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Kirchenplatz
Gießener Zeitung
Bezugspreis 25 pfg. monatlich
( Neuefte Nachrichten)
vi rieljährlich 75 Pig., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierreljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nigt verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b..
Nr. 47.
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Telephon: Nr. 362.
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 11. Juni 1913.
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( Gießener Tageblatt)
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die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reflame Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Mabatı kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Vlapvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.
Telephon 9tr. 862.
25. Jahra.
auf dem arünen Rasen errichtete Rednertribüne hinauflitärischer Promptheit erscholl der dreimalige Heilruf der seiner gewohnten roten Husarenuniform, ider Stimme eine kurze Ansprache: ag des Jubels für Deutschland ist ge= Tag der Freude für unser ganzes Vas deutsche Stadion ist erbaut als Stätte fämpfe, berufen zur Förderung der Körzur Stählung des Willens. Die ganze rtgenossenschaft ist allezeit bereit für des rlichkeit. Wir huldigen Eurer Majestät örderer des Sports und rufen begeistert riser Hurra!"
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del, wie der schrieb und das ganze Kriegsleben schilderte, man konnte wirklich auf den Gedanken kommen, es ginge nicht ärger her als im Manöver. Wenn die Belt ungen nur nicht so ganz anders berichteten! Da= mach müßten die letzten Tage von Mars- la- tour, GraveLoffe, Vionville usw. ja ein furchtbares Hinschlachten und Blutvergießen gewesen sein. Zum Sonntag traf wieder eine Feldpostkarte aus Frankreich ein. Hans Gerichtete von einem kühnen Patrouillenritt.
Dann verging längere Zeit, ohne daß er irgend ein Lebenszeichen von sich gab. Vielleicht war manche Satte sehr beschwerlichen Dienst und wenig Zeit zum
Din ich geblieb arte auch verloren gegangen. Er lag nun vor Metz, nd hervorrage Shreiben übrig. Hermine bekam freilich öfters wenig
haben!
Fens eine furze Nachricht, stets mit der Bitte, dieselbe auch nach dem Eichhof zu übermitteln. Doch das gehah sehr selten.
Stadionversammlung erhob sich und I begeistert in den Hurra- Ruf ein. jurra verklungen war, erhob sich im WeWolfe. Zugleich ertönte von oben herab Motorfnattern eines Doppelzweideckers. den zehntausend aufgelassenen BrieftauIviatiker seine Kreise, um die geflügelten die Kunde von der Eröffnung des Stan Richtungen der Windrose trugen, nicht m der Hauptaft der ganzen Veranstal
gung der Sportvereine vor dem Kaiser.
der Fahnen hatte schon vor Erscheinen s in der Arena Aufstellung genommen r hatten die Herrschaften durch gemeinten und Flaggenschwenken begrüßt. 3u rbeimarsches formierte sich zunächst die schaft, die durch zirka 10 000 Mitglieder freisen vertreten war und das deutsche ner mit sich führten. Es folgte der deut-Bund mit zirka 400 Mitgliedern. Weier Deutsche Schwimmverband und der verband für Schwerathletik. Es folgte idfahrerbund, der durch etwa 2000 Mit tlichen 43 Gauen des Bundes vertreten ders durch die Menge der mitgeführten Die Deutsche Sportbehörde für Athleh den buntfarbigen Dreß ihrer Mitgliefte Anireten. Der Deutsche Fußballbund, portkleidung, stellte zirka 4000 Teilnehiden Vereine waren der Deutsche Eiser Deutsch- akademische Bund für Leibeser Deutsche Stiverband, dessen MitglieSchneeschuhe geschultert trugen. Hier schob 100 Bannern die Turnerische Deutsche in. Es war ein wunderbarer Anblick, tittagssonne auf die buntfarbigen Pelelizenden Schläger fiel. Mit beinahe mi
jer Semptembertag war es heute. Stine er Stube und fühlte so eine Unruhe in sie etwas sehr unerfreuliches. Das war h, denn der Briefträger hatte ihr gesagt, oßer Brief von Hans an Hermine ange= abend. Bei demselben hätte noch ein as dem Vater gleich überbracht werden nun niemand gebracht, weder gestern ie es sich gehört hätte, noch jetzt, wo es ir, so befürchtete Stine eine traurige sie es dem alten Briefträger nicht vernicht zu verraten, was er ausgeplauje sie natürlich längst zum Krug gelauo hieß es geduldig warten.
ucht hinter der Scheune eine Mädchenist Hermine. Und ihr Gesicht ist heiter jottlob, cs, fann nichts schlimmes mit ruft Stine da aus, und ein Stein fällt
eine urplötzliche Veränderung ist das! Wie Hermine eintritt, da ist ihr Gesicht verwandelt. Tränen füllen ihre Augen und sie scheint zu Tode betrübt. Da nimm, lies selber!" ruft sie aus, und Grou und Born liegt in ihrer Stimme. Warum mußte er mit ins Feld? Hätte er nicht reklamieren können, wie alle Vernünftigen ihm rieten? Ja, fich mich nicht so geistreich an! Ich weiß wohl, daß Dir das sehr nahe gehen wird. Wenn er überhaupt nochmal wiederkommt, humpelt er auf einem Stelzfuß umher; auf einem Steizfuß, hörst Du? Du kennst doch den alten Rasmuß, den sie Peter- Korporal nennen, gerade so wie der sieht er dann aus. Schrecklich ist das, ich habe als Kind vor Beter- Korporal mit dein Holzbein immer furchtbare Angst gehabt."
Stine war so vertieft in den von einem Kameraden des Schwerverwundeten geschriebenen Brief, daß sie kein Wort vor Hermines Gerede hörte. Weitschwei
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Chargierten, wofür der Kaiser durch besonderes Hervortreten aus der Loge dankte. Einen besonders sympathischen Eindruck machte der Schluß des Festzuges: der Jungdeutschlandbund, vertreten durch alle einschlägigen Organisationen. Neben dem erwachsenen Schüler der höheren Lehranstalten marschierten da Dreikäsehochs von 5 Jahren, deren drollige Erscheinung mit dem weiten Pfadfinderhut stürmischen Beifall auslöfte. Mit beſonderem Beifall wurden auch begrüßt die jungen Turnerinnen, die, gleichmäßig in weiße Bluse und dunkle Beinkleider gekleidet, in der Gruppe der Deutschen Turnerschaft marschierten.
Sportliche Vorführungen.
Nachdem der Festzug die Arena verlassen und die Festzugteilnehmer mit ihren Bannern die freigebliebenen Plätze des Rundbaues eingenommen hatten, begannen die sportlichen Vorführungen. Sie wurden eingeleitet von zwei zusammengestellten Kompagnien des Garde= forps, die im Laufschritt die Arena betraten und Vorführungen im Eskaladieren zeigten. Reihenweise wurde der Tiefsprung von 2,50 Metern, Kletterwände von 2 und 4 Metern, sowie im einfachen Sprung eine Hürde von 90 Zentimetern genommen. Als die beiden Kompagnien wieder im Laufschritt die Arena verließen, setzte minutenlanger stürmischer Beifall ein. Es folgte das Turnen in Freiübungen und an Geräten von zirka 800 Frauen und Mädchen der Deutschen Turnerschaft, das besonders im Keulenschwingen ein sehr malerisches Bild bot. Der Jugendlauf der Turn- und Sportvereine Berlins und Umgegend, und zwar nur Mitglieder unter 18 Jahren, sah zirka 2000 junge Leute am Start. Es folgte das Vereins- Mannschaftsradrennen des Deutschen Radfahrerbundes, für das sieben Vereine mit je sechs Fahrern Nennungen abgegeben hatten. Ziemlich leicht gewann der Berliner Radfahrer- Klub„ Concordia", der von Anfang an eine führende Stellung eingenommen hatte. Danach marschierten in die Arena 50 Mann einer Musterriege des Reichsverbandes für Schwerathletik. Die Repräsentanten dieser Riege waren lediglich von der Firma Krupp- Essen gestellt worden. Es handelte sich auch um richtige„ Kanonenmänner" und sie hantierten mit den 50- Pfund gewichten wie mit Gummibällen. Großen Beifall fand auch das Stafetten- und Mannschaftslaufen. Auf der westlichen Seite der Tribünen, auf der die bayerischen Landsleute Platz genommen hatten, erscholl stürmischer Beifall, als die Farben blau- weiß durchs Band gingen. Nicht minder lebhaft war die Zustimmung der Zuschauer, als im 1500- Meter- Mannschaftslaufen die Stadtfarben Berlins weiß- rot durchs Band getragen wurden. Nunmehr kam die Deutsche Turnerschaft an die Reihe, die zunächst Freiübungen
fig und umständlich beschrieb der Ulan, daß der Unteroffizier Hinrichsen, den alle gleich lieb hatten im Regtment, bet einem Ausfallgefecht einen Schuß durch den rechten Oberschenkel und einen in die Brust bekommen hätte. Das Bein müßte höchstwahrscheinlich amputiert werden, wenn der Schwerverwundete überhaupt mit dem Leben davonkäme.
Dann war da noch ein Zettelchen, das des alten Hinrichsen Adresse trug und mit Bleistift beschrieben war. Hans selber hatte in faum leserlicher Schrift einen Gruß derauf gefrigeft, einen Gruß an den Vater und an seine treue Schwester Stine. Man konnte sehen, daß er noch mehr hatte schreiben wollen. Aber die Kraft mußte nicht gereicht haben.
Mit zitternder Hand reichte Stine der andern den Brief wieder. Dann stürzte sie hinaus, um Hermine ihre Tränen, ihren Schmerz nicht sehen zu lassen.-
„ Das ist unverschämt, mich hier einfach so stehen zu lassen! Die will noch leugnen, daß sie in Hans verliebt ist? Wag sie ihn friegen mit seinem Stelzfuß!" So rafonnierte Hermine und ging wieder.
Als Hinrichsen zum Mittag vom Feld kam und hörte, was passiert war, da schien er seinen Verstand gänzlich zu verlieren. Der große, starte Mann weinte und schluchzte wie ein fleines Kind und zeigte die größte Lust, sich auf den Weg zu seinem Sohn zu machen.
Er lief nach dem Krug, wollte den Brief selber lesen und tonnte nicht verstehen, daß Hermine und ihre Mutter so ruhig waren. Da trat auch Thorö ein, der bereits alles wußte. Er heuchelte aufrichtig Teilnahme und suchte den Verzweifelten auf alle mögliche Weise zu trösten. Nein, der Müller konnte fein schlechter Mensch sein. Man hatte ihm entschieden Unrecht getan. Zu dieser Ueberzeugung fam Hinrichsen auch heute.
( Fortjeßung jolgt.)


