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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pig.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Telephon: Nr. 362.

II. Internationaler Krongreß für Rettungs­wesen und Unfallverhütung und das

Grubenrettungswesen.

Der 2. Internationale Kongreß für Rettungswesen und Unfallverhütung wird soeben in einem Einladungs­schreiben des Organisationsausschusses für die Zeit vom 9. bis 13. September 1913 nach Wien einberufen. Pro­tektor des Kongresses ist Erzherzog Leopold Salvator. Die Anregung zur Abhaltung eines internationalen Kon­gresses für Rettungswesen, der zum ersten Male in der Pfingstwoche des Jahres 1908 unter dem Protektorate des Prinzen Heinrich von Preußen in Frankfurt a. M. tagte, hat Deutschland gegeben.

Expedition: Selters meg 83.

Samstag, den 11. Januar 1913.

im Jahre 1910 vom Verein für die bergbaulichen In teressen gegründete Hauptstelle für das Grubenrettungs­

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

| warten, daß auch auf dem Wiener Kongreß sich eine großze Anzahl von Fachleuten zusammenfinden wird, um die bisherigen Erfahrungen auf diesem Gebiet aus­zutauschen und Anregung zu weiterer erfolgreicher Ar­beit zu schöpfen.

Das große Interesse, das den Aufgaben des Kon­| gresses von allen Seiten schon jetzt entgegengebracht wird, läßt darauf schließen, daß die Beteiligung auch in allen anderen Abteilungen eine sehr rege sein wird. Möge die Bereitwilligkeit weitester Streise sich mit vol­ler Straft und Arbeitsfreudigkeit in den Dienst der Näch­stenliebe zu stellen, allen auf dem Kongreß vertretenen Kulturländern in immer steigendem Maße bis in die fernsten Zeiten beschieden sein.

von besonderer Bedeutung. Die Hauptaufgabe der Zentralstelle besteht in der Ueberwachung der Jn standhaltung der Rettungsapparate auf den Gruben und der Ausbildung der Rettungsmannschaften. Unter den| übrigen Aufgaben der Hauptstelle ist noch die Unter= suchung, Prüfung und Begutachtung von Geräten und anderen Zweigen des Grubenrettungswesens hervorzu heben. Die starke Zunahme der für den Grubenrettungs­dienst ausgebildeten Mannschaften und der zur Verfüg­ung stehenden Rettungsapparate legt Zeugnis ab für die ernsten Bemühungen, das Grubenrettungswesen zu vervollkommnen. Während im Ruhrkohlenrevier bei Einrichtung der Rettungszentrale Anfang Oktober 1910 Mannschaften vorhanden waren, beträgt heute die Zahl etwa 800 Rettungsapparate und 2500 ausgebildete der Rettungsapparate rund 1100 und die Zahl der ausgebildeten Rettungsmannschaften rund 4000; in einein Zeitraum von etwa 2 Jahren ist mithin eine Zu­um etwa 300 Apparate und 1500 Mannschaf tet zu verzeichnen.

Der Zweck dieser internationalen Beratungen ist in Frankfurt in hervorragendem Maße erreicht wor­den. Außer Deutschland waren 22 Staaten auf dem Kongres vertreten und zwar Argentinien, Belgien, Bul­garien, China, Dänemark, Aegypten, England, Frank- nahme reich, Griechenland, Japan, Italien, Niederlande, Nor­wegen, Desterreich- Ungarn, Portugal, Rumänien, Ruß­

demarkt lan's, Schweden, Schweiz, Serbien, Spanien und die

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Vereinigten Staaten von Nord- Amerika. Die Zahl der Teilnehmer belief sich auf etwa 1000. Für die Ver= handlungen des Wiener Kongresses sind 10 verschiedene Abteilungen gebildet worden, von denen Abteilung 6, die sich mit dem Rettungswesen im Bergbau und verwandten Betrieben befaßt, namentlich in der Berg­werksindustrie besonderes Interesse finden wird.

In den letzten Jahren ist das Interesse für das Grubenrettungswesen ganz außerordentlich gewachsen. Die zunehmende Intensität des Bergbaubetriebes räumlicher Erweiterung der Grubenbetriebe und das Fort­schreiten in größere Teufen hat das Bedürfnis nach Rettungsvorkehrungen und die Schwierigkeiten des Ret­tungsdienstes erheblich gesteigert. Aus zahlreichen wich­tigen Bergbaubezirken ist über die Einrichtung von Ret­tungszentralen berichtet worden, die im Falle eines Gru­benunglücks der schwer betroffenen Zeche zu Hilfe kom men sollen. Auch die Behörden haben sich der Frage des Grubenrettungswesens angenommen und haben, teilweis mit Hilfe der Gesetzgebung oder, wie in Deutschland, durch die Bergpolizeiverordnung, Maß­nahmen zu ihrer Organisation getroffen.

In Deutschland hat man der Beschaffung von Reb tung: apparaten schon seit einer Reihe von Jahren große Aufmerksamkeit gewidmet. Zahlreiche Bergwerksverwal­tungen haben für ihre Gruben besondere Rettungstrup­pen gebildet und in einigen Bergwerksbezirken wie im Ruhrrevier, oberschlesischen-, niederschlesischen- und Aa­chener Revier sind Rettungszentralen geschaffen worden. Für den rheinisch- westfälischen Steinkohlenbezirk ist die

Das Glückskind.

Roman von Freve von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

1X.

Der unvergleichlich schöne Pfingstsonntag blieb allen in angenehmer Erinnerung, und wie viele noch schönere Tage hatte er im Gefolge.

So oft Röschen auch ihr Lieblingsplätzchen im Walde aufsuchen mochte, immer gesellte sich Dr. Mall­far zu ihr. Im Anfang hielt sie es für Zufall, daß er gerade immer zu der Zeit in den Wald ging, wo sie träumend auf der alten, moosbewachsenen Bant saß. Denn daß der Mann stundenlang, ohne ungeduldig zu werden, hinter dem Vorhang stand und nach ihr aus­spähte, wußte sie ja nicht, wie sie auch nichts davon wußte, daß die Flamme verzehrender Leidenschaft in dem Herzen des stillen Gelehrten mächtig emporloder= te. Doch nach und nach begann in ihr eine Ahnung kommenden, unsagbaren Glückes aufzusteigen, die sich ihrem ganzen Wesen mitteilte.

Die kluge Försterin hatte längst, ehe Röschen selbst es wußte, wahrgenommen, wie es um ihren Liebling stand. Sie freute sich im Stillen, daß es so gekommen, denn nun brauchte man den Gedanken an eine Tren­nung, der immer von Zeit zu Zeit wie ein Schreck­gespenst aufgetaucht war, nicht mehr zu fürchten.

Einigemale schon war Röschen in Begleitung des Onkels und der Tante Therese im Seeschlößchen ge= wesen. Wie hatte sich dasselbe herausgeputzt, und noch immer war es dem Besizer nicht schön genug. Die Zimmer, welche die unglückliche Adeline einst bewohn­te, waren freilich fast unverändert geblieben, aber da­für prangten die übrigen Gemächer in einer fast blen= denden Pracht. Alles, was Neichtum und Luxus zu er­finnen vermag, war hier aufgestapelt worden. Ueber den fleinen See führte an Stelle der hölzernen

Auf dem Wiener Kongreß werden für die Aufga­ben und den Inhalt der Verhandlungen in Abteilung 6 folgende Anhaltspunkte dienen:

Die am häufigsten beim Bergbaubetriebe vor= kommenden Verletzungen. Unfallmelde dienst. Erste Hilfeleistung und ärztliche Versorgung. Art und Be­reitstellung von Verband- und Hilfsgeräten. Ver­bandsstationen. Beförderung der Verletzten in der Grube und obertags. Hilfsgeräte. Improvisationen. Rettungsdienst bei Grubenbränden, Gas- und Koh­lenstaub- Explosionen, ferner beim Auftreten unatem barer Gase. Atmungsapparate( Rettungsapparate) nebst Zubehör, Einrichtung, Prüfung und Gebrauch. Wiederbelebungsapparate. Unterirdische Rettungstam mern. Rettungsstationen. Uebungsräume. Organisa­tion des Rettungsdienstes. Auswahl und Ausbild­ung der Rettungsmannschaften. Wasser, Schwimm­sand- und Schlammeinbrüche. Sicherung des Rück zuges der Mannschaft. Telephonische oder telegra phische Verbindung der Grubenräume mit den Tagan­lager Dienstanweisungen für Rettungsmannschaften und die Arbeiterschaft. Grundsätze für Rettungsaktio­nen insbesondere bei Katastrophen. Gefahren bei Tunnel- und Caissonbau, die häufigsten Erkrankun gen, ihre Vorbeugungs- und Hilfsmittel. Rettungs= dienst und Rettungsarbeiten bei Verschütteten. Lage und Lebensbauer von Verschütteten. Aussicht auf Rettung, Kennzeichen des eingetretenen Todes.

Hatten schon die Verhandlungen über das Rett­ungswesen im Bergbau in Frankfurt einen besonders starken Besuch aufzuweisen, so ist mit Sicherheit zu er­

wackeligen Brücke, eine eiserne, und jenseits derselben hatte Dr. Malljar noch ein großes Stück Land ange= tauft, das zu einem herrlichen Garten umgewandelt worden war.

Er ließ ein Gewächshaus bauen, in dem fremd­ländische Pflanzen gezogen wurden, die dem eigens dazu augestellter Gärtner zur Besorgung oblagen.

Derselbe erlebte freilich wenig Freude an seinen Pfleglingen, die man für schweres Geld überall her­tommen ließ. Denn faum, daß eine zarte Blüte sich erschloß, wurde sic auch schon abgeschnitten und nach dem Forsthause geschickt.

Mit merkwürdiger Bereitwilligkeit erbot sich Le­brecht stets, den Gang dorthin zu machen: freilich kam dadurch manche Blame an die falsche Adresse. Rös­chen hatte auch wirklich so viel, daß es nichts schadete, wenn Kathi auch hie und da mal etwas erhielt.

Die beiden, Lebrecht und Kathi, waren überhaupt längst einig miteinander. Lebrecht hatte gar bald ver­geffen, daß es einmal eine Zeit gegeben, wo er die Wei­ber gehaßt, und sie unnüße Geschöpfe" gescholten, denn Kathi, ja das war allerdings eine Ausnahme.

Nur darüber war Lebrecht sich nicht klar, wie er seinem Herren beibringen sollte, daß nun, ja, daß die Kathi und er zusammen heiraten wollten. Aber einmal rückte er doch mit der Sprache heraus. Als sein Herr mit den vergnügten Gesicht, das er jetzt immer zeigte, eines Tages nach Hause kam, und, seinem treuen Diener lebhaft zunickend, sagte: Schelte mich, Lebrecht, nenn mich einen Toren, meinetwegen, was ich Du willst, ich bin verliebt!- O niemals seit jener fürchterlichen Stunde, wo ich meine Braut in

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bu jener fürchterlich Freundes, dem ich mein ganzes Ver­

trauen geschenkt, erblicken mußte, habe ich geglaubt, daß es für mich noch ein Glück auf dieser Erde geben könnte, und nun lächelt es mir in seiner holdesten Ge= stalt. Owie schön, wie schön ist doch die Welt, Lebrecht,

Cin Brieg zwischen Bulgarien und Rumänien.

Die Forderung einer erheblichen Gebietsabtretung, die Rumänien an Bulgarien gerichtet hat, und der be­sondere Grad von Vorbereitungen für den Ernstfall, die durch die militärischen Stellen in Bukarest getroffen sind, lassen die Möglichkeit eines Waffenganges der Rumänen gegen die Bulgaren nicht von der Hand weisen. Ein höherer österreichischer Offizier, dessen Standort nahe an der rumänischen Grenze liegt, gibt dazu die folgende interessante Schilderung:

Die zahlreichen Soldaten rumänischer Herkunft in Desterreich- Ungarn gehören zu den besten und treuesten Sie des Habsburgerreiches und zu den feschesten. haben im Revolutionsjahre 1849 auch unter den schwie­rigsten Verhältnissen sich bestens als treu kaiserlich be= währt. Sie sind ungemein abgehärtet und namentlich in Rumänien selbst recht enthaltsam von geistigen Ge= tränke. Das Auftreten des rumänischen Soldaten ist stramm Ihre Tapferkeit haben die Rumänen bei Plewna bewiesen. Sie sind außerordentlich zähe Käm­pfer und selbst bei den Manövern weichen sie nur mit Ingrimm auf Befehl der Schiedsrichter. Wie sich ein Krieg zwischen den beiden Donaunachbarn gestalten würde, ist schwer vorauszusagen. Beide Königreiche, von deutschen Fürsten zur Blüte gebracht, sind vorzüg= lich organisiert. Ein großer Vorteil für die Rumänen bietet das südlich der Donau belegene und ihnen ge­hörende Dobrudscha- Plateau, das ein Einfallstor gegen Bulgarien bildet. Rumänien besitzt auf der Donau und auf dem Meere eine kleine Flottille. Der Uebergang aus der Walachei nach Bulgarien ist insofern er­schwert, als das bulgarische Ufer bedeutend höher, zum Teil recht bergig ist. An der Donau gibt es keine Fest­ungen mehr, dagegen ist Bukarest hochmodern befestigt. Sämtliche rumänischen Donaustationen sind vor weni­gen Jahren mit langen Kaimauern dergestalt versehen worden, daß aus den Eisenbahnwaggons sofort

- nun mußt Du dich auch bekehren lassen. Ich glaube, Du hast Talent, und wirst einen ganz respektablen Ehemann abgeben."

Da hielt der Angeredete den richtigen Zeitpunkt fitr gekommen.

" Ich, ich bin schon bekehrt von meiner Weiberhasse­ret, war es schon früher als Sie. Na, ja, ich hielt das Ganze ja längst für' nen Unsinn, aber Sie wollten doch nichts von den Weibern hören, und so schwieg ich still."

,, Seht doch, wer hätte das gedacht, also auch Du mein Brutus", lächelte Malljar gütig, und den Namen Deiner Auserwählten, willst Du ihn mir nennen?" ' S ist die Kathi, des Försters Magd, ein hübsches, braves Mädel."

" Ja, siehst Du sagte der Doktor, tein Mensch ent­geht seinem Schicksal", und reichte Lebrecht treuherzig die Hand.

Doktor Malljar glaubte in gewissen Stunden, mit Bestimmtheit voraussetzen zu dürfen, daß er wieder ge= liebt wurde, und doch hielt ihn eine unerflärliche Scheu, ein Etwas, von dem er sich selbst nicht Rechenschaft zu geben vermochte, immer wieder davon ab, die über sein ganzes zukünftiges Lebensglück entscheidende Frage an Röschen zu stellen. Bei dem Gedanken, daß sie netn" sagen könnte, fühlte der stille Gelehrte das Blut siedend heiß zum Herzen strömen, und eine fieberhafte Angst, der er vergebens Herr zu werden suchte, bemächtigte sich seiner. Wenn er sich dann in solchen Tagen selbst= quälerischer Unruhe vor Augen führte, daß er mit seinen 38 Jahren doch eigentlich nicht mehr zu den Jungen gehörte, und daß sein Aeußeres keineswegs da­zu angetan war, ein junges, faum 19jähriges Mädchen zu blenden, wenn er gar daran dachte, wie eben jenes Mädchen, als es ihn zum ersten Male erblickte, in jähem Schrecken, mit allen Zeichen des Entsetzens vor thm geflohen war, dann sank der Mut des Aermsten so vollständig, daß er nicht selten den Entschluß faßte, wieder in die Welt hinauszuwandern.( Forts, folgt.)

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