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Giessener Zeitung

( neueste Nachrichten)

mit

( Giesseuer Cageblatt)

Amis- u. Vereinsnachrichten

Bezugspreis:

60 Goldpfennig monatlich fret Haus, bei obligatorisch. Bezug durch Vereine 30 Goldpf. Telephon Nr. 1362.

38. Jahrg.

Expedition: Sudanlage 21.

Redaktion, Druck und Verlag:

Albin Klein in Gießen. Berlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.

Anzeigenpreise:

30 mm breite Petitzeile, Auswärts 30 Goldpfg.

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Nr. 28.

Samstag, den 7. März 1925.

Landwirtschaftliche Umschan.

( Zusammenfassende Uebersicht über die Lage der deutschen Landwirtschaft.)

( Nachdruck verboten.)

Allgemeine Lage. Die Agrarfrise ist noch nicht überwunden und wird dies erst der Fall sein, wen durch eine klare und ziel­bewußte Wirtschaftspolitik, die der deutschen Produktion vor allem den Schutz bringt, wieder Verhältnisse geschaffen werden, die es dem Landwirt ermöglichen, intensiv zu wirtschaften. Dazu ist aber auch notwendig, daß der Landwirtschaft ausreichende, billige und langfristige Kredite gewährt werden.

Kreditwesen. Für die deutsche Landwirtschaft ist eine kleine Erleichterung dadurch geschaffen worden, daß die deutsche Ren= tenbank an die Treuhandstelle weitere 30 Millionen zur Weiter­leitung an die Landwirtschaft hinausgegeben hat. Bisher waren für diesen Zweck 130 Millionen zur Verfügung gestellt worden.

Arbeitskalender. Die Feldarbeiten sind durch zahlreiche außerordentlich starke Schneefälle und durch Frost unterbunden worden. Der Landwirt wird jetzt alle Vorbereitungen treffen, um sofort nach Witterungsänderung die Feldbestellung mit aller Kraft durchführen zu können. Herrichten und Beizen des Saat­gutes, Aussortieren der Kartoffeln, Instandsetzung der Maschi­nen usw. sind gegenwärtig die vordringlichsten Arbeiten.

Stand der Fluren. Der Schneefall hat die noch so notwen­dige Winterfeuchtigkeit gebracht. Die Berichte über den Stand der Wintersaaten lauten im großen und ganzen günstig. Die Ratten- und Mäuseplage ist nach Berichten aus den verschie= densten Gegenden des Reiches weiter gestiegen. Hier und dort ist bereits ein erheblicher Schaden an den Saaten zu verzeich­nen. Bei der großen Vermehrungsfähigkeit dieser Nager wird der größere Schaden noch kommen.

Produktenmarkt. An den deutschen Märkten ist immer noch große Zurückhaltung zu beobachten. Im Mehlgeschäft mangelt die Belebung. Das Inlandsangebot ist gering. In Roggen ist der Handel flau, ebenso in Braugerste, weil die meisten Mäl­zereien sich damit eingedeckt haben. In Hafer kann die Nach­frage befriedigt werden. Im Futtermittelgeschäft herrscht Ruhe bei unveränderten Preisen. Am Markt für Sämereien bewegt sich der Absatz bestimmter Saaten in aufsteigender Linie. Größere Preisänderungen sind nicht eingetreten. Der Hopfen­markt verkehrt nach wie vor unverändert ruhig. Angebot und Nachfrage halten sich so ziemlich das Gleichgewicht. Am Wein­markt wurden in der letzten Zeit auf dem Wege der Auktion große Quantitäten verkauft. Da die Eigner mit hohen Forde­rungen an den Markt treten und die Geldknappheit immer noch sehr groß ist, wird dadurch der Absatz erschwert.

Viehzucht. In der Viehzucht werden seit Nachkriegszeit die Milchleistungsprüfungen d. i. die Kontrolle der Tiere auf ihre Milchleistung, sehr intensiv durchgeführt. Zahlreiche Zuchtver­bände haben in Nord- und Süddeutschland Kontrollvereine ein­

gerichtet. Der 3wed ist, gute Blutstämme mit erhöhter Lei­stungskraft ausfindig zu machen und dieselben als Grundlage zum Aufbau einer leistungsfähigen Landestierzucht zu verwen­den. In der Pferdezucht sind überall Bestrebungen zur Hebung und Förderung derselben im Gange. Seitens des Staates aber dürften die bereitgestellten Mittel noch nicht genügen.

Viehmärkte. Auf den Großviehmärkten hat sich das Bild seit unserem letzten Bericht nicht mehr geändert. Die zur An­lieferung gelangenden guten Qualitäten erzielen Preise über Notiz, dagegen finden schlechte und mittlere Tiere, welche reich­licher vorhanden sind, nur erschwerten Absatz. Der Kälber- und Schweinemarkt ist etwas lebhafter. Bei Schafen ist das Ge­schäft mittel. Die Auslandsmärkte melden ebenfalls ruhige Tendenz bei rückgängigen Preisen. Auf den Nuzviehmärkten läßt der Verkehr im allgemeinen ebenfalls zu wünschen übrig. Die Exportnachfrage ist nicht sehr groß; die Preise sind im großen und ganzen unverändert. Die Klagen über die Ueber­schwemmung der deutschen Viehmärkte mit ausländischem Fleisch sind nicht verstummt. Ausländisches Vieh und Fleisch drücken dermaßen auf die Preise, daß die Landwirtschaft nicht mehr ihre Produktionskosten erhält. Diese unerquicklichen Verhältnisse, die sich nun schon monatelang wiederholen, sind nur durch die sofortige Einführung eines angemessenen Zolltarifes zu ändern.

Häutemarkt. Der Preisrückgang hat angehalten. Die Gründe sind in der zurückhaltenden Stellung der Lederindustrie zu finden. Auch die Auktionen in Frankfurt, Kassel, Stuttgart, Darmstadt, Wiesbaden und Berlin brachten Preisabschläge. Ebenso zeigte sich im freien Handel eine schwächere Haltung.

Düngemittel. Die Frage der Erhöhung der Kalipreise soll in der zweiten Hälfte des März entschieden werden. Der Auf­tragseingang am Stickstoffmarkt war bisher sehr gut. Die Er­zeugung war normal, der Versand verlief ohne Störung. Die Vorräte sind nahezu erschöpft. Die Werke beginnen mit der Verladung aus der laufenden Erzeugung. Das Kg. Stickstoff im schwefelsauren Ammoniak kostet im März, April Mai 1,15 M. Die Preise für die anderen Stickstoff- Düngermittel stehen hierzu in dem bekannten Verhältnis.

Steuern. Der jetzige Steuerdruck, der auf der Landwirt­schaft lastet, wird allgemein als unerträglich bezeichnet und es wird in Anträgen zu den neuen Steuergesetzen die entsprechende Entlastung herbeizuführen versucht. Die bis heute erlassenen Steuer- Ermäßigungen und Stundungen fallen fast nicht ins

Gewicht.

Forstwirtschaft. In den Waldungen verschiedener Gegen­den haben die Februar- Stürme zum Teil bedeutenden Schaden angerichtet. Das geworfene Material soll, soweit das Flach­land in Frage kommt, noch im Laufe des Winters und Früh­jahrs aufgearbeitet und dann noch auf den Markt gebracht wer­den. In den von Sturmschäden betroffenen Forsten werden die planmäßigen noch nicht ausgeführten Siebe zurückgestellt.

Arbeitsmarkt. In der Landwirtschaft hat die rege Nach­