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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Nenefte Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 fg. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der. Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 42.

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Telephon: Nr. 362.

Hochzeit im Kaiserbause.

Von allen Seiten und Himmelsrichtungen trafen Kauf eines ir, um an der Vermählungsfeier der Prinzessin Vik­dieser Woche die Gäste des Kaiserpaares in Berlin kauft man oria Luise mit dem Prinzen Ernst August von Cum­erland teilzunehmen. Seit der Zentenarseier im Jahre 897 Jah Berlin nicht so viele fremde Fürstlichkeiten in erhalb seiner Mauern.

brikpreisen.

Nr. 9

Die Braut, des Kaiserpaares einzige Tochter, Prin­Mustrie essin Viktoria Luise, geboren am 13. September 1892 n Marmorpalais bei Potsdam, steht im 21. Lebens­Kirchplatz hre, der Bräutigam, Ernst August von Cumberland, I am 17. November 1887 im Lothringerhaus zu Pen­ig bei Wien geboren, steht also im 27. Lebensjahre. Sim Jahre 1908 trat er als Leutnant im 1. Schweren Beiterregiment zu München ein und wurde 1912 zum Oberleutnant befördert. Anläßlich seiner am 10. Fe­raar ds. Js. stattgehabten Verlobung reihte ihn der aiser am 13. Februar in die preußische Armee als Flechte Berleutnant bei dem in Rathenow a. H. stehenden farenregiment von Ziethen( Brandenburgisches Nr. ein. Die Bescheidenheit seines Auftretens, sein na­Bass. u. trock. Schuppenflicher Taft, seine vornehme Gesinnung und sein freund­ches Wesen auch den geringsten gegenüber, das frei offene Fülon Serablaffung iſt, vielmehr feinem perzen entspricht,

Bartflechte, skroph. E

sind oft sehr hartni

Hautausschläge, Adenachen ihn überall wohlgelitten und beliebt. böse Finger, alte W Von allen Seiten wünscht man dem Brautpaar Wer bisher vergebli frichtig Glück, und der Wunsch fleidet sich für Pa­Heilunghoffte, veroute und Hütten in die gleiche althergebrachte For­die bewährte u. inne, daß es immer so bleiben möchte,, wie einst im Rino- Sanen Monat Mai". Freuen sich doch" über jede Lie­rei von schädlich. Bestele sheirat die Englein im Himmel und die Menschen Dose Mk. 1,15 u. 2,2 an achte auf den Nu Erdental", und man sollte die Freude nicht durchy Rino und Firmie Behauptung verderben, die Verbindung der Prin­Weinbohla Dresden ein mit dem Cumberländer sei zugleich ein großer Zu haben In allen Apedita Erfolg der deutschen Politik.

Rich. Schubert& C

Mit dem Freudentage der Prinzessin Viktoria Luise n Friseur- Lehrersindet sich die Feier der fünfundzwanzig­Volontär en Wiederkehr des Hochzeitstages des Prinzen rd. Aff, Lichert in rich von Preußen, der im 3aren den Schwager begrüßt, in dessen Land er einst den kaiser­der intereichen Bruder bei seinem Antrittsbesuche auf der Ho­Limbuenzollern" über das Baltische Meer geführt hat. So mit berühernüpfen enge Verwandtschaftsbande und viele Fa­Verkehrs Tilien- Erinnerungen die Vertreter und Mitglieder der Herrscherhäuser bei den Festen im Berliner Schlosse.

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Als nahe Verwandte und hochgeschätzte Freunde Der Familien Hohenzollern und Cumberland nehmen an bem Hochzeitsfeste teil der britische König und der russische 3ar. Wenn auch nur an die engere Ver­

Die Nachbarn vom Heideland.

24)

Roman von Ludwig Blümde. ( Nachdruck verboten.)

VIII.

Ein gefährlicher Zeuge. Hätte Thorö Eure Körperkonstitution, dann würde ich hoffnung haben," sagte Doktor Schröder zu Hinrich­sen, nachdem er jenen genau untersucht und ihm einen Verband angelegt. Die Kopfwunde ist nicht so gefähr= lich, aber innere Verlegungen, Blutungen, lassen mir bie Rettung unmöglich erscheinen. Jedenfalls was in meinen Kräften steht, soll geschehen, schon Ewald Loren­jens wegen.-Da der Kranke nicht transportiert wer­en fann, so muß er hier im Hause bleiben."

Da lag der Gewaltige, vor dem sie vor wenigen Stunden noch gezittert, nun machtlos und gebrochen n Lorenzens Stube. Stine, die er so schwer beleidigt, ergaß, was er ihr getan, und pflegte ihn mit der glet­en Aufopferung wie damals Hinrichsen. Der Doktor schien täglich und wunderte sich jedesmal, daß sein Pa­ent noch am Leben war.

Am heiligen Abend kam er auch. Und da konnte Lorenzen die sichere Botschaft bringen: Thorö wird Eeder gesund werden. Meine Kunst hat das nicht ge­acht, aber der dort oben wollte nicht, daß Ewald zeit­Bens für einen Totschläger gilt."

Thorb konnte zwischen Weihnachten und Neujahr der Mühle transportiert werden und besserte sich En Zustand jetzt von Tag zu Tag.

Aber, was nicht besser an ihm wurde, das war seine urtische Gesinnung. Daß sein Leben am seidenen Fäd­en gehangen, daß er ganz gewiß im Grabe läge, wenn ns Hinrichsen an jenem Abend nicht gekommen wäre, enzens thn nicht so treulich gepflegt, das schien

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 24. Mai 1913.

wandtschaft Einladungen ergangen waren und die Be­suche des englischen und des russischen Herrschers einen rein privaten Charakter tragen, so kann man doch un­möglich die außergewöhnliche Bedeutung derselben ver­fennen in einer Zeit, in der sich in der europäischen Po­litik eine Neuorientierung vollzieht, die in ihren Rüd­wirkungen noch unübersehbar erscheint. Der engliſche König wie der russische Zar, die sich sonst nicht eines jeden prinzlichen oder fürstlichen Vetters offenbar diesmal der Welt zeigen, welchen Wert sie auf ins Ausland zu einer Familienfeier bemühen, wollten die Freundschaft eines Herrschers legen, der seit Beginn Jeiner Regierung stets seine ganze Persönlichkeit zur Wahrung seines Friedens eingesetzt hat.

um

willen

Heute am 24. Mai, nachmittags 15 Uhr, wird im Kurfürstenzimmer des Berliner Schlosses von dem Mi­mister des Kgl. Hauses im Beisein der engeren Familie des Brautpaares die standesamtliche Eheschließ ung erfolgen, und im Anschlup daran in der Schloß= kapelle die Feier der kirchlichen Vermählung stattfinden.

Geh. Justizrat Berlin

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

ter an, die zum ersten Male in Berlin ihren Einzug hielten. Auch sie wurden in derselben Weise begrüßt und unter lebhaften Huldigungen der vieltausendköpfi­gen Menge zum Schlosse geleitet.

Inzwischen hatte sich das Straßenbild völlig verändert: Alle Plätze und Straßen, durch die die Festgäste geleitet wurden, wurden von der Polizei ge=

räumt; noch menschenleerer als sonst in den ersten Morgenstunden lagen sie da. Nur Passierkarten, die vom russischen Generalkonsulat gegengezeichnet waren, wurden von der Polizei respektiert. Einzig die Fenster an den umliegenden Häusern und am Anhalter Bahn= hof blieben vom Publikum besetzt. Aus dem Bahnhofe hatte man zur Vorsicht! auf allen Gleisen lange Leerzüge aufgestellt, so daß eine ganze Wagenburg sich vor dem Empfangsgleis aufbaute. Von preußischer Seite waren nur Herren erschienen, weder die Kaiserin noch die Prinzessin.

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Um ½ 12 Uhr traf der russische 3 a r, der zum ersten Male nach Berlin gekommen war, auf dem An­halter Bahnhof ein. Der Kaiser schritt ihm entgegen Publikum gesäuberten" Straßen gings im Eiltempo und begrüßte ihn überaus herzlich. Durch die vom die Königgrätzer Straße entlang über den Potsdamer geschmückte Brandenburger Tor nach dem Schloß, wo Charlottenburger Chaussee, das flaggen- und girlanden­

Auf besondere Einladung des Kaisers nehmen an den Vermählungsfeierlichkeiten der Berliner Oberbürger meister Dr. Wermuth, Bürgermeister Dr. Reicke und Stadtverordnetenvprsteher- Stellvertreter Caſſel teil. Die offizielle Beteiligung der Stadt Blaß, weiter durch die Bellevueftraße, Sieges- Allee, an den Empfangsfeierlichkeiten der fremden Fürstlichkei­ten unterblieb deshalb, weil es sich nicht um Staats= besuche fremder Herrscher handelt, sondern nur um einen rein familiären Besuch, dem jeder offizielle politische Charakter fehlt.

Die Ankunft der fürstlichen Gäste.

Im Laufe des Mittwochnachmittags machte das englische Königspaar Besarche beim Kronprinzenpaar, bei den Prinzenpaaren Eitel- Friedrich und August Wil­helm.

Zu den Hochzeitsfeierlichkeiten trafen noch ein: die Großherzogspaare von Mecklenburg- Schwerin, von Baden und von Hessen, das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen, das Erbprinzenpaar von Sachsen- Meinin gen und Prinz Waldemar von Dänemark mit seinen Söhnen, den Prinzen Aage und Axel.

Der Einzug der Fürstlichkeiten, die am 22. Mai in Berlin einirafen, wurde eingeleitet mit der Ankunft der Großherzoginwitwe von Baden auf dem Anhalter Bahnhof um 9 Uhr. Das Kaiserpaar sowie sämtliche Prinzen und Prinzessinnen begrüßten die greise Fürstin aufs herzlichste und geleiteten sie zum Schloß. Eine Stunde später kam auf demselben Bahnhofe das cumberländische Herzogspaar mit Toch­

er alles nicht zu wissen. Nur das wußte er, wer ihn an den Rand des Grabes gebracht. Wie alles gekommen, daß er selber der Schuldige und daß Ewald nur das eigene Leben verteidigt, ach wie ganz anders wußte er darüber auszusagen!

Als er verhört wurde, stellte er den Vorgang so Far: Ich trat am Abend des 3. Dezember ahnungs­los aus dem Gestrüpp, das die Sandgrube umgibt, in der ich einen Hasen hatte schießen wollen, und lief Ewald Lorenzen geradezu in die Arme. Derselbe hatte mir zweifellos aufgelauert. Daß er mir Rache geschworen, weil ich mein gutes Recht verlangte, und er vom Hofe sollte, wußte ich. Man hatte mich ver­schiedentlich vor ihm gewarnt. Tags vor dem ueber­fall sagte die Gastwirtin Mathiesen noch: Nehmen Sie sich vor dem jungen Moorbauern in acht. Ich halte den für einen ganz gefährlichen Menschen. Er hat mir selber gesagt, er würde Rechenschaft von Ihnen for­dern."- Wie ich ihn dann in drohender Haltung hinter einem Busch stehen sah, da wollte ich eilig zu­rücktreten. Er packte den Lauf meiner Flinte, die ich auf dem Arm trug, und suchte sie mir zu entreißen, wohl, um mich mit dem eigenen Gewehr niederzu­schießen und den Anschein zu erwecken, ich wäre auf der Jagd verunglückt. Es entlud sich der Schuß in dem einen Rohr meiner Flinte. Nach kurzem Ringen hatte Lorenzen mir dieselbe entrissen. Ehe er jedoch auf mich anlegen konnte, fiel ich ihm in die Arme.und suchte ihn am Schießen zu hindern. Da packte er mich mit riefiger Kraft in den Hüften, hob mich hoch, stieß eine Verwünschung aus und schleuderte mich in die Grube hinab, auf das Gestein. Ich kam erst wieder zur Be­finnung, als ich in Lorenzens Haus lag. Man um­schmeichelte mich dort und bemühte fich eifrigst um mich, Ewalds wegen und um mich gänzlich umzustimmen."

Das war Thorös Darstellung, die so ganz anders lautete als die Sans Heinrichfen! Man bielt fie für

die Ankunft um 12 Uhr erfolgte. An den Fenstern der ersten Etage des Schlosses nach dem Lustgarten zu stan­den die Kaiserin, das englische Königspaar, die cum­berländische Familie und die anderen im Schlosse woh­nenden Fürstlichkeiten und winkten dem Kaiser und dem Zaren zu, was diese erwiderten. Am Eingang zur Wilhelmschen Wohnung empfing hierauf die Kaiserin mit der Kronprinzessin, den Prinzessinnen des Königl. Hauses und des Hauses Hohenzollern, sowie den Prin­zessinnen aus anderen souveränen deutschen Häusern den Zaren.

Im Laufe des Vormittags waren in Berlin noch eingetroffen und empfangen worden: der Fürst und die Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern, die Prin­zenpaare Max von Baden, Heinrich von Preußen mit ihren Söhnen und Prinz Heinrich von Bayern.

Berlin. Um Uhr überfuhr ein vom Herzog von Cumberland benutztes Privatautomobil an der Schloßbrücke den 10 Jahre alten Sohn eines Leh­rers aus Lichtenberg, der äußere Verletzungen davon­trug.

die wahrscheinlichere, erließ einen Steckbrief und se auf Ewalds Ergreifung eine hohe Prämie.

Hans Hinrichsen, den Thorö gar zu gern der Mit­hilfe überführt gewußt hätte, wurde freigesprochen.

So gesellte sich für den gramgebeugten alten Lo­renzen und für seine Tochter nun zu allem Unglück auch noch die Schande. Er war des Treibens müde und hatte nur noch den einen Wunsch: Gönnt mir Ruhe, gönnt mir Ruhe!" Stumpfsinnnig sah er zu, wie sein armseliges Hausgerät Stück für Stück bei der Auktion verkauft wurde, wie fremde Leute sich dessen freuten, das einmal sein und seiner verstorbenen Frau Stolz gewesen, die Zierde thres Heims. Mit blöden Augen stierte er in das Treiben all der Leute, bis Stine ihn sanft am Arm nahm und sagte: Komm, Vater, hier haben wir nichts mehr zu suchen. Der Moorhof gehört Thorö. Aber Hinrichsens erwarten uns. Da wohnen wir jetzt.".

Großmutter war wenige Tage vor der Uebernahme sanft eingeschlummert zur ewigen Ruhe, nachdem sie zuvor von allen ihren Lieben noch rührender schied genommen und mancherlei prophezeit, von den einiges tatsächlich in Erfüllung gehen sollte, das von dem großen Krieg, der ausbrechen würde, sogar bald. Man schrieb das Jahr 1870.

Da Frau Ohlsen wegen ihres Gichtleidens fich zue Ruhe seßen und zu ihren Kindern nach Sonderburg ziehen wollte, so bot sich für Stine gleich ein mener Wirkungsfreis.

In Frau Mathiesens Wirtschaft hatte mim Trauer abgelegt, und das tolle Leben begann, als reiche Thorö erst wieder Stammgast, von neuem zwar ärger als vordem.

( Sortfekuma folat.)