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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 6,- mk. monatlich vierteljährlich 18,- Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig Erscheint ausgabestellen vierteljährlich 15,- Mr. Redaktionsschluß Dienstag, Donnerstag u. Samstag. früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdsen­dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Drnd der Gickener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Nr. 27.

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Telephon Nr. 1362.

Rheinland- Besatzungskosten.

( Nach amtlichem Material).

Ganz Deutschland von Ost nach West leidet unter der Wohnungsnot und dem Wohnungselend. Im be­setzten Rheinland wird diese Not durch den schamlosen Wohnungslurus unserer lieben Gäste" in's Unerträg­liche gefteigert. Der D.legierte der Rheinlandkommission für den Kreis Kreuznach, dec die Delegiertengeschäfte des Kreises Meisenheim mit erledigt, hält sich neben feiner Familienwohnung in Kreuznach noch eine zweite möblierte Wohnung in Meisenheim reserviert, die wir natürlich ebenfalls bezahlen müssen. Er hat diese Woh nung noch nie benutzt, es fällt ihm aber nicht im Traum etn, sie der deutschen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Die Unterbringung des Vorsitzenden der Rhein­landfommission im Dienstwohngebäude des Oberpräsi

Expedition: Gießen, Sudanlage 21.

Samstag, den 8. Juli 1922.

Lange Hegermann, Dr. Mary und Gen. zur zweiten Beratung des Anprangerungs- Gesetzentwurfs Aussicht verwirklicht zu werden. Der Antrag lautet:

-

Der Reichstag wolle beschließen: Im Antrage des Ausschusses für Volkswirtschaft- Nr. 4274 der Drud­sachen Seite 17 unter IV. 1. folgenden Abs. 2 ein zufügen: Insbesondere soll die Abänderung zum Ausdruck bringen, daß der Preis feinen übermäßigen Gewinn und feine unzulässige Preissteigerung dar­stellt, wenn er der Marktlage entspricht, und wenn Höchstpreise oder amtlich festgesette Marktpreise ein gehalten werden. In den Fällen, wo die Bildung cines Marktpreises ausgeschlossen ist, soll der Wieder beschaffungspreis nebst den nachweisbaren Ge­schäftskosten als Grundlage für eine zulässige Preis: stellung dienen."

biums in Stoblenz hat bisher 1 520 492 Mart gefoftet, Das Codesurteil der Besatzungspolitik.

bazu kommt die Miete für einen aus dem Schloffe Kob. leng entnommenen Teppich, dessen Wert nach Sachber ständigenschäzung vom 13. Mai 1921 500 000 Mart beträgt, bon mindestens jährlich 25 000 Mart.

Der Lurus, den die Ententedelegierten in Teppichen entfalter, scheit nachgerade zum Himmel. Ein englischer Freisdelegierter ließ fich allein 7 Teppiche neu anschaf fen, darunter einen indischen Teppich zu 1300 Mart, einen zu 1 275 Mart, einen zu 3 400 Mart, einen zu 3 950 Mart, einen Velourteppich zu 2 100 Mart, einen Boucherteppich zu 3500 Mark und schließlich einen Tip­pich für das Ankleidezimmer zu 3500 Mart, alles zu. sammen beinahe 20 000 Mark. Dabei ist zu bedenken, daß es sich hier um Preise des vergangenen Jahres handelt, die ganz erheblich niedriger waren als die, die man heute für einen Teppich anzulegen hat.

Der ebengenannte englische Kceisdelegtette bedurfte zur Verschönerung seiner Nachtcube eines Himmelbettes, und da dieses Bett noch teine hinterwand hatte, so mußte fie auf deutsche Kosten beschafft werden. Natür­lich aus blauer Seide.

Für einen Delegierten in der französischen Zone mußte der Vagiftrat auf mündlichen Befehl des Delc­glerten im Juli 1920 fieben Zimmer der ihm zur Ver fügung gestellten Wohnung ausstatter. Er ließ sich zwei Schlafzimmer faufer, eines in Goldbirke zu 31 660 Mart, das zweite in Blumenmahagoni für 29 060 Mait. Man bedente: das war im Juli 1920. Was mag ein olches Schlafzimmer nach der Valuta von heute wohl fosten, in die wir doch jene Preise umrechnen müssen, am sie beurteilen zu können!

Für die Unterbringung eines anderen Mitgliedes der Rheinlandkommission ist seit dem November 1920 das Anwesen Saffe in Koblenz beschlagnahmt worden. Der Wert der im Hause befindlichen Möbel ist damals von Sachverständigen auf 865 000 Marf geschäßt worden. Die vom Deutschen Reiche zu entrichtende Miete beträgt ür das Sommerhalbjahr pro Monat 11 530 Mart, für das Winterhalbjahr pro Monat 16 340 Mark. An Aus­gaben für die Instandseßung, Installation u. s. w. sind dem Heiche in der Zeit vom 1. November 1920 bis 1. No vember 1921 außerdem rund 200 000 Mt. Kosten ent­

standen.

Im März 1921 forderte das amerikanische Haupt­quartier in Koblenz die Einrichtung einer Druckerei für dte Rheinlandkommission. Die Anlage war faum fer­tig, da mußte sie schon erweitert werden. An Ausgaben ind bisher 944 200 Mart entstanden.

Der Wiederbeschaffungspreis. Vom Hansa- Bund wird uns geschrieben:

Der vom Hansa- Bund seit langem immer wieder gemachte Vorschlag, für die Preisbildung auf dem Wa: enmarkt den ieder beschaffungspreis als Grundlage für eine zulässige Preisbildung anzuerkennen, hat jetzt durch einen förmlichen Antrag der Abg. Korthaus, Esser,

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Amerika klagt an!

Wir bringen heute den Artikel aus der Feder des bekannten deutsch amerikanischen Journalisten, Herrn F. M. Elsen, der Ende Mai d. I. die besetzten Gebiete im Westen bereifte und seine Eindrücke in dem nach folgenden bemerkenswerten Bericht niedergelegt hat. Die Lage am Rhein, an der Saar und in der Pfalz.

Von F. W. Elven( Cincinnati).

Koblenz, 25. Mai. 1922.

Heute habe ich eine zehntägige Tour durch das theinische Besagungsgebiet zum Abschluß gebracht. Ich war in Duisburg, Düren, Jülich), Euskirchen, Trier, Saarbrücken, Speyer, Wiesbaden, Largenschwalbach, Mainz, Koblenz und Ems. Ich habe Rücksprache genom men mit Männern in öffentlichen Stellungen, die mit der Lage wohlvertraut sind; habe Frauen und Mädchen ihre Erfahrungen mit den fremden Besagungstruppen berichten lassen; habe Geschäftsleute, Geistliche und an dere Persönlichkeiten, von denen ich zuverlässige Infor­mationen erwarten durfte, aufgesucht; und vor allem habe ich mich durch den Augenschein überzeugt, daß die in den Vereinigten Staaten so oft und bis in die Neu­zeit hinein gehörte Behauptung, es gebe feine Neger am Rhein, auch heute noch hinfällig ist. Aber das ist nicht von großer Bedeutung. Man ist im Besagungs­gebiet durchaus nicht überzeugt, daß die Neger schlim­mer find, als die anderen farbigen Truppeu; im Gegen teil, in manchen Städten hat man beispielsweise mit den Marokkanern schlimmere Erfahrungen gemacht, als mit den Negern, und die weißen Franzosen sind um fein haar besser, als die farbigen, vielfach sogar noch schlimmer. Die beiden ersten schweren Verbrechen, die zu meiner unmittelbaren Kenntnis gebracht wurden, wurden von einem weißen Franzosen und einem Bel gier begangen. In Duisburg wurde ein fünfzehnjähriges Mädchen am Tage vor meiner Ankunft von einem belgischen Soldaten in brutaler Weise vergewaltigt; ich habe das Mädchen gesprochen, der Bericht des Arztes, der es unmittelbar nach dem Ueberfall untersuchte, be­findet sich in meinem Besiz. Am Tage vorher wurde ein anderes Mädchen von einem weißen Franzosen überfallen, und auch in diesem Falle habe ich mir die Tatsache von dem Opfer selbst bestätigen lassen. Die Zahl dieser Verbrechen ist auch heute noch sehr groß. Sie fommen nur weniger häufig als früher zur Kennt: nis der Behörden, well die Opfer sich scheuen, mit der ihnen angetaren Schmach in die Oeffentlichkeit zu flüch­ten, und weil sie die Deangsaiierungen fürchten, denen Zeugen ausgesetzt sind, die boc den fcanzösischen Behör­den zu erscheinen haben.

Man hat es häufig erlebt, daß Mädchen und Frauen, die als Antläger gegen französische Soldaten erschienen, die als Antläger gegen französische Soldaten erschienen, wegen Beleidigung der französichen Armee vor Gericht

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 1362.

35. Jahrg.

| gestellt und verurteilt wurden, weil sie außerstande wacen, aus den ihnen vorgeführter Soldaten den Attentäter heruszufinden; obschon ja wahrscheinlich auch die französischen Behörden begriffen hatten, daß es unter den gegebenen Umständen unmöglich war. Wo eine Veringerung solcher Gewaltafte stattgefunden hat, ist das lediglich auf die Tatsache zurückzuführen, daß Frauen und Mädchen nach Eintritt der Dunkelheit die Straße grundsäglich meiden und auch am Tage nur unter den zwingendsten Umständen ohne Begleitung aus. gehen. Es gibt keine Bevölkerungsklasse, deren weib­liche Angehörige nicht schlimme Erfahrungen mit den fremden Soldaten gemacht haben; die Frauen und Töchter auch der besten Gesellschaftsklassen sind von ihren unsauberen Händen ebenso wenig sicher, wie die Frauen und Mädchen aus dem Volte. Neuerdings be­funden besonders die farbigen Franzosen die Neigung, Knaben zur Befriedigung ihrer viehischen Gelüfte zu benutzen. In Euskirchen ist auf diese Weise ein nicht

unbeträchtlicher Teil der Schüler des Gymnasiums var seucht worden und zwar in solchem Umfange, daß die deutschen Behörden sich mit dem Gedanken vertraut machen mußten, die in Frage kommenden Knaben aus der Stadt zu entfernen, was ihnen indes bisher noch nicht gelungen ist, weil die französischen Behörden da rauf bestehen, sie als Zeugen festzuhalten. Die Wer­seuchung der Bevölkerung durch anstedende Scantheiten hat solchen Umfang angenommen, daß es immer schwerer wird, Mittel und Wege zu finden, dem Verderben Grenzen zu ziehen. Daß es die fremden Soldaten, in erster Linie die französischen Soldaten sind, die für diese Verseuchung verantwortlich gemacht werden müssen, ergibt sich leicht, wenn man Vergleiche zieht zwischen benachbarten Städten, von welchen die eine Stadt Be. sagung hat und die andere nicht. Das Uebel wird da durch wesentlich verschlimmert, daß jede Dirne sich des besonderen Schutzes der französischen Offiziere erfreut. Sie bringen die Dirnen in thee Privatwohnungen, wo die übrigen Hausbewohner Zeuge der wüfteften Orgien sein müssen. Billige Vorstellungen der deutschen Behör den finden teine Beachtung. Als in cinem Falle die Vorstellungen sehr dringend wurden und der franzöfifche Kommandant nicht wohl wagen fonnte, die zu seiner Kenntnis gebrachten Tatsachen zu bestreiten, erklärte ex, er sei der Ansicht, daß seine Soldaten deutsche Frauen und Mädchen haben sollten.

Im ganzen Besagungsgebiet herrscht infolge der umfangreichen Beschlagnahmungen ganzer Häuser oder der besten Teile derselben große Wohnungsnot. Für die fremden Offiziere und ihren Anhang müssen die besten Räume hergegeben werden. Die deutschen Haus­eigentümer müffen schon froh sein, daß man sie nicht ganz und gar auf die Straße wirft und ihnen wenigstens ein dürftiges laterkommen läßt. In den meisten Fäl len steht nur eine Küche zur Verfügung, die dann selbst­verständlich zuerst von den einquartierten Damen oder Weibern beansprucht wird. Von den dadurch für die Hauseigentümer entstehenden Unzuträglichkeiten fann man sich nur dann eine Vorstellung machen, wenn man ihre klagen selbst gehört hat. Auch hier ist das Ver­halten besonders der Franzosen ganz und gar auf Schifanierung eingestellt. Den deutschen Frauen bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen, und wenn sie sich beschweren, laufen fie Gefahr, wegen Beleidigung der französischen Armee bestraft zu werden. In solchen Fällen geiten immer die Angaben der Franzosen. Die Deutschen sind rechtlos, einerlei, wie begründet ihre Be schwerden sein mögen. Man hat es erlebt, daß einer deutschen Frau in der gemeinsam beugten Küche von der Französin die Salatschüssel weggeworfen und der Salat in den Ausguß geschüttet wurde, weil die Dame die Schüssel brauchte, um die schmutzigen Strümpfe ihres Gatten darin zu waschen.

Die Aufzählung solcher und ähnlicher Vorkomm. niffe ließe sich ins Endlose fortsetzen. Es liegt System in diesen Quälereien. Man will der Bevölkerung im­iner von neuem zu Gemüte führen, daß jene, von denen

Kathreiners

Malzkaffee

Reiner, würziger Geschmack- nicht verbrannt, wie zumeist einfach geröstetes Getreide,- Bekömmlich- Reusserst Sparsam!

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