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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 25 Pfg. monatlich vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Ausbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Nr. 15.
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Telephon: Nr. 362.
Vom Balkan- Krieg.
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 19. Februar 1913.
Aus Sofia ist gemeldet worden, daß Bulgarien das Fort Medjidi Tadia vor Silistria und noch einige Kilometer Meeresküste zugestanden hätte. Hier wird demgegenüber betont, daß Bulgarien damit weit entfernt von den Forderungen Rumäniens ist und selbst von jenen Konzessionen, welche zu machen es den Vertretern der Mächte gegenüber seine Geneigtheit ausgesuchten öffentlichen Versammlung in Schlitz. An letzsprochen hat. Samit sind die Verhandlungen neuer= dings in ein schwieriges Stadium eingetreten.
Sofia, 18. Febr. Die rumänische Antwort wird hier allgemein mit großer Spannung erwartet. Die Abtretung der Stadt Silistria wird als unmöglich bezeichnet. Die bisherigen diplomatischen Kreise haben jede Hoffnung auf eine Verständigung so gut wie aufgegeben.
Adrianopel. Die gestrige Nacht verlief ruhig. Am Tage gab der Feind 150 Schüpe gegen die Stadt ab.
Die Bulgar en behaupten ihre Stellungen bei Tschataldscha und Bulair.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Die Organisations- und Agitationstätigkeit der Geschäftsstelle der Freien Vereinigung hessischer Nationalliberaler hat, nach vorläufiger Be endigung der Arbeiten im Reichstagswahlkreise ErbachBensheim, im Wahlkreis Alsfeld- Lauterbach eingesetzt. Am Samstag, den 14. d. Mts., sprach der Geschäftsführer, Dr. Otto Linse- Mainz, in Alsfeld, am Sonntag vor einer von mehr als 200 Personen beterer nahm der Vertreter des Wahlkreises im Reichstag, Herr Abg. He d Alsfeld, teil, der in außerordentlich interessanter und fesselnder Weise über die Arbeiten des Reichstags referierte. Weitere Versammlungen finden im Verlauf der Woche in Schotten, Laubach und anderen Orten des Reichstagswahlkreises statt.
* Der Reichstagsabgeordnete Prälat Dr. S ch ä d- I er ist nach längerem Leiden im 61. Lebensjahre ge= storben. Zum Botschafter in Rom ist, da Freiherr von Jenisch frankheitshalber zurücktritt, der deutsche Gesandte in Brüssel, von Flotow, ernannt worden.
Desterreich.
Wien. Die Polizei verhaftete den Freidenker und Sozialdemokraten Franz Freiberger, der beabsich tigt, den Tod Schuhmeiers durch die Ermordung des Berlin. Am Samstag abend 7 Uhr fand christlich- sozialen Führers, des Abgeordneten Leopold
in Berlin im Palais des Prinzen und der Prinzessin August Wilhelm von Preußen die Taufe des am 26. Dezember 1912 geborenen Prinzen statt, welcher die
Joseph Viktor Karl Feodor erhielt.
Kunschat, des Bruders des Mörders Schuhmeiers, zu rächen.
ungskarten etc. Namen Alexander Ferdinand Albrecht Achilles Wilhelm wöhnlicher Beteiligung das Leichenbegängnis Deschi ::: Wien, 16. Febr. Heute fand unter außerge mordeten Abgeordneten S ch uh meier statt. Zahl der Teilnehmer wird auf Hunderttausende geschätzt.
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* Berlin. Am 14. Februar fand im Schloß die Vereidigung des Prinzen Ernst August Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, in Gegen= wart des Kaisers durch den Kommandanten des Kaiferlichen Hauptquartiers statt. Die Eides formel war die der preußischen Offiziere. Der Eid wurde auf die Standarte des Husarenregiments von Zieten, Brandenburgisches Nr. 3, geleistet.
Prinzregent Ludwig von Bayern hat aus Anlaß der Uebernahme der Regentschaft insgesamt 865 Personen begnadigt. Unter ihnen befindet sich ein Verurteilter, der als junger Mensch einen Mord begangen hatte, deswegen zum Tode verurteilt, aber zu lebens= länglichem Zuchthaus begnadigt wurde.
Italien.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362. 25. Jahrg.
war diese Antwort sehr kurz und in prägnanter Form gehalten. Nachdem der Zar auf die lange Freundschaft zwischen Rußland und Desterreich hingewiesen hatte, betonte er, daß die Haltung Desterreichs während der letzten Jahre Rußland gezwungen habe, die Interessen seiner slavischen Brüder auf dem Balkan zu unterstützen. Der Zar fügte gleichzeitig hinzu, daß sich wohl Mittel finden würden, den Frieden unter Beachtung der von der österreichischen Politik auf dem Balkan gewünschten Grundlagen aufrecht zu erhalten.
Frankreich.
* Parts. Es wird ein dringlicher, außerordentlicher Kredit von 70 bis 80 Millionen Francs verlangt, der dazu bestimmt ist, noch vor Jahresschluß die auf mehrere Jahre verteilten Heeresvermehrungen durchzuführen, insbesondere die betreffs der befestigten Plätze, der Umwandlung der Granaten und der weiteren Vermehrung der Artilleriemunition. Ein zweiter Kredit, welcher sich auf mehr als 500 Millionen Fres. belaufen dürfte, werde vom Parlament verlangt werden, um verschiedene Rüstungsreformen, mentlich die betreffs der festen Plätze der Artilleriemunition, der schweren Artillerie und der Militärluftschiff= fahrt zu einer bestimmten Frist möglichst rasch, eventl. Ferner mit Hilfe der Privatindustrie, durchzuführen.
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wird der Kriegsminister in der nächsten Woche ein Programm behufs Vorbereitung der als unerläßlich erach= teten Vermehrung der Mannschaftsbestände vorlegen. Ferner soll das Kapitulantensystem und die Rekru= tierung der Eingeborenen in Algerien, Tunis und Westafrika ergiebiger gestaltet werden.
Vom Balkan.
Kanea( Kreta). Der Kommandant des eng= lischen Kriegsschiffes, Yarmouth" begab sich mit einer Kompagnie Seefoldaten an Land, ließ die Flag
Wie verlautet, beabsichtigt König Viktor Emanuel im Juni nach Berlin zu kommen, um dem Regierungs- Jubiläum Kaiser Wilhelms beizuwoh- gen der Großmächte und die türkische Flagge unter nen. Es heißt ferner, der Kaiser werde noch im Herbst den Besuch erwidern und gleichzeitig das neu errichtete National- Denkmal am Kapitol besichtigen.
England.
* Das englische Königspa ar wird der Hoch
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Die Budget- Kommission des Deutschen Reichszeit im deutschen Kaiserhause beiwohnen. tags hat auf Antrag des Zentrums unter dem Widerspruch des Staatssekretärs beschlossen, daß im nächsten Jahre für die Marine- Infanterie und die Matrosen- Artillerie die 2jährige Dienstzeit eingeführt wird.
Das Glückskind.
Roman von Frene von Hellmuth.
( Nachdruck verboten.)
Bet dem leisen Geräusch kehrte er sich um und im nächsten Augenblick stand Rost in peinlicher Verlegenhelt Doktor Hermann Bächtner gegenüber.
Im ersten Moment hätte sie ihn fast nicht erkannt, so stattlich und männlich sah er aus. Ein dichter Vollbart umrahmte jetzt das Gesicht, auch war er viel breitschulteriger und stärker geworden- mit einem Wort, die zwei Jahr atten ihn sehr verändert.
Auch er fte erst mit Staunen auf die zarte, junge Frau, über deren bleiche Wangen ein leises Rot buschte, dann stand er rasch auf und streckte der Angetommenen herzlich und mit gewinnendem Lächeln beide Hände entgegen.
Welch seltsamer Zufall, daß wir uns gerade hier begegnen", begann er nach einer kleinen Pause.„ Es ist mir sehr lieb, daß es mir endlich vergönnte ist, Ste wiederzusehen: denn ich habe ein Unrecht an Ihnen gut zu machen, das ich Ihnen einst, allerdings unwis=
folgenschwere Nierenfentlich, zufügte, und das ich oft und bitter bereute, linder, welche die Nachdem ich von der alten Marthe, zu der man mich Spült, der Eiweissgehaleines Tages rief- erfahren, wie edel und hochherzig Atemnot nehmen Sie an der armen, franken Frau gehandelt hatten, Ursache zu allen und gerade diese Tat war es, die mich irreleitete und rd abgetrieben. Grauf den falschen Weg brachte. Wollen, können Sie mir
chmerzen ab, das
Dverzeihen, gnädige Frau?"
g, der Magen, Niere
wird klar. Es tritt ein
anden war.
Literat
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Rosi hatte indes Zeit gefunden, sich zu sammeln. leber das schöne Gesicht huschte der Schein eines ächelns, als sie leise antwortete:„ Ich tat es längst, rr Doktor. Das alles liegt so weit hinter mir, als
a. b. H. bei Wild dären schon zehn Jahre darüber vergangen; ich dachte, en und Drogerien, wo ufrichtig gestanden, schon lange nicht mehr an Sie."
Quelle.
„ Na, das nenne ich deutlich setn", lachte der junge rzt hell auf, wahrhaftig, eine Schmeichelet ist es ge=
Rußland.
* Petersburg, 17. Febr. Nach einer Petersburger Reutermeldung über die Antwort des 3a= ren auf das Handschreiben des Kaisers Franz Josef,
rade nicht für mich, daß Sie Ihre erste Liebe so schnell vergessen konnten, aber,"- dabei blickte er schelmisch lächelnd auf die ihm gegenüber Sigende, lieb ist mirs doch, daß es so ist. Sie müssen nämlich wissen, ich, habe ein allerliebstes Bräutchen- lange nicht so schön, wie meine erste Liebe Sie brauchen nicht zu erröten, gnädige Frau,- ich spreche die Wahrheit",- unterbrach er sich, als wiederum eine tiefe Röte über Röschens Gesicht hinflutete, aber es ist ein herzensgutes, liebes Geschöpfchen, und mir von ganzer Seele zugetan. Nur eines störte immer mein Glück, der Gedanke an Sie, gnädige Frau. Ich wußte nicht, wohin Sie, nachdem ich Ihnen geschrieben, verschwunden waren, sonst hätte ich mein Unrecht längst wieder gut gemacht, nachdem ich eingesehen, daß ich Sie schwer ge= tränkt mit meinem bösen Verdacht. Jetzt stand mir allerdings, da Sie wieder hier leben, der Weg zu Ihnen offen, allein ich gestehe, ich konnte mich immer nicht entschließen, Sie aufzusuchen, da Sie, wie es allgemein heißt, durchaus keine Besuche annehmen."
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„ Nun, mit Ihnen, einem alten Freunde, hätte ich schon eine Ausnahme gemacht. Ich gedachte Ihrer niemais mehr mit Groll, obgleich ich heute noch nicht weiß, rote es geschehen konnte, daß Sie mir jene Brief, der allerdings in der ersten Zeit eine furchtbare Aufregung bei mir hervorrief, geschrieben haben, und es ist mir bis heute ein Rätsel geblieben, mit dessen Lösung ich mir, wie ich gestehe, nicht den Kopf zerbrach aber jetzt, jeẞt müssen Sie beichten, wie das zuging."
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Röschen fühlte sich lebhaft angeregt durch Stese Unterhaltung. Mit sichtlichem Interesse lauschte sie dem Bericht des jungen Doktors, der lächelnd erzählte: " Wo meine Mutter von der Sache erfahren hat, fonnte ich nicht ergründen; sie weigerte sich entschie= den, mir darüber Näheres mitzuteilen. Auch ist mir unbekannt, wer thr gesagt hatte, daß Sie- verzeihen
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militärischen Ehrenbezeugungen einziehen und die Flaggen nach den betreffenden Konsulaten und die türfische Flagge nach dem deutschen Konsulat bringen. Unmittelbar danach wurde anstelle der türkischen Flagge die griechische gehißt. Der Generalgouverneur von Kreta und eine zahlreiche Menge begaben sich nach der Suda- Bai. Die Begeisterung der Kreter ist unbeschreiblich.
Aus aller Welt.
::: Eisenach. In der Nähe des Westbahnhofes legten sich der 22jährige Fabrikarbeiter Rudloff, der 18Sie, wenn ich Ihnen wehe tun muß, daß Sie leichtstunig mit Ihrem Eigentum umgingen, und um Geld zu bekommen, Ihre ererbten Schmucksachen und Sonstiges im Leihhaus versehen. Der Zufall- oder Berechnung hatte es gefügt, daß ich Ihnen auf einem solchen Gange begegnete, und da glaubte tch an alles, was man mir weiß gemacht hatte. Später freilich, als die alte Marthe, die noch heute ein Loblied von Ihnen fingt, mit mir von der Sache sprach, wurde mir alles flar, allein ein halbes Jahr mochte darüber schon vergan= gen sein. Es hieß, Ste wären verreist, doch niemand wußte recht, wohin; so unterblieb jedes aufklärende Wort. Aber wir, die alte Marthe und ich, sind seitdem die besten Freunde. Die arme Frau hat jetzt auch nicht zum kleinsten Teil dazu beigetragen, daß ich jetzt,- mit Stolz fann ich es behaupten,- ein gesuchter Arzt in der Stadt bin."
Wie ging denn das zu?"
„ Sehr einfach. Ich vollzog an ihr eine sehr schwierige Operation- sie glückte vollständig und verlief ohne jede weitere Nachwirtung. Die Marthe wurde wenn sie nachher heimso gesund wie ein Fisch, kommt, werden Ste staunen, wie blühend sie aussteht - und seit sich die Kunde von der wunderbaren Heilung verbreitete, tamen die Patienten Haufenweise; man drängte sich zu mir, ich war sozusagen berühmt ge= worden. Ja, so was brauchen die Aerzte," schloß er lächelnd.
„ Ich freue mich herzlich, daß es Ihnen so gut geht, Herr Doktor," entgegnete Röschen lebhaft.
Der andere zupfte verlegen seinen Bart. Man sah es ihm an, er hätte gern noch etwas gefragt, und wagte es doch nicht. Das Aussehen der jungen Frau wollte ihm gar nicht gefallen, sie konnte nicht glücklich sein, das frankhaft bleiche Gesicht redete eine deutliche Sprache.
( Fortsetzung folgt.)


