auf die ersten Spuren des Weinbaues im Jahre 1226, wo das Stift Kaufungen einen Zehnten von Weinbergen erhebt, denn wie auf dem Fruchtfelde, so ruhte diese Abgabe auch auf der Rebenpflanzung, zahlbar in Trauben oder mit dem aus der Kelter kommenden Most. Dieser Weinberg lag auf dem ,, Dasberg" und wurde von dem Wizenhäuser Kloster St. Wilhelmi bebaut, das hierfür alljährlich auf Michaelis„ eyne thunnen wynes, wizzenh. maße, in ein Huß czu Wizinhusen" zu liefern verpflichtet war( 1403). In der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts befanden sich in Wizenhausen mindestens 44 Bebauer von Weingärten; falls dieselben nicht zugleich auch Eigentümer. sondern bloße Pächter oder Landsiedel waren, kam zu dem Zehnten noch der Zins, der in Geld oder auch als Naturallieferung zu entrichten war. Seltsam genug bedang man sich, wenn lezterer Modus vorgezogen wurde, öfters ausländischen Wein aus, was ,, tief blicken läßt"; doch davon später.
Zeitig im Frühjahr ging es an die Bestellung der Berge. die, wie es scheint, nur wenig von der heute üblichen Art der Bearbeitung verschieden war. Der Boden wurde gehackt und gedüngt, neue Weinpfähle beschafft, die alten gespitzt, die Zäune ausgebessert, frisch gedornt und was dergl. Arbeiten mehr sind. Der landgräfliche Weinberg in Wizenhausen erhielt im Jahre 1458 allein 36 Fuder Dünger, nach drei Jahren erzielte er einen Ertrag von 7 Tonnen Wein, gehackt wurde er um Fronleichnam ( Donnerstag nach Trinitatis). Aber der Ertrag des landgräflichen Weinbergs in Wigenhausen reichte für den Verbrauch am Hofe bei weitem nicht aus. Landgraf Wilhelm IV. kaufte deshalb jährlich bedeutende Quantitäten des hessischen Landweines. besonders an der Werra, so im Jahre 1571 allein zu Wizenhausen elf Fuder( je 6 Ohm), von denen er ein jedes mit 18 Taler 24 alb. bezahlen mußte; den Allendörfer gab er bei dem Einkaufe jenes Jahres jedoch mehr, 25 Taler für das Fuder, den Eschwegern, wo abwechselungshalber nach Gulden gerechnet wurde, 32 Stück dieser in ihrem Kurswert sehr schwankenden Münze.
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Während des 14. und 15. Jahrhunderts stand im allgemeinen der hessische Landwein im Preise so, daß man für die gleiche Summe doppelt soviel von ihm erhielt als von rheinischem und wer Anno 1477 in Wizenhausen seine Schritte- ,, wenn am Abend sank die Sonne". zur Schenke lenkte, in der am Gürtel hängenden Tasche einen Weißpfennig, der erhielt hierfür ein Quart des Rebenbluts vom Rhein, zog er es aber vor, die heimische Industrie zu unterstützen, so ward ihm in Anerkennung seines Bürgerfinns vom Wizenhäuser das doppelte Quantum kredenzt.
Und getrunken wurde damals immer. Getrunken ward bei den wunderlichsten Anlässen, mit gutem Beispiel ging ein weiser Rat der Stadt voran. Man trank, so liest man in den Rechnungen einer hessischen Stadt( nicht Wizenhausen)-: ,, als man den ermordeten. Schinder langete, als man den armen Menschen bran( dmark) te, als man die alte Frau köpfte", immer begab sich der Magistrat in den Weinkeller und anderen Tages saß dann der Stadtschreiber vor seinem Buche und schrieb die Zahlen, die staunend nun sein Entel liest. Andere Zeiten, andere Sitten! Zur Stunde wird kein„ armer Mensch" mehr von Ratswegen gebrannt oder geföpft, höchstens geschröpft und das auch nur am Geldbeutel zu seinem und gemeiner Stadt Besten, auch soll es bei den vorbereitenden Prozeduren im Magistrate keineswegs mehr so feuchtfröhlich hergehen wie vor Zeiten.
Uebrigens ging der Wizenhäuser, Allendorfer, Eschweger, welchen Landgraf Wilhelm ankaufte, bei seinen Hofleuten nicht immer so glatt hinunter, als der hessische Historiker wünschen möchte, daß es der Fall gewesen wäre: sie begehrten, ihren Durst mit ausländischem Wein zu stillen, doch war der Erfolg ihrer Beschwerde ein wenig zufriedenstellender, denn sie erhielten tüchtig den Kopf gewaschen. Der Landgraf schreibt, es befremde ihn nicht wenig, solche Beschwerde zu hören, von ihnen, die als Rittersleute ,,, wan sie ein Trund Wassers hetten, Gott darum danken sollten“;„ darumb sollen sie solcher Schmarozzeren sich in ihr Herz hinein schemen", wollten sie mit dem Einheimischen
,, nit zufrieden sein, so mogen sie uns ihren Dienst vermoge der Hofordnung uffsagen, und nach Ausgang des Jahres ziehen, da wo sie Malvasier zu trinken haben, und ihre Schmarozmeuler wol erweiden können."
Manche Jahrgänge des Wizenhäuser, es sei dies mit aller Reserve gesagt, müssen aber wirklich damals viel zu wünschen übrig gelassen haben, denn der um diese Zeit lebende Söder Pfarrherr und Salzgrebe Rhenanus, ein Freund und Kenner eines guten Tropfens, hat sich ebenfalls recht ungünstig über den Wein der Wizenhäuser Rebenhänge geäußert, allerdings, sei es aus Furcht vor der Rache der dortigen Weinbauer, sei es aus anderen Gründen, erst geraume Zeit nach seinem Tode. Um dies Stück auszuüben, begab er sich im Jahre 1755( also 166 Jahre nach seinem tödlichen Abgang) gen London und ließ sich daselbst seine[ im übrigen nicht sonderlich wizige] satirische Schrift drucken: ,, Beati Rhenani relativ ex Parnasso de vino Wizenhusano wenn anders nicht ein Schalk mit seinem Namen Mißbrauch getrieben hat. Die Notwendigkeit, jenen tadelns= werten, zusammenziehenden Kräften des hessischen Landweins entgegenzuwirken, haben in der Tat schon unsere Vorfahren geIn der Tat schon unsere Vorfahren ge= fühlt, sie setzten deshalb dem Wein mancherlei Kräuter zu. Da gab es: Wachholder-, Quitten-, Schlehen-, Himbeer-, Salbei-, Majoran, Rosmarin, Melissen-, Hirschzungen-, Johannisbeer-, Cardobenedikten- Wein und wie sie alle hießen. Die Wizenhäuser hatte eine Schwäche für das künstliche Getränk, welches unter dem Namen Alantwein bekannt war( Alandis- Win 1389); derselbe wurde, wie es scheint, mit dem Safte der Wurzel Jnula helenium gemischt.
In guten Jahren hat der Wizenhäuser aber auch Eigenschaften entwickelt und vermag sie gewiß noch jetzt zu entwickeln, welche ihn nicht bloß trinkbar machten, sondern die ihm obendrein hervorragenden Wohlgeschmack, ein solches Aroma verliehen, daß der Trinker ihn kaum von Burgunder unterscheiden konnte. Das war sogar mit dem Landgrafen Friedrich II. der Fall. Sein Lieblingswein, der Burgunder, war ausgegangen und die neue Zufuhr nicht rechtzeitig eingetroffen. Verlegen, wie er sich in dieser schlimmen Lage helfen sollte, durchstrich der Kellermeister das Lager, kostet und prüft. Da schlägt er endlich auch einen Rotwein aus Wizenhausen an und findet diesen von so vortrefflichem Geschmacke, daß neuer Mut ihn erfüllt, er wagt es, seinem Herrn den Wizenhäuser als Burgunder zu bieten. Das Wagnis gelang und der Landgraf fand ihn sogar besser als den echten. Auch im Jahre 1811 hatte der Wein von Witzenhausen eine auffällige Aehnlichkeit mit dem Petit- Bourgogne. Solch rühmlichen Zeugnissen gegenüber, was will es da sagen, wenn üble Nachrede noch heute behauptet, daß in Witzenhausen das Eigengewächs, in richtiger mildes, pädagogisches Zuchtmittel verwende; willst du ins Bett oder willst du Win gesuff?" so denkt sich der Casselaner, ladet man in Wizenhausen die lieben Kleinen ein, der Ruhe zu pflegen, sie sollen dann sonder Säumen sich für ersteres entscheiden. Doch Cassels Bewohner haben am allerwenigsten Ursache, das Rebenblut der Schwester am Werrastrom zu schmähen, denn das Urteil über ihren Krazenberger stand schon zu Zeiten Kaiser Karls V. fest, dem ein Spanier schrieb:„ Die Weinberge um Cassel bringen feinen Wein, sondern leibhaftigen Essig hervor, deshalb heißt der eine auch der„ Kragende Berg"; anderer Witze über den Casseler nicht zu gedenken.
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,, Landwin“ und„ surer Win" galt im Mittelalter unserer hessischen Vorfahren das wollen wir noch gestehen meist für gleichbedeutend, diese Zusammenfassung der Begriffe mag dann auch zuweilen auf unseren hessischen Wein gepaßt haben. So sur" war er aber gewiß nicht, als jenes Getränk, das der Sonne Glut auf märkischem Sande gekocht, das sogar ein Buch gezeitigt:„ Geschichte des Weinbaues in der Mark Brandenburg"; gleichwohl dürfte es sehr schwierig, ja unmöglich sein, diese Ueberzeugung einem Bewohner jener gesegneten Gefilde beizubringen, denn siegreich würde dieser Brave jeglichen Einwand niederschlagen, da bekanntlich dort schon an und für sich alles besser ist wie im Lande zu Hessen.
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