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als das kostbarste unersetzliche Volksgut ein noli me tangere" geworden sind. Der Gedanke der T. N., der mit stärkster Be­tonung vor das Rechte- Fordern das Pflichten- Erfüllen sezt, ver­langt keine Dankbarkeit; er lehrt vielmehr, daß besser als passi­ver Dank an andere die tätige Mithilfe ist, die sich den Dank selbst verdient.

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Bei der Wahrsagerin Katinskaja.

Von Waschmann.

Eigentlich war unsere Stanislawa daran schuld. Das Mädchen aus dem Osten. Gleich hinter Pillfallen weg. Ich selbst habe nie allzuviel von der Kartenlegerei und derlei Dingen gehalten. Aber Stanislawa behauptete, es sei doch etwas daran. Jedenfalls verstände sich Frau Katinskaja ganz gewaltig darauf; denn sie wahrsage ganz nach Wunsch aus den Karten, aus dem Kaffeesaz oder aus frischen Eiern. Nach ihrer Erfahrung gerate die Sache am besten mit den Eiern. Man müsse aber mindestens zwei mitbringen. Sonst lasse sich die Wahrsagerin nicht darauf ein.

Meine Zweifel, die ich als geborener Skeptiker äußerte, schlug Stanislawa mit dem Hinweis nieder, daß die Katinskaja ihr nicht weniger als sechs ihrer bisherigen Bräutigämer richtig vorausgesagt habe: den einen mit schwarzen Locken und feurigen Augen, den anderen semmelblond und mit einer gewissen Blödig­keit, den dritten etwas angejahrt und mit einer Glaze, den vierten noch verhältnismäßig jugendlich, wenn auch verheiratet, den fünften mit der Vorliebe für hohe Stehkragen, und den sechsten, na ja der einen kleinen Höcker hatte. Aber nur einen ganz kleinen. Alles bis aufs kleinste( einschließlich des Höckers) habe die Katinskaja vorausgewußt. Nur bei dem siebenten sei ihr ein Versehen unterlaufen: nämlich bei dem Gerichtsaktuar; der sei in Wirklichkeit Laternenanzünder gewesen.

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Stanislawa war ehrlich begeistert. Ungeachtet der zwei frischen Hühnereier, die ihr jeder Bräutigam gekostet hatte, war sie mit der Katinskaja vollkommen zufrieden. Zwei Eier wäre ihr ein Bräutigam schon wert, meinte sie mit schmalzigem Augen­aufschlag. Und wenn ich sie in ihrer Verzückung ansah, so zweifelte ich nicht im mindesten daran, daß sie imstande gewesen wäre, den ganzen Jahresertrag meines aus einem Hahn und drei Hühnern bestehenden Geflügelhofes zu opfern, sofern es das Interesse ihres liebebedürftigen und zukunftslüsternen Herzens erfordert hätte.

Da ich gerade im Begriff war, mich mit einem Kapital von annähernd einhundert Goldmark in geschäftliche Transaktionen gewagter Art einzulassen, so hielt ich es für zweckmäßig, mich ebenfalls des Wahrsagetalents der berühmten Dame zu bedienen.

Stanislawa hatte mir die Adresse mitgeteilt. Auch das Geheimzeichen, ohne das niemand bei der Katinskaja eingelassen wird. Man mußte dreimal kräftig klopfen und dabei Helau! sagen.

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Zur Vorsicht hatte ich mir drei frische Hühnereier eingested Mit dreien, so kalkulierte ich, ging es womöglich noch besser als mit zweien.

Das Haus, in dem die Katinskaja ihren geheimen Galer unterhielt, war eines jener vor den Zugriffen des Wohnungs amtes absolut geschützten alten Fachwerkgebäude, die den Duit der Jahrhunderte ausströmen. Als kleiner Junge hat mir meine Großmutter viel von der Knusperhere und ihren Schandtaten erzählt. An diese Geschichten wurde ich erinnert, als ich die knarrende Haustür hinter mir geschlossen hatte und die steile Treppe hinaufstieg. Auf der untersten Stufe hockte ein eisgrauer Kater, der mich mit seinen grünglizernden Augen anstarrte und pft pftpft machte.

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Der Kater versah die Stelle des Portiers. Nachdem er mich hinreichend beschnüffelt hatte, ließ er mich passieren.

Die Stiegen ächzten in allen Tönen der Ton- und Hühner leiter. Ich bin vor Jahren einmal in einem Parseval- Ballor gefahren. In der Charlotte. Die bekanntlich ein Loch hatte Und deshalb abmontiert werden mußte. Damals habe i weniger Todesangst ausgestanden als bei meinem Aufstieg der Katinskaja. Aber schließlich gelang mir das Wagestü Ich stand vor der Tür und klopfte. Dreimal. Und sagte Helau!"

Auf dieses Zauberwort wurde mir von einem frummbeinige Mädchen, das offenbar an der englischen Krankheit litt, auf getan. Und ich befand mich ja, wo befand ich mich?

Der Raum war in ein mystisches Halbdunkel getaucht. In der einen Ecke stand ein runder Tisch, auf dem der Jahrgang 1883 des ,, Hinkenden Boten" zur Lektüre einlud.

Es war das Wartezimmer.

Mit mir warteten noch mehrere andere, die das Schicksal zu befragen wünschten. Und zwar: die Frau Amtsgerichtsrätin Piepmeier, die sich die Aufstiegmöglichkeiten ihres Gatten weis: sagen lassen wollte; ferner ein mir unbekanntes, schon etwas angejahrtes Fräulein mit dem müden Gesicht einer langjährigen Erzieherin, die von der Katinskaja eine Auffrischung längst ab geblühter Hoffnungen erwarten mochte, und zu diesem Zwed, wohlverwahrt in einer Düte, die es sorglich auf dem Schoß hielt, zwei ziemlich dick geratene Eier mitgebracht hatte. Wegen ihres Volumens war ich geneigt, diese Eier als Gänseeier anzu sprechen.( Man konnte dem Fräulein diese Programmwidrigkeit nicht verdenken; jeder hilft seinem Schicksal nach, so gut es geht.) Des weiteren saß in der Reihe edr Wartenden Amanda Rüb­stengel, das Zweitmädchen meines Nachbarn Zwirngiebel, die in der vorigen Woche Pech mit ihrem Verhältnis gehabt hatte und sich nun den Nachfolger des Gewesenen beschreiben lassen wollte. Den Beschluß bildete der Portokassenverwalter Her Erich Süßpinsel von der Firma Buttermilch u. Co., Farben und Lacke engros, den ein Manto in seinem Dezernat den Weg zur Katinskaja machen ließ.

Es ging nach der Reihe. Die Frau Amtsgerichtsrätin Piep meier, so verzagt sie gekommen war, rauschte, als sich nach einer halbstündigen Audienz die Tür des Heiligtums hinter ihr ge schlossen hatte, mit einem Stolz davon, der einer Reichsgerichts: rätin oder Kammerpräsidentin alle Ehre gemacht haben würd Die Erzieherin entfernte sich freudegeröteten Antliges und ( soweit es die Verhältnisse zuließen) mit erhobenem Busen. Amanda Rübstengel schien gleichfalls getröstet. Nur Herr Erich Süßpinsel, der das Orakel in Ansehung seiner pekuniären Ver­hältnisse lediglich mit Kaffeesatz- Ersatz befragt hatte, machte beim Abgang ein zweifelhaftes und höchst trübseliges Gesicht.

Dann öffnete sich die Tür und das Mädchen mit den krummen Beinen und der englischen Krankheit rief: Der Herr mit der roten Nase! Bitte!"

Da außer mir niemand mehr im Warteraum war, so mußte ich die Einladung wohl oder übel auf mich beziehen. Und ich trat ein.

( Schluß folgt.)

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