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gesetzt worden ist, als unrichtig herausstellen. Durch die Herab­setzung der Verzugszuschläge auf 1 v. H. für den angefangenen oder vollen Monat der verspäteten Zahlung mit Wirkung vom 15. 1. 25 ist dem allgemeinen Zurückgehen der Zinssäte Rech­nung getragen. Die Finanzämter sind angewiesen, auch für die rückliegende Zeit, für die Verzugszuschläge festzusetzen waren und die noch nicht bezahlt sind, den neuen ermäßigten Saz zur Anwendung zu bringen, wenn nicht anzunehmen ist, daß der Schuldner bei gutem Willen in der Lage gewesen wäre, seine Steuerschuld rechtzeitig und vollständig zu bezahlen. Eine Rückzahlung für vergangene Zeit, der etwa nach alten Sägen entrichteten Verzugszuschläge, findet keinesfalls statt.

Eine wichtige Entscheidung ist in bezug auf die Grunder­werbssteuer vom Reichsfinanzhof getroffen worden. Darnach ist bei der Bewertung für die Erhebung der Grundsteuer in den Fällen, bei denen der Verkauf des Grundstücks, bezw. die Ein­tragung in das Grundbuch vor dem 22. 12. 23 erfolgt ist, gemäß der 3. Steuernotverordnung 15 v. H. des Friedenswertes als Steuerwert zugrunde zu legen.

Durch eine weitere Entscheidung des Reichsfinanzhofes ist festgestellt, daß eine Doppelbesteuerung durch Obligationen und Hauszinssteuer unzulässig ist. Schuldverschreibungen, für die bebaute und der Hauszinssteuer unterliegende Grundstücke haf= ten, sind demnach von der Obligationssteuer befreit. DieErhe­bung von Hauszinssteuer von in eigener gewerblicher Be­nugung stehenden, bebauten Grundstücken, ist nach derselben Entscheidung zulässig.

Für die Auswertungsfrage ist eine Entscheidung des Kam­mergerichts Berlin von großer Bedeutung, die für Bankein­lagen eine Aufwertungspflicht vom 15 v. H. als gegeben an= sieht, soweit diese auf eine gewisse, beziehungsweise längere Zeit als Einlage festgegeben worden sind. Kontokorrente fallen unter diese Bestimmung nicht, sondern nur solche Guthaben, die der Bank auf Einlagebuch mit einer bestimmten Kündigungs­frist übergeben worden sind.

Der Reichstag dürfte sich noch im Februar mit der Aufwer­tungsfrage beschäftigen. Es ist anzunehmen, daß nunmehr die endgültige gesetzliche Regelung kommt. Nach den vorliegenden Nachrichten kann jedoch den Hypothekengläubigern keine allzu­große Hoffnung auf eine höhere Aufwertung als 25 v. H. ge= macht werden. Die Reichsregierung dürfte eine Höhersetzung der Aufwertungsquote mit dem Hinweis ablehnen, daß auch die Siegesstaaten nur mit 22 bezw. 28 v. H. die entwerteten Guthaben und Forderungen aufgewertet haben. Es ist jedoch anzunehmen, daß verschiedene, eine große Härte darstellenden Bestimmungen der 3. Steuernotverordnung beseitigt und durch den tatsächlichen Verhältnissen mehr Rechnung tragenden Be­stimmungen ersetzt wird.

In der 3. Schiffsklasse nach Amerika.

Von Hans Thorsten. III.

Von Southampton zum Ozean.

Gegen 4 Uhr nachmittags läuft das Schiff in den Hafen von Southampton ein. Panzerforts links und rechts, eine Land- und eine Seefliegerstation.

Kaum fällt der Anker, kommt schon der Tender geschossen, Post und Passagiere zu bringen und zu holen. Zahlreiche Schiffe aller Nationen liegen im Hafen. Segel und Dampf­boote flizen vorbei.

Die See hat eine blaẞblaugraue Farbe. Flache Ufer in tieffattes Grün getaucht. Sanfte Hügel mit Schlössern und Spielzeughäusern. Gegenüber die Insel Wigth.

Wenig mehr denn eine Stunde und der Anker rasselt wieder empor. Weiter geht die Reise.

Bei sinkender Dunkelheit liegt staubfeiner Nebel über dem Wasser. Leuchtbojen weisen den Weg.

Nach Tisch geht es eine Stunde an Deck. Der Nebel ist did wie Brei geworden. Feuer der englischen Küste blinken

wie durch stumpfgraues Milchglas. In kurzen Abständen heult die Sirene.

Müde von tausend Eindrücken und frischer Seeluft gehts früh schon schlafen. Was kann uns passieren? Wian schläft sicher wie in Abrahams Schoß.

Am anderen Morgen hole ich mir Erlaubnis, d. Maschinen zu besichtigen. Zwar ist unsere Reise bislang von herrlichem Wetter begünstigt, aber das allein tut es nicht.: Albert Ballin" dankt seine ruhige Fahrweise seiner konstruktiv neuen Form. Darüber hinaus ist er mit Schlingertanks ausgerüstet, die alle Stöße fangen. Oft genug muß man sich vergewissern, ob das Schiff überhaupt in Fahrt ist.

Ein Fortschritt ist die Oelfeuerung, die feinen Rauch- und Kohlenstaub auffommen läßt, der den Aufenthalt an Deck so unerträglich machen kann. Ein System von 3erstäubern sprigt den Brennstoff gleichmäßig über die Flammen der Feuerung, was automatisches Gleichmaß der Fahrt und Geschwindigkeit bedingt.

Vorbildlich ist die sanitäre Fürsorge an Bord. Abgesehen von der ärztlichen Fürsorge für erkrankte Passagiere sind Ho­spital, Heilgehilfen und Schwestern an Bord.

Zur strikten Innehaltung peinlichster Sauberkeit, die erstes Erfordernis jedes Schiffes sein muß, sind naturgemäß dauernde Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Nachts, wenn alle Bass= agiere schlafen, sind Handwerker, besonders Maler, an der Arbeit, sofort sich zeigende Schäden zu beseitigen. Der Farben­verbrauch ist enorm. Das Schiff erhält z. B. nach jeder Reise einen völlig neuen Anstrich. Man muß die Dimension eines Schiffes fennen, um das würdigen zu können.

Die Besagung eines Auswandererschiffes hat keinen leichten Stand. Abgesehen von dem Maß der Verantwortung, die jeder auf seinem Posten zum Wohle des riesigen Ganzen trägt, machen ihr die Passagiere das Leben oft schwer, sei es durch Versuche, sich irgendwelche Uebergriffe zu erlauben. Trotzdem sind Stewards und technisches Personal von stets gleichbleiben­der Geduld und Höflichkeit. Man begreift darum, daß Rück­sichtsnahme auch auf das Personal eine rein menschliche Pflicht der Passagiere sein muß.

Gegenseitige Rücksichtnahme ist naturgemäß überhaupt eines der ersten Erfordernisse auf einer Geereise. Erfreulicher­weise zeigt es sich, daß hier gute Beispiele außerordentlich wir­fen. So vollzieht sich die Abschließung minderwertiger Elemente ganz von selbst, denn zwangsläufig finden sich Leute, die inner­lich oder auch nur äußerlich aufeinander eingestellt sind, zusam­men. Bei jeder kleineren und größeren Gruppenbildung sind Nationalität, Einzelschicksal und nicht zuletzt Kinderstube maẞ= gebend.

Echtes strahlt gerade auf so engen Raum um so heller.

Literarisches.

Wilhelm Tells dramatische Laufbahn und politische Sen= dung. Von Wilhelm Widmann. Verlag von F. Fontane 1. Co. Berlin SW. 68. Preis geheftet 4.50, in Ganzleinen 6.50 Wilhelm Tell ist der volkstümlichste aller Freiheitshelden und übt mächtigen Einfluß aus. Erzählen wird man von dem Schüt­zen Tell, solang die Berge stehn auf ihrem Grunde." Schiller hat dem mythischen Volksbefreier nicht nur eine ruhmvolle und unvergängliche Bühnenlaufbahn gesichert, sondern ihm auch politischen Einfluß von unversiegbarer Kraft und uner­meßlicher Tragweite verliehen. In diesen Dienst will sich auch das vorliegende Buch stellen. Mit vielen Jllustrationen nach alten u. neuen Scenenbildern, interessanten Schauspieler­porträts, und Meisterwerken der Kunst geschmückt, ist das vor­nehm ausgestattete, stattliche Buch eine Zierde f. jeden Bücher­schrank. Es wird als vornehmes Geschenkwerk überall Freude bereiten u. verdient, den Schulen für Prämienzwecke besonders empfohlen zu werden.

Benehmen und Lebenszuschnitt in gebildeten Kreisen. Von Walter Bodanius im Grenzverlag Konstanz. Das ge= schmackvoll gebundene Buch gibt gleichzeitig einen nahezu voll=