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tauchen; aber daß es Menschen gibt, die in ähnlicher Weise versuchen, die herrlich schönen Sommermonate in ihrem Zimmer bei verschlossenen Fenstern zuzubringen, ist wenigen bekannt. So verhalten sich nämlich die Bedauernswerten, die von einem starken Heuschnupfen befallen sind und die sich nicht anders zu helfen wissen. Diese Krankheit ist in ihrer Entstehung an eine bestimmte Jahreszeit gebunden, und zwar am Anfang des Sommers, evtl. schon Ende des Frühlings, wenn mit dem Ver= blühen des Flieders die Blütezeit der Gräser, Getreide und einzelner Bäume beginnt. Die feinen Pollenkörner, die zur Be= fruchtung in ungezählten Mengen aus den Blüten vom Wind durch die Luft getrieben werden, setzen sich so wie andere Staubteilchen in der Nasenschleimhaut der Menschen fest. Die meisten merken das gar nicht, werden höchstens einmal zum Niesen ge= reizt. Bei überempfindlichen Menschen aber wirkt ein im Pollenstaub enthaltener Stoff, eine Eiweißart, der durch die Schleimhaut der Nase hindurch ins Gewebe und von da in die Blutbahn dringt, wie ein Gift und ruft den Heuschnupfen hervor, den man richtiger„ Pollenkrankheit" nennen sollte. Bei der milden Form der Erkrankung kommt es nur zu einem starfen, wässrigen Schnupfen, mit mehr oder weniger heftigem Nießreiz verknüpft. Oft ist auch eine Reizung der Augenbindehaut damit verbunden, die ein sehr lästiges Brennen und Fremdförpergefühl hervorruft. Nicht selten sind die Augen so verschwollen, daß sie nur mit Mühe geöffnet werden können. Als äußerst lästig wird auch ein zeitweilig auftretender Juckreiz am Gaumen empfunden. Das sind aber immer noch leichtere Fälle. Es kann aber auch zu Fieber kommen, zu unerträglichen Kopfschmerzen und Anfällen von schwerer Atemnot. Dieses„ Heuasthma" kann die Betroffenen so quälen, daß sie, wie eingangs erwähnt, in dieser Zeit auf alle frische Luft verzichten und sich in ihrer Wohnung vergraben. Denn auch in der Großstadt trägt der Wind von den Anlagen her immer etwas Pollenstaub mit sich. Aber schon die leichten Formen pflegen sehr störend zu sein und das Allgemeinbefinden und die Arbeitsfreudigkeit start zu beeinträchtigen. Die Krankheit hat die Tücke, jedes Jahr bei denselben Menschen wiederzukehren; die Anlage dazu scheint erblich zu sein, da ganze Familien davon betroffen werden.
Gibt es nun kein Heilmittel dagegen? In früheren Jahren hat man geglaubt, von der Nase her das Uebel furieren zu können; man brannte die Nase aus, entfernte Nerven und nahm andere eingreifende Operationen vor. Heute wissen wir, daß das Gift sich in der ganzen Blutbahn verbreitet und nur durch eine Gegenmaßnahme, die den ganzen Organismus betrifft, wirksam bekämpft werden kann. Das einfachste ist natürlich, man geht dem Blütenstaub aus dem Wege, man fährt nach Helgoland oder macht den ganzen Sommer eine Seereise. Geld oder Beruf dürften dabei aber keine Rolle spielen. Zum Glück gibt es auch noch eine andere Hilfe für den gewöhnlichen Sterblichen. Einzelne Heilmittel, z. B. reichliche Zufuhr von Kalk, mit der aber schon längere Zeit vor dem zu erwartenden Ausbruch der Krankheit begonnen werden muß, Pinselung mit Optochin, einem Kupferpräparat, und andere Mittel können den Verlauf zum mindesten erheblich mildern, oft sogar vollkommene Heilung bringen. Den besten Erfolg bietet aber die Methode der Impfkur, wie sie von Eßkuchen und anderen Gelehrten an= gegeben wird. Man muß hierbei zunächst die sehr verschiedene Empfindlichkeit des einzelnen von der Krankheit Befallenen gegen die Pollenförner feststellen. Zu diesem Zweck spritzt man Kleinste Mengen verschiedener Pollenertrakte unter die Haut ein und beobachtet, wann und in welcher Weise eine Wirkung in Form einer Hautrötung auftritt. Man fann dann in steigenden Dosen den wirksamen Pollenextrakt einspritzen und dadurch den ganzen Körper langsam an das Gift gewöhnen und zur Bildung von Schugförpern anregen. Mit dieser Spritmethode werden sehr schöne Heilerfolge erzielt, man darf nur nicht vorzeitig die Geduld verlieren, da sie in manchen Fällen mehrere Jahre hindurch gemacht werden muß, bis der Körper unempfindlich gegen das Pollengift geworden ist.
Den verschiedenen Grad der Empfindlichkeit muß man be= sonders bei Auswahl einer geeigneten Sommerfrische berüd
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sichtigen. Es kann z. B. jemand ungestraft in einer Waldgegend wohnen, aber die Nähe einer blühenden Wiese wird er mit heftigen Nießanfällen büßen müssen. Gerade das Lagern im Heu können manche sehr gut vertragen, während die Blüte einzelner Bäume ihnen große Beschwerden verursacht. Es gibt übrigens einen Verein der Heuschnupfen- Kranken, der seine Mitglieder mit Rat und Auskunft unterstügt, ihnen Verbilligung von Seereisen und dergl. verschafft. Jedenfalls ist es verkehrt, die von dieser Krankheit Befallenen zu belächeln, wie es früher oft geschah, denn sie stellen sich wirklich nicht an, und die ständigen kleinen und großen Unpäßlichkeiten können die Nerven mehr belasten als eine sogenannte ,, richtige" Krankheit; anderseits braucht der Betroffene nicht den Mut zu verlieren und sich resigniert in sein Schicksal zu fügen. Durch systematische und rechtzeitige Behandlung vermag die ärztliche Wissenschaft heutzutage Heilung oder zum mindesten ganz erhebliche Linderung der Beschwerden zu verschaffen.
Literarisches.
Erlebtes und Erstrebtes, Lebenserinnerungen, von Generalleutnant Keim, erschien im Verlag von Ernst Lotsch, Hannover, zum Preise von 8 M. Aus dem Inhalt sei besonders erwähnt der 1. Abschnitt, in dem die hessischen Verhältnisse, hervorgehoben durch die Geschichte der Familie Keim, die fast ausschließlich Offiziere umfaßte, geschildert werden. Weiter sind ausführlich die Kapitel zum Reichskanzler kommandiert". „ Entlassung Caprivis“,„ Reichsfeinde“,„ Heeresvorlage 1913" behandelt. Das Buch verdient weiteste Verbreitung.
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Ein Handels- Lexikon, nach dem neuesten Stande der Wissenschaft und Praxis von zahlreichen namhaften Autoren bearbeitet, erscheint im Herbst 1925 im Weltbund- Verlag, Hamburg. Es ist das erste neuzeitliche Standardwerk, das die Gesamtheit des kaufmännischen Wissens in alphabetischer Anordnung bietet.
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