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men, darf sich aber die Mühe nicht dadurch erschweren und das Kind auf andere Weise wieder ängstlich machen, indem man ihm 3. B. Märchen erzählt, die Furcht und Grausen erwecken, man darf ihm nicht drohen mit heimlichen Mächten, wie dem schwar­zen Mann usw. Die kindliche Phantasie ist außerordentlich rege, wieviel mehr bei einem schüchternen, furchtsamen Kinde. Auch große Kinder sind oft sehr schüchtern. Hier liegt allerdings Mangel an Mut, Energie, an Selbstvertrauen vor, und es be­darf großer Liebe, dem Kinde das Bewußsein seiner Persönlich­feit, seines Eigenwertes beizubringen. Der Wortfargheit gegen­über muß man dem Kinde reichliche Gelegenheit zum Gedanken­austausch auf Gebieten verschaffen, für die es besonderes Inter­esse hat, und die beliebte Einsamkeit ist in schonender Weise fernzuhalten.

Literarisches.

Aus tiefster Not. Schicksale der deutschen Kolonisten in Ruß­land. Von Johannes Schleuning. Verlag Carl Flem­ming u. Wiskott, Berlin 128 G.

Kein Buch der letzten Jahre hat auf mich einen solch er­schütternden Eindruck gemacht wie dieses Buch Aus tiefster Not". Es hat mich gepackt in mein tiefstes Innere hinein, nicht etwa durch die Gewalt, Kraft oder das Raffinement seiner Wort­und Darstellungskunst, sondern lediglich durch die Wucht seiner nakten und krassen Tatsachen und durch die Vorwürfe, die diese Anklageschrift in jedem deutschfühlenden Menschen notgedrungen loslösen muß. Nämlich: So gut wie nichts hatte unsere Regie­rung für die Pflege und Erhaltung des Deutschtums im Aus­lande getan und nichts für eine dauernde Bindung und sorg­samen Zusammenschluß des Auslandsdeutschtums mit dem Mutterlande, und ebenso wenig hat der Einzelne getan, sich zu unterrichten über die starke und weitverzweigte deutsche Kultur, die jenseits der deutschen Grenzpfähle blühte. Wenn trotz alledem das Deutschtum draußen in der Vereinsamung nicht elendig zu Grunde gegangen ist, dann nur dank des stark deut­schen Bewußtseins, das in den Ausgewanderten lebendig war, und das sie inmitten der fremdrassigen Kulturen wie eine ab­wehrende Schutzwand um sich aufbauten und bewußt und als Existenznotwendigkeit und liebevoll hüteten. Nun wir in der bitteren Not uns nach Freunden umsahen, gedachten wir end­lich jener vergessenen Brüder, und in peinigender Scham sahen und fühlten wir, daß sie uns nicht vergessen, sondern uns die Treue bewahrt hatten.

Aber diese Nibelungentreue hatte sich vielfach, namentlich in Rußland, selbst in tiefste, tiefste Not gestürzt. Davon erzählt uns in schlichten Worten das vorliegende Buch. Es hebt an mit einer orientierenden Geschichte der deutschen Kolonien, die auf Katharina II. zurückgehen, mit ihrer allmählichen Entrechtung ihrer Privilegien und Einsumpfung in die slawischen Massen. Der Drangsalierung folgte dann mit dem Kriege die Not, die mit der Vertreibung der Wolhynier nach dem Zusammenbruch der russischen Westfront begann, sich dann auch auf die Kolo­nien im Odessa, im Schwarzmeergebiet, dem Kaukasus, auf die größte und geschlossenste an der Wolga und auf die deutschen Dörfer um Petersburg ausdehnte. 2 000 000 deutscher Acker­bauer und Gewerbetreibender, die weite Flächen der Steppe urbar gemacht und mit ihrem Brote weite Gebiete ernährten, die Kulturen und Industrien pflegten, die außer ihnen kein Mensch in Rußland verstand, sie wurden unterschiedslos für Feinde des Vaterlandes erklärt, als Verräter gebrandmarkt. Die Vertreibung aller Deutscher war in vollem Gange, da setzte die Revolution ein mit der Erklärung der Menschenrechte für die Russen. Erst nach vielen Mühen gelang es deutschen Dumadelegierten, die Ausnahmegesetze der zarischen Regierung aufzuheben und den Deutschen einige Gleichberechtigung mit den

Hämorrhoiden!

Aerztliche Broschüre Nr. 1 kostenfrei. Dr Hugo Caro G. m b. H, Berlin W. 30.

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Russen zu gewähren. Vielleicht wäre da auch nun ein orga­nisatorischer Zusammenschluß aller Deutschen Rußlands erfolgte

jetzt eine allmähliche Verbesserung der Lage und Gesundung der Verhältnisse eingetreten, wenn nicht die Bolschewisten Her­ren der Lage geworden und durch eine zweite Umstürzung das ganze Land in das wildeste Chaos und die blutigsten Greuel getrieben hätten. Namentlich nach der Zurückziehung der deut­schen Heere aus Südrußland raste der Blutrausch der Tscheko durch das schutzlose Land. Getreu ihrem Wahlspruch, daß das Bestehende völlig gestürzt werden müsse, ehe der Segen der neuen Gesellschaftsordnung in Wundern aufblühen könne, gingen sie mit Feuer und Mord gegen alle vor, die sich nicht blindlings und willenlos fügten. Dorf um Dorf wurde erobert, vielfach erst nach tage- und wochenlangen Kämpfen, und niedergebrannt und niedergerissen, die Frauen vergewaltigt, die Männer nieder­gemetzelt. Ueberall wiederholten sich dieselben Bilder: Ueber­fall, Mord, Brand, Flucht der Uebriggebliebenen. Die Ver­suche Wrangels und Denikings, der Bolschewiken Herr zu wer den, sind wohl von anfänglichen Erfolgen begleitet, aber nach deren kläglichem Zusammenbruch tobte die Mord- und Brand­wut der bolschewikischen Bluthorden erst recht ungehindert und ruhte nicht eher, bis aller Eigenwille und alles Selbstbewußt= sein der Deutschen im Blute erstickt, ihre Felder zerstampft, ihre Dörfer in Schutthaufen verwandelt, ihre Fabriken- und In­dustrieanlagen im Feuer aufgegangen waren. Die Zurück­kehrenden standen vor dem leeren Nichts, und niemand war da, der bessernd und helfend eingreifen konnte. Und wie in den deutschen Dörfern war es vielfach weitum im Lande. Kein Adergerät, fein Vieh, fein Saatforn. Die Hungersnot mußte kommen und die Seuchen gesellten sich getreulich hinzu. Ein einziger Schrei der Verzweiflung gellte durch das Land. Und da hat sich endlich der Bolschewifenzar notgedrungen an das Ausland um Hilfe gewandt. Dann tropften die ersten grausigen Berichte durch, Bilder trostlosesten Elends und blutigster Bitter­nis wurden bekannt. Das Herz krampft sich zusammen im An­blick dieses entsetzlichen Wehes und namenlosen Jammers, der durch die Wahnideen einiger verbissener Ideologen über ein ehedem so reiches Land gekommen war. Und trotzdem haben die übriggebliebenen Deutschen nicht verzagt. Mit dem, was der Tscheko und der Terror ihnen gelassen, haben sie von neuem wieder angefangen, stark und zäh und tapfer, aber mit dem sieghaften Bewußtsein, ihr Edelstes, ihr Deutschtum, gerettet zu haben für sich und für die, die nach ihnen kommen. Sie hoffen auf eine günstigere Zeit. Dazu haben sie jetzt eine etwas innigere Verbindung mit dem Mutterlande hergestellt. Die nach unsäglichen Mühen nach Deutschland Geflüchteten haben sich organisiert und helfen ihren Brüdern im Not- und Hunger­lande durch Wort und Tat: Drücken lassen sich die Bauern, aber nicht unterdrücken!"

Das ist in rohen Umrissen der Inhalt des Buches, das uns die Leiden der deutschen Bauern in Rußland schildert. blühender Volksstamm, der nichts getan hat, denn dem halb­asiatischen Volfe die europäische Kultur gebracht, der ein wesent­licher Faktor zu seinem menschlichen Erwachen gewesen ist, der ihm höhere Bildung und Gesittung eingeimpft hat, kurzum, der nährende Sauerteig seines Werdens und seiner beginnenden Reife geworden war, und der auf der anderen Seite nichts sor­derte, denn auf der gewonnenen Erde treu seinem angestammten und überlieferten Deutschtum leben zu dürfen, ein solcher Volks= stamm ward auf den Aussterbe- Etat gesetzt und dem Terror, d. h. der Vernichtung durch Kontribution, Liquidation, Hunger. Mord und Brand der Tscheka anheim gegeben. Der hat den Anspruch ein Deutscher zu sein, verwirkt, den diese einfache nafte Tatsache nicht zur Empörung aufreißt. Es handelt sich hier nicht um eine parteiliche Stellungnahme, sondern einfach um einen Protest der menschlich Fühlenden gegen die tierische Bar­barei einer demoralisierten Regierung, die noch immer vorgibt und hofft, der Welt das goldene Zeitalter zu bringen. Wer aus dunklem Gefühl heraus etwa ein Fünklein Sympathie mit diesen Volksbeglückern gehabt hat, dem wird das kleine Flämmchen durch dieses Buch gründlich gelöscht. Und wer etwa lässig und träge in der Pflege und Bildung seines völkischen