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meistern ist. Bei weiten Strecken entfällt auch das Mitnehmen von Kindern auf dem Rade. Die wandernden Familien haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Ferienausflüge von Vater und Söhnen sind keine Seltenheit mehr, und neben den Annehmlichkeiten genießen diese Ferienfahrten den Reiz der Billigkeit. Die Erziehung der Jugend für den Sport birgt in einer Sparte die Anspruchslosigkeit. Wie die Wandervögel, so genügen sich die Radwanderer mit Heuböden als Schlafstätten, und wenn sie auch auf die Zubereitung des Mahls im Freien im allgemeinen verzichten, so üben die jungen Radwanderer auch hier spartanische Einfachheit.

Wenn niemand viel erzählen kann, wenn er eine Reise tut, wie sie dem modernen Bequemlichkeitsmenschen als erstrebens­wertes Ziel gilt, wieviel mehr vermag ein Wanderer zu erzäh­len, der zu Rad das Land durchstreift hat? Er ist mit allem, was der Eisenbahnreisende nur vom Fenster des Eisenbahnab­teils sicht, in enge Berührung gekommen; er hat Bekanntschaf= ten mit Land und Leuten gemacht und ohne an Fahrplan und Abfahrzeiten, an Verbindungen und Zuganschlüsse gebunden zu sein, hat er die Welt kennen gelernt, als der Mensch, dem Gott die rechte Gunst erwiesen hat.

Für das Radwandern ist in letzter Zeit viel getan worden. Die Industrie hat in jeder Form für den Radwanderer gesorgt, die Verbände haben sich des Wanderns auf dem Rade angenom­men und die Behörden aller Länder haben ein reges Interesse an dem Radfahren genommen, die ins Land kommen, um den großen Gedanken an die Völkerversöhnung seiner Verwirk­lichung näher zu bringen.

Billiges Baugeld.

G. Kropp.

Die Hauptfrage zur Bewältigung der Wohnnot ist und bleibt vorerst noch immer die Beschaffung des Baugeldes. Alle staatlichen und gemeindlichen Leistungen reichen bei weitem nicht aus, um das Geldbedürfnis für Privatbauten zu befrie­digen, und ob in absehbarer Zeit nicht unsere Reparationsver­pflichtungen aus dem Dawesvertrag die staatlichen Beihilfen völlig zum Stillstand bringen, das kann heute noch niemand sagen. Baugelder zu den heutigen Zinssäten der Banken und öffentlichen Kassen ist ein so hoher, daß Bauen und Wohnen unerschwinglich teuer würde. Und dennoch ist auch heute die Möglichkeit vorhanden, Baugeld zu billigerem Zinsfuß, nämlich zu nur 5 Prozent zuzüglich 1 Prozent Tilgungszins unfündbar zu erhalten. Bereits wurden nach verhältnismäßig kurzer Vor­bereitungszeit von einem rein gemeinnützigen Selbsthilfe- Insti­tut in Württemberg neunzehn Bauten im Gesamtkostenbetrag von rund einer Viertelmillion Goldmark finanziert, und wie wir hören, ist diese gemeinnüßige Gesellschaft durch den großen Anklang, den sie findet, in den Lage, von Monat zu Monat steigend Beträge an Baugeldern herzugeben. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, ausführlicheres über die Einrichtungen des gemeinnützigen Werkes zu bringen, wer sich dafür interessiert, möge sich an dieses gemeinnügige Werk selbst wenden, es han­delt sich um den Deutschen Eigenheim- Verein, Gemeinschaft der Freunde e. V. in dem kleinen Luftkurort Wüstenrot bei Heil­bronn in Württemberg. Dieses nach völlig neuen Rechtsformen gegründete Unternehmen weicht durchaus ab von allen bis­herigen Organisationen dieser Art. Es handelt sich da nicht um eine Baugesellschaft, sondern um ein Treuhand- Finan­zierungs- Institut. Bauen kann jeder, der durch Abschluß eines Bausparvertrages mit der Gemeinschaft der Freunde sich das Baugeld verschafft, wo er will und durch men er will, wenn nur eine sichere grundbuchmäßige Eintragung des Baugeldes erfolgen kann.

Die Bekämpfung einer Volksseuche.

Dr. Theodor Stähle, Tuberkulosearzt in Stuttgart. Einer der schlimmsten Feinde der Menschheit ist der Erreger der Tuberkulose, der Tuberkelbazillus. Er ist so klein, daß man ihn in dem Mikroskop erst nach tausendfacher Vergrößerung sehen kann als ein kleines dünnes Stäbchen, das trotz der starken

Vergrößerung faum länger als 3 Millimeter erscheint. Dieser kleine Bazillus hat eine so riesig große Verbreitung, daß es im Alter von 20 Jahren eigentlich kaum mehr Menschen gibt, die ihn nicht schon in sich aufgenommen haben. In einer Tempara­tur, die unserer Körperwärme entspricht, kann sich dieses kleine Lebewesen, das wir, wie die anderen Bakterien und Bazillen, zu den niedrigsten Gattungen der Pflanzenwelt, zu den Pilzen, zählen, unglaublich rasch vermehren. Die Fortpflanzung erfolgt in sehr einfacher Weise. Der Bazillus, der aus einer Zelle be= steht, teilt sich durch Abschnürung in der Mitte in zwei neue Tochterzellen, von denen sich jede alsbald wieder auf dieselbe Weise teilen kann. Der Tuberkelbazillus hat nun noch eine Besonderheit gegenüber anderen Bazillen: er besitzt einen Wachs­mantel um sich herum, der ihn gegen äußere Schädigungen sehr widerstandsfähig macht, daß er z. B. Kälte ganz gut vertragen kann, oder im Staub ohne auszutrocknen oft jahrelang seine alte, krankheitwirkende Kraft bewahren kann. Einen Feind besitzt der kleine Bösewicht aber, nämlich das Sonnenlicht, das ihn schon in einer Stunde tötet. Jm hellen Tageslicht stirbt er auch, aber viel langsamer, erst nach etwa sieben Tagen. Seine Lieblingsplätze sind dunkle Winkel, düstere Stuben, Höfe und Gassen, in die kaum jemals etwas Sonnenschein gelangt. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß wir seine Opfer hauptsächlich unter der Großstadtbevölkerung suchen müssen, die schon früher auf enges beieinanderwohnen angewiesen war, nan aber erst recht zusammengepfercht ist, seit wir eine so große Wohnungsnot haben. Daher: Sonne und Licht an die Front zum Kampf gegen den Tuberkelbazillus. Schaffet euch gesunde Wohnungen, dann seit ihr am besten gegen ihn gerüstet.

Das rasche Vorwärtsschreiten der Eigenheim- Bewegung. wie sie in Württemberg in der Selbsthilfe- Organisation der Ge­meinschaft der Freunde, Luftkurort Wüstenrot bei Heilbronn entstanden ist, gibt uns die Hoffnung, daß recht weiten Kreisen unseres Volkes diese wirksame Waffe gegen die Tuberku.oje, cine gesunde sonnige Wohnung zuteil wird.

Eine wichtige Volksfrage.

Prof. Dr. Ga upp, Tübingen.

Eine der wichtigsten Fragen für die gesundheitliche und finanzielle Wohlfahrt unseres Volkes ist die Alkoholfrage.

Sie ist von großer Bedeutung vom volkswirtschaftlichen Standpunkte, weil immer noch ein großer Teil wertvollen deut­schen Bodens für die Erzeugung geistiger Getränke in Anspruch genommen wird, weil das verarmte deutsche Volk noch viel zu große Summen für ein Genußmittel ausgibt, das ohne Schaden an Leib und Seele und ohne Verlust an Lebensfreuden entbehrt werden kann, und weil zahllose Trinker sich und ihre Familie in wirtschaftliche Not stürzen, der Armenbehörde anheimfallen, ins Krankenhaus kommen, frühzeitig sterben. Auch verringert schon der mittlere Alkoholgenuß die Arbeitskraft, vermindert die Arbeitsmenge und verschlechtert die Arbeitsleistung. Die Alkoholfrage hat eine gesundheitliche Seite, insofern der Miß= brauch geistiger Getränke die Ursache zahlreicher förperlicher und geistiger Krankheiten ist, bisweilen frühes Siechtum erzeugt, die Körper verunstaltet, die Nachkommenschaft schädigt, an der Er­werbung von Geschlechtskrankheiten häufig ursächlich mitwirft. Die Alkoholfrage hat eine sittliche Seite, weil der Alkohol das Verantwortlichkeitsgefühl der Menschen abstumpft, die Inter= essen einengt, die Liebe zum Nächsten herabsetzt, den Sinn für die Familie schädigt, und so die Quellen gesunder Volkskraft vergiftet. Diese Tatsachen sind wohl bekannt, aber sie machen auf viele Menschen keinen genügenden Eindruck. Auch sind irr­tümliche Meinungen über den stimmungsfördernden Wert, und die kraftspendende Wirkung des Alkohols noch nicht völlig über­wunden, weil sich der subjektive Eindruck des Trinkenden mit dem objektiven Tatbestand nicht deckt. Die Wissenschaft bemüht sich um die Darstellung, woher dies kommt, und findet die Ur­sache in der eigenartigen Wirkung des Alkohols auf die ver­schiedenen Seiten des Seelenlebens. So erscheint z. B. erleich­terte Bewegungsauslösung( psychomotorische, durch das Gift be­dingte Erregung) als Zunahme der Kraft, während der exakte Versuch beweist, daß die Kraft objektiv bereits nachgelassen hat.

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