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landes nicht mehr die Möglichkeit hätte, Minister zu stürzen, oder selbst Minister, vielleicht gar Staatspräsident zu werden. Ob das nun für Land und Volk ein Unglück wäre, ist allerdings die Frage. Uns will scheinen, daß es nicht nur Vereinfachung, sondern geradezu Gesundung bedeuten würde, wenn der Plätze weniger würden, auf denen Intrige und Strebertum politischer Gernegroße zweiter und dritter Güte sich tummeln kann. Ist doch das Fortleben dieser Landesparlamente mit hohen staat­lichen Attributen schon zur Komödie, ja zur Unwahrheit gewor­den, seit sie die Funktion nicht mehr üben dürfen, die nach der konstitiutionellen Staatslehre von jeher als die wichtigste jeder Volksvertretung galt: die Steuerbewilligung. Indem die heute geltende Reichsverfassung zu allen anderen Hoheitsrechten auch die Finanzhoheit auf das Reich übertrug, hat sie den Landes­parlamenten ihren staatlichen Charakter und damit auch den Landesstaaten ihr Daseinsrecht genommen. Ganz folgerichtig spricht diese Verfassung denn auch nicht mehr von Bundes­staaten, sondern nur noch von Ländern. Es wäre ebenso folgerichtig, wenn diese bloßen Länder mit der Fiktion aufräum­ten, daß sie noch Staaten seien mit eigenen Regierungen, Mini­sterien, sogar Staatspräsidenten.

Ob der gegenwärtige Augenblick dazu geeignet ist, die an­gedeutete Konsequenz wenigstens für Norddeutschland zu ziehen, soll hier nicht untersucht werden. Das würde genauere Kennt­nis der Verhältnisse voraussetzen, als ein auswärtiger Beobach­ter besitzen kann. Auch das Richtige will zur richtigen Zeit ge­tan sein, damit es nicht falsch gerate. Vielleicht findet man, für so radikale Maßnahmen sei es noch zu früh. Mag sein. Aber es gibt Dinge, für die es so lange zu früh zu sein scheint, bis es zu spät ist.

Der Syndikus des Verbandes Sächsischer Industrieller" in Dresden, Dr. Johannes März, gibt im Gegensatz zu Erich Mards und Johannes Haller seiner Meinung dahin Ausdruck:

,, Ob die Entwicklung in Deutschland zum Einheitsstaat unter vollständiger Aufgabe der freistaatlichen Selbständigkeit führen wird, ist eine Frage, die die jetzt lebenden Generationen nicht mehr entscheiden werden. Für die nächste absehbare Zeit hal­ten wir sie nicht für spruchreif, denn sie bedeutet einen Umbau der Weimarer Verfassung von Grund auf, der sich nicht nur darauf beschränken kann, daß in den Paragraphen der Verfas= sung dann von Gliedstaaten keine Rede mehr sein wird, sondern der in vieler Beziehung, man kann sagen auf allen Gebieten des politischen und wirtschaftlichen Lebens sachlich tiefgreifende Aenderungen mit sich bringen muß. Um nur eine Frage her­vorzuheben, so bedeutet der Einheitsstaat die Aufhebung des Reichsrates und damit eine vollständige Aenderung der Be­fugnisse und Zuständigkeiten, wie sie jetzt verteilt sind, und dem Reichsrat zum Vertreter der föderalistischen Jdee gegenüber den zentralistischen Tendenzen der Reichsregierung machen. Im Reichsrat finden die Freistaaten ihre Vertretung gegenüber dem Reiche und dem Reichstag, erhalten sie Einfluß auf die Führung der Reichspolitik, der größer ist, als dem Außenstehen­den erscheint. Schon darum ist ein teilweises sukzessives Auf­gehen der Gliedstaaten in das Reich gar nicht möglich; denn der Gliedstaat gibt damit wichtige Rechte auf, was aus politischen, wie aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus eine Benachteili= gung für ihn bedeuten würde."

Admiral Scheer- Weimar weist in der Beantwortung der Frage auf den Vater der Geopolitik, auf Razzel, hin. Scheer sagt:

,, Nach der Beseitigung der Dynastien scheint die Stunde des Aufgehens der Staatsgebilde Mittel- und Norddeutschlands in einem staatlich fester geschlossenen deutschen Norden gekommen zu sein. Ein Blick auf die Landkarte mit ihrem zerrissenen und zer­fransten staatlichen Jneinander läßt dieses Ziel als ein höchst wünschenswertes erscheinen, namentlich in Mitteldeutschland, ,, dem klassischen Lande der deutschen Zersplitterung". Hier sind nach dem Wegfall der dynastischen Bindungen die Voraus­segungen für einen staatlich enger vereinigten deutschen Norden nicht ungünstig, da die Stammeszusammenhänge z. B. in dem industriellen Sachsen mit seiner zum großen Teile fluktuierenden Bevölkerung nicht so schroff empfunden werden, als daß sie der Mission Preußens, die in der Organisierung Deutschlands be=

stand und besteht, ein unüberwindliches Hindernis entgegensezen würde. Preußens Entwicklung ist ein Aufsammeln staaten­bildender Kräfte in dem geschichtlich jüngsten, die größten Mög­lichkeiten räumlicher Ausbreitung noch in sich tragenden Nord­osten Deutschlands und ein Zurückwirken dieser durch Jahrhun­derte zusammengefaßten Kräfte nach Westen und Süden". ( Razel.) In der Richtung dieser Entwicklung liegt zweifellos ein staatlich vereinigtes Nord- und Mitteldeutschland, das als nächsten greifbaren Vorteil die Beseitigung des unzeitgemäßen und kostspieligen Nebeneinanders viel zu vieler Regierungen und Parlamente mit sich brächte. Voraussetzung dazu ist aber und das kann nicht nachdrücklich genug betont werden- die Bereitwilligkeit der Einzelstaaten und der unbedingte Verzicht auf jede gewalttätige politische Umformung.".

Das Kreuz auf Golgatha.

Karfreitag!-

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Fromme Beter wallen zum Dome. Jm ernsten Gang, in schwarzen Kleidern.

Sie feiern des Erlösers Todestag.

Vor dem Hause des Pilatus ruft eine lästernde Menge: ,, Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm!" Der Feind hatte gesiegt und dem Volke das Hosianna von den Lippen genom­men, damit es ,, Kreuziget" rufe. Und wieder geht ein Zug durch Jerusalems Straßen, und der, der vor fünf Tagen noch durch Blumen und Palmen über die gleichen Wege seinen Ein­zug hielt, schleppt ein Kreuz hinauf nach Golgatha.

Schaurige Hämmerschläge dröhnen über den Hügel. Gottessohn wird ans Kreuz genagelt. Der Tag verdunkelt sich, in düsteren Schleier hüllt sich die Welt. Der Urteilsspruch, den blinder Haß vollstreckte, machte die Erde bebend. Und über eine höhnende und spottende, lästernde und fluchende Menge wird ein Kreuz erhöht und in seiner größten Liebe hat der Ge­kreuzigte noch für seine Beiniger eine Bitte an seinen Vater: ,, Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!"

Und dann ruft eine Gottesstimme über die Welt: Es ist vollbracht!"

Der König der Liebe war gestorben. Unter einer Dornen­frone neigte sich ein Königshaupt voll Blut und Wunden.-

Karfreitag! Du stiller, heiliger Tag! Du Tag des To­des, du Tag der Trauer, du Tag des Sieges! Möge dein Segen uns begleiten, hinaus in Sturm und Wirrsal dieses Lebens.

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