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( 28)

Gießener Zeifung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Big., vorauszahlbar, fret ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabeftellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Redaktion: Selters. Mittwoche und Samstags. 1beg 83.

Für Aufbewahrung oder Mädsendung nicht verlangter Manuffripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung". m. b. G.

Nr. 81.

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Telephon: Nr. 362.

Amtlicher Ceil.

Bekanntmachung.

Von dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten für den Bahnbau Grünberg- Londorf durch den Kreis Gießen im Jahre 1895 aufgenommenen Kapital von 80000 Mart sind per 1. März 1914 zur Rückzah­lung ausgelost die Obligationen Lit. A Nr. 30 über 1000 Mark und Lit. D Nr. 20 und 116 über je 100 Mark.

Gießen, den 29. September 1913. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Welder.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Der Kaiser hat sich am Montag zu mehr tägigem Jagdaufenthalt nach Hubertus stod begeben.

=

Herzogin Viktoria Luise zu Braunschweig und Lüneburg hat am Sonntag zum erstenmale nach ihrer Erkrankung mit ihrer Mutter, der Kaiserin, vom Reuen Palais aus einen Spazierritt unternommen. Der Gesundheitszustand der Herzogin ist so gut, daß sie be­absichtigt, an den Herbstparfocejagden teilzunehmen.

Der Bundesrat beschäftigt sich gegenwärtig mit der Frage des heimlichen Warenhan dels durch Beamte. Anlaß dazu hat eine Ein­gabe aus den Kreisen des 3igarrenhandels gegeben. Die Reichsregierung hat wiederholt durch amt­liche Erklärungen feinen Zweifel darüber gelassen, daß sie entschlossen ist, den heimlichen Warenhandel von Be­amten mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu un­terdrücken.

Der Reichskanzler soll am Samstag vor seiner Abreise nach München dem Kaiser in der braun- schweigischen Angelegenheit Vortrag gehalten haben.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 8. Oftober 1913.

Herr v. Bethmann hatte die Audienz drahtlich nachge­sucht. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß dieser Vortrag mit dem Besuch des Reichskanzlers beim bayrischen Ministerpräsidenten Frhrn. v. Hertling in Verbindung zu bringen sei, und daß ein neuer Schritt zur Entwirrung der schwierigen Welfensituation unter­nommen werden wird.

Jn braunschweigischen Kreisen ist man der Mein­ung, daß der Prinzregent Herzog Albrecht von Mecklenburg die Regentschaft mit Ablauf dieses Monats niederlegen wird. Von anderer Seite wird angenommen, daß. der Termin der Uebergabe der Regierung an den Prinz Ernst August von Braun schweig- Lüneburg sidy um einige Wochen verzögern dürfte, daß aber feineswegs das Jahr 1913 zu Ende gehen werde, ohne daß der kaiserliche Schwiegersohn den Herzogsthron in Braunschweig bestiegen habe.

Zum Statthalter von Elsaß- Loth­ringen ist nach der N. Pr.- Korr." bereits der Re­gent von Braunschweig, Herzog Johann AI­brecht von Mecklenburg, durch die Regierung desig­

niert.

Man kann damit rechnen, daß der Reichstag am 20. November seine Arbeiten wieder aufneh­men wird. Da die Session nicht geschlossen worden ist, sondern nur Vertagung eingetreten war, so nimmt der Reichstag seine Arbeiten ohne weitere Förmlichkeiten wieder auf.

Zur vermehrten Sicherung der Ostgrenze des Deutschen Reiches fordert der Etat neue Mittel für 2 Luftschiffstationen für die Heeresverwaltung in den östlichen Provinzen.

* Der Entwurf von Ausführungsbestimmungen über die Gewährung von Beihilfen an Krieg s= teilnehmer, der jetzt den Bundesratsausschüssen überwiesen ist, trifft im Einzelnen eine Regelung über die Bedingungen, unter denen die Auszahlung der Bei­hilfen erfolgen soll. Von besonderer Wichtigkeit ist die Bestimmung, daß die Zahlung an die Witwen der Beihilfenempfänger im voraus in einer Summe erfolgt,

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

Etat

die die Bezüge der Verstorbenen für die auf den Ster­bemonat folgenden 3 Monate zusammenfaßt. Für die Beihilfen sind 4 Millionen in den Etat eingestellt worden, welche Summe bis zum Schluß des laufenden Rechnungsjahres ausreichen dürfte. Der nächste wird die Summe von rund acht Millionen für die Er­höhung der Beihilfen enthalten. Jm Jahre 1912 wur­den im ganzen 29 Millionen füe Kriegsteilnehmer, die keine besonderen Verdienste aufzuweisen hatten, ausge= geben. Ihnen wurde diese Summe aus Dankbarkeit ge­währt.

Die Straßburger sozialdemokratische Freie Presse hatte eine sensationsmäßig aufgemachte, aus einem Züricher Blatt entnommene Nachricht gebracht, wonach ein Mitglied des Kaiserhauses während seiner Studienzeit in Straßburg Schuldverbindlich= keiten in der Höhe von einer halben Million Marf eingegangen sei und zur Herbeischaffung von Geldern zu ihrer Deckung Verbindung mit gewerbsmä­Bigen Geldvermittlern gesucht habe. Diese Nachricht ent­behrt, wie die amtliche Straßburger Korrespondenz, hier­zu ermächtigt, heute erklärt, jeder tatsächlichen Grund- lage und beruht von Anfang bis zu Ende auf Erfind­

ung.

Frankreich.

* Der Präsident der französischen Republik, Poin­caree, hat sich nach Spanien begeben, um die wieder= holten Besuche des Königs Alfons zu erwidern. Bei der Ankunft auf spanischem Boden in Jrung erhielt Poincarce ein Begrüßungstelegramm des Königs Al­fons.

Desterreich.

* Nach einer Blättermeldung aus Cetinje habe König Nikolaus in einer Unterredung mit dem österreichischen Gesandten von der Notwendigkeit enger Beziehungen zu Desterreich- Ungarn und sogar von einer etwaigen Anstellung österreichischer Offiziere und Beam­ten für die Dauer von 3 Jahren gesprochen.

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Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank. ( Nachdruck verboten.)

Jadwiga Ittt selbst darunter. Sie war viel zu ge= abe und offen, als daß sie nicht erkannt hätte, ste tue eth Baron unrecht. Und doch brach bei jeder Ge­egenheit ihre Gereiztheit durch, und je mehr sie da­über nachgrübelte, welches wohl der Grund ihrer Ab­neigung gegen den Baron set, desto tiefer arbeitete sie fich in dieses Gefühl hinein. Sie konnte keinen Grund dafür finden, denn sie schloß vor der letzten Erkenntnis die Augen.

Schon während der Schweizer- Reise hatte sie sich

war das ein sorgfältiges Prüfen, ein Vergleichen mit

ch bei jeder Einrein Gedanken oft mit Baron Kappel beschäftigt. Erst Massage können Sie anderen Männern. Als sie sich aber dessen bewußt ward, Seline usw. ausüben, daß dieser fühle, stolze Mann ihr Interesse in besonde= et lich geschützt, is mit aller Macht. Aber sie konnte nicht loskommen von edeutendsten Profes dem Gefühl, daß der Baron auf sie einen sehr starken en, also Vergrösser im Wachen und Träumen, sein Urteil schien ihr immer A ne und Schuller korrektheit so fühl blieb, daß er so überlegen ruhig thre Erfolg tritt ein. W unklaren Urteile richtig stellte, daß er sich so ganz und

rem Grade in Anspruch nahm, kämpfte sie dagegen an

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Eindruck gemacht hatte. Sein Bild drängte sich ihr auf das richtige zu sein. Daß er ihr gegenüber bei aller

gar keine Mühe gab, ihre Gunst zu gewinnen, das ver­lette ihren Stolz, verwundete ihr Herz. Und von dieser Beit an provozierte sie den Baron bei jeder Gelegen­beit; wenn er ihre Freundschaft nicht wollte, gut, dann wollte sie ihm als Feindin gegenübertreten. Aber es war merkwürdig, fie empfand ganz und gar feine Befriedigung darüber, Manchmal drängte sich hr der Gedanke auf, daß sie nur deswegen so verstimmt und verlegt set, weil sie sich nicht eingestehen wollte, baß sie dem Baron trotz allem gut sei. Wenn Kappel

fie manchmal bet Ttsch unvermutet ansah, dann leuch tete es auf in seinem Blid, dann lag etwas Wetches darin, dann hätte sie auffubeln mögen vor Glück und Seligkeit. Warum war er nicht immer so? Wollte er fie etwa zwingen, daß fte ihm entgegen kam? Nein, bas tat sie nicht! Ihre Liebe- das fühlte sie- war etwas Hohes, Großes, daß derjenige, bem fe zufallen sollte, sich diesen Preis schwer erringen mußte. Ste schenkte sie nicht weg, ste mußte verdient werden.

Aber das waren nur Gedanken, Regungen, gegen die sie kämpfte mit aller Macht. Und je lauter solche Ge­danken sprachen, desto kühler behandelte sie den Barc und es war nur zu bewundern, daß Kappel das all so gelassen hinnahm. Jadwiga wunderte sich selbst df= rüber. Auch der Baron dachte manchmal darüber nac aber mit der ihm eigenen Willenskraft awang er fede bitteren Gedanken nieder. Er war fest überzeugt, da auch für ihn das Glück kommen, und daß jene es ihn bringen würde, die ihm jetzt als Feinoin gegenüber­stand!

Eines Tages sagte der Graf zu seinen Töchtern und Fräulein Linrowski: Baron Kappel hat mich ein­geladen, Euch die Fabrik zu zeigen. Ich habe heute in Kochanow zu tun; wenn es Euch Bergnügen macht, so könnt Ihr mich begleiten." Slarva und das Fräu­lein waren mit Freuden bereit, Jadwiga aber schien keine rechte Lust zu haben. Doch schließlich siegte thre Neugterde; sie hätte gar zu gern gesehen, wie es in der vielgepriesenen Fabrik aussah. So fuhren sie alle hin.

Beim Baron trafen sie Dr. Sojka, der eben heraus­gekommen war. Graf Warminski sagte: Wenn Sie nach der Fabrik gehen, dann bleibe ich hier und sehe mir in aller Ruhe die betreffenden Schriftstücke durch, die ich zu unterzeichnen habe." Das geschah denn auch. Der Baron begab sich mit den Damen in die Fabrik und Dr. Sojka schloß sich ihnen an. Kappel zeigte ih=

nen das Interessanteste und erklärte es ihnen sowett, ald es für Laten 8wed hat. Dr. Sojka war sehr aufmert. sam. Hier und da blieb er auch ein Weilchen zurüd und besah sich Transmissionen und Wellen, Laufriemen und Maschinentetle, sagte aber nichts. Erst als sie ben großen Maschinenraum verlassen hatten, wandte er sich an den Baron und sagte:" Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Baron, daß ich mir eine Bemerkung er laube: ich glaube die Sicherheitsvorrichtungen reichen nicht aus." Das klang fest und überzeugt.

Auf dem Gesicht des Barons war für einen Augen­blick der Unmut ausgeprägt, den die Worte des jungen Mannes in thm hervorgerufen hatten. Ein stolzer, abweisender Zug war in sein Antlig gekommen, und seine Augen sandten scharfe, falte Blicke auf den Arzt. Jai viga beobachtete das, und ihr war der Baron in diesem Augenblick unsympathisch, fast fürchtete sie sich vor ihm.

Nach kurzem, peinlichen Schweigen sagte der Baron: ,, Sie können recht haben, Doktor, aber wir haben ge= tan, was in unseren Kräften stand. Das können Sie mir glauben, und Sie können versichert sein, daß mir Leib und Leben ebenso nahe gehen wie Ihnen."

Er hatte das mitt leicht vibrierender Stimme ge­sagt. Er war verlegt, das lag auf der Hand, das em pfand auch Dr. Sojka. Um einzulenten sagte er: Herr Baron, ich wollte ja absolut nicht kritisieren, glauben Sie mir das, ich wollte nur aussprechen, wovon ich überzeugt war, daß es Ihnen vielleicht entgangen sein könnte. Bei einem so großen Unternehmen können nicht alle Kleinigkeiten erwogen und in möglichster Vollkommenheit sofort ausgeführt werden."

Indem tam der Graf, und der Zwischenfall war erledigt. Der Bn selbst war bemüht, thn verges= sen zu machen, denn er behandelte den Arzt, als ob nichts vorgefallen wäre, vielleicht noch wärmer als vorhin.