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Verkehr. Das Reichspostministerium gibt bekannt, daß die Weiterentwidlung der Wirtschaft abgewartet werden müsse, ehe eine nochmalige Herabsetzung der Gebühren erwogen werden könne. Der Januar hat mit seinen schweren Stürmen eine ungeheure Zahl an Opfern von der Schiffahrt gefordert. Es wer­den aufgeführt: 133 Schiffe als Totalverluste, darunter 85 Damp­fer. Es verloren: Amerika 23, England 20, Deutschland 6, Jta­lien 5, Frankreich 11, Norwegen 6, Portugal, Schweden, Japan und Chile je 2, Dänemark, Aegypten, Spanien, Holland, Ruß­land und die Türkei je 1 Schiff.

Arbeitsmarkt. Die Besserung in der Arbeitsmarktlage schreitet, wenn auch langsam, fort. Hierzu wird mitgeteilt, daß vielfach Aujiräge und Arbeiten nicht übernommen werden konn­ten, weil die dazu notwendigen ausgebildeten Facharbeiter nicht zu bekommen waren. Im übrigen wird auch darüber geklagt, daß für gewerbliche Facharbeiter zu wenig Lehrstellen vorhanden sind. Ausland. In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, in denen ansehnliche Aufträge der deutschen Industrie im auslande den rufen.

erspruch der Wetioewerber im bestellenden Land hervor­Eine bayrische Schürfgesellschaft hat in Tirol ein Braunkohlenlager erschürft. Das Lager erstreckt sich auf eine bedeutende Länge. soll eine Brikettfabrik gebaut werden. Infolge der schlechten Absatzmöglichkeiten haben die englischen Kohlenexporteure Kampfpreise gegen die deutsche Kohle in Oesterreich eingeführt. Auch die Ruhrzechen liefern bereits um 2,5 Mark billiger. Der englische Großhandelsinder ging im März um 3,6 Prozent zurück, der Inder für Nahrungsmittel um 5,3 Prozent. Die englische Kohlenkrise übersteigt noch den Um­fang der deutschen. Eine Delegation der Sowjetrussischen Handels- und Industriebank soll direkte Kreditverbindungen mit Deutschland, Frankreich und England aufnehmen. Der fran­zösische Franc setzte seine Abwärtsbewegung an den Börsen fort.

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Das Problem

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der deutschen Gliedstaaten.

Die ,, Allgemeine Zeitung Chemniz" hat eine Reihe bekann= ter deutscher Persönlichkeiten. gebeten, zu der Frage: Sind die mittel- und norddeutschen Gliedstaaten daseinsberechtigt?" aus­führlich Stellung zu nehmen. Ueber dieses Thema schreibt u. a. der Historiker Prof. Dr. Erich Mards- Berlin:

Ich habe die Schonung und Pflege des Sonderlebens, das den Bismarckschen Reichsbau bezeichnet, entsprechend empfunden; ni werden wir, ohne schwerste Verluste, ohne die Verlegung unse rer eigensten Eigenart, einen französischen Zentralismus auf uns nehmen können. Aber die norddeutschen Einzelstaaten neben Preußen halte auch ich heute für innerlich tot. Sie haben kein Rückgrat, feinen eigenen Lebenstrieb mehr und können nicht mehr in sich selber leben. Sie sind, so fürchte ich, zu einer Be­lastung und zu einer Gefahr geworden; der Wegfall der Dyna­stien ist ihr Todesurteil gewesen. Ein einheitliches, d. h. uni­tarisches Reich ist noch nicht möglich. Süddeutschland hat seine stärkere Sonderart, mindestens Bayern; Württemberg, Baden und Hessen frage man erst danach und übereile nichts. In Nord­deutschland aber ist Preußen nicht zu überspringen. Das Reich kann vorderhand nicht an seine Stelle treten, der einzige große staatliche Bau, den wir besitzen, dieser preußische, darf nicht zer­schlagen und weiter zerrüttet werden, denn sein Halt ist für alles deutsche Dasein schlechthin unersetzbar.

Der Gang der deutschen Geschichte bis 1866 war der der Einführung kleinerer Sonderstaaten in größere; so hat es Hein­rich v. Treitschke in seinem, Bundesstaat und Einheitsstaat" 1864 für die Vergangenheit festgestellt und für die Zukunft er­wartet. Die nähere Zukunft, die Neugründung von 1866 und 1870, hat die Kleineren vor solcher Aufsaugung durch die Grö­ßeren, in der Ordnung des neuen Reiches, geschützt; 1918 aber hat die Entwicklung wieder losgebunden. Mag sein, daß sie schließlich zu einem einheitlichen Reiche mit starkentwickelten stammlichen Provinzen, zu einer Vereinigung. von einem Ge­samtstaate und landschaftlichen Sonderleben, führen wird. Der

Süden ist dazu, heute wenigstens, nicht reif und nicht geneigt, und auch des Südostens, Deutschösterreichs, dürfen wir bei sol­cher Erwägung nicht vergessen. Im Norden aber ist das Auf­gehen der Sonderstaaten in Preußen das durch die Entwicklung Gewiesene: ihr Sonderdasein ist unberechtigt geworden, der Vor­gang der Geschichte, die Aufnahme der früheren norddeutschen Sonderstaaten in den preußischen Großstaatsverband, zeigt die Wege; den anderen ist das trot notwendiger Reibungen und Verluste gut bekommen. Auch für Sachsen, Thüringen, Meck­lenburg, Oldenburg, Braunschweig und den Rest kleinerer Staa­ten scheint die Uhr auf den gleichen Ausgang hinzudeuten. Ihre Sonderinteressen müßten gedeckt werden; natürlicher und ge= regelter werden ihre Kräfte dann im größeren Organismus wirken. Und auch für die Hansastädte gälte es, eine Deckung zu finden, die ihnen die freie Erfüllung ihrer Sonderaufgaben sichert ich wage darüber eine Meinung nicht zu sagen. Aber Preußen sehe ich ihn hindurchführen. Er liegt im Sinne der deutschen Geschichte."

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Der Tübinger Historiker Prof. Dr. Johannes Haller schreibt: Kleinstaat und Mittelstaat pflegen in ihren Grenzen die Mittelmäßigkeit und drücken damit sich selbst herab. Sie züch­ten kleine Menschen, wie sie sie vertragen können, während der große Staat große Männer braucht, und durch die größeren Aufgaben, die er stellt, auch große Männer erzieht. Unsere Zeit aber fordert gebieterischer als jede andere, daß alte vorhandene Kräfte ausgenutzt und zur größtmöglichen Leistungsfähigkeit entwickelt werden. Dafür bilden die kleinen Staatswesen ein Hindernis. Statt also dem dringendsten Bedürfnis der Nation zu dienen, stören sie seine Erfüllung. Sie haben ihren Daseins­zweck verloren.

Eine Gruppe haben wir noch nicht genannt, die an der Fortdauer der Landesstaaten aus das stärkste beteiligt ist, das sind die Berufspolitiker, die die Mehrzahl der Landtagsabgeord= neten stellen. Mit ihrer Herrlichkeit wäre es aus, wenn der Landtag ihres Staates zum Provinziallandtag herabsänke und man als Parlamentarier in den Grenzen des eigenen Heimat­

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