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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 25 Pfg. monatlich vierteljährlich 75 Big., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 60 Pig. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. veg 83.
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Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung". m. b.
Nr. 78.
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Telephon: Nr. 362.
Vom Balkan.
Die rauflustigen Albanier haben im Bezirk Dibra die serbische Besatzung über den Haufen gerannt; Serbien wird größere Truppenmassen in Bewegung setzen, um sich zu rächen. Die Sache gewinnt mehr und mehr das Gesicht eines wirklichen Krieges, also des drit= ten Ballantrieges. Nach serbischen Meldungen wächst die Zahl der Albaner, die gegen die Serben ziehen, lawinenartig an. In dem fleinen Städtchen Galitſchick kam es zu einem heftigen Zusammenstoß. Die Albaner, die in der Minderzahl waren, besetzten den Platz. Bei Mayarewok kam es zu einem blutigen Kampf. Die Serben verteidigen heldenmütig den Platz. Bei Hostiwar schlugen die Serben einen großen Trupp Albaner zurück und verhinderten einen Angriff auf das Jamagebirge. 25 000 Albanier griffen Djakowiza Sie wurden nach zweitägigem Kampf zurückgeschlagen. 150 Tote blieben auf dem Kampfplatz.
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Die Opposition in Serbien macht der Regierung schwere Vorwürfe wegen des jetzigen dritten Krieges, der nach allgemeiner Ansicht hätte vermieden werden können, wenn die Grenze gegen Albanien durch hinreichende Truppen geschützt gewesen wäre..
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nennt in Regierungsfreisen als einzigen Schuldigen hierfür den Kriegsminister. Infolge der Mobilmachung hung gar. 25. Septbr. 197 teckt wiederum der Bahnverkehr für Private.
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In Rom werden die neuen albanisch- serbischen Berwickelungen für ziemlich gefährlich gehalten. Man ist der Ansicht, daß der Aufstand in Albanien nicht von selbst entstanden sei, sondern künstlich geschürt wurde.
In Wien hält man die Situation in Albanien insofern für etwas hoffnungsvoller, als in dem Zwist zwischen Essad Pascha und der provisorischen Regierung eine Einigung sich erzielen lassen wird. Die Regierung Jsmail Kemals beginnt bereits nachzugeben und hat eine der Forderungen Essads, den Senat einzuberufen, bereits erfüllt. Eine dauernde Besetzung albanischer Orte, das heißt der Orte, die jenseits der neuen alba
34)
Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 27. September 1913.
nischen Grenzen liegen, durch Serbien, wird DesterreichUngarn unter feinen Umständen zugeben.
Die von Elbassan gekommenen Albaner werden von 36 bulgarischen Offizieren geführt. Sie sind auBerordentlich gut bewaffnet und marschieren auf Monaſtir. Proviant führen sie ausreichend mit sich.
Politische Rundschau
Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pig Die 90 mm breite Reklame Zeile 50 Biennia Extrabeilagen werden nach Gen und Größe berechnet. Rabatt fommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles 10 Eagel, bei gerichtlicher Beitreibung oder ber Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichten, Druck der Gießener Verlaasdruckerei, Albin Klein
Telephon Nr. 862.
25. Jahrg.
5. Oktober eine Tour über Bieber, Frankenbach nach Gladenbach. Für den kommenden Winter werden in Gemeinschaft mit den anderen Gießener Militärvereinen Vortragsabende veranstaltet.
Die Zirkus Carree- Festspiele des größten Pferdezirkus der Erde, eines Unternehmens, das einen Wert von 3 Millionen repräsentiert, werden am Montag, den 29. September, wie bereits gemeldet, in * Der Thronfolger Erzherzog Franz Fer folossale Größe des Unternehmens Carree einen richtiGießen ihren Anfang nehmen. Um sich über die der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leip dient. Zirkus Carree, der in Amsterdam ein monumendinand, der bekanntlich als Vertreter des Kaisers an gen Begriff zu machen, sei hier mit einigen Details geReise vom Kriegsminister v. Krobatin, von dem Chef einen Wert von 2 Millionen repräsentiert und soeben in zig am 18. Oktober teilnehmen wird, wird auf seiner tales 3irfus- Theater sein eigen nennt, welches allein Freiherrn v. Romanskirch und vom Vorsteher der Mides Generalstabs v. Hötzendorff, seinem Oberhofmeister Berlin ein Terrain für 700 000 Mark erwarb, auf wellitärkanzlei begleitet sein. Außerdem werden sich in der chem er einen zweiten Kolossal- Zirkus in der deutschen Reichshauptstadt zu bauen die Absicht hat, wird Adelsgeschlechter befinden, deren Vorfahren an der Schlachtzügen hier eintreffen, deren erster das gesamte TiermaSuite des Thronfolgers die Vertreter jener österreichischen Tage seiner Eröffnung in zwei eigenen großen Extra bei Leipzig teilnahmen. In erster Linie werden mehferner Nachkommen des Feldmarschalls Radetzky in Leiprere Vertreter der Familie des Fürsten Schwarzenberg, zig erscheinen. Die Suite des Erzherzogs wird etwa 50 Personen zählen.
Als Nachfolger des Kommandierenden Generals des 14. Armeekorps, Freiherrn v. Hoiningen genannt Hüne, soll der jetzige Gouverneur von Mezz, von sion, Generalleutnant v. Lindenau, ernannt werden. Oven, und für diesen der Kommandeur der 16., Divi
Hus Stadt und Land.
n Gießen, 26. Sept. Gestern Abend. hielt der hiesige Kriegerverein seine Monatsversammlung ab. Der erste Vorsitzende, Staatsanwalt Trümpert, berichtete über die wichtigsten Vorkommnisse u. a. über den Hassiatag in Hirschhorn und den letzten Bezirkstag hier in Gießen, sowie über die Vorbereitungen zur Feier des 18. Oktober für unsere Stadt. Die gesamte Bürgerschaft soll dazu eingeladen werden. Die Ver= sammlung beschloß zu Punkt Herbst ausflug: am
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Nach dem Sturm.
Erzählung von Emil Frank.
( Nachdruck verboten.) War es thr ernst mit dieser Resignation? T thm regte sich wieder die Sehnsucht nach Gu... Breilich, die Jugendliebe war in Scherben gegangen, aber ließ sich aus diesen Scherben nicht doch noch ein
ensmittelgeschäft bescheidener Altar bauen, wenn man nur wollte? Das ufen. M. 30 Daren Gedanken, der Graf sprach sie nicht aus, denn
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Das erschien ihm doch taktlos, wenn er gleich bei der ersten Begegnung die Erinnerung an vergangene Tage ffrischte und aus den früheren Beziehungen Rechte für die Zukunft Herlettete, nachdem er damals durch feine Heirat derartigen Ansprüchen entsagt hatte. Aber
erbat sich die Erlaubnis, Else auch fernerhin ha fuchen zu dürfen, und diese Erlaubnis wurde gern ge
wahrt.
Als Graf Warminski zur Stadt zurückkehrte, beWohl häftigten thu die verschiedensten Gedanken. Fehrten bald die Kinder heim, Jadwiga ging la jest chon mit nach Hause; aber wie lange dauerte es, dann holte man sie thus fort, und er blieb allein, ein ein famer, freudloser Lebensabend war ihm alsdann be= schieden. Ja, wenn wenigstens der eine Wunsch seines Serzens in Erfüllung ginge, Jadwiga seinen Freund Rappel heiratete, danu war es nicht so schlimm mit der Sinsamkeit. Aber wer garantierte ihm denu dafür, daß diese beiden selbstbewußten Menschen sich in liebe fanen? Wenn er Else heiratete, dann konnte ihm ein pite& Glick beschieden sein, sie waren nun beide geretst bgelantiert, sie waren beide nicht mehr jung, aber ud ich zu ait, er 48, sie 38 Jahre. Sollten sie jetzt on: auf abes verzichten, was das Leben Schönes und Beglückendes bot? Sollte er sich nicht vielmehr darüber cucit, daß jei Herz trotz allem die Fähigkeit zu lieben
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In den folgenden Tagen war das Wetter nichts weniger als angenehm. Da bekamt Fürst Bogdan plötzlich Nachrichten, die ihn veranlaßten, seizen Anfenthalt in der Schweiz abzukürzen, und die übrigen hatten auch nicht viel- Lust, hier zu warten, bis es dem Himmel gefiel, beständiger zu sein.
Nur einer verließ ungern die Schwetz roz Regengüssen und Sturmgebraus, und das war Graf Warminski. Mehr als einmal war er nach dem reizenden Haus am Gütsch gewandert, um mit Elfe zu plaudern. Und je öster er kam, desto fester stand der Entschluß in ihm, um Eise wie um sein Glück zu werben. Ein Stück jugendlicher Begeisterung war in sein Herz zurückgekehrt; sein Herz war nicht alt, es hatte noch Hunger nach Liebe und Glück. Doch die, der sein Sehnen galt, fien nichts zu sehen und zu hören: schien nicht zu sehen das frohe Aufleuchten in seinem Auge, die Junigkeit, die in diesen Blicken lag; sie schien nicht zu hören, daß durch seine Worte ein warmer Herzenston Elang, daß in Wort und Blick und Wesen des Grafen ein zages, schüchternes Werben lag; sie schien nicht zu wissen, daß dieses Mannes Herz ihr heute ebenso ge= hörte wie damals in den Tagen der Jugend. Merkte sie es wirklich nicht?
Da hätte sie nicht etn Weib sein müssen! Da hätte sie den Mann nicht lieben müssen aus tiefstem Herzen! Daß sie sein Werben überhörte, seine Liebe übersah, fam daher, weil sie Warminski liebte! Sie wußte, daß der Graf erwachsene Töchter hatte, auf Jadwiga konnte sie sich nicht genau besinnen, die war schon als Kind stolz und selbstbewußt. Würde sie da nicht die fremde Frau als Eindringling betrachten? Nein, diese Ver= bindung konnte Warminskt kein Glück bringen. stand dann zwischen Weib und Kinder, und sie, Else, schob sich zwischen den Vater und die Kinder, die auf jeine Liebe ein heiliges Anrecht hatten. De war es bes= ser, daß sie abermals entfagte.
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Dem Grafen war der ständige Verkehr mit Else zu einer lieben Gewohnheit geworden. Darum war es ihm unangenehm, als er den allseitigen Wunsch vernahm, den Aufenthalt in der Schweiz abzubrechen und in die Heimat zurückzukehren. Es wäre eine Torheit gewesen, sich diesem Wunsche zu widersetzen. Nun galt es also, Abschied zu nehmen.
Heute sollte es sich entscheiden, er wollte Gewißheit haben, ob Else sein Weib werden wollte oder nicht. Fast fürchtete er sich vor dieser Entscheidung. Else war so ganz ander als früher, war es da nicht möglich, daß sie ihn abwies?
Lange konnte Graf Warminstt nicht die rechten Worte finden, denn Baronta Witram wich jeder Uns deutung geflissentlich aus und gab sich Mühe, harmlose Gesprächsstoffe zur Diskussion zu bringen. Endlich aber ermannte er sich doch. Er sprach:
" Ich weiß nicht, ob ich flug handele, an Vergangenes zu erinnern. Aber ich kann nicht anders. Es hat eine Zeit in unserem Leben gegeben, da war unsere ge= genseitige Liebe unser höchstes Glück. Doch wir mußten diese Liebe begraben, und sie war lange, lange tot. Jetzt ist sie in mer erstanden- vielleicht nicht so glühend, so wortretch, aber doch nicht minder innig und tief. Else, wenn noch ein Funken jener Neigung zu mir in Ihrem Herzen wohnt, die einst mein Glück war, so bitte ich Sie, werden Sie mein! Lassen Sie Vergangenes vergangen fein und kommen Sie mit mir einer schöneren gutunft entgegen! Wollen Sie mein Weib sein?"
Else Wilram war bei dem erben des Grafen aufgestanden und hatte sich abgewandt. Sie stand am Fenster, das den Ausblick zur Stadt gestattete und schten angelegentlich das Spiel des Windes zu verfol= gen. Doch sie fämpfte einen someren Kampf. Es wurde ihr schwer, den Mann abzuweisen, den sie von neuem lieben: gelernt hatte. ( Forts. folat.)


