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( Neueste Nachrichten)
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Nr. 100.
-2. Blatt.
Helden der Befreiung.
I.
Von Leopold Steininger.
Die wohlgedrillten preußischen Heere mit ihren im
Gamaschendienst verknöcherten Offizieren hatten im Jahre 1806 versagt. Friedrich der Große konnte sich noch damit begnügen, dem Soldaten Korpsgeist, d. h. eine höhere Meinung von seinem Regimente als von allen anderen Truppen, beizubringen und hat nach diesem Grundsatz und mit solchen Soldaten eine fünfte euro. päische Großmacht schaffen können. Seitdem war aber die Zeit anders geworden, ohne daß Preußen es merkte, das von thr daher überflügelt wurde. Die neue Zeit erforderte nicht nur andere Bürger und andere Bauern, sondern auch andere Soldaten. Mit Drill und Korpsgeist allein war nichts mehr zu richten. Es mußte auch der rechte Geist im Soldaten sein. Der Soldat mußte wissen, warum er kämpfte und wofür er Blut und Leben opfern sollte.
Dem Wirken hochgesinnter Männer, die auch in der Beit der tiefsten Erniedrigung an ihrem Volke nicht perzweifelten und an seine Zukunft glaubten, war es zu danken, daß aus dem entwürdigten und geknechteten Geschlechte, das willen- und tatenlos das Unglück über Volk sich hereinbrechen ließ, in wenigen Jahren ein wurde, das sich wieder auf sein Volkstum besann und mit einer Begeisterung, die in der Geschichte wenige Beipiele hat, für Ehre und Freiheit zu den Waffen griff und nicht eher ruhte, bis das Vaterland wieder frei vom fremden Bedrücker war.
Staatsmänner, Generale, Gelehrte und Dichter arbeiteten an der Wiedergeburt des Volkes. Stein und Hardenberg Schusen den freien Bürger und freien Bauer, Scharnhorst und Gneisenau den ehrliebenden, selbstbewußten Soldaten, der, aus dem Volke hervorgegangen, auch mit dem Volfe fühlte. Jahn machte die Jugend waffenfähig und friegstauglich. Wie Schleier macher in seinen Reden über die Religion" und Fichte in seinen Vorlesungen über die Grundzüge des gegen wärtigen Zeitalters", so predigte auch Arndt in seinem„ Geist der Zeit" die deutschen Tugenden: Selbst erkenntnis, Frömmigkeit, Wahrheit und Echtheit. Und im Bunde mit diesen Männern wirkten die Sänger und Dichter. Alle strebten einträchtig einem Ziele zw: das Volk aus der weltbürgerlichen Jrrlehre zum Vaterlandsglauben zu befehren.
Sehnsucht ergriff die Gemüter, heiße Sehnsucht, das Vaterland wieder frei, es wieder in alter Größe und Serrlichkeit zu sehen. Ein ideales Deutschland wurde erstrebt, ein Deutschland, das es eigentlich nie gegeben hatte, selbst in der Zeit der Ottonen und Hohenstaufen nicht. Die„ Romantiker" wurden nicht müde, die Sittenreinheit, Einfalt, Treue und Redlichkeit der alten Zeit, die in Sagen, Märchen und Heldenliedern wieder lebendig wurde, mit leuchtenden Farben zu schildern. Aber das damalige Deutschland bedurfte keiner träumerischen, sondern einer wachen und tatkräftigen, einer vaterländischen Dichtung. Und so sangen neben den„ Romantikern", die die Verherrlichung des Mittelalters zum Ziele hatten, auch echte und rechte Dichter, die mit ihrer Zeit und mit ihrem Volke gingen und ihm treu zur Seite standen in all seinem Elend und Was sich im Herzen des Volkes noch unbestimmt und ungeklärt regte, die Gedanken, die es bewegten, unfertig
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Samstag, den 13. Dezember 1913.
noch und unklar, verstanden diese Dichter klar und deutlich zu sagen und zu singen. Sie gaben dem unbestimmten Sehnen und Drängen Ziel und Richtung. Sie lehrten das Volk sich wieder als Volk zu fühlen, lehrten ihm Liebe zur Heimat und Freiheit, rissen es aus der Verzweifelung, sprachen ihm Mut zu, ent
fachten seine Begeisterung und begleiteten es mit ihren Gesängen in den Kampf, dem erst sie die rechte Weihe gaben, den heiligen Ernst, die fromme Vertiefung, die reine Begeisterung und den frischen frohen Mut.
Solch ein Dichter, wie ihn die Zeit brauchte, war Heinrich von Kleist. In seiner„ Hermannsschlacht" geißelte er die Schmach des Rheinbundes und schilderte er die Tücke, Zügellosigkeit und Grausamkeit des welschen Feindes. Das Heil Deutschlands erblickte er in selbstlosem Zusammenschluß Preußens und Oesterreichs. unermüdlich eifert er in Vers und Prosa sein Volk an, sich gegen den fremden Unterdrücker zu erheben:
„ Eine Lustjagd, wie wenn Schützen Auf die Spur dem Wolfe sitzen; Schlagt ihn tot! Das Weltgericht
Fragt euch nach den Gründen nicht!"
Nicht minder kräftig und leidenschaftlich als Kleist, der bereits im Jahre 1811 aus dem Leben schied und dem es somit nicht vergönnt war, den„ Tag der Rache" zu erleben, sang Ernst Moritz Arndt. Als Deutschland im Jahre 1809 sich nicht aufraffen kann, an Ce sterreichs Seite gegen den Korsen zu kämpfen, da geißelt auch er tief entrüstet die Zerfahrenheit und Uneinigkeit, die Selbstsucht und Ehrlosigkeit der Rheinbundfürsten und schildert auch er voll ingrimmigen Hasses den korsischen Höllensohn, der vor keiner Gewalttat zurückschreckt, seine Herrschsucht zu befriedigen. Er verdammt das Allerweltsbürgertum, verdammt die Fürsten, die Dichter und Gelehrten, die die deutsche Nation eingeschläfert ha ben und vergessen ließen, vor allen Dingen Deutsch zu sein. Ihr könnt nicht Sachsen, ihr könnt nicht Bayern, ihr müsset Deutsche sein wollen. Bleibet ihr bei dieser Torheit, so bleibet in Gottes Namen Franzosenknechte und gebt mir ein Schwert, daß ich dareinfalle und die ewige Schmach meines Volkes nicht länger sehe"
Die Klänge Kleists und die Worte Arndts wirkten reinigend und befreiend, wie der Frühlingssturm, der den Nebel zerriß und den Schnee auf der deutschen Winterlandschaft zum Schmelzen brachte.
Arndts„ Katechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann" war in einer Sprache geschrieben, wie sie seit Luther nicht mehr vernommen worden war. Die Wirkung dieser deutschen Predigt, die jeder Wehrmann in seinem Tornister trug, wurde durch flammende Lieder noch erhöht, die dank ihres volkstümlichen Tones bald überall begeistert gesungen wurden und noch bis auf den heutigen Tag gesungen werden. 1812 dichtete Arndt sein Vaterlandslied(„ Der Gott, der Eisen wachsen ließ"), sein Trostlied(„ Auf! mit Gott zum Heldenstreit") und die Lieder vor der Schlacht(„ Frisch auf, ihr deutschen Scharen".)
Auch der seelenvolle Mar von Schenkendorf, der wie Arndt im Unglücke Preußens den Mut nicht verloren hatte und bei aller Begeisterung für des deutschen Volkes Vergangenheit doch auch auf die Zukunft hoffte, rief in Liedern zu den Waffen. Wem wäre das schöne Lied Freiheit, die ich meine" unbekannt? Alle Stände forderte er auf, in den Kampf zu ziehen, die Maurer, Schuster, Zimmergesellen, vor allem aber galt
sein Ruf den Studenten:
„ Ich bin Student gewesen, Nun heiß' ich Leutenant. Fahr wohl, gelahrtes Wesen, Ade, du Bücherland!
Zum König will ich ziehen
Ins grüne Waffenfeld, Wo rote Rosen blühen,
Da schlaf' ich ohne Zelt".
Er ging allen mit gutem Beispiel voran und zog selbst ins Feld; er kämpfte in der Schlacht bei Leipzig mit und weil ihm die rechte Hand fehlte, die er in einem Pistolenduell verloren hatte, führte er das Schwert in der Linken.
Schenkendorfs Liedern haftet der weiche innige Zug der Romantik an; Arndts Lieder sind weitaus wuchtiger und markiger, hinreißender und stürmischer aber sind die Lieder Körners.
( Fortsetzung.)
Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362.
25. Jahrg.
Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde in Gießen. Sonntag, den 14. Dezember, 3. Advent. In der Stadtkirche.
Vorm. 9½ Uhr: Pfarrassistent Hoffmann.
Vorm. 11 Uhr: Feier des heiligen Abendmahls für die Militärgemeinde. Pfarrer Schwabe. Nachm. 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe.
Abends 5 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäus gemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Ju gend eingeladen wird. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.
Montag, den 15. Dez., abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäus- Gemeinde. Die Bibelstunde am Donnerstag, den 19. Dezember, fällt aus.
In der Johannestirche. Vormittags 9% Uhr: Professor D. Eck.
Vorm. 11 Uhr: Rinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld.
Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heiliges Abendmahl für die Lutasgemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde( Liebigstraße 56) erbeten. Abenos 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal.
Mittwoch, den 17. Dezember, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Johannessaal. Pfarrer Ausfeld.
Freitag, den 19. Dezember, abends 26 Uhr; Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lu fas- und Johannesgemeinde.
Batholische Gemeinde in Gießen.
Samstag, den 13. Dezember. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 14. Dezember.
Fest der unbefleckten Empfängnis. Vorm. 6½ Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vorm.
m. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm 9 Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Nathm. um 5% Uhr: Christenlehre; darauf Mutter= gottesandacht mit Segen.
Gottesdienst in der Diaspora In Grünberg um 9½ Uhr. In Hungen um 9½ Uhr.
Vermischtes.
Vom Leipziger Turnfest 1913.
In der Schluß- Sitzung des Hauptausschusses für das 12. Deutsche Turnfest in Leipzig wurde die vorgelegte Schlußabrechnung über das diesjährige Deutsche Turnfest vorgelegt, geprüft und genehmigt. Hiernach beliefen sich die Einnahmen des Festes auf 870 004 Mt., die Ausgaben 881 380 Mart, sodaß sich ein Fehlbetrag von rund 11 380 Mark ergibt. Derselbe ist jedoch gedeckt durch die Garantiefondszeichnung der Stadt Leipzig in Höhe von 50 000 mt. Es wird daher nicht nur der Garantiefonds der Feststadt nicht voll in Anspruch genommen, sondern es bleiben auch alle übrigen Garantiefondszeichner unbehelligt. Zudem erwartet man, daß noch einige größere Posten eine weitere Verminde rung der Defizits bringen werden, so vor allem die Festzeitung, das Festalbum usw., sodaß der tatsächliche Fehlbetrag sich auf etwa 5000 Mark vermindern wird. Der Hauptanteil der Ausgaben entfällt naturgemäß auf die Bauten, für welche rund 550 000 Mart aufgewendet wurden, wovon auf die Trübünen mehr als Mart 200 000 treffen. Dieser Summe stehen an Eintrittsgeldern zu den Tribünen nur 82 000 Mart gegenüber; dieser geringe Ertrag hat seine Ursache hauptsächlich darin, daß den Turnern der Zutritt zu den Tribünen ohne Lösung einer Eintrittskarte gestattet war. Der finan zielle Abschluß des Leipziger Turn- Fe st es gegenüber Frankfurt ist also ein günstiger,


