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Der Trinkende erscheint sich selbst in seiner torisch bedingten Redseligkeit als geistreicher im Vergleich zu seinem nüchternen Zustand; der Beobachter macht hinter diese Geistreichheit auf Grund seiner Wahrnehmungen ein Fragezeichen.

Die Ursachen der weiten Verbreitung unserer Trinksitten sind teils historischer Natur, teils liegen sie in den modernen sozialen Verhältnissen begründet. Enge, dumpfe, unerfreuliche Wohnungen treiben den Mann ins Wirtshaus. Lustlos getane, seelenlose Arbeit erweckt im Arbeitenden abends ein Bedürfnis nach leicht erreichbarer Aufheiterung, die der Alkohol, wenn auch als Betrüger gewährt. Wohnungsreform und Eigenheim sind. wichtige Bundesgenossen im Kampf gegen das Trinkerelend. Der wichtigste Grund für die Zunahme der Trinksitten ist aber wohl die Verführung durch das allmächtige Alkoholkapital, das hohe Verzinsung wünscht, und diese nur erreichen kann, wenn die Massen unseres Volkes trotz ihrer trostlosen Verarmung wieder zu den Trinksitten zurückkehren, wie sie vor dem Kriege in einem wohlhabenden Volke bei wirtschaftlicher Blüte ge­herrscht haben. Das Alkoholkapital kämpft mit raffinierter Ge= schicklichkeit für seine Profitrate, verleumdet die Staaten, die eine alkoholfeindliche Gesetzgebung haben, kauft sich die Presse durch teure Reklamen und verführt eine kritiklose Masse zum gewohnheitsmäßigen Genuß geistiger Getränke, neuerdings vor allem zum Genuß von Schnaps und Likören, zu deren Herstel= lung heute ein großer Teil unserer Ernte verwendet wird.

Bauland und Bodenpolitik.

Dr. jur. Gmelin.

Die industrielle Entwicklung Deutschlands hat vieles ge= bracht und noch mehr genommen. Nicht wenige unserer Volks­genossen haben ihre Heimat verloren und sind entwurzelt. Lange haben sie es nicht gemerkt, bis schließlich ein längst entwöhntes Sehnen nach Land und Freiheit über sie gekommen ist. Man­chem ist es schon gelungen, wieder Heim und Boden draußen vor der Stadt zu gewinnen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die nächsten Jahre ein starkes Anwachsen der Eigenheim- Be­wegung bringen werden, zumal seit der Festigung der Währung neue Wege zur raschen und sicheren Baugeldebschaffung gefunden wurden. Etwas besonderes auf diesem Gebiet darf von dem deutschen Eigenheim- Verein der Gemeinschaft der Freunde e. V., Luftkurort Wüstenrot bei Heilbronn in Württemberg erwartet werden, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon 19 Ein­familienhäuser für kleine Sparer ohne jede öffentliche oder private Hilfe finanziert hat. Auch der Frage der Bauplay­beschaffung wird neuerdings große Beachtung geschenkt. Es ist eine Freude, zu sehen, wie manche Gemeinden und öffentlichen Verbände dem Verlangen nach Garten- und Bauland entegegen­kommen und auf weite Areale zum Schutz der Menschen gegen die Großwirtschaft die Hand legen. Sie geben Bauland aus zu Erbbaurecht an die Bürger, die sich ihr Geld zum Eigenheim erspart haben, und zwar nicht nur auf 60 Jahre, sondern auf 80 bis 100 Jahre, sodaß die angesiedelte Familie auf mehrere Generationen sichert wohnt. Die Erbbauzinsen sind niedrig und belasten des halb den Haushalt des Siedlers nicht allzusehr. Gerade in der Ueberlassung des Boden auf recht lange Zeit liegt ein Moment, dem noch nicht überall genügend Beachtung ge= schenkt wird. Eine Familie hat nur dort eine Heimat, wo die Sicherheit gegeben ist, daß der Erbauer des Hauses und seine Kinder nicht daraus vertrieben werden können. Ein nicht ge­ringer Teil des deutschen Volkes wird sich in den nächsten Jah­ren neu ansiedeln müssen, schon deshalb, weil weit mehr als eine

Den feinsten Kaffee

trinkt man bestimmt dort, wo Pfeiffer& Dillers Raffee- Effenz

zu Bohnen oder Malz hinzugetan wird, das veredelt den Gefchmack ganz überraschend und hilft Ihnen außerdem febr erfreulich sparen! Originaldofen und Silberpakete zu haben in den Gefchäften!

Million Wohnungen fehlen. Staat und Städte sind nach altem deutschem Recht die berufenen Bodenverwalter. Möge überall im kleinen und im großen dafür gesorgt werden, daß recht viele Deutsche Bauland auf einem Grund und Boden erlangen kön= nen, der unangreifbar gegenüber dem Ansturm der Geldmächte ist. Vielleicht ist die Politik, den Menschen den Zugang zu Heimat und Boden, auf dem wahre Tüchtigkeit gedeihen kann, zu erleichtern, noch wichtiger als Geld, Industrie- und Han­delspolitik. Denn Menschen sind es, die Reichtum schaffen und nicht das Geld.

Wirtschaftliche Umschichtungen.

Langsam, aber mit urwüchsiger Kraft beginnen sich die durch den Krieg und durch die Friedensverträge bedingten Um­schichtungen der Erdwirtschaft zu entwickeln. Das Deutschland dabei der besondere leidtragend Teil ist, zeigen vor allem die Produktionsziffern der Rohstoffe, soweit sie das wichtigste Ma­terial für die industrielle Wirtschaft liefern. So wurden im Jahre 1913 insgsamt 1 321 000 To. Stein- und Braunkohlen ge= fördert, eine Menge, die nach dem Kriege nach mannigfachen Schwankungen 1923 mit 1 320 000 To. wieder erreicht wurde. Da 1923 das Ruhrgebiet fast ausgeschaltet war, ist für 1924 mit einer Gesamtförderung über die Vorkriegszeit hinaus zu rech­nen. Allein innerhalb dieser Gesamtförderung haben sich ge= waltige Umschichtungen vollzogen. Deutschland, das 1913 an der Gesamtförderung mit 21 p. H. beteiligt war, fonnte 1923 nur noch 13 v. H. buchen und hat auch 1924 faum 15 v. H. er­reicht. England hat durch den Krieg Kohlengebiete nicht ver­loren, aber es hat trotzdem verstanden, seinen Anteil an der Gesamtförderung zu steigern. Die Ausbeute betrug 1913 rund 287 000 metrische Tonnen, gleich 26 v.5. der Gesamterzeugung. Diesen Anteil hat es, von Schwankungen in den ersten Nach­friegsjahren abgesehen, 1923 wieder erreicht. Was für England die Hauptsache ist, es hat die Kohlenausfuhr in den Nachkriegs­jahren wiederholt über den Stand von 1913 hinaustreiben kön­nen. Im Jahre 1923 führte England wieder 79,5 Millionen Tonnen im Werte von zwei Milliarden Mark aus, gegen 73 Millionen Tonnen im Werte von einer Milliarde Mart im Jahre 1913. Die Wertsteigerung ist zum Teil durch die allge= meine Preissteigerung, zum Teil aber auch durch höhere Koh­lenpreise bedingt. Jm Jahre 1924 sind Wert und Menge etwas zurückgegangen, was dann zu der viel erörterten Kohlenkrise ge­führt hat, die sich u. a. darin äußerte, daß die englischen Gruben­arbeiter gegen den Dawesplan Einspruch erhoben, weil er die ausländischen Absatzgebiete der englischen Kohle bedrohe. Zu diesen Absatzgebieten gehörte besonders Deutschland, das 1923 rund 15 Millionen, 1924 aber nur noch 7 Millionen Tonnen ab­nahm. Was der Ruhreinbruch für die englische Kohlenausfuhr bedeutete, geht besonders daraus hervor, daß England 1923 ins­gesamt an Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien rund 48 Millionen Tonnen Kohlen lieferte, gegen 32 Millionen Ton= nen im Jahre 1924. Um 16 Millionen Tonnen ist also die Aus­fuhr zurückgegangen, was auch dem Unterschied der Erzeugung von 1923 und 1924 entspricht. Die internationale Gemeinbürg­schaft der englischen Grubenarbeiter geht also über die Landes­grenze nicht hinaus, verträgt sich indessen damit, daß der deutsche Kohlenbergbau zum Erliegen kommt und die deutschen Berg­arbeiter verhungern müssen. Frankreich, dessen Kohlenerzeugung 1913 etwa 40 Millionen Tonnen betrug, erreichte 1924 schon 46 Millionen, wozu 18 Millionen der besten deutschen Ruhrkohle kostenlos und frachtfrei kommen. Ebenso ungünstig schneidet Deutschland bei der Eisenerzeugung ab. Von 33 Millionen Tonnen im Jahre 1913 ist es auf 4,7 Millionen im Jahre 1923 zurückgegangen, wobei 1924 nur eine unerhebliche Besserung ge­bracht hat. Daß Frankreich heute das reichste Eisenerzland Europas ist, ist bekannt, ebenso, daß seine Eisen- und Stahl= erzeugung in großen Sprüngen aufwärts schnellt. Für Deutsch­land ergibt sich daraus das Problem, den Verlust an Rohstoff­gebieten durch Steigerung der Produktion von Halb- und Fertig­fabrikaten wieder auszugleichen. Es ist dazu um so mehr ge= zwungen, als seine Bevölkerungszahl verhältnismäßig gleichge= blieben ist. Die Steigerung der Produktion bedeutet an sich