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Landaufenthalt bieten. Unter zuverlässiger Aufsicht werden die Kinder von morgens bis abends untergebracht und ver­pflegt. Sie erhalten eine Morgensuppe, Mittagessen, Nach­mittagskaffee mit 160 Gr. Gebäck. Die Wochenkarte, die für ein Kind 1 M beträgt, kostet schon für das zweite nur 50 Pfg., und jedes weitere Kind derselben Familie ist frei. Da viele der Spielplätze sehr schön gelegen sind, wird hier in großzügiger Weise geholfen, vorausgesetzt, daß ausreichende, verständnisvolle Aufsicht vorhanden ist, und daß die Verpflegung, die das Kind ja mit ein paar Groschen nicht bezahlt, ausreichend und gut ist. Aber seit der neuen Währung ist es wohl den beteiligten Stel­len möglich, diese gut zu gestalten.

Daneben ist noch die Möglichkeit da, daß einige Kinder zum Landaufenthaltt geschickt werden. Die großzügige Art der Ver­schickung von 1917 und 1918 ist nicht mehr, einige angeknüpfte Beziehungen werden unterhalten, einige Bauern können Hüte­jungen oder Kinderwärterinnen gebrauchen, und fordern darum Kinder an, die unter guten Umständen vielleicht auch davon Erholung haben können, einige Landleute erinnern sich auch noch der freudigen, staunenden Kinderaugen von damals und helfen darum auch heut. Aber das Ausmaß dieser Forde­rungen bedeutet doch nur wenig bei der großen Zahl unserer Stadtfinder.

Ein anderer Weg ist die Schülerwanderung unter Führung der Lehrer. Was sie dem Großstadtkind bedeutet, wird nirgends hoch genug angeschlagen. Gewiß ist das Kind nur 6 bi7 Tage draußen, aber es ist an eine der schönsten Stellen im Vaterland geführt, es ist planvoll beschäftigt mit förperlicher Arbeit, mit Spiel, mit wertvollen Eindrücken, es kommt voll Freude und innerem Glück heim in seine Steinheimat, voll Staub und Benzinduft und hat diese dann dennoch lieb, ist nur bereichert um die Sehnsucht nach dem Genossenen, nicht neiderfüllt, weil nicht alle Tage gleiche Höhepunkte sind. Es ist ein Mißgriff. wenn Behörden nicht gestatten wollen, daß 1, 2 oder 3 Tage solcher Wanderung in die Schulzeit fallen. In der Reisezeit lassen sich die Quartiere für all die Kinder, die so hinauswan­dern sollten, nicht, oder zum mindesten nicht billig beschaffen. Die Summe an Verantwortung, die der Lehrer hier freiwillig täglich 24 Stunden lang trägt, während sie in dem Maß in der Schule nur 4 bis 6 Stunden auf ihm lastet, sollte deutlich zeigen, daß nicht Eigennuz die Wahl solcher Tage bestimmt hat. Freudiger Dank nicht nur der Kinder oder der Eltern joure dem Lehrer werden, sondern auch Verständnis und Fördeung sener Behörde! Auch durch Verschickung in Kinderheime versuchen die Großstädte der Jugend zu helfen. Woran liegt es nun, daß dennoch eine so große Zahl von Kindern die Ferien in der Stadt verlebt?

An den Eltern, von denen einige sagen, auch 1 M sei Geld, die könnten sie nicht für den Aufenthalt auf einem Spiel­platz bezahlen. Da für ein städtisches Pflegekind 35 M monat­lich gezahlt werden, sind die 4 M monatlich tatsächlich ein Spott­geld, es muß den Eltern begreiflich gemacht werden, daß dafür je nach Lage des Plates Fahrgeld bezahlt wird und die ganze Verpflegung dann kaum mit ein paar Pfennigen vergütet wird. Aufklärung tut auch not, um zu verhindern, daß etwas ver­wöhntere Leute und ihre Kinder das großzügige Werk in Ver­ruf bringen, weil abends die Höschen schmußig sind oder die Kinder sich Sand auf den Kopf geworfen haben. Solche kleinen Unzuträglichkeiten müssen die Eltern schon mal hinnehmen, wenn ihre Kinder dafür in Licht und Sonne haben spielen dür­fen. Sind Ausstellungen zu machen, so sollen die Eltern diese melden, die Gemeinden werden sich bemühen, Abhilfe zu schaf= fen. Dann sollten die Eltern selbst versuchen, mehr mit ihren Kindern Ausflüge zu machen. Vor trübem Wetter am Sonntag sollten sie sich auch nicht so sehr scheuen, die älteren Kleider und ein froher Mut trozen auch dem Wettergott. Läßt sich aber das Führen und Wandern der Eltern mit den Kindern nicht durch­setzen, trotzdem gerade dies die schönste Ferienfreude ist, so soll­ten die Eltern den Kindern Anschluß an Wandervereine ge­statten, nachdem sie die Verhältnisse dort genau geprüft haben, um die Kinder nicht etwa Gefahren auszusetzen, die schlimmer wären als ein Verweilen in staubiger Stadtluft. Die Wander­

vereine selbst sollte jedermann unterstützen, ganz gleich welcher politischen Richtung sie angehören!

Für die Gemeinden ergibt sich die Pflicht, ihre Spiel­plätze, Kinderheime, Landaufenthaltsstellen stetig zu verbessern und zu vergrößern, überall für genügende Aufsicht zu sorgen, denn es kann z. B. nicht jeder Mutter zugemutet werden, ihrem Mädel einen Bubikopf zu schneiden, wenn sie es 6 Wochen in ein Kinderheim geben will, es darf auch nicht vorkommen, daß Schlafräume ungenügend gelüftet sind, sodaß die Eltern ihre Kinder zurücknehmen, da ihnen der Tag in schönster Natur nicht eine in schlechter Luft verbrachte Nacht wert ist.

Die Schulbehörden sollten den Wert des Schüler­wanderns höher stellen als eine Unregelmäßigkeit im Schul­betrieb, die hervorgerufen wird, weil der mit den Kindern wandernde Lehrer vertreten werden muß.

Die Eisenbahnverwaltung sollte Kinderreisen nicht dadurch erschweren, daß sie die Kindertransportwagen in die Personenzüge einstellt, statt sie an die D.- 3üge anzuhängen, wenn dadurch den Kindern von 10 Fahrstungen 4 ermäßigt werden könnten. Es fahren nicht alle Transporte gerade zu Hauptreisezeiten, sodaß eine Erschwerung des Verkehrs einträte. Man habe hier guten Willen, dann wären manche Eltern ge= neigter, auch ihre kleineren Kinder ins Kinderheim mitzugeben.

Eins aber, was der Stadt wenig Geld, und der Lehrer­schaft ein kleines Opfer kostet, sollte noch geschehen. Alle Schul­höfe, die gesund gelegen, schön bepflanzt sind, sollten der Kinder­welt der Umgebung während der Ferien offen stehen. Die Schule, deren Gebäude ja verschlossen sind, leidet nicht darunter. Die Schuldiener haben zur Ferienzeit auch Dienst, ihr Urlaub ist besonders geregelt, sie haben durch das Deffnen und Schließen nur eine geringe Belastung, die Kinder wären der Straße und ihren Gefahren entzogen und der notwendigen Aufsichtsführung werden sich die Lehrer nicht entziehen. Berlin hat diese Rege­lung schon vor 20 Jahren versucht, die Lehrer und Lehrerinnen waren damals dafür vorhanden. Sollten einige gegen ihren Wunsch für diesen Dienst einen Teil ihrer Freizeit aufgeben müssen, so sei daran erinnert, daß z. B. das Waldschulkollegium in Charlottenburg auch während der Pfingstferien und je 2 Wochen der Sommerferien Dienst von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends tut. Mit gutem Willen läßt sich da schon helfen.

Die Allgemeinheit aber muß erkennen, wie notwen­dig es ist, allen Kindern während der Ferien auch Ferien zu verschaffen. Darum opfere sie ihr Scherflein, wo sie kann, für die Erholung des Großstadtkindes. Die Gesundung des Volkes wird der Lohn sein!

Jetzt kommt die Zeit, daß ich wandern muß.

Von Otto Remmert, Gevelsberg.

Wieder ist der Frühling ins Land gezogen mit Blumen­duft und Vogelsang. Und mit dem Frühling erwacht der alte deutsche Wandertrieb. Frühling und wandern, das gehört zu­sammen. Deutschland fängt wieder an zu wandern! Jawohl, fängt wieder an, denn noch stehen wir erst in den Anfängen der Wanderbewegung. Wieviel mehr müßte noch geschehen!

Auf all meinen Wanderfahrten durch die schönen deut­schen Lande habe ich immer gern Gespräche mit Kindern gesucht, habe ich mich mit Kindern unterhalten über ihre Heimat. Jm

Das Juniheft der bekannten Zeitschrift für Werbewesen und Verkaufstechnik Seidels Reklame"( Industrieverlag Spaeth u. Linde, Berlin W. 10.) weist einen sehr eindrucksvollen und reichen Inhalt auf. Robert Hösel wirbt in seinem Artikel ,, Wahrheit" für offene und ehrliche Maßnahmen auf dem Ge­biete der Werbung und Geschäftsführung. Er belegt seine Mahnung zur Wahrheit mit der Erfahrung, daß eine auf den reellsten Grundsägen aufgebaute Reklame am besten zum Era folge führt. Prof. G. von Hanffstengel gibt Ratschläge zur Ver­billigung der Propaganda in dem Aufsatz Das Kleinflugblatt". Die Ausstattung des Heftes ist in der gewohnten, gediegenen Form gehalten.

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