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der Schuldenbereinigung als einen finanziellen Vorteil zu be= zeichnen, was sogar in der Denkschrift des Dawes- Ausschusses geschehen ist. Davon abgesehen, fließen die Zinsen der Anleihen in England und Frankreich insgesamt der Wirtschaft wieder zu, sodaß auf der einen Seite wohl eine Ausgabe, auf der anderen Seite aber auch eine Einnahme vorhanden ist. Wird weiter berücksichtigt, daß das Volkseinkommen Englands auf 50 Mil­liarden, das Frankreichs auf mindestens 40 Milliarden gegen 27 Milliarden Mark in Deutschland zu schätzen ist, so ergibt sich aus alledem eine höhere Steuerlast für Deutschland, als für die Gerade hier liegt die Gefahr Hauptländer der Verbündeten. für Deutschland. Bei dem verhältnismäßig geringen Volksein­kommen von 27 Milliarden Mark bedeutet eine Steuerlast volks­wirtschaftlich und steuerpolitisch eine Uebersteuerung, die untrag­bar ist. Da wir die Ausgabenseite nicht fürzen können, müssen wir die Einnahmen steigern, was wieder die Ertragssteigerung der Wirtschaft voraussetzt. Hier zeigt sich klar, welche Bedeu­tung für uns die Mehrleistungleistung hat, da eine Ertrags­steigerung nicht möglich ist, ohne daß wir mehr Kohlen, Eisen, Textilfabrikate und so weiter erzeugen. Aus den dieser Tage veröffentlichten Außenhandelsziffern ist zu ersehen, daß wir nur noch 50 v. H. der Vorkriegswerte ausführen, was nicht einmal dazu reicht, die Kosten für Rohstoffe und Nahrungsmittel zu bezahlen, die wir einführen müssen. Deutschland unter diesen Umständen den Washingtoner Abkommens aufzwingen wollen, was der ausgesprochene Wille der französischen und englischen Politik ist, heißt den endgültigen Zusammenbruch von Staat und Wirtschaft herbeiführen. Und deshalb lehnen wir diesen Zwang ab.

Die Steuerreform.

Von parlamentarischer Seite wird uns geschrieben: Die Mitteilungen, die der Staatssekretär Dr. Popis im Reichstagsausschuß über den Steuerumbau gemacht hat. werden wohl kaum allgemeine Befriedigung auslösen. Dies gilt be= sonders von der Aufrechterhaltung des Vorauszahlungssystems, wobei es in der volkswirtschaftlichen Wirkung unerheblich ist, ob die Vorauszahlung monatlich oder vierteljährlich zu erfolgen hat. Wesentlich ist, daß der Veranlagungssag nicht dem Er­trag angepaẞt wird, sodaß also nach wie vor die Substanz ange= griffen werden muß. Die Reichsregierung geht offenbar davon aus, daß sie die im Haushaltsjahr 1924/25 erzielten Einnahmen unter allen Umständen aus der Wirtschaft wieder herausholen will, weil andere Mittel und Wege, notwendige Ausgaben zu decken, nicht vorhanden sind. Ein gesundes und reibungsloses Steuersystem fann aber durch den technisch mustergültigen Aus­bau der einzelnen Steuergesetze nicht erzielt werden. Es han­delt sich nicht um das Wie, sondern um das Was, also um die Steuerquellen schlechthin. Die einheitliche Steuerquelle ist und bleibt der Gesamtertrag der Wirtschaft, was bei der bisherigen Steuerkritik so gut wie immer übersehen worden ist. Wie ver­hältnismäßig gering dieser Gesamtertrag überhaupt ist, geht beispielsweise daraus hervor, daß die Reichsregierung eine Heraussetzung des steuerfreien Lohnbetrages nicht zulassen will. weil der Ausfall so groß ist, daß er anderweit nicht hereinge­bracht werden kann. Wäre der Gesamtertrag der Wirtschaft höher, so ließe sich wohl von einer so scharfen Erfassung der untersten Einkommenstufen absehen, sofern der Ausfall eben selbsttätig durch die Steigerung des doch steuerfähigen Gesamt­ertrages der Wirtschaft hereingebracht werden könnte. Wenn dieser Gesamtertrag heute nur 28 Milliarden Goldmark aus­macht, so würde eine Steigerung auf etwa 35 Milliarden Gold­mark, was technisch durchaus in erreichbaren Grenzen liegt, mit Sicherheit die Mittel schaffen, um die untersten Einkommen­stufen zu entlasten oder doch den steuerfreien Lohnbetrag herauf­zusetzen. Die Einnahmen des Reiches müssen ohnedies von Jahr zu Jahr wachsen, um schon 1930 die Summe von fast 7 Milliarden Mark zu erreichen. Hinzu kommt die Belastung durch die Länder und Gemeinden, die wohl dauernd auch nicht unter drei Milliarden Goldmark bleiben kann. Wenn das Steuergewissen und die Bereitwilligkeit, Steuern zu zahlen, ge­schärft und gehoben werden sollen, so geht das nur, sofern wir

allgemein eine flare Vorstellung von den Steuerlasten gewin­nen, die wir tragen müssen, sowie vor allem auch von dem Um­fang und der Ergiebigkeit der Quellen, aus denen allein die Steuern und Auflagen geschöpft werden können. So wird auch die schärfste Veranlagung, selbst die öffentliche Auflegung eines Steuerbuches niemals erreichen, daß wir aus dem Gesamtertrag der Wirtschaft mehr Steuern herausholen können, wenn dieser Gesamtertrag nicht steigt. Englische, französische und amerika­nische Sachverständige rechnen uns immer wieder vor, daß wir im Verhältnis zu anderen Ländern zu wenig Steuern bezahl­ten. Wird aber der Gesamtertrag der Wirtschaft ermittelt, so­wie das Volkseinkommen und der Volksreichtum zu Grunde ge­legt, so ergibt sich heute für Deutschland eine dreifach höhere Steuerbelastung als die Frankreichs, während sie gegenüber England doppelt so hoch ist! Wir werden mit dieser Beweis­führung allerdings auf dem anderen Ufer wenig Eindruck machen, sondern höchstens zu hören bekommen, daß es unsere Sache sei, den Ertrag der Wirtschaft zu steigern. Es ist leider üblich geworden, das Problem der Ertragssteigerung wie ein heißes Eisen zu behandeln, weil sie mit der Frage der Arbeits­zeit eng zusammenhängt. Die Dinge liegen nur deshalb so, weil wir seit sechs Jahren die Erfahrung haben machen müssen, daß mit dem schematischen Achtstundentag eine Steigerung der Erzeugung nicht zu erzielen ist. Das widerlegt den Einwand, daß wir mit dem Achtstundentag so wie er tatsächlich geworden ist, die Ertragssteigerung erreichen könnten. Das ist nicht ein­mal in den Industrien der Fall gewesen, die die gleichen Roh­stoffmengen wie in der Vorkriegszeit verarbeiten und den glei­chen oder noch höheren Ausstoß an Fertigwaren haben. Hier ist fast überall eine größere Zahl von Arbeitern beschäftigt worden, sodaß Durchschnittsleistung und Durchschnittseinkommen sich entsprechend verminderten. Jede Steuerreform, die wirt­schaftlich und finanziell tragbar ist, setzt also die Steigerung der Erzeugung voraus.

Sonntagsgedanken.

Der Sonntag soll dem Leibe die Ruhe geben und der Seele den Frieden bringen. Sonntag ist's, ein heilger Friede ruht auf Erden weit und breit." Auch die Seele und das kämpfende Herz sollen Sonntagsruhe, Sonntagsfrieden haben. Und Friede soll Liebe zeugen. Liebe zu Gott und seinen Menschen. Das ist der Seele und des Herzens Sonntagsdienst.

Komm, Sonntagswanderer, ich will dir die Wege zeigen, wo dein Sonntagsfriede mit der Liebe sich einen kann. Er geht nicht durch die flunkernden Räume, wo die Geigen zum Tanze locken und Frohsinn und Lachen die wirbelnden Paare begleiten, er führt den einsamen Pfad, den die Armut geht und die Not. Da begegnen dir Menschenkinder, die schon lange kein Lachen mehr kannten, Menschen, die Tröster suchen und Helfer. Schließ' dich an einem solchen Sonntagswanderer, dessen Blick dir Leid und Kummer sagt. Sag ihm mit lieben Blick deinen Gruß und schon hast du den ersten Lichtstrahl in sein Herz gesandt. Und wenn du mit ihm redest und deiner Worte Balsam fühlst, wenn wie Tränenperlen Leid und Weh von deines Nächsten Herzen rinnen, wenn dein Blick in abgrundtiefen Jammer sieht, dann gehe nicht weiter, bleib bei ihm, denn bei ihm will ja Abend

werden.

Ist es ein Suchender nach Brot, so frag ihn auch, warum er hungert. Und er wird dir sagen, daß er nicht Brot will, sondern Arbeit. Weil er sich der Ruhe schämt, wenn andere sich plagen, weil er Kinder hat, die leben wollen, weil er an sein Vaterland denkt, das auch durch seiner Hände Arbeit gesunden soll.

Gib dir die Mühe und sorge für ihn. Du wirst ein Pläz­chen für ihn finden oder erbitten, wo er keine Almosen mehr braucht. Du hast ihm dann mehr gegeben, als wenn du ein Goldstück in seine schwielige Hand gelegt und weitergegangen wärest. Das eine erhebt, das andere kann verlegen. Und einer weltfremden Seele hast du den Glauben wieder gegeben an die Menschen und damit neues Hoffen und neues Leben.

Wenn die Geigen singen und die Schellen an der Narrenkappe flingen, wenn Masken scherzen und lauter Jubel durch die Säle