist Zerstreuung genug. Allerlei sportliche Spiele verschaffen Bewegung an Deck. Allzeit ist man hungrig von der frischen, salzigen Luft. Eine Brise auf See lüftet den dumpfsten Menschen.

Jm Rauchzimmer sitzen die Spieler bei Schach und Karten. Eine reichhaltige Bordbibliothek bietet Zerstreuung und Samm= lung. Jedem das Seine.

Das Literarische Niveau dieser Bücherei ist erstaunlich hoch. Jch nenne nur einige Namen, deutsche: Dauthenden, Eulenberg, Gorch Fock, sein Bruder Rudolf Kinau, Löns, Falke, H. W. Fischer, Fontane, Hauptmann, Rilke und viele andere mehr. Von ganz modernen: Schulenburg und Hans Leip. An Aus­ländern sind u. a. vertreten: Tolstoi, Gogol, Gorki, Dostojews= fi und Turgenjem von den Russen: Stendhal, Romain Rolland und Claude Farrere von den Franzosen, E. A. Poo, Henry Urban und Whitman von Amerikanern und( last not least) Strindberg.

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