Ausgabe 
30.11.1912 Zweites Blatt
 
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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Mittwochs und Samstags. weg 83.

Erscheint Redaktion: Selters. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. D.

Nr. 96. 2. Blatt.

Krämertum und Konsumvereine.

von

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 30. November 1912.

| flame machen will: uns fommt es lediglich darauf an, festzustellen, daß das Verhalten der Kleinfaufleute viel­steht, die in dem erwähnten Jahresbericht der Rabatt­fach in tatsächlichem Widerspruch zu der Auffassung sparvereine zum Ausdruck gebracht wird.

Literarisches.

?" Pflicht." Roman von Fedor v. 3obelti. Illustriert von M. Barascudts. Preis geheftet Mt. 3, gebd. M. 4. Carl Krabbe Verlag, Erich Grümann, Stuttgart. Wenn Fedor von Zobeltit sich auf dem Boden seiner engeren Heimat, der brandenburgischen Mari, bewegt, ist er als Schilderer am glücklichsten. Er kennt den Junker so gut wie den Bauer in seiner Eigenart, und gerade in diesem dramatischen Kultur­bilde mit seinem farbig gemalten Hintergrunde und sei­ner figurenreichen Staffage führt er prachtvolle Typen aus der agrarischen Welt vor Augen. Die Leute aus dein Herrenhause und dem Lehnschulzenhofe sind strok enden Lebens voll, und um sie gruppiert sich eine Fülle reizroll geschilderter und origineller Erscheinungen wie beispielsweise der alte Kantor, der köstliche Raugraf, der wilde Kosinsky. Vortrefflich gezeichnet sind auch die weiblichen Figuren; vor allem aber wirkt der heimische Einschlag, das Bodenständige, die intensive Landlust so erquicklich. Der Roman ist im besten Sinne spannend und wird viele Freunde finden.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pfg.

die 44 mm breite Inseratenzette.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Blanvorschriften obne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlansdruckerei.

Telephon Nr. 862.

24 Jabrg.

Diderauge beglückt, die namenlosen Zauber der römi­schen Campagne, der lateinischen Küste und der Insel­paradiese des Mittelmeeres auf sich wirken lassen! Aber die Originalausgabe war teuer und entzog sich dadurch der weiten Verbreitung, die ein Schriftsteller wie Gre gorovius beanspruchen darf. Da war es denn ein über­aus glücklicher Gedanke, das Gesamtwert in einer Aus­wohl vorzulegen, die in zwei Bänden die glänzendsten vereinigt und in dieser Form ein klassisches Bilderbuch und populärsten Kapitel zu einem einheitlichen Ganzen der berühmtesten und besuchtesten Stätten Italiens bil­det. Dem Jtalienfahrer eine föstliche Vorbereitung und Erinnerung, dem Leser daheim eine herrliche Fata mor­gana des Landes, das jeder Deutsche noch immer mit der Seele sucht, ist diese Neuausgabe der Wander jahre" bei ihrer vornehmen Ausstattung und ihrem mä­Bigen Preis eines der schönsten Geschenkwerke zum be­vorstehenden Weihnachtsfest.

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Der diesjährige Jahresbericht der Rabattsparver­eine enthält u. a. eine Auseinandersetzung mit den Kon­fumgenossenschaften, worin es u. a. heißt: Wir verken­nent nicht, daß in unserem Stande manche Erscheinun­gen geeignet sind, die Kritik herauszufordern; aber wir wehren uns dagegen, daß, wie es vielfach geschieht, in der von unseren Gegnern herbeigeführten Besprechung der Detailhandelsverhältnisse stets allgemein als überlebten, unberechtigten wirtschaftlichen Erscheinungen gesprochen wird. Die geslissentliche Herabsetzung, welche die Führer und Publizisten der Konsumvereine 3. B. schon dadurch unserem Stande antun, daß sie ihm stets die Bezeichnung ,, Krämertu m" beilegen, die in ihren Schriften immer generell wiederkehrende Behauptung, der Detailkaufmann gebe bei schlechter Bedienung schlechte Ware zu unrichtigem Gewicht, wirkt derart verheßend auf die leicht betörte Menge, daß hier von einer sachlichen Gegnerschaft nicht mehr gesprochen werden kann. Wir ? Dr. Eccartus: Unser aller Sorgen­müssen auch an dieser Stelle der sozialdemokratisch ge kind, die Volksschule". Eine Kritik des deut­färbten Konsumvereinsbewegung den schweren Vorwurf schen Volksschulwesens in pädagogischer, finanzieller, po­machen, daß ihre Führer oft gegen ihre Ueberzeugung litischer und religiöser Beziehung, verbunden mit einer unseren Stand herabsetzen, während sie wissen, daß die Untersuchung gewisser Volksschullehrereigenschaften, zirka inneren Verhältnisse im Konsumvereinsleben die zur 300 Seiten, Mt. 2.80. Jn Leinen gebunden Mt. 4.-. Schlacken! Schau: getragene Ueberhebung nicht rechtfertigen. 3u Verlag von Walther Fiedler, Leipzig. Diese der Feder verurteilen ist ferner die Art, wie sie in öffentlichen Ver­eines Fachmannes entstammende Schrift behandelt Fra­Sammlungen stets behaupten, gegen das leistungsfähige gen, die gegenwärtig brennend nach Lösung schreien Geschäftsleben nicht Front machen zu wollen, sondern und sozusagen auf aller Lippen liegen; sie fordert eine nur gegen das im Zwergbetriebe vorhandene, während Reform des gesamten deutschen Volkssth u I= Wie entstanden die Salzlagerstät­in ihren Schriften, besonders im Konsumgenossenschaft­wesens. Unbeirrt durch Schlagworte und unter schar­lichen Volksblatt", dieser Unterschied fast nie gemacht ten? Die in Deutschland in großer Menge vorkom­fer Kritik aller unberechtigten Erscheinungen verlangt sie menden Kalisalzlager sind von der allergrößten ökono- zunächst eine vernunftgemäße Begrenzung des Volks­wird. Das gesamte Agitationsmaterial der Konsumver­einsbewegung ist im wesentlichen begründet auf Vermischen Bedeutung für den Ackerbau der ganzen Welt, schulzicles und tritt des weiteren ein für eine gesunde dem sie das für den Pflanzenwuchs nötige Kali geben Erziehung zu kraftvoller Frische u. a. durch weise Be­adtung unseres Standes und auf dem über­und besonders für Deutschland, welches durch seinen schränkung der Unterrichtszeit; daher bekämpft sie aller­heblichen Glauben, er sei ein unnütz preisverteuerndes Wesen. Diese Grundtendenz gibt unserer Organisation Reichtum an Kaliſalz eine Art Monopol in der Kali- hand Ueberbürdung, Ueberschulung und Gängelei; sie industrie erhalten hat. Aber trotzdem Industrie ind natürlich auch die Richtung ihres Kampfes und man tani. es uns nicht verargen, wenn wir alle Erscheinun- Wissenschaft sich mit der Salzfrage aufs eingehendste be­gen aus dem Konsumvereinsleben, die unserer Aufſaſ- Schäftigen, ist man über mache Eigentümlichteten Salzrorkommen noch im Unklaren. In der sondern wenigeres gründlich! Sie wendet sich ferner ge­fung Recht geben, als Beweismaterial gegen unsere Wi­Nummern der Umschau", Wochenschrift über die dersacher benutzen. Es ereigneten sich zum Beispiel im Berichtsjahre eine Anzahl von Konsumvereinskonkursen, Fortschritte in Wissenschaft und Technik in Frankfurt o. M., schildert Professor Dr. Svante Arrhenius, der be­bei denen die Mitglieder starke Einbußen erlitten. Ver­untreuungen von Vereinsgeldern waren nicht selten fest- rühmte schwedische Physiker in hochinteressanter Weise zustellen und ebenso eine durchaus verwerfliche Einwirk- feine Ansichten über die Vorgänge bei der Salzlagerbil ung von seiten der Einkäufer auf die Lieferanten zur dung. Die älteren Forscher nahmen an, daß die Schich ten durch vulkanische Eruptionen in die Höhe getrieben Erzielung persönlicher Vorteile. In unerhörter Weise ist worden sind und sich hiermit die Verbiegungen der ferner die in einigen Artikeln infolge der Mizernte ein­Salzschichten erklären. Eine ganz andere Meinung ver­getretene Teuerung von dem Konsumvereinswesen aus­tritt jedoch Arrhenius. Anfangs lagen die Salzschichten genutzt worden, obgleich nirgends festgestellt wurde, daß die Konsumvereine im Durchschnitt billiger verkauften, horizontal. Durch chemische Einflüsse, wodurch die Salz­Bericht konstatiert schließ- tonschichten teilweise plastisch wurden, entstanden in den als der freie, anabattſparvereine in ihrer einheitlichen Schichten Buchtungen und Einriſſe. Nun fanten die schweren Bergmassen, die auf diesem Breibett ruhten, Rabattgewährung einen starken Ausgleich gegenüber der tmmer tiefer und drückten den Salzbrei vertikal nach Zugfraft der Konsumvereinspropaganda besitzen. oben.

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Man sollte nun meinen, daß die dem Verbande der Rabattsparvereine und dem Detaillistenverband an­geschlossenen Kaufleute auch tatsächlich die Konsequenzen aus dem oben Gesagten ziehen und ihr Verhalten vor allem gegenüber der die Konsumvereine unterstützenden sozialistischen Presse danach einrichten würden. Leider ist das Gegenteil der Fall! Die sozialdemokratischen Blät­ter erfreuen sich, trotz ihrer maßlosen Hezze gegen die Detaillisten und trotz ihrer ständigen Unterstützung der gegen den Kleinhandel gerichteten Boykottbewegungen, der Sympathie der Detaillisten in Gestalt von Insera­tenaufträgen in steigendem Maße, und die Jronie des Schicksals will es nur allzu häufig, daß im redaktio= Blätter in der gemeinſten Weise über nellen Teil dieser das Krämertum" losgezogen wird, während im In­seratenteil derselben Nummer dieses gleiche Krämertum Es muß an sich jedem Ge­seine Waren anpreist. schäftsmann überlassen bleiben, auf welche Weise er Re­

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anerkannt vorzügliches Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Katarrh. Die Stimme wird klar und gekräftigt. Liebling aller

Redner, Sänger etc. Preis Mk. 1.50 in Apotheken. Wo nicht erhältlich, wende man sich Ferromanganin­Gesellschaft Frankfurt a. M.

an

wendet sich gegen die Ueberladung des Volksschulunter­richts mit allen möglichen Fächern und gibt wieder die

faſt vergessene Losung aus: Nicht vielerlei oberflächlich,

die

gen die Massenpädagogik, die unter schweren Opfern die Minderbegabten zu fördern sucht, dabei aber Besten schmählich vernachlässigt. Auf finanziellem Ge­biete betont sie Freigebigkeit im. Notwendigen, sucht aber allseitig die Grenzen der Rentabilität der Bolfsschulaus­gaben zu zeichnen und weist hin auf Wege berechtigter Sparsamkeit; denn eine schwere Sorge bildet die Tat- jade, daß bei Erfüllung aller Lehrerforderungen die 3ahl der Lehrpersonen an den deutschen Volksschulen von jetzt etwa 186 000 auf mindestens 421 000 steigen, die Kosten des Volksschulwesens sich aber nahezu auf das Millionen auf al 3 Milliarde erhöhen würden. Ferner wird bef übertriebene 3wang des Staates gegenüber den Gemein­den verurteilt und das Recht öffentlicher Kritik gewahrt durch die Forderung der Deffentlichkeit alles Unterrichts. Auf politischem und religiösem Gebiete befürwortet diese Schrift vom Standpunkte eines positiven Liberalismus aus eine Erziehung zu wahrhaft vaterländischer und ernster religiöser Gesinnung; hinsichtlich des Verhältnis­ses von Kirche und Schule erörtert sie die Trennungs frage und fordert vorläufig die Aufhebung des Volks­schillehrermonopols auf Kirchendienst beliebiger Art. Alle wichtigeren Fragen werden illustriert durch den Vergleich mit dem Auslande. So ist es denn ein Buch für alle Eltern, die über Fragen der Bildung und Er­ziehung ihrer Kinder wirklich nachdenken.

? Ferdinand Gregorovius, Wan derjahre in Italien". Auswahl in zwei Bän­den mit dem Porträt des Verfassers, zwei Karten und einem biographischen Nachwort von Dr. H. H. Hou ben.( Einbandzeichnung von Erich Gruner.) Leipzig, F. A. Brockhaus. 1.- 4. Auflage. 2 Bände. Broschiert Mr. 6., geb. Mt. 8. Die deutsche Literatur besitzt zwei klassische Werke über Italien, die in der ausge­wählten Bibliothek feines Gebildeten fehlen dürfen und vor allem dem unentbehrlich sind, der sich auf eine Jta­lienreise als auf ein Erlebnis von unvergleichlichem gei­stigem Gewinn vorbereiten oder die dort gewonnenen Eindrücke in schöner Erinnerung immer aufs neue ge­nießen will: Goethes Italienische Reise" und die Wan­derjahre in Italien" von Ferdinand Gregorovius. Als der erste Band dieser Wanderjahre" 1855 im Verlag F. A. Brockhaus erschien, erregte diese eigenartige misch­ung von unnachahmlicher poetischer Landschaftsschilder­ung und phantasievoller Geschichts darstellung und der an antilen Mustern gebildete Stil von monumentaler Ein­fachheit allenthalben Bewunderung, und durch das auf 5 Bonde erweiterte Werk hat sich Gregorovius einen hervorragenden Platz in der Weltliteratur erobert. Wie­viel tausende begeisterte Leser sind seitdem unter seiner Sachlurdigen Führung in Wirklichkeit oder auch nur in Gedanken durch die ewige Stadt gepilgert, haben seiner Hand Ravenna oder Neapel, Pompeji oder Gen­zano, Amalfi oder Sorrent besucht und, mit seinem

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