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Umgestaltung unserer Wohnwirtschaft zur Angelegenheit des Volksganzen betrachten könnte. Das galt insbesondere vom Gesetz zur Förderung des Wohnungsbaues", kurz Wohnungs­bauabgabe genannt, und vom Reichsmietengesetz mit seinem für die einzelnen Erfordernisse des Hauses aufgebautem Mietpreis und dem Kontrollrecht des Mieters über die Bewirtschaftung des Hauses.

Leider fielen diese Aenderungen fast zeitlich mit der Inflation zusammen, so daß eine günstige Auswirkung bis dahin nicht erzielt werden konnte. Das Ermächtigungsgesetz gab dann der Reichsregierung Veranlassung, die gesunden Grundlagen einer fünftigen Volts- Wohnwirtschaft zu zerstören und die frühere Renten und Spekulations- Wohnwirtschaft wieder einzuführen. Die Schaffung der Hausrente, oder besser gesagt Hausbesitzer­rente, wie sie durch die jetzige Mietpreisregelung auf Grund der dritten Steuernotverordnung wieder herbeigeführt wurde, ist eine schreiende Ungerechtigkeit gegenüber der großen Masse des Volkes, das sich nach der Auffassung der Reichsregierung durch­hungern muß".

Die Aufbringung der Hausbesitzerrente macht es aber auch unmöglich, aus der Wohnwirtschaft selbst noch hinreichende Mittel zur Beseitigung der heutigen Wohnungsnot zu nehmen. Die Mieterschaft war und ist bereit, zur Behebung der drückenden Wohnungsnot weitgehende Belastungen auf sich zu nehmen, sie fann aber nicht zugeben, daß Mittel, die sie aufbringt, dazu Ver­wendung finden, einen kleinen Teil des Volksganzen vor den materiellen Sorgen der jetzigen Zeit zu verschonen. Die Haus­besiyer benötigen zur ordnungsmäßigen Bewirtschaftung der Häuser bei weitem nicht den Betrag, der ihnen heute mit 40 Proz. der Friedensmiete bezahlt wird; sie haben auch nicht wie alle anderen Schichten, wenigstens nicht in demselben Aus­maße, Opfer gebracht, sondern ihre Substanz noch am besten durch die Zeiten der Inflation gerettet und ist die Zuwendung einer besonderen Rente, wie sie durch die jetzige Miete bezahlt werden mus, wirtschaftlich und moralisch nicht begründet.

Statt ans der Wohnwirtschaft Mittel zu Neubauten zu

nehmen, werden durch die Mietzinssteuer andere Bedürfnisse

von Staat und Gemeinde gedeckt. Ist schon die Erhebung der Mietzinssteuer in der jetzigen Form eine brutale, unsoziale Maß­nahme, so muß die Verwendung der aufgebrachten Beträge zu anderen als Wohnzwecken heftigsten Widerstand der unter der Wohnungsnot schwer leidenden Bevölkerung finden.

Für jeden Einsichtigen ist es klar, daß bei den jetzt ange­wandten Maßnahmen an eine Beseitigung der Wohnungsnot nicht gedacht werden kann. Regierung und Parteien scheinen vollständig unter dem Einfluß der Bodenspekulanten zu stehen, die mit dem falschen Schlagwort arbeiten: Beseitigung der Zwangswirtschaft und Einführung der Goldmieten beseitigen die Wohnungsnot." Die Mieterschaft läßt sich durch solche Schlag­worte nicht betören. Sie hat längst erkannt, daß ihre Belange nicht deshalb keine Unterstützung finden, weil ihnen die Berech tigung fehlt, sondern einzig und allein, weil die übermächtige Gruppe der Haus- und Grundstücksspekulanten durch ihre eigenen Vertreter und durch ihre engen Beziehungen zu bestimmten Par­feien einen Einfluß haben, der weit über ihre zahlenmäßige Bedeutung hinausgeht. Diese Erkenntnis hat die organisierte Mieterschaft auf den Plan gerufen und ihr die Notwendigkeit der einzelnen Beteiligungen an allen öffentlichen Wahlen gezeigt.

Wohl wissen wir, daß damit eine weitere Zersplitterung unseres Volkes heraufbeschworen wird, aber wenn die politischen Partcien die Notwendigkeiten der Zeit nicht erkennen können oder wollen, sind die einzelnen Wirtschaftsgruppen zur Selbst­hilfe genötigt.

Wir erheben folgende Forderungen:

1. Beibehaltung und weiterer Ausbau der Mieterschutzgesetz­gebung;

2. Ablehnung jeder Mietpreisfestsetzung, die über die tatsäch­lichen Erfordernisse einer geordneten Wohnungswirtschaft hinausgeht;

3. Aufhebung der Sondersteuer nach der dritten Steuernot­verordnung( Mietzinssteuer);

4. Erhebung einer Wohnungsbauabgabe, deren voller Ertrag dem Wohnungsneubau zustatten fommt;

5. Gesetzliche Zwangsmaßnahmen gegen Hausbesizer, welche die in der Miete enthaltenen Beträge für laufende und

goße Instandsegungsarbeiten nicht ordnungsmäßig ver­wenden;

6. Förderung der gemeinnützigen Siedlungsbestrebungen und Bautätigkeit.

Um die Stellung der Parteien zu unseren Forderungen kennen zu lernen, erlauben wir uns, folgende Fragen zu stellen: 1. Ist Ihre Partei bereit, falls sich die Mieterschaft nicht mit eigenen Listen an der nächsten Landtagswahl beteiligt, auf Ihren Wahlvorschlägen Vertreter der Mieter an voll­ständig sicherer Stelle aufzuführen?

2. Falls Provinziallisten aufgestellt werden, wieviel Ver­treter der Mieter gedenkt Ihre Partei aufzustellen und unter welchen Nummern sollen diese aufgestellt werden? 3. Ist Ihre Partei bereit, die Auswahl der Mietervertreter im Einvernehmen mit der örtlichen oder bezirklichen Mieterorganisation zu treffen?

4. Inwieweit ist Ihre Partei gewillt, die Forderungen der Mieterschaft zu unterstützen?

5. Ist Ihre Partei damit einverstanden, daß die Forderungen der Mieter und die Stellung der Parteien hierzu durch Vertreter unserers Verbandes in Ihren Wahlversamm­lungen und in Flugblättern bekanntgegeben werden? Einer gefl. Beantwortung sehen wir bis spätestens 15. Sep­tember entgegen. Sollte bis zu diesem Zeitpunkt eine Antwort nicht eingehen, so nehmen wir an, daß Ihre Partei sich zu der ganzen Sache ablehnend verhält.

Hochachtungsvoll!

Landesverband Hessischer Mieterschutzvereine.

gez. Fuchs."

Wenn den Arbeitern, den Beamten, den Gewerbe­treibenden, den Kaufleuten und ganz besonders den Wohnungssuchenden die Augen für die alle Wirtschaft hemmende unsoziale Agitation dieser Mieterschutzvereine noch nicht aufgegangen sind, dann werden sie ihnen Papier verlangen, aber daß sich seine Forderungen volks­hoffentlich jetzt geöffnet. Herr Fuchs tann viel auf dem wirtschaftlich praktisch und segensreich für das ganze Volk durchführen lassen, das glaubt Herr Fuchs wohl selbst nicht. Also ist das Ganze nur große Volks verhezung.

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Weibnachtsbücher.

Eine Beratung.

Hartmann von Aue sagt im Eingang seines ,, armen Heinrich" von sich selbst: Er nahm sich viele Schaue an vielerlei Buchen: darin begann er zu suchen, ob er etwas erkunde, damit er schwere Stunde möchte sänfter ma che n."- Schwere Stunde ach, daran fehlt es uns heutzutage auch nicht! Doch es bieten sich uns auch vielerlei Bücher, die uns helfen können, ,, schwere Stunde sänfter zu machen. Und zum bevorstehenden Weihnachtsfest sucht wohl jeder zu diesem Zweck das eine oder andere gute Wert für sich oder für einen anderen guten Menschen. Vielleicht sind darum dem verehrten Leser einige Hinweise zur Erleichterung der Auswahl willkommen. Wir beschränken uns hier auf die empfehlenswertesten Neuerscheinungen des Verlags Herder in Freiburg i. Br., von dem bekannt ist, daß es ihm ge­lang, einen Stab ausgezeichneter Autoren zu gewinnen, und daß er seinen Erzeugnissen stets eine geschmackvolle und ge­diegene Ausstattung gibt. Die im Folgenden angegebenen Preise gelten durchweg für gebundene Exemplare, und zwar erscheinen die Bücher fast ausnahmslos wieder in gediegenen Leinenbänden.

miterlitten.

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Als Weihnachtsgeschenke eignen sich vor allem eine Reihe Bücher erzählender Art wie etwa Franz Michel Williams Zeit­roman ,, Knechte der Klugheit"( G.-M. 4.20). Was darin dar­gestellt ist, haben wir alle im letzten Jahrfünft miterlebt und Daneben finden wir Das Land unter dem Regen: bogen" von Alfons Schreieck, ebenfalls ein Gegenwartsroman, geschaffen mit Bildern und Gestalten, die auch wir täglich sehen, die aber ein Dichter ganz anders, sozusagen wesentlicher steht ( G.-M. 4.80). Anton Schott zeichnet in seinem Roman Die Hacker vom Freiwald" urwüchsige Waldbauerntypen und ent

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