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Donnerstag, den 12. Fcoruar 1925
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Nr 18.
Baumarkt u. Wohnungszwangswirtschaft. auch darin äußert, daß es schwer hält, Kapital für den
Die letzte Berufszählung im Deutschen Reich, die 1907 vorgenommen wurde, ergab bei einer ortsansässigen Bevölkerung von 60,6 Millionen, für das eigentliche Baugewerbe 1905 000 Berufsstätte. Damit ist allerdings der Kreis der am Baugewerbe unmittelbar und Baugewerbe 1905 000 Berufstätige. Damit ist allerdenn es gab und gibt keine Wirtschaftsgruppe, die nicht irgendwie für Lieferungen an das Baugewerbe in Frage kommt. Wenn heute eine Berufszählung vorgenommen würde, so würde sie zweifellos einen starken Rüdgang der Baugewerbegruppe ergeben, besonders, soweit es sich um gelernte Arbeiter und den Nachwuchs handelt. Gering gerechnet, sind auf dem Baumarkt im Jahre 1913 rund 10 Milliarden Mark umgeschlagen worden, wobei der volkswirtschaftliche Zuwachswert nicht in Anschlag gebracht ist, der mit einer regen und gesunden Bautätigkeit verknüpft ist. Die Wohnungszwangswirtschaft, die ursprünglich als berechtigte soziale Fürsorge gedacht war, hat sich dann zu einer Belastung des Baumarkts entwidelt, die auch die sozial und po litisch gleich gefährliche Wohnungsnot überhaupt erst geschaffen hat. Es ist zwecklos, mit der ungeheuren Zahl der Wohnungssuchenden zu operieren, da die gesamte Wohnungsstatistik wegen der unvermeidlichen vielfachen Doppelzählungen, so wird aus Berliner parlamentarischen Kreisen geschrieben, heute nicht mehr zu verlässig ist. Im Jahre 1913 gab es im Durchschnitt auf 100 Wohnungen 4,5 leerstehende Wohnungen. Immerhin war das Angebot größer als die Nachfrage, immerhin wurde aber auch solider gebaut als heute, wo selbst hohe Baukostenzuschüsse der Wohnungssuchenden nichts daran ändern, daß an Material gespart wird, was sich sparen läßt. Zu dieser Entwickelung hat aber die Wohnungszwangswirtschaft nicht allein, sondern vor allem auch der schematische Achtstundentag beigetragen, der gerade für ein Jahreszeitgewerbe, wie es das Baugewerbe ist, sich schon rein wirtschaftlich nicht eignet. Statistische Untersuchungen haben ergeben, daß heute im Baugewerbe fünf Arbeiter notwendig sind, um die Arbeit zu verrichten, die vor dem Kriege drei Bauarbeiter verrichteten. Das hat hauptsächlich zu einer Verteurung des Wohnungsbaues geführt, die sich
Baumarkt zu erhalten. Wenn es die Auffassung der amtlichen Stellen ist, die Wohnungszwangswirtschaft erst dann fallen zu lassen, wenn genügend Wohnraum bereitgestellt ist so wird dieser Zeitpunkt überhaupt nicht eintreten. Jedenfalls dann nicht, wenn der schematische Achtstundentag beibehalten wird, weil er tatsächlich dazu führt, daß die Errichtung eines jeden Neubaues längere Zeit als technisch erforderlich ist, in Anspruch nimmt, dadurch auch kostspieliger wird, was wiederum die Steigerung der Mieten nach sich ziehen muß. Die Hauszinssteuer ist und bleibt ein untauglicher Weg für die Kapitalsbeschaffung. Das gilt auch für den von großen Fachverbänden des Baugewerbes gemachten Vorschlag, Kapitalien dadurch heranzuziehen, daß die verhältnismäßig hohe Verzinsung der Hereinnahme von Staats oder anderen Zuschüssen öffentlichrechtlicher Art zu sichern. Auch das ist nur ein Behelf, | der im günstigsten Fall uns vorübergehende, aber nicht dauernde Entlastung schafft. Der normale Weg ist und. bleibt der, das private Spartapital heranzuziehen, was weniger schwierig wäre, wenn die Anlage auf dem Baumarkt nicht mit gewissen Unsicherheiten verbunden wäre. Sie liegen vor allem darin, daß sich nicht übersehen läßt, wie sich die Verhältnisse nach Aufhebung der Woh nungszwangswirtschaft gestalten, ebenso darin, daß das System der Baukostenzuschüsse die hypothekenrechtlichen Verhältnisse, also wieder die Sicherheit des Privatfapitals, beeinträchtigt. Wenn das Baugewerbe sich wieder dem produktiven Wohnungsbau zuwenden kann, wenn es befreit ist von dem Zwang, die Neubauten unter dem schematischen Achtstundentag erheblich teurer herzustellen, so wird auch die Spartätigkeit wieder nutzbringende Anwendung finden und selbsttätig zum Baumarkt hindrängen. Die Tatsache, daß auch Millionen als Baukostenzuschüsse mobilisert werden konnten, beweist doch, daß an sich der Spartrieb wieder rege ist.
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