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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

pierteljährlich 75 Pig.. vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen viertelfährlich 60 Pfg.- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwochs und Samstags. weg 83. Für Aufbewahrung oder Müdiendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der, Gießener Zeitung" G. m. b.§.

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Nr. 51.

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Telephon: Nr. 362.

Bulgarien und Serbien näbern sich.

Die bulgarische Regierung hat nun doch be­Schloffen, den Ministerpräsidenten Dr. Dane w nach Petersburg zu senden, um der Aufforderung des Zaren Folge zu leisten. Zar Ferdinand will damit beweisen, daß seine Regierung bereit ist, alle friedlichen Mittel zu versuchen, um den Konflikt mit Serbien ohne einen Bruderkrieg aus der Welt zu schaffen.

Serbien hat die an die Beschickung der Kon­ferenz in Petersburg geknüpften Bedingungen fallen gelaffen.

In dem Bestreben, eine friedliche Lösung des ser­bisch- bulgarischen Konfliktes zu finden, habe die russische Regierung Serbien und Bulgarien aufgefordert, even­tuell dem erforderlichen Schiedsspruche Rußlands ohne jede Reserve zuzustimmen. Sämtliche Mitglieder der slager geben erbischen Regierung, ausgenommen zwei Mitglieder, hötter sich unter der Voraussetzung der Zustimmung steht Bulgariens für die Annahme der russischen Forderung werden kann entschieden.

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*

Politische Rundschau.

Deutschland.

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Hamburg, 22. Juni. Kurz nach 3 Uhr traf ndustrie das Staiferpaar bei Horn zum Rennen ein. Das Pub­lium, das zu vielen Tausenden bei prächtigem Wetter bie Bahn füllte, brachte stürmische Hochrufe aus. ahen zunächst dem Rennen um die silberne Peitsche zu, bann folgte der große Hansapreis, alsdann das Kai­Jerin Auguste Vittoria Jagdrennen um den Ehrenpreis der Kaiserin. Erster wurde Leutnant Graf Holck, der mit 2% Längen sicher gewann. Hold wurde in die Raiferloge geführt und empfing aus der Hand der Kai­erin den Preis. Um 4.45 Uhr verließen die Majestäten Die Rennbahn unter andauernden Ovationen und be­

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Mittwoch, den 25. Juni 1913.

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( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 min breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Tie 90 mm breite Reflame- Zeile 50 Pfennig Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Nabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitveibung oder bef Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 362.

25. Jabra.

Bigung des Wehrbeitrages für soldatenreiche Familien,| kräften, gab jedoch dabei zu, daß der Generalstab sowie das Kinder- Privileg betrifft. Dabei wurde einen Rechen fehler begangen habe. Antrag angenommen, der bei weniger als 100 000 m. Vermögen für jedes dritte und folgende Kind eine Er­mäßigung von 5 Prozent vorsieht.

Kaisermanöver allergrößten Stils.

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Die vom 8. bis 10. September vor dem Kaiser stattfindenden Uebungen des 5.( Posenschen) gegen das 6.( Schlesische) Armeekorps werden mit Sicherheit die letzten ihrer Art sein, bei denen es sich nicht um Kämpfe zwischen Armeen nach dem Vorbild der Jahre 1909 bei Mergentheim, 1911 bei Woldegt in Mecklenburg, 1912 bei Oschatz handelt. Schon 1914 soll, wie die Mil- Pol. K." hört, ein Kaisermanöver ganz großen Stils abgehalten werden, bei dem auf jeder Seite eine Armeeabteilung von je drei Armeekorps und starker Hee­reskavallerie fechten wird. Soweit die Bestimmungen hierüber schon feststehen, kann mit der Teilnahme des 7. ( Westfälischen), 8.( Rheinischen), 10.( Hannoverschen), 11.( Hessisch- Thüringischen), 18.( Großh. Hess.- Nassau­ischen) und eines Bayerischen, wohl des 2. in Würz= burg, gerechnet werden. Neben den künftigen großen Herbstmanövern zwischen je einer Armee vor dem Ober­sten Kriegsherrn bleiben die in diesem Jahre zum ersten male allgemein abgehaltenen Feldübungen unter der Leitung der Armee- Inspekteure von einzelnen Armee= forps gegeneinander weiter bestehen.

Oesterreich.

* Wien. Nach den zwischen Wien und Gmun­den getroffenen Abmachungen erfolgt der Besuch des deutschen Kaisers in Gmunden zum Besuch des Her zogs von Cumberland am 16. August. Am 18. Aug., dem Geburtstage Kaiser Franz Josefs, begibt sich Kai­ser Wilhelm nach Jschl.

Frankreich.

* Der Präsident Poincare reiste am 23. Juni reifte die Kaiserin nach der Wildparkstation ab, wo sie mit dem Minister des Auswärtigen, Pichon, zur An­rbends 10.33 Uhr eintraf.

* Das Kronprinzenpaar begab sich am 23. Juni abends zur Teilnahme an der Kieler Woche on Danzig über Berlin nach Kiel.

):( Homburg v. d. H. Die Kaiserin trifft vor­russichtlich schon am 5. Juli, eventuell noch einige Tage citer, zu längerem Kuraufenthalt in Bad Homburg ein und wird auf dem Kgl. Schlosse Wohnung nehmen. Berlin, 23. Juni. Die Budgetkommission Des Reichstages setzte heute die zweite Le­ung des Wehrbeitrages bei§ 14 fort, der die Ermä­

83)

*

Die Nachbarn vom Heideland. Roman von Ludwig Blümde.

( Nachdruck verboten.) Ungeduldig trat gerade in diesem Augenblick Her­mine herein und fragte in sehr energischem Ton, was thr Gatte mit dem Lumpenhendrik vorgehabt.

Thorö lachte laut auf und erwiderte:" Wollte dem anne Schelm doch auch eine Freude machen, darum Ließ ich mir seine Liebestränklein zeigen und hörte seine Verrücktheiten geduldig an."

Hermine schien wenig befriedigt von dieser Antwort. Sie glaubte sie offenbar nicht, doch sie hatte es eilig, Sarum verschob sie weitere Fragen auf später.-

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hallchen Et enennungen.

Vier Wochen später kehrte das junge Paar von der Hochzeitsreise zurück und hielt seinen Einzug in das festlich geschmückte Herrenhaus", wie die Arendruper nannten. Die frühere Haushälterin blieb als Mam­Tell bei Thorös und tat, was Hermine sehr kränkte, vom esten Tage an, als wäre sie eigentlich die Herrin. Kein Mensch in Arendrup konnte ahnen, wieviel Diffe= Tenzen und häßliche Szenen es schon auf der Hochzeits­rise zwischen den Ehegatten gegeben. Hermine sah mehr und mehr ein, daß sie die Rolle nicht würde spielen Tonnen, von der sie geträumt, und daß ihr Mann sie Laufendmal belogen. Verzogen, wie sie war, suchte sie durch ihren Troß zu erreichen, was Schmeicheleien nicht durchzusetzen vermochten. Wenige Wochen nach ihrer Sickkehr sollte ihnen eine recht unliebsame Ueberra­hung zuteil werden. Schrieb da die Mutter aus Flens­burg, sie hätte die Bekanntschaft eines gutfituierten herrn thres Alters gemacht und wäre gesonnen, den­felben zu hetraten, da sie der Einsamkeit überdrüffig mire. Der gutfituierte Herr war Thorö als ein großer Berschwender recht wohl bekannt. Kein Wunder, daß Ste Absicht seiner Schwiegermutter keineswegs bil­

tritts visite nach England ab.

In der französischen Kammer brachte Jaures einen Beschlußantrag ein, daß der Heeres ausschuß Don nerstag einen Bericht über die richtige Ziffer der Mannschaftsvermehrung erstatten möge, die durch das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit erzielt werde. Jaures bemerkte in der Begründung, daß nach den Ziffern des Generalstabes diese Vermehrung 143 000 Mann betrage, während sie nach seiner Berechnung nur 70 000 Mann betrage. Der Regierungskommissar Ge­neral Legrand versuchte die Behauptung Jaures zu ent­

ligte und so wenigstens einmal mit seiner Gattin eines Sinnes war.

Seit Thorö Herr und Gebieter auf dem Eichhof und Hinrichsen als Pächter von seiner Gnade oder Ungnade abhängig war, da zeigte es sich, wie Lorenzen genau vorhergesagt, nur zu bald, daß hier dasselbe Spiel wie auf dem Moorhof begann.

Wenn der Himmel kein Wunder tut," sagten die Leute, dann können die beiden getreuen Nachbarn und Freunde zum Frühjahr betteln gehen."

Ach, die beiden waren sich vollkommen klar über ihre Lage. Hinrichsen war nüchtern geworden, es gab Tage, wo er heller sah als in der Zeit seiner Vollkraft. - Dann schämte er sich seiner Blindheit und bat Loren­zen sein Unrecht ab. Aber sein Schicksal war besiegelt. Es ließ sich nichts mehr daran ändern. Ein Trost in allem Leid war den Getreuen auf dem Eichhof, daß es Hans gut ging in dem Erholungsheim. Freilich wür­den noch Monate vergehen, schrieb er, bis man ihn in die Heimat entlassen könnte.

Frau Mathiesens Krug besaß jetzt ein biederes, un­scheinbares Männlein, das recht schlechte Geschäfte machte. Thorö kehrte nur selten bei ihm ein, da ihm die Wirtschaft jetzt nicht mehr vornehm genug schien.

Ms er an einem trüben Märztag seinen häuslichen Aerger mit verschiedenen Gläsern heißen Grogs hin­wegzuspülen gedachte, betrat er wieder einmal das Her­renzimmer des Wirtshauses und zeigte sich dem dienst­eifrig herbeitrippelnden Wirt Johannsen nicht so zuge­Inöpft wie sonst. Nach dem dritten Glase wurde er so­gar gesprächig und fragte nach diesem und jenem.

Plößlich wird die Türe aufgerissen und- Thorb traut seinen Augen nicht des Lumpenhendrits wider­wärtige, ewig grinsende Frage wird sichtbar.

Aber, Herr Wirt, versäumen Sie doch den einen vornehmen Gast nicht alle anderen," trate er, erst jetzt den Müller erkennend.

*

Die französische Regierung annektierte die im Uea- Archipel( Ozeanien) gelegenen Wallisinseln.

* Die Deputierten Reinach und Monteballo brach­ten einen Gesetzentwurf ein, der die Einstellung der Re­fruten vom 20. Lebensjahre vorsieht.

Holland.

* Die Erste holländische Kammer nahm den Gesetzentwurf über die Küstenverteidigung ein­schließlich des Baues eines Forts bei Vlissingen an.

Belgien.

* Der belgischen Kammer ging der Entwurf eines neuen Schulgesetzes zu.

Türkei.

Konstantinopel, 24. Juni. Der Sultan hat die Urteile des Kriegsgerichts gestern bestätigt und heute früh 3 Uhr wurden 12 der zum Tode verurteilten Mörder Mahmud Schefkets in der Nähe der Mordstelle durch den Strang hingerichtet. Nur wenige Neugierige wohnten der Hinrichtung bei. Militär hat die Richt= stelle umstellt. Außer diesen wurde eine Anzahl von türkischen Offizieren und Beamten in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Unter den Freigesprochenen befinden sich unter anderem der Chauffeur Scheffet Paschas. Mehrere der Angeklagten erhielten längere Kerkerstrafen. In der Begründung der Urteile wird erklärt, die Untersuchung habe das Bestehen eines Komplottes ergeben, das zum Teil die Ermordung Mahmud Scheffets, Talaad Beis, Kemal Beis, sowie die Wiederherstellung der Macht Kia­mil Paschas beschlossen gehabt habe. Als Leiter der Verschwörung wird Prinz Sabbah Eddin bezeichnet.

Amerika.

* Der auf seiten der mexikanischen Rebellen kämp­fende französische Flieger Didier tötete in einem Gefecht bei Oriz Hunderte von Bundes soldaten durch Schleudern von Bomben aus seinem Flugzeug.

Afrika.

* Dakar. Der auf einer Inspektionsreise sich be­findende Major der deutschen Schutztruppe soll von Ein­geborenen aus Etone angegriffen und ein Unteroffizier Seifert sowie 12 deutsche Soldaten getötet worden sein.

,, Ah, Sie sind es, Herr Thorö!" damit torfelte er herein und reichte diesem seine unsaubere Hand. Er schien gänzlich vergessen zu haben, daß er am Hochzeits­tage versprochen, sich nie wieder hier sehen zu lassen, denn seelenvergnügt rief er aus: Ah, lieber Freund, jetzt werden wir uns öfters hier treffen. Habe mich nämlich in Arendrup, und zwar hier im Kruge, häus­lich niedergelassen. Bin des Herumziehens überdrüssig und hier gibt es so liebe Leute." Dabei lachte der stark Angetrunkene laut auf. Ich glaube, Herr Tho­, Sie werden mich noch öfter brauchen, denn ich bin bekanntlich ein Mann, der alles kann, der mit allen Hunden gehezt ist. Doch für heute guten Abend, ich habe soeben für meine Patienten eine Runde ausge= geben. Ja, Doktor Schröder und Tierarzt Aßmußen werden einen argen Konkurrenten an mir haben!"

An den Tisch taumelnd, daß Thorös Glas umstürzte, torfelte er wieder hinaus.

Der Wirt wunderte sich über seines vornehmen Gastes verstörtes Aussehen, wie er wieder tam. Auf dessen Frage, ob er den Lumpenhendrik wirklich in sein Haus aufgenommen, erwiderte Johannsen: Er zahlt mir eine anständige Miete und lockt mir Kundschaft an, denn die kleinen Leute sehen einen großen Gelehrten in ihm. Er ist Doktor, Apotheker, Advokat und Schret­ber, alles in einer Person.- Ist vielleicht noch ein Glas gefällig?"

Ich danke!" Wetter sagte der Müller nichts, griff Hut und Mantel und stürmte davon.

3u Johannsens größter Freude kehrte Thorö am ächsten Tage wieder bet thm ein und dann regelmäßig eden Abend, nun schon über eine Woche. Hendrik be­ häufiger die Dreistigkeit, in das Herrenzimmer zu gehen und den vornehmen Herrn scheinbar zu amüsie­ren. Der hielt ihn offenbar für einen Narren, wenig­stens meinte der Wirt das.

( Fortseßung folgt.)