Ausgabe 
18.10.1913 Zweites Blatt
 
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Gießener Zeifung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Bfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdsendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b..

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Nr. 84.

2. Blatt.

Hus Stadt und Land.

o Grebenhein. Unsere Stadt erhält jetzt auch ein Kriegerdenkmal. Die Kosten betragen un­gefähr 3000 mt. Die Einweihung erfolgt zur Jahr= hundertfeier am 18. Oktober.

o Büdesheim. Wegen. fortgesetzter Erregung öffentlichen Aergernisses in den Frankfurter Promena­ben wurde der Schmied Ludwig Rappes von hier zu der empfindlichen Strafe von 8 Monaten Gefängnis ver= teilt.

):( Frankfurt. Nach Mitteilungen des Stat. mtes ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frank furt a. M. am 1. Oftober 1913 mit rund 441 600 an­3Lnehmen.

):( Groß- Gerau. Der Betriebsleiter der hie­igen Zuckerfabrik fuhr, als er bei Flörsheim mit der Föhre über den Main setzen wollte, mit seinem Auto mobil in den Fluß. Er wurde nach längeren Bemüh­ungen dem Wasser entrissen, auch das Automobil konnte päter geborgen werden.

! Mainz. Der langwierige Streit, der zwischen dem Schloßbesitzer v. Waldhausen einer­feits, der Gemeinde Gonsenheim und der Stadt Mainz andererseits wegen der von dem Schloßherrn vollzogenen Absperrung großer, dem Publikum früher zugänglichen Waldstrecken entbrannt war, hat seinen 2bschluß gefunden. Das Komprobniß wurde dadurch ermöglicht, daß man sich auf beiden Seiten nachgiebig zoi gte. Die hessische Regierung bewilligte den Ankauf dus Forsthauses Leniaberg mit einem angrenzenden eld- und Waldkomplex von 40 Morgen Bodenfläche, nie es Waldhausen zur Abrundung seines Besitzes

Zur Verbreitung des Guten

fchreibt Marie Thomas, dipl. Hebamme, in Ober- Weiden: Vor Co 5 Wochen verkühlte ich mich, zog mir eine Krankheit im Kehl­Tapf zu, hatte 6 Tage Fieber, 39,8 Grad, und nahm 6 Tage keine Fahrung zu mir, nur Wasser. Ich hatte gar keinen Appetit. Tins 6- tägige Fieber raubte mir mein Gedächtnis und machte Vor ca. 3 Wochen mich so matt, daß ich kaum gehen konnte. ing ich an Leciferrin in Gebrauch zu nehmen; der Appetit ftigerte fich von Tag zu Tag, das Gewicht, welches ich in Der Krankheit verloren hatte, nahm zu, das Gedächtnis ist zu­ridgekehrt und die Kräfte haben zugenommen wie durch ein Baubermittel. Auch mein neurasthenisches Leiden hat sich be­

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 18. Oktober 1913.

wünschte. Der Schloßherr erklärte sich demgegenüber be­reit, die sämtlichen Einfriedigungen der privatim an gekauften Waldparzellen wieder zu entfernen und die Grundstücke für den Verkehr offen zu halten.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde in Gießen. Sonntag, den 19. Oktober, 22. nach Trinitatis. Hundertjährige Gedächtnisfeier an die Befreiung unseres Vaterlandes.

In der Stadtkirche. Vorm. Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe.

Der Abendgottesdienst fällt aus.

Montag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr, im Mat­thäussaal: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde, wozu auch die New­fonfirmierten eingeladen werden.

Donnerstag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr, im Mar­fussaal: Bibelstunde. Pfarrer Schwabe. In der Johannesfirch e. Vorm. Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Der Abendgottesdienst fällt aus. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal.

Mittwoch, den 22. Oktober, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Johannessaal. Pfarrer Ausfeld.

Freitag, den 24. Oktober, abends Uhr: Ver­einigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lu­fasgemeinde im Lukassaal, sowie der Johannesgemeinde im Johannessaal.

Jeden Mittwoch, um 2 Uhr im Lukassaale: Hand­arbeitsunterricht, veranstaltet von dem Frauenverein der Lukasgemeinde. Der Unterricht wird allen Kindern, die sich dazu einfinden, unentgeltlich erteilt.

Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstal­ten. Jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6-7 Uhr. Aeltere Abteilung jeden Samstag von 6-7 Uhr im Johannessaal.

95, 5.50 deutend gebeſſert, ich hatte nämlich beständig Kopfschmerzen, Bibelkränzchen für Mädchen aus der Johannes­

5.90, 6.20

M. 395

M. 4.9

M. 7.55 M. 9.35

7,50, 8.50

3,95 4,75,

1.95, 2,50

5.90, 6.95

doe jetzt nur noch selten auftreten; das nervöse Angstgefühl ist gaz geschwunden. So kann ich Leeiferrin nur mein bestes Lob aussprechen, dafür, daß es nichts ähnliches besseres gibt, ( 282) no geben wird.

Reciferrin kostet Mk. 3.- die Flasche, man achte genau auf bos Wort Leciferrin". In Apotheken zu haben, ganz sicher von: Universitäts- Apotheke in Gießen.

Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frank.

41) ( Nachdruck verboten.) Jadwiga ging langsam durch den Park. Auf der Terrasse vor dem Schloß traf sie zwei fröhlich plaudern­de Paare. Dr. Sojka hatte bei seiner Rückkehr aus dem Dorf Krzemien Wladimir von Lusenski getroffen, der Kochanow einen vergeblichen Besuch bei Baron Kap­bel gemacht hatte. Sie gingen ein Weilchen im Park pazieren. Da tauchten plötzlich aus einem Seitenpfad Riurowska auf. Jetzt wurde die Sache viel lustiger, denn die beiden Damen waren ausnehmend heiter ge= Fimmt. Wladimir Lusenski schien an dem reizenden Romteßchen ein besonderes Wohlgefallen zu finden Heilen, die wohlwollend hingenommen wurden. Aber outh Maria ging nicht leer aus. Denn Dr. Sojka sand

46 M. 4.25 d erschöpfte sich in Artigkeiten und Liebenswürdig=

146 M. 7.85

8.95, 9.75 ß sie heute noch viel reizender sei als sonst, und in 146 M. 6.95 as bis Nahin ihm fremd war: jubeinde Stimmen, die

einem Herzen begann sich auf einmal etwas zu regen,

46 M. 10.95

oll Verlangen einen Namen riesen, eine große, tiefe Sehnsucht noch Glück. nach einem Leben voll Liebe an

8.50, 9.75 teses Mädchens Seite erfaßte ihn. Es war das alte

ied, das doch ewig neu bleibt, das Lied von Liebe und Seligkeit. Sie wanderten paarweise zur Terrasse, und ider Abendwind strich fosend über die Büsche und Bäu­

gemeinde. Jeden Dienstag von 6-7 Uhr im Jo­hannessaal.

Jeden Mittwoch von 4-6 Uhr Handarbeitsunter­richt für die Kinder der Johannesgemeinde im Johan­nessaal.

hassen wähnte, er stand auf einmal ganz anders vor ihr: edel, tüchtig und selbstbewußt, ein Edelmann im wahrsten Sinn des Worts. Nein, nein, er war ihr nicht gleichgültig, war es nie gewesen, er war ihr über alles teuer. Und sie hatte ihn verletzt, provoziert, verkannt, jetzt fühlte sie es. Das konnte er nicht vergessen. Wie weh das tat, sich sagen zu müssen: Du hast aus Eigen­sinn und übertriebenem Selbstgefühl einem lieben Menschen unrecht getan! Sie war nicht auf den heite­ren Ton gestimmt, der hier herrschte, und es war ihr nicht unlieb, als sich die beiden Herren verabschiedeten.

Als die Herren fort waren, sagte Slawa zu Jad­wiga: Es war mir ernst mit dem Abschiedswort, Papa hat für morgen eine Einladung nach Tulnow angenommen. Wir sollen der Reihe nach in die Fami­lien der Nachbarn eingeführt werden, in Schluß wird in Krzemien so eine Art Erntefest ge... Freust Du Dich?

Aber Jadwiga schien gleichgültig zu sein, und Sla= wa schmollte ein wenig, sie hatte mit ihrer Botschaft mehr Antlang zu finden gehofft.-

Am nächsten Tage fuhren Warminski nach Tul­now. Es war ein herrlicher Spätsommertag und die Natur tat ihr bestes, um mit Freuden und Erinnerun­gen der Menschen Herzen zu füllen. Das war ein wun­derbares Fahren durch Wald und Feld, zwischen Föh­und hell leuchtenden Blumen.

en, Damen, und am blauen Himmel leuchtete hie und da ein renrauschen und Vogelsang, zwischen dunklem Grün

6.85, 8.25,

Preislagen.

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Sternlein auf. Es war, als läge etwas Weiches in der uft, als set heute das Herz besonders empfänglich für In welches, warmes Wort.

Da tam Jadwiga. Die Worte der lieben alten Frau hatten sie ernst gemacht. Ihr Stolz, der bisher ren Blick getrübt hatte, war überwunden. Jadwiga fühlte eine geheimnisvolle Wandlung in ihrem Her= en. Der Mann, den sie wegen seines Stolzes fast zu

Jadwiga war es feierlich zumute. Sie erlebte Boc­sie ohne Worte und träumte dazwischen lichte Träume von nahem Glück. In der letzten Nacht hatte sie nicht viel geschlafen. Die Worte der lieben alten Frau wa­ren lebendig geworden, und ihre Erinnerung wurde wach. Ja, sie fing an, die vergangenen Tage zu- ver­stehen. Sie erinnerte sich der Gewitterschwüle, die wäh­

Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

Katholische Gemeinde in Gießen.

Samstag, den 18. Oktober.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele­genheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 19. Oktober.

23. Sonntag nach Pfingsten. Vorm. Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Militärgottes­dienst.

Nachm. 6 Uhr: Christenlehre; darauf Rosenkranzandacht mit Segen.

Abends Uhr: Stiftungsfest des Gesellenvereins. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, abends um Uhr, Rosenkranzandacht mit Segen.

Gottesdienst in der Diaspora in Lich um Uhr.

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rend ihrer ganzen Jugendzeit auf Krzemien gelastet hatte: Der Vater, erst über die Maßen lebenslustig und lebensfreudig, dann verschlossen und menschenschen, ein Spieler und Trinker! Die Mutter, eine welke Blume, frank an Leib und Seele, sie war keine passende Weg­genossin für den Mann voll Kraft. Ja, sie konnte al­les begreifen; manches Wort, das sie damals in Tati­schan gehört hatte, fiel ihr jetzt ein, sie blickten dort auf den Vater wie auf einen Mann, der schwer zu retten ist. Und sie hätten ihn wohl faum gerettet. Aber da fam ein Fremder ein Deutscher, und ihm gelang das Große, Schwere: er führte den Vater zurück auf einen festen, sicheren Lebenspsad. Daß Krzemien, ihr gelieb­tes, teures Krzemien heute noch sein eigen war, daß sie nicht der Verwandten Mitleid brauchten, das dankten sie ihm. Und Barvu Kappei spielte sich so gar nicht als Retter auf. Seine Art war noch genau so vornehm fühl wie in den ersten Tagen; es war die Art eines Mannes, in dessen Wappenschild ein ernstes Wort prangt: Pflicht. - Solche Gedanken bewegten Jadwiga.

Stawe piauderte in ihrer hellen, jugendlichen Weise, und der Graf lächelte manchmal und blickte ver­loren durch den Wald, der nun bald widerhallen würde vom Horido der Jäger, vom Kläffen der Hunde, vom scharfen Knall der Flinte. In den letzten Jahren war die Jagd des Grafer einzige Erholung geworden, und er freute sich auch jetzt darauf.

Endlich langten sie in Tulnon an. Hier war alles noch wie früher, nichts, aber auch gar nichts hatte sich verändert, nur waren Herr und Frau Lusenski alt und weiß geworden, die Kinder groß. Wladimir, der Erb­herr, bemühte sich um die jungen Damen. Seine ganze Aufmerksamkeit gehörte jedoch Slawa. Und sie paßten auch ganz vorzüglich zueinander. Baronin Lusenstt blickte verklärt auf das junge Paar, und im Geist sah sie schon Hochzeit und Freude.

( Fortseßung folat.)