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Gießener Zeitung
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( Neueste Nachrichten)
vizeltährlich 75 Pig., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unierer Expedition oder in den ZweigErscheint nusgabestellen viertelfährlich 60 Big. Redaktion: SeltersMittwoche und Samstags. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
weg 83.
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Nr. 31.
Telephon: Nr. 362.
Fürstenzusammenkünfte
Sege öffentliche Die braunschweig. Chronfolgefrage. Engelnen Muiter Wie verlautet, steht die Teilnahme des Kaisers on 4 bis 6 Uh on Rußland an der Hochzeit der Prinzessin ittoria Luife mit dem Prinzen Ernst August, Herzog Braunschweig und Lüneburg, in Aussicht. Auch soll bersehen, find Erzherzogthronfolger Franz Ferdinand in ags 11 Uhrertretung des Kaisers von Desterreich an der Hochzeit
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ilnehmen.
Da bekanntlich auch der König von England 1 der Hochzeit teilnimmt, findet im Mai in Berlin ne der bedeutungsvollsten Fürstenzusammenfünfte statt. Unio- Klinik. Was die braunschweigische Frage betrifft, so wird wogen, um die Besteigung des Thrones von Braun= weig durch den Prinzen Ernst August mit Umgehung s feierlichen Verzichtes auf Hannover zu regeln. Weeßen. r der Herzog von Cumberland werde den Verzicht ssprechen, noch sein einziger Sohn zu den Lebzeiten terer Stod. Vaters. Wie die Dinge stehen, wird der Kaiser 8 Uhr abends.ese Zumutung nicht stellen. Eine staatsrechtliche Löoholkranken. ng der Frage der Thronbesteigung gibt es noch nach re Angehörigen bei Seiten. Es kann nämlich Prinz Ernst August eine Que Linie des Hauses Braunschweig gründen oder als on der Trinter erzog- Regent in Braunschweig einziehen und die Rentschaft führen. Es sei die Erhebung des Herzogtums raunschweig zum Großherzogtum geplant.
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sie mit nd weiss, geworden.
Attentat aut König Alfons.
Auf König Alsons wurde am Sonntag mittag um Uhr ein Revolver- Attentat verübt, das glücklicher= eise teine schweren Folgen hatte. Der König hatte sich üh auf den Madrider Truppenübungsplatz zur Verdigung der jungen Refruten begeben. Die Feierlichkeit ar ohne jeden Zwischenfall von statten gegangen und r König kehrte, von einer zahlreichen Menschenmenge gleitet, wieder zur Stadt zurück. In der Alcalastraße len aus der spalierbildenden Menschenmenge plötzlich
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 16. April 1913.
zwei Schüsse, die auf den König abgegeben worden waren, jedoch ihr Ziel verfehlten. Der König blieb unverlegt. Eine Kugel traf das Pferd des Königs. Ein Polizist stürzte sich sofort auf den Attentäter und schlug ihn mit einem Stock zu Boden. Der Attentäter ist der Zimmermann Manuel Sanchez Allecre. Er ist 25 Jahre alt und stammt aus Barcelona. König Alfons hatte während des ganzen Vorfalles vollkommene Ruhe bewahrt. König Alfons gab von dem Attentat folgende Darstellung:„ Ich sah einen Mann auf mich zustürzen, einen Zügel meines Pferdes fassen und einen Schuß abfeuern. Ein zweiter Schuß verwundete den Hals meines Pferdes, das sich aufbäumte und den Angreifer umwarf. Im Augenblick, als dieser mit den Polizisten rang und einen dritten Schuß abgeben wollte, eilten die Generale meines Gefolges herbei. Jch rief:„ Mir ist nichts geschehen. Vorwärts!" und gab den Befehl zum Weitermarsch."
Uom Balkankrieg.
Wien. Der hier weilende Chef der provison schen albanischen Regierung, Ismail Kemal Bey, hat längere Unterredungen mit dem Grafen Berchtold gehabt, außerdem auch mit mehreren fremden Bot= schaftern. Ismail Kemal Bey begibt sich mit den anderen albanischen Delegierten nach London.
Die serbische Regierung hat dem General Bojanowitsch vor Skutari den Befehl erteilt, jede weitere Teilnahme an den militärischen Operationen vor Stutari einzustellen, aber nur solange, als er selbst nicht angegriffen wird.
Cetinje. Der Abmarsch der Serben von Stutari hat auf die Stimmung in Montenegro eine tiefe deprimierende Wirkung gehabt.
Der Abzug der montenegrinischen Truppen von Stutari wird hier erwartet. Die Stadt dürfte, wenn es wirklich zum Abzug der Montenegriner kommt, an eine Vertretung der europäischen Mächte übergeben werden.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362.
25. Jahre.
Die türkische Regierung hat dem Kommandanten von Skutari durch den deutschen Gesandten in Cetinje mitteilen lassen, daß er jede Feindseligkeit gegen die noch vor Stutari lagernden serbischen Truppen un= terlassen soll, da Serbien sich den Mächten gegenüber verpflichtet hat, seine Truppen von Stutari zurückzuziehen.
Die Blockade wird bis Durazzo ausgedehnt, um die Nahrungszufuhr nach Montenegro abzuschneiden. Montenegro ist entschlossen, die Belagerung Skutaris fortzusetzen; es will nur der Gewalt weichen und die Aus hungerung Stutaris versuchen.
Bulgarien geht immer rüdsichtsloser in dem von Serbien eroberten Gebiete Mazedoniens vor. Es verteilt Schriften, wonach Serbien dort nur vorläufig die Herrschaft ausübt. Serbien ist aber durchaus nicht gewill ,, das, was es erobert hat, an Bulgarien abzutreten. Serbien verstärkt jetzt alle seine Garnisonen in Mazedonien, um allen Möglichkeiten zu begegnen.
Die türkische Militärverwaltung faufte das der verkrachten Luftfahrtbetriebsgesellschaft in Berlin gehörige, von der Parsevalgesellschaft zurückgekaufte Luftschiff„ P. 9.“. Die Abnahmefahrten finden in dieser Woche statt. Das Luftschiff wird von dem Regierungsbaumeister Hackstedter nach der Türkei gebracht werden. Als Zeitpunkt für die Ueberführung sind die ersten Ta= ge des Monats Mai vorgesehen.
Baldiger Friede in Aussicht. Konstantinopel, 15. April. Zwischen den Kriegführenden ist ein zehntägiger Waffenstillstand von gestern mittag ab geschlossen worden.
Dank der Vorstellungen der Botschafter der Mächte hat die Türkei ihren Delegierten die Weisung erteilt, die Friedens- Pcäliminarien mit Bulgarien sofort zu unterzeichnen.
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Politische Rundschau.
Deutschland.
Die Kaiserreisen. Der Kaiser wird in diesem Jahre das Königs- Ulanenregiment in Han=
ich- Soda.
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7 Fabriken. Ueber 6000 Beschäftigte.
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3½ Uhr
Die Nachbarn vom Heideland.
13)
Roman von Ludwig Blümcke. ( Nachdruck verboten.) - hatten sie Heute alsees war gerade Sonntag ch alle aus dem Eichhof versammelt, Lorenzen, Hertine und andere gute Freunde und Nachbarn. Da das Inwetter zunahm, entschloß sich Ewald, den man in etter Zeit niemals mehr recht heiter gesehen, den
wright über den oven. Er spannte ein Pferd vor den kutſchwagen, wie
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Aussprache!
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all erhältlich.
e das bescheidene, neue Wägelchen nannten, das für rtrafahrten nach der Stadt oder sonstwohin diente, nd fuhr unter dem Schuße eines riesengroßen Famienschirmea in Sturm und Regen hinaus.
Als Ewald in die Nähe des Bahnhofs tam, rief ihm ine wohlbekannte Stimme zu, ihn aus seinen Träunen aufschreckend:
„ Ewald, Mensch, schläfst Du? Du wolltest mich ab= olen und kommst natürlich, wie es noch nie anders bei Dir war, einen Posttag zu spät! Nur gut, daß ich das rgste Wetter im Wartesaal abwartete, sonst hättest Du nich auf halbem Wege getroffen. Der Zug ist ja längst beiter."
" Das tut mir leid!- Sezze Dich hier zu mir unter den Schirm. Guten Tag, alter Junge. Gott sei Dank, daß wir Dich wieder haben! Mir wurde es auch schon rein zu bun:."
„ Was macht denn mein Vater?"
Es wird alles wieder werden, hoffe ich." also gut stehts nicht? Er schrieb gar nicht an mich, nad aus Herminens Briefen wurde ich nicht recht klug. lebesbriefe pflegen ja nicht viel von Bedeutung zu enthalten. Erzähie jetzt ganz genau, wie alles ist."
Aber Gwald war fein Mann von Worten. Er kam Bis feinem Bericht nicht weit bei des anderen Ungeduld
und seiner langsmen Sprechweise. Hans mußte faſt alles aus ihm herausfragen.
„ Habt Ihr zum Ersten die Zinsen zusammengehabt?"
Ach, frag' nicht danach! Laß uns wenigstens nicht gleich heute davon reden. Die Hypoth von viertausend Talern, mit welcher unser Hof belast. ist, gehört nicht mehr dem alten Sobermann sie ist au Müller Thoro verfaust worden. Verstehst Du?"
„ Vor dem Menichen habe ich eine heillese Angst. Ich traue ihm nicht. Denn ich glaube, ihn durchschaut zu haben. Er ist ein Halsabschneider."
Go erregt hatte Hans seinen alten Freund lange nicht sprechen hören. Es schien plöglich Leben in ihn gefommer zu sein, denn mit gehobener Stimme fuhr er hastig fort:„ Der Mann beabsichtigt, alle diese armseligen Heidehöfe zu erwerben, um sie dann dem dänischen Staat, oder doch einem waschechten Angehörigen desselben zu verkaufen als ein großes Rittergut, das Er ein Bollwerk gegen das Deutschlum werden soll. wird ein Heidengeld dabei verdienen, und in ganz Arendrup gibt es hernach nur dänisch gesinnte Leute."
„ Unsinn, Ewald, das denkst Du Dir so! Glaube ich nicht! Der Müller Riis war doch ein echter Däne. Warum hat er denn den von Haus und Hof gebracht?"
Bah, einmai, weil er mit der Mühle ein ganz be= sonders gutes Geschäft zu machen hoffte und dann, um uns andern Sand in die Augen zu streuen! Er tut ja überhaupt so, als wenn er, trotzdem er geborener Kopenhagener, mit Leib und Seele deutsch gesinnt wäre."
Und wie wurde es zum Ersten mit den Zinsen?" ,, Wir hatten sie nicht, und der edle Herr Thorö übr Geduld. Aber mir graut vor seiner Geduld! Wir sind ganz in seiner Hand. Nach dem Dokument, das Vater unterschreiben mußte, um die Stundung der Zinsen zu erreichen, fann der Canner icon Gente Die Elinge cu
ziehen. Nur wegen leben und sterben, lediglich für dt Form sollte das sein mit dem Unterschreiben. Wäre ich zu Hause gewesen, ich hätte wenigstens den Wisch ent ziffern fönnen. Vater fonnte nichts davon lesen, und was Thorö ihm da auf hochdänisch vorlas, das hat er nur halb veritanden. Aber der Sterl setzte ihm ja die Pistole auf die Brust. Er mußte eben unterschreiben. Und nun ist es geschehen."
Mit einem tiefem Seufzer begleitete er diesen letzten Sab.
Hans wußt nichts zu erwidern. Schweigend saßen sie da, und erste Gedanken erfüllten sie.
Nun tam mon an einen neuen, massiven Haus vorbei, auf dessen Haus eine schwarzweiße Fahnenstange ragie und vor dem auf einem großen, freien Blaz ein paar Turngeräte standen. Die Schule von Arendrup war es.
Ewald, der zusammengefauert dasaß, richtete sich plöglich auf, mischte sich die Stegentropfen von seinem hellblonden Schnurrbari und schlug den hochgezogenen Mantelfragen herunter. Hans wußte nicht recht, wozu Das alles: Geithab es aus Respekt vor dem alten Holm, ihrem ehemaligen Lehrer, der Ewald noch heute seinen Lieblingsschüler nannte. Aber da hatte er schon, ehe er noch den Mund auftat, die Antwort auf diese Frage. Inge Holms, des Lehrers schmuckes Töchterlein, flößte Ewald den Respett ein. Da stand sie hinter den bluhenden Geranien am Fenster, erwiderte seinen Gruß lebhafter, als er nötig schien und wurde dabei rot wie eine Päonie. Sans batte sie seit zwei Jahren nicht ge= sehen, da sie während seines Urlaubs verreist gewesen. Damals war fie ein unscheinbarer Backfisch. Aber jezt, das mußte er gestehen, fonnte man sie, ohne zu schietchein, ein schmuckes Mädel nennen mit ihrer hohen, schlanken, biegiamien Gestalt, dem feinen, etwas zarten Gesicht, den großen Blanaugen, dem schlicht gescheitelten afcholenden Saar.. Gorffesume folat.)


