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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich virreljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. bgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstage. Redaktion: Selters­meg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nist verlangter Manuffripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. s.

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Nr. 34.

Telephon: Nr. 362.

Vom Balkan.

Die montenegrinischen Truppen sind am Dienstag siegreich in Skutari eingezogen. Cetinje. König Nikita hat sich in Begleitung des russischen Militärattaches nach Skutari begeben.

Cetinje. Der König von Montenegro sagte in einer Ansprache: Die großen Opfer, die das Land für Glutari gebracht hat, sind nicht umsonst gebracht wor­den. Stutari ist von heute ab montenegrinisch.

Nach an Wiener zuständiger Stelle eingetroffe­

nen Nachrichten ist König Nikolaus fest entschlossen, Sku­fari nicht zu räumen.

Serbische Militärkreise halten den Krieg mit Bulgarien als unmittelbar bevorstehend.

Konstantinopel. Mahmud Pascha ist nach pademföj abgereist, um die Friedenspräliminarien mit Bulgarien zu unterzeichnen.

Desterreich hat Montenegro vor das Ul­limatum gestellt: Shutari zu räumen, da nach dem ge­meinsamem Spruch der Großmächte die Festung dem neuen Staat Albanien einverleibt werden soll. Die politische Lage ist darum nicht gut.

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Politische Rundschau.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 26. April 1913.

führung chauvinistische ramen und sonstiger Schau­Paris. König Alfons wird seine Reise nach Paris am 5. Mai antreten.

stellungen nunmehr Ende nehmen.

Entwickelung der Belegschaftszahl und der Arbeiter­löhue in der Bergwerksindustrie in den letzten 10 Jahren.

Die soeben erschienenen Jahresberichte der Königl. Preußischen Bergbehörden enthalten ein wertvolles und

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Dig.

die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reklame 3eile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plazvorschriften ohne Berbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein. 25. Jahrg.

Telephon Nr. 362.

Breslau 133,3( 6635, 134 3616), Salle 1763( 1634

bezw. Clausthal 468( 440 bezw. 438). An der Gesamtzahl der jugendlichen Arbeiter ist das weibliche Geschlecht mit 1,78 Proz.( gegen 1,72 Prozent im Jahr 1911 und 4,2 Prozent im Jahre 1902) beteiligt. Nach der amtlichen Lohnstatistik hat der verdiente reine Lohn im Jahre 1912 auf eine Schicht der Gesamtbe­

legschaft im Durchschnitt betragen: Oberbergamtsbezirk

Aachen 4,87( 4,59 bezw. 3,71), auf den staatlichen Dortmund 5,03 Mark( 1911 4,69, 1902 3,82), bei Saarbrüder Gruben 4,22( 4,06 bezw. 3,57), Ober=

reichhaltiges Material für die Beurteilung der Verschlesien 3,64( 3,48 bezw. 2,97), Niederschlesien 3,44. hältnisse in der Bergwerksindustrie. In den Vorbe= merkungen zu diesen Berichten befinden sich nähere An­gaben über die Zahl der in den einzelnen Oberberg= amtsbezirken im Berichtsjahre durchschnittlich beschäftig­ten Arbeiter, Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter. Wir lassen nachstehend die Zahlen der im gesamten preu­ßischen Bergbau und in den einzelnen Oberbergamts bezirken beschäftigten Arbeitskräfte folgen und fügen zum Vergleich die für das Jahr 1911 und die für das Jahr 1902 festgestellten Zahlen hinzu, sodaß man einen Ue­berblick über die Entwickelung des Kohlenbergbaues in den letzten 10 Jahren gewinnt.

=

In den 5 preußischen Oberbergamtsbezirken waren 1912 durchschnittlich insgesamt 761 482 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt( 736 021 im Jahre 1911 und 541 951 im Jahre 1902). Gegen das Vorjahr ist mit­hin die Gesamtbelegschaftszahl um 25 461, gegen 1902 um 219 531 gestiegen. Von der Gesamtbelegschaftszahl entfallen auf den Oberbergamtsbezirk Dortmund 372 256 Der Kaiser hat in Metz mehrere Besichtig( 353 902 bezw. 246 195), Breslau 170 052( 167 019

gen vorgenommen.

Deutschland.

):( Homburg. Der Besuch der kronprinzlichen Familie ist im nächsten Monat zu erwarten.

4

Die Ziviltrauung der Prinzessin Vik Landw. oria Luise mit dem Prinzen Ernst August zu berhessen Braunschweig und Lüneburg findet am 17. Mai Potsdam und die kirchliche am 24. Mai in Ber in statt.

der Giessen Zeitung.

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Die Kaiser Manöver werden im Jahee 1914 im Taunus stattfinden.

*

General- Feldmarschall Graf Haeseler be­ebt heute Samstag die Feier seines vor 60 Jahren jolgten Eintritts in die Armee.

Frankreich.

Paris. Mehrere Pariser Zeitungen sprechen Interesse forrekter Beziehungen zwischen Deutschland and Frankreich den Wunsch aus, es möchte die Auf

, Licherstraße Die Nachbarn vom Heideland.

gen in Engla ck's Ltd. 188, The Gr London W.Gesetzausz

ved, fleißiges

16)

Roman von Ludwig Blümce.

( Nachdruck verboten.)

Er hatte sich gründlich getäuscht. Und das war ein oßes Glück. Nicht vor dem Gasthaus stand er, son­en wieder vor dem Schulhaus. Durch einen Spalt ber Fenstervorhänge sah er, daß die Familie Holm noch efrig lesend am runden Tisch saß. Da pochte er be= cheiden an, entschuldigte sich und bat, man möchte ihn

tmädcheiden

fleine en Hausch einmal einlaffer. Ach, Du bist verirrt im Nebel, r) gesucht. Me durFannst nicht den Weg nach Hause finden!" rief Inge aus Exp. d. Bl. entget ihrer glockenreinen Stimme und dabei lachte der

er

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alten

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Schalt aus ihren blizenden Augen.

Nur gut, daß Du Dich zurückfandest. Ich fürchtete auch schon, Du könntest in ein Moorloch geraten sein." Aber Du bist gestürzt!" sagte der alte Holm. Das che ich an Deinem Anzug."

Ist schon richtig; ich will alles erzählen." Damit les Ewald sich schwerfällig auf seinen gewohnten Plaz inten es lag ihm wie Blei in den Gliedern

Und wie er zu Ende war mit dem Bericht, da fragte er: Was soll ich jetzt tun? Was halten Sie für das rechte, Herr Holm?"

Mein Sohn, Du kannst gar nichts dabei tun, vor der band wenigstens noch nicht. Irren ist menschlich! Du Fönntest Dich sehr wohl getäuscht haben. Schweige also und beobachte scharf. Ehe Du dann etwas unternimmst, Tomm her und frage mich wieder."

Ewald befolgte nach langem Ueberlegen diesen Rat. Ms er heimkan, da saß Stine noch auf. Die hatte berveinte Augen und sah wieder einmal recht blaß aus. Ewald strich ihr mit seiner harten Hand über den Schei­tel und ich ihr n nur: Geh doch zu Bett, es ist bald elf hr, und um drei fräht der Hahn bei uns." Warum fie gemeint, abnte er. Er mochte darum

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bezw. 123 416), Bonn 125 064( 125 605 bezw. 100 015) Halle 69 808( 67 136 bezw. 56 896), Clausthal 24 302 ( 22 359 bezw. 15 429). Demnach hat die Gesamtbe­legschaftszahl im Oberbergamtsbezirk Dortmund Zunahme um 18 354 bezw. 126 061, im Bezirk Bres­lau um 3033 bezw. 46 636, Halle um 2672 bezw. 12 912, Clausthal um 1943 bezw. 8873 erfahren, wäh­rend im Bezirk Bonn ein Rückgang der Belegschafts zahl um 541 gegen das Vorjahr und eine Steigerung um 25 049 gegen 1902 zu verzeichnen war. Die samtzahl der im Bergbau beschäftigten weiblichen Arbeitskräfte betrug 10 070( 1911 10 022, 1902 9087). Hiervon entfallen auf den Oberbergamtsbezirk Breslau 9003( 9018 bezw. 7949), Halle 818( 799 bezw. 709), Bonn 226( 192 bezw. 376), Clausthal 18( 12 bezw. 24), Dortmund 5( 1 bezw. 29). Die Zahl der ju­gendlichen Arbeiter stellte sich im Jahre 1912 ins­gesamt auf 27 623( gegen 26 142 i. V. und 17 760 im Jahre 1902). Auf die einzelnen Oberbergamtsbezirke verteilt sich diese Zahl wie folgt: Dortmund 12 866 ( 12 006 bezw. 8078), Bonn 5193( 5427 bezw. 3996),

nicht neugierig sein. Daß seine Ahnung richtig war, sollte er sogleich bestätigt finden, denn Stine hielt seine Hand fest und bat ihn, noch einen Augenblick zu bleiben. " Ich glaube, Hans macht sich unglücklich mit der Hei­rat," sagte sie dann. Vorhin war die Tiedgen hier, die hat mir tolle Sachen von Mutter und Tochter Mathiesen erzählt. Er soll die Lungenentzündung haben, und Dr. Schröder hat wenig Hoffnung, daß er noch einmal auf­tommt."

,, Stine, glaube nicht alles, was die Leute sagen. Dr. Schröder ist ein Schwarzseher,- Und nun gute Nacht."

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Wetter sagte er nichts. Seine Kammer lag auf dem Boden. Er suchte sie sofort auf, fand aber keine Ruhe in dieser Nacht, wenn ein Gespenst war eingezogen in den stillen Raum und nahm ihm die Ruhe. Der Haß" hieß dieses Gespenst.

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VI. Gebieter Tod.

In Matt us Wirtschaft ging es an diesem Sonn­tagabend- es war acht Tage nachdem Ewald Lorenzen die beiden Gestalten im Nebel geſehen wieder hoch Her. Da Hans Hinrichsen auf einige Tage in Geldan­gelegenheiten verreist war, glaubte seine Braut sich ein­mal aller Ketten und Bande ledig, und vergaß gänzlich, was damals Pfingsten ihr Mund dem Verlobten ge­schworen. Thorö, ein paar gute Bekannte, die bet ihm zum Besuch waren, ein Ingenieur aus Kiel und noch einige Lebemänner, tranfen mit ihr und ihrer Mut­ter Champagner, tanzten, musizierten und machten einen Lärm, als sollte das ganze Haus einstürzen. Da trat die Magd, en freches Mädel mit struppigem Haar, mit unverschämtem Lachen herein und sagte zu Hermine: Der Herr läßt Sie bitten, Sie möchten doch gleich ein­mal zu ihm kommen, es ist sehr schlimm mit ihm."

Ach was, schon wieder sehr schlimm! Sag' meinem

( 3,30 bezw. 2,73), Bezirk Halle( Brauntohlenbergbau) 4,34( 4,20 bezw. 3,58), Bezirk Clausthal( Salzbergbau) 3,78( 3,69 bezw. 2,94), Bezirk Halle( Salzbergbau) 4,42( 4,29 bezw.-). Seit 1902 sind somit die Löhne im Dortmunder Revier um 1,21 Mt. je Schicht gleich 31,68 Prozent, im Aachener Revier um 1,16 Mt. gleich 31,27 Proz., im Saarrevier um 0,65 Mt. gleich 18,21 Prozent, in Niederschlesien um 0,71 Mt. gleich 26,01 Prozent, in Oberschlesien um 0,67 Mt. gleich 22,56 Prozent, im Braunkohlenbergbau des Bezirkes Halle um 0,84 Mt. gleich 28,57 Prozent, im Salzbergbau des Bezirkes Halle um 0,76 Mt. gleich 21,23 Prozent ge­stiegen.

Aus Stadt und Land.

n Gießen. Bei herrlichem Wetter traf am Mitt­woch der Kaiser kurz nach 12 Uhr hier ein, nach­dem kurz vorher der Großherzog von Hessen in der Zeughaustaserne eingetroffen war. Um 12.20 Uhr er= reichte der Kaiser unter dem Jubel der Bevölkerung die Kaserne ,, worauf sich die beiden Fürsten herzlich be= grüßten. Der Kaiser schritt die Front seines hessischen Regiments Nr. 116 ab, dann fand ein Parademarsch in Zügen statt. Darauf begaben sich die Fürſten mit Gefolge in das Offizierskasino. Nach dem Frühstück f der Kaiser um 2.50 Uhr wieder nach Homburg zurück. Kurz darauf trat der Großherzog von Hessen, der noch einen kurzen Aufenthalt im großherzoglichen Schlosse ge= nommen hatte, die Rückreise nach Darmstadt an. Mili­litär bildete in den Straßen Spalier. Das Publikum bereitete dem Kaiser und dem Großherzog herzliche Ovationen.

n Gießen. Das Provinzial- Wasserwerk In­heiden hat in seinem ersten Geschäftsjahr sehr gün­stig abgeschnitten, die außerordentliche Rücklage beträgt rund 150 000 Mark, der Gewinn 260 000 Mt.

n Gießen. Eine Abteilung der Koblenzer Tele­graphentruppe traf hier ein und errichtete eine Funken= station für drahtlose Telegraphie.

Vater, ich kann unsere Gäste nicht allein lassen. Gib thm einen Kognat, dann wird er wieder zufrieden sein."

Damit wandte sie sich wieder den anderen zu und trant ihren Sett aus. Ihre Bemerkung wurde von den start angetrunkenen Herren als ein großartiger th aufgenommen und mit schallendem Gelächter quitttert.

Die Magd hatte es nicht so eilig. Ste stemmte die drallen Arme in die Seiten und schaute dem tollen Treiben erst eine Weile zu. Ihre Gegenwart genierte weder Frau Mathiesen noch Hermine in der rosigen Settlaune.

Champagner gab es sonst nicht im Arendruper Wirtshaus, da genügte gewöhnlich Grog und Kaffee­punsch, Teepunsch, dünnes Bier und Branntwein. Aber seit der reiche Müller Stammgast geworden und häufig feine Herren mitbrachte, da hatte Mathiesen sich auch einen Weinkeller anlegen müssen.

Als die Magd eine Stunde später in die Kranken­stube eintrat, um dem Herrn die Bemerkung des Fräu­leins wortgetreu zu übermitteln den Aerger darüber gönnte sie ihm nur zu sehr da- war Mathiesen ein toter Mann. Mit einem gellenden Schrei prallte das Mädchen von seinem Lager zurück. Die verzerrten Züge des Toten flößten ihr Entseßen ein, die Kognafflasche und der Römer entfielen ihren Händen und lagen in Scherben auf dem Fußboden.

Ein Herzschlag hatte dem Kranten, wie Dr. Schrö­der richtig vorhergesagt, ein jähes Ende bereitet.

Wie die Magd nun bleich und verstört abermals in das Herrenzimmer hineinpolterte, da hatte die Aus­gelassenheit gerade ihren Höhepunkt erreicht.

" Der Herr ist tot! Kein Mensch war bei ihm!" treischte die Eintretende.

Thorö stößt eine Verwünschung aus, die andern werden still und ernst.-- Der Jubel hat ein Ende, und Mutter und Tochter find plöslich nüchtern ge= worden.

( Fortseßung folgt.)