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( Reueste Nachrichten)

oirteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zibeig ausgabestellen vierteljährlich 60 Bfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Mebaftion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht ver! anater Manuitrite wird nicht garantieri. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 69.

Telephon: Nr. 362.

Zur Jabrbundertteier in Kelbeim.

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Expedition: Seltersweg 85.

Mittwoch, den 27. August 1913.

Treue die Sorgen der Gegenwart und teilen mit ihm die Zuversicht auf eine glückliche und gesegnete Zukunft unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Der Kaiser sterte Teilnahme aller Klassen unseres Volkes führte in seiner Erwiderungsrede u. a. aus: Die begei­Feiern dieses Jahres, die sich auch heute wieder so kraft­an den voll und warmherzig hier an der Donau bekundet, legt Zeugnis dafür ab, wie tiefe Wurzeln das vaterländi­

sche Volk mit seinen Fürsten verbunden fühlt. Eure Kgl. Hoheit haben durch die Anregung der Zusammenkunft der deutschen Bundesfürsten und der Vertreter der freien und Hansa- Städte in der Befreiungshalle die heutige

Feier zu einem erhebenden Feste ganz Deutschlands ge

ſtaltet. Mit herzlicher Dankbarkeit für Eure königliche Hoheit werden wir alle dieses erhebenden Tages stets gedenken.

Posen.

Same Fra Am Montag vormittag fand unter Anwesenheit des ketur Stein Raisers, des Prinzregenten, sowie eines gro­ßen Teiles der deutschen Bundesfürsten die Jahrhundert Echtheit garantierte feier der Bundesfürsten an der Befreiungshalle statt. Nachdem alle Fürstlichkeiten eingetroffen waren und die n von Bahre Begrüßung beendet war, fuhren der Kaiser und der Prinzregent durch Kehlheim zur Höhe des Michelsber- sche Empfinden geschlagen hat, wie innig sich das deut­ges. An dem hinter der Befreiungshalle errichteten Ban­letthaus, wo die Bundesfürsten schon versammelt ren, wurde der Kaiser und der Prinzregent durch Ge­schützdonner empfangen. Nach dem Beginn des Feſt alles bewegte sich ein farbenbunter Zug vom Bankett= dem Etikett und Umba hause zur Befreiungshalle. An der Spitze dieses Zuges die Aufschrift Fabrikel befand sich die Deputation der Bayrischen Armee mit wollspinnerei Altone Bambert Fahnen der Regimenter, die schon im Jahre 1813 bestanden. Es folgten Kinderscharen in den Gewändern Neuheit jener Zeit und hinter diesen ritten die Bundesfürsten, Tatadorsta an deren Spitze der Kaiser neben dem Prinzregenten. Dann kamen die Vertreter der freien Städte, der Reichs­Der Kaiser und der Prinzregent Lud= reiner Wolle herge langler von Bethmann- Hollweg, die Vertretung des Bun- wig trafen gestern um 7.15 Uhr in Posen ein. Bei destates, das Präsidium des Reichstages, das bayrische dem Einlaufen des Zuges feuerten die Westforts 33 teinlaufend nicht fir Staatsministerium, staatliche und städtische Behörden Schuß als Salut. Am Kaiserpavillon fanden sich zum Beste gegen Schwer und viele Gäste aus dem ganzen Reich. In der festlich Empfange ein: Der Kronprinz, Prinz Eitel geschmückten Befreiungshalle hielt der Prinzregent eine Friedrich, der um 6.30 Uhr eingetroffen war, so­4Qualitäten Ansprache, in der er das Andenken seines Großvaters wie die anderen anwesenden Prinzen des königl. Hau­Ludwigs 1. und den Gedanken der deutschen Einheit ses, Fürst zu Fürstenberg, der kommandierende General unsch Nachweis von Begs feiert, dem dieser Vorfahre das Monument gewidmet des 5. Armeekorps, General der Infanterie von Strank, hat. Die Feier wurde durch Glockengeläute eingeleitet der Kommandant der Festung Posen, Generalleutnant und der Zug bewegte sich dann zum Banketthause zu= von Koch, der Oberpräsident von Schwarzkopf, sowie rück. Bei dem an die Feier in der Befreiungshalle sich der zum Ehrendienst beim Prinzregenten befohlene Jn anschließenden Festdiner im Banketthause hielt der Prinz- spekteur der ersten Kavallerie- Inspektion, Generalleutnant regemt einen Trinkspruch auf den Kaiser und die Bun Brecht. Der Kaiser begab sich im Automobil nach dem desfirſten, worin er sagte: Die deutschen Bundesfürſten föniglichen Residenzschloß, wo er Wohnung nahm, eben­sind mit Allem, was die mit ihnen durch geheiligte Ue­so der Prinzregent. Der Kaiser und der Prinzregent berlieferungen verbundenen Stämme und Völker be­wurden von einer ungeheuren Menschenmenge stürmisch weg, auf das innigste verknüpft. Sie reichen gerne und begrüßt. Regengüsse hatten das Feld und die Wege mit Freuden dem wackeren deutschen Manne die Hand, aufgeweicht. Trotz des schlechten Wetters zogen viele der mit ihnen sich zum Schuße der heiligen Güter un Tausende von Zuschauern zu Wagen und zu Fuß hin­jeres Volkes, der von Gott gesetzten Autorität und der aus zum Paradefeld. Die große Tribüne war dicht be­Liebe zum Vaterlande zusammenschließt. Mit dem setzt. Die Parade befehligte der kommandierende Ge= Kaiser an der Spike haben die hohen Bundesfürsten neral von Strank. ich zu dieser vaterländischen Gedächtnisfeier eingefunden. Gie legen durch ihre Anwesenheit Zeugnis ab von dem Gefühl starker Zusammengehörigkeit, das sie unter sich und mit dem deutschen Reich verbindet, mit dem Reich, dessen Ehre ihre Ehre, dessen Wohlfahrt ihre Sorge, dessen Aufschwung und Ansehen unter den Völkern das Biel ihres vereinten und treuen Strebens ist. Wie sie mit dem deutschen Volke gemeinsam das Gedächtnis einer großen Vergangenheit feiern, so tragen sie mit ihm in

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Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank.

( Nachdruck verboten.) Beim Abschied ging Jan Sojka bis vor die Türe und sagte jeder einzelnen auch Fräulein Benken:

gt: Brock's Ltd. 188 Aber das Wiederkommen nicht vergessen!"

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Ach, Jan," meinte Slawa, wir fahren ja noch gar nicht, wir kommen noch fünfmal zu Dir, und dann geht es erst los."

Wie die Zeit doch flog! Die Kinder waren ja ganz

teilt es der ander außer Rand und Band vor Freude. Fräulein Benken Favorit, der beste Schatte ihre liebe Not mit den Quälgeistern, die vor lau­

Welche Freude und is liegt im selbstgefer

Kleid! Wieviel Nüt

ann jede Dameleisten

ter Reisegedanken gar nicht mehr ans Lernen kamen. Draußen war eine Pracht, daß einem das Herz lachte. Es schien Blüten geschneit zu haben, so verschwende­

ie Blusen, Röcke, Kisch hatte der Lenz die Erde geschmückt. Das war ein leider, Wäsche etc. rangen und ein Gleißen, ein Blühen und Duften, und chneidert. Es geling die Vögel sangen so schön, die kleinen, süßen Konzert­ufs Beste, wenn sie meister! Puck und Grei, die Ponys, hatten Ferien. Cuverlässigen und e Rein, jetzt war es auf den eigenen Beinen am schönsten.

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Dann war der Morgen der Abreise. Graf War­minski hatte am Tage vorher eine lange Unterredung mit Jan Sojka. Sie behandelten ein unerklärliches thema: Schulden. Sojka war etwas kleinlaut gewor= ben, als er da auf dem Zettel jene Ziffer sah, die Krze­miens Schuldenlast bezeichneten. Was hatte der ten nichts. Und wenn das so weiter ging, dann dauerte es nicht mehr lange, und Graf Warminski konnte mit der lieben Kindern abermals abreisen, diesesmal auf Ni mmerwiedersehen! Ja, so machtens die hohen Her­rem. Erst schleuderten sie mit dem Gelde herum, als tömnte es für sie kein Ende geben, und war der Geld­bemtel leer, dann mußten Juden herhalten, und die tatten wahrlich nichts umsonst. So dachte Jan Softa

Gegen 9% Uhr trafen der Kaiser, der die Uni­form der Königsjäger zu Pferde trug, die Kaiserin die Kronprinzessin, Prinzessin August Wilhelm, die Söhne des Kaisers und der Prinz- Regent von Bayern in der Uniform seines 47. Regiments ein. Der Kaiser und die Prinzen stiegen zu Pferde. Nach dem Abreiten der Front begann der Vorbeimarsch. Es fand nur ein einmaliger Vorbeimarsch statt, wobei der Prinz- Regent sein Infanterie- Regiment, der Kai­

und war ein wenig argerlia) und ein wenig traurig, weil er so nuẞlos sich plagte.

Der Graf aber war heute anders: gesprächiger, besorgter, offener. Er machte fein Hehl daraus, daß seine Lage anfange, beängstigend zu werden, ebenso wenig aber verschwieg er, daß er fest entschlossen sei, sich zu halten, so gut es ging. Er trug Sojka auf, mit einer großen Firma, die mit Holz handelte, in Verbin­dung zu treten und ihr die großen Holzbestände von Krzemien anzubieten. Ich darf jezt nicht danach fra­gen, ob ich recht tue oder nicht, ob ich die entwaldeten Flächen wieder aufforsten kann oder nicht," so schloß er, ich muß jetzt nur daran denken, mir Krzemien zu erhalten. Wenn ich meine Ausgaben einschränke und der Wald einen annehmbaren Ertrag liefert, dann bin ich fürs erste gesichert."

Sojka hatte bisher keine Einwendungen gemacht. Erst war er erstaunt über diese ernste Willenskundge­bung des Grafen, über den Entschluß, Krzemien zu er­halten um jeden Preis. Dann aber kam der Praktiker zum Durchbruch, und er machte dem Grafen Vor­schläge, wie Ersparnisse gemacht werden könnten, ohne das Gut zu schädigen. Der Graf genehmigte alles ohne Widerstand, nur gegen den Verkauf einiger entfernter Vorwerke sträubte er sich, denn er meinte, wenn er erst einmal anfinge zu verkaufen, dann sei ein Ende gar nicht abzusehen. Sojka aber ließ sich nicht beirren; er wies zahlenmäßig nach, daß die Ausgaben an Steu­ern, die Kosten der Verwaltung und Bewirtschaftung in keinem Verhältnis zu den Erträgen dieser abge= Tegenen Besitzungen ständen. Dagegen sei der ange­botene Preis sehr annehmbar. Er habe in den letter Tagen keine Gelegenheit gehabt, dem Grafen von die sem Angebot Mitteilung zu machen. Seiner Meinung nach stecke hinter diesem Angebot der Plan zu einer industriellen Anlage, und dieses tomme entschieden dem

( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reflame Zeile 50 Pfennig Ertrabeilagen merden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zablungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beirveibung oder bei Konkurs in Wegfall. Vlapvorschriften ohne Verbindlichfeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

ser das Regiment der Königsjäger zu Pferde vorführte. Nach der Parade kehrte die Kaiserin im Wagen zurück. Der Kaiser begab sich mit dem Prinzregenten und den Prinzen zu Pferde an der Spitze der Feldzeichen gegen 11 Uhr nach Posen zurüd.

Am Abend fand beim Kaiserpaar im Residenzschloß Paradetafel für das 5. Armeekorps im großen Festsaale und im Wisbysaale statt. Zur Tafel führte der Prinzregent von Bayern die Kaiserin, der Kaiser führte die Kronprinzessin, der Kronprinz die Prinzessin August Wilhelm. Im Verlaufe des Mahles brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: Mein Glas gilt dem 5. Korps, welches die Gelegenheit hatte, heute vor mir in tadelloser Verfassung zu erscheinen und damit die Probe in der Friedensausbildung zu leisten. Ich er­warte von dem Korps, daß es im Ernstfalle den Geis­bergstürmern nacheifern und gleichen Ruhm an seine Fahnen heften wird. Drei Hurra für das 5. Korps. Hurra! Hurra! Hurra!"

Der Kaiser verlieh dem Oberpräsidenten der Pro­vinz Posen von Schwarzkopf den Kronenorden erster Klasse. Der Prinzregent speiste Mittags bei dem kom­mandierenden General v. Strang. Der Kaiser hat dem Grenadier- Regiment Nr. 6 die Gardeliken an der Uni­

form und am Helm den Gardeadler ohne Stern ver= liehen. Die Offiziere des Regiments erhalten eine alter­tümliche Stickerei am Waffenrock.

Vom Balkan.

Auf dem Balkan bereitet sich ein neuer Zusammen­stoß vor, der durch das Einrücken der türkischen Trup­pen in das Gebiet westlich der Mariza veranlaßt wird. Die Meldung von der Besetzung Kirdschalis durch die Türken wird amtlich bestätigt. Die Türkei will den Krieg. Sie will bei Gelegenheit der Räumung von Xanthi, Gümüdschina und Dedeagatsch das Gebiet zwischen der altbulgarischen Grenze und dem ägäischen Meer besetzen, da die bisherigen Verletzungen des Lon­doner Friedensvertrages für sie so überraschend günstige Ergebnisse gehabt haben.

Belgrad, 25. Aug. Gestern fand der festliche Einzug der serbischen Truppen unter Führung des Kron­prinzen statt. Die Gemeinde Belgrad überreichte dem Kronprinzen Alexander einen wertvollen Ehrensäbel. Die Truppen rückten dann bis zum Stadtpark, wo nach einer Ansprache des Königs das Karageorg- Denkmal enthüllt

wurde.

Aus Belgrad wird gemeldet, daß Ministerprä­sident Pafchitsch während eines Wiener Aufenthal­tes mit dem Grafen Berchtold auch die Frage eines

Besiz zugute. Da stimmte der Graf zu, m weitere Un­terhandlungen einzutreten und ihm vom Stand der An­gelegenheit jeweils Nachricht zu geben.

Die Herrschaften waren abgereist. Jan Sojka hatte lange dem Wagen nachgeblickt, der auf der stau­bigen Landstraße dahinrollte. Dann war er in sein einsames Häuschen zurückgekehrt. Ihm war so weh, so zag ums Herz. Die gestrige Unterredung mit dem Grafen hatte wohl viel zu dieser Stimmung beigetra­gen. Heute beim Abschied hatte es ihm einen Augen­blick scheinen wollen, als set die Last der Verantwor= tung, die er sich aufgeladen, zu schwer.

Doch Sojka war nicht der Mann, der sich lange niederdrücken ließ. Ja, wenn in seiner Brust nicht so viel Gottvertrauen gewohnt hätte! Und wenn er Jadwiga und Slawa nicht so lieb gehabt hätte! Schon um ihretwillen mußte er tun, was in seiner Kraft stand. Die lieben, Iteben Mädchen!

Gestern hatten sie ihm noch einige Photographien geschenkt. Da war erst Jadwiga. Auf dem Bilde sah sie nicht so frisch und teck aus wie im Leben. Aber bliz= ten ihn nicht auch vom Bild thre Augen an wie Kohlen? Und dann Slawa, das herzige, süße Kind. Ste war zar­ter, feiner als Jadwiga, ähnelte mehr der toten Mutter. Dann tam noch ein Bild zum Vorschein: darauf stand in der Mitte Fräulein Benten, rechts von ihr Jadwiga, links Slawa. Auch dieses Bild betrachtete Jan Sojka genau, und das geschah nicht bloß der Kinder wegen; Fräulein Benken war ihm ja im Laufe der Jahre eine Itebe Freundin geworden. Das war auch wirklich kein Wunder, wo sie fast täglich zusammenkámen, wo ihre Herzen in so vielen Punkten übereinstimmten.

( Fortsetzung folgt..